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Dienstag, 28 November 2017 06:53

Carl Rütti: Emmaus - Ein Halleluja, das man nicht so schnell vergisst

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Die Göttinger Stadtkantorei, die Kinderchöre des Otto-Hahn-Gymnasiums, Anna Haase, Clemens Löschmann, Johanna Neß, Mathias Schlachter, Simon Amend und das GSO Die Göttinger Stadtkantorei, die Kinderchöre des Otto-Hahn-Gymnasiums, Anna Haase, Clemens Löschmann, Johanna Neß, Mathias Schlachter, Simon Amend und das GSO Photo: Fuchs

Uraufführung des Auftragswerks der Göttinger Stadtkantorei zum Reformationsjubiläum am 26. November in der Johanniskirche

Als „modern, aber harmonisch“ und „Stück außergewöhnlicher Dramatik“ wurde das Reformationsoratorium des Schweizer Komponisten Carl Rütti in vorangehenden Pressekonferenzen beschrieben. Und man hätte es kaum treffender formulieren können: die bis auf den letzten Platz gefüllte Johanniskirche wurde am Abend des 26. Novembers Zeuge einer spektakulären Uraufführung, in Hommage an Luther und die Reformation, von und mit seinem Komponisten Carl Rütti an der Orgel.

Der modernen Oratoriumskomposition in neun Teilen liegt eine Geschichte aus dem Lukas-Evangelium zugrunde, die gemäß der Worte Rüttis geradezu nach einer Vertonung rufe, in der sich „Verzweiflung und Trauer in Begeisterung und brennende Herzen verwandeln“: Zwei Jünger, gezeichnet von Trauer nach der Kreuzigung Jesu, begegnen auf ihrem Weg einem geheimnisvollen Fremden, dessen Auftreten ihr Feuer wieder entfacht und in dem sie schließlich den Auferstandenen erkennen. Und eben jene Dramatik, jenen Wandel von dunklem Leid bis zu brennenden Herzen setzt Rütti mit seinen ganz persönlichen Klangfarben um: In der biblischen Überlieferung verwurzelt, in der Schwebe zwischen Vitalität und Ruhe, Moderne und Harmonie, entsteht ein Werk der Leidenschaft und Vielseitigkeit, das das Göttinger Symphonieorchester, die Göttinger Stadtkantorei, die Kinderchöre des Otto-Hahn-Gymnasiums und fünf Solisten unter dem Dirigat Bernd Eberhardts eindrucksstark umsetzen.

Nach dem Einläuten durch eine das Werk durchziehende, motivische Orgelmelodie treten die beiden Emmaus-Jünger auf, verkörpert durch den Tenor und Altus Mathias Schlachter und den Bariton Simon Amend, deren Stimmen die Kirche in perfekter Harmonie mit dichten Klänge der Niedergeschlagenheit über den Tod Jesu füllen. Zu ihnen tritt Magdalena: Sopranistin Johanna Neß weiß die hohen, hellen Melodien mit Präzision und Klarheit zu präsentieren und ihre Erlebnisse am Ostermorgen am Grabe Jesu zu schildern.

Kunstvolle Variationen und musikalische Wechselspiele über die Luthermelodie „Erhalt uns Herr, bei deinem Wort“ zeigen der dritte und vierte Satz: im Wechsel mit harmonischen, sanften Klängen der Harfe wird sie im dritten Satz zu akzentuierten Rhythmen vom Chor präsentiert, im vierten dann an das Orchester weitergegeben, das zwischen Forte- und Piano-Passagen den gleichmäßigen Rhythmus mit Leichtigkeit beibehält. Ein ähnlich ausdrucksstarkes Panorama bieten der fünfte und sechste Satz, die Inspiration in Luthers Melodie „Ein feste Burg ist unser Gott“ finden. Die beiden Hauptdarsteller, Luther (Tenor Clemens Löschmann) und Katharina von Bora (Mezzosopranistin Anna Haase), rücken mehr und mehr ins Zentrum: Mit der Souveränität Löschmanns gelingt ein kraftvolles Auftreten Luthers. Katharina von Bora erzählt die Bibeltexte, passioniert, mal mit hohen, hellen, mal mit dichten, tiefen Klängen. Der heitere Charakter des anschließenden sechsten Satzes wird nicht nur durch den Einsatz zahlreicher Rhythmusinstrumente transportiert, sondern insbesondere durch den Kinderchor, der das Malala-Lied mit hellen Klangfarben untermalt.

Im siebten Satz wird der Abend wortwörtlich eingeläutet und damit die andächtige Stimmung der Tischszene des achten Satzes eingeleitet, bei der der Fremde als Jesus erkannt wird: dem Chor gelingt es eindrucksvoll, jene gewaltige Botschaft in der a-cappella-Passage erklingen zu lassen und an die Orgel weiterzugeben. Der neunte Teil lässt das Feuer der freudigen Nachricht in einem gewaltigen crescendo weiter aufflammen und kulminiert schließlich in einem euphorischen Fortissimo-Halleluja, zu dem Chor, Orchester, Solisten und Orgel gleichermaßen beitragen.

Mal mit Harmonien, mal mit Dissonanzen spielend, mal mit ungewöhnlichen Klängen, mit Lautstärke und Tempo, mit Solo- und Ensemblepassagen, unter Einsatz einer breiten Spanne an Instrumenten und außergewöhnlicher Motive wie das Schweizer Alphorn-Motiv, eröffnet sich dem Zuschauer ein facetten- und kontrastreiches Werk – ein Reformationswerk und Halleluja, das man nicht so schnell vergisst.

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