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Samstag, 02 Dezember 2017 12:26

Skurrile Schatzsuche dreier Schurken

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Lisa Nossek und Ronny Thalmeyer Lisa Nossek und Ronny Thalmeyer © Photo: Thomas Müller, Deutsches Theater

Premiere von „Winnetou und der halbe Abt“ von Lars Wätzold

Mein einziger Bezug zum Western ist der Fakt, dass ich damals bei meinem Großvater eine beträchtliche Sammlung an Werken von Karl May gesehen habe. Die Möglichkeit eines tieferen Einblicks in die Materie bot sich mir aber nun – wenn auch nur in Teilen – in dem Stück „Winnetou und der halbe Abt“, mit dem Lars Wätzold am vergangenen Donnerstag im Deutschen Theater als Autor und in der Regie debütierte. Im Mittelpunkt der Komödie steht die skurrile Schatzsuche dreier Schurken im Wilden Westen.

Was wäre ein Western ohne anständige Ganoven? Der General (Thomas Rühling) und seine Handlanger Hank (René Anders) und Bill (Martin Liebetruth) nehmen den gebrechlichen Bettler Potter aus wie eine Weih­nachtsgans – inklusive Blinddarm – und finden den Teil einer Schatzkarte. Zu dumm nur, dass Potter von dem eher einfach gestrickten Hank erschossen wird, ehe er sagen konn­te, wo sich der an­dere Teil der Karte befindet. Nachdem die sympathisch-dümmlichen Helfer seine Pläne mehrfach torpedieren, soll der General am Ende aber doch zu seinem Schatz kommen.

Auf der guten Seite haben wir Winnetou (Ronny Thalmeyer), der schwer aus der Fassung zu bringen ist und nur Emotionen zeigt, sobald er Süßigkeiten erhält oder die Möglichkeit, seinen Trödel an den Mann zu bringen. Sein Kumpel Old Shatterhand (Gerd Zinck) dagegen ist ein selbstverlieb­ter Laberkopf, der sich durch seine teilweise fragwürdigen Methoden der Rechtsprechung auszeichnet. Eddi Arent (Lisa Nossek) wiederum möchte niemanden auf die Füße treten, gerät aber zufällig in die Geschichte, als er auf der Jagd nach einem Falter auf die Leiche Potters tritt. Die sparsame heilige Helga (ebenfalls Lisa Nos­sek) möchte nur ihren halben Abt beerdigen, muss allerdings vor den Ganoven gerettet werden und fungiert danach nicht nur als moralische Instanz, sondern hilft auch bei der musikalischen Un­termalung.

Das Stück funktionierte nicht immer ohne Brüche, aber darüber war man sich bereits vor der Inszenierung be­wusst. Und so wurden die Umbaupausen etwa genutzt, um einen Göttinger Werbefilm zu zeigen (dass tote Tauben das Stadtbild so prägen können!). Auch ließ man Gerd Zinck über die Vielzahl seiner Kleidungswechsel klagen während er sich das Toupet von Old Shat­terhand aufsetzte. Sehr versöhnlich war hingegen das Ende, als sich Gut und Böse in Eintracht zusammenschlossen – nur um dann der moralischen Nonne den Garaus zu machen.

Die Signifikanz des titelgebenden halben Abtes blieb mir zwar noch verschlossen, genossen habe ich die kurzweilige Komödie dennoch in vollen Zügen. Die Pointen wechselten gekonnt zwischen intelligent-gewitzt und einfach-derb, und man schreckte auch nicht davor zurück, eigene Unzulänglichkeiten aufs Korn nehmen. Weitere Möglichkeiten, eine Vorstellung zu besuchen, gibt es natürlich auch, und zwar am 14., 19., 27. sowie am 29. Dezember.

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