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Samstag, 11 November 2017 13:34

Und täglich grüßt das Patriarchat

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Sookee in der Göttinger musa Sookee in der Göttinger musa © Bild: Kindler

Rapperin Sookee in der musa

Ob man nun davon bevor- oder benachteiligt wird, die ungleichen Verhältnisse zwischen Mann und Frau sind auch im 21. Jahrhundert eine das gesellschaftliche Leben strukturierende Tatsache, die als Gegenstand der Reflexion Beachtung verdient.

Die Kritik feministischer Positionen lässt sich in Ansätzen bereits während der Zeit der Französischen Revolution und vereinzelt auch bereits vorher erkennen. Besonders im Verlauf des 20. und des noch jungen 21. Jahrhunderts hat der Feminismus jedoch durch mehrere Wellen und eine lebhafte Debattenkultur den Einzug in die Öffentlichkeit vollbracht und gilt seit seinem Entstehen als kontroverses Thema. Das Ausmaß der Kritik an den Ideen des Feminismus ist oft verblüffend, teilweise sogar schockierend, schließlich geht es im Grunde um die Anerkennung einer ganz fundamentalen Gleichheit.

Die Rapperin Sookee setzt sich seit nunmehr über zehn Jahren musikalisch und persönlich mit diesem großen Themenkomplex auseinander und berührt dabei nicht selten auch andere Formen der Ungleichheit unter den Menschen. So setzt sie sich in- und außerhalb ihrer Musik für eine kritische Auseinandersetzung mit Rassismus, Kapitalismus, Sexismus, sowie diversen weiteren Ismen ein und erfährt dadurch, besonders in den letzten Jahren, mehr und mehr Zustimmung einer stetig größer werdenden Fangemeinde.

Am 9. November 2017 war sie mit ihrer Rapkollegin Tice, die als Voract fungierte und, nachdem sie sich aufgewärmt hatte, auch dem Publikum einheizte, zu Gast in der musa, um ihr im März 2017 erschienenes, mittlerweile viertes Album, Mortem&Makeup vorzustellen. Auf diesem zeigt sich Sookee wie gewohnt textlich stark. Jedoch ist die Kritik an ihren vorigen Alben nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Daher wendet sie sich im Jahr 2017 etwas von allzu theoretisierenden politischen Themensongs ab und legt den Fokus stattdessen auf das Erzählen von nachfühlbaren Geschichten aus dem Alltag und nimmt ihren Texten somit die erschlagende Wirkung eines Soziologievortrags. Klug, bissig und bisweilen sogar etwas ironisch bleibt sie dabei trotzdem. Die neuen Songs sind zwar eingängiger, haben jedoch nichts von ihrer inhaltlichen Relevanz eingebüßt.

Sookee bleibt also ihrer Haltung treu und hat sich außerdem einige Hits aus dem Ärmel geschüttelt. Die machen auch live richtig Laune. Mit Schlagzeuger und Bassist im Gepäck konnte man am Donnerstagabend eine ungeheuer energiegeladene Sookee über die gesamte Bühne zu wummernden Bässen tanzen sehen. Damit war sie keinesfalls allein. Im bis an seine Kapazitätsgrenzen ausgeschöpften Saal der musa wipte, wogte und tanzte das größtenteils junge, aber davon abgesehen bunt gemischte Publikum knappe anderthalb Stunden zu neuen und alten Songs und kam zwischendurch in den Genuss einiger teils amüsanter, teils ernster Anekdoten seitens der Rapperin.

In der deutschen HipHop-Landschaft sind starke, kritische Stimmen wie Sookees leider noch recht selten. Die letzten Jahre haben allerdings einige kluge MusikerInnen hervorgebracht, welche die eher von Männern dominierte Rapszene mit ihren als selbstverständlich angenommenen Klischees und Bildern konfrontieren und für mehr Vielfalt und neue Möglichkeiten sorgen. Sookee ist aus dieser Entwicklung in jedem Fall nicht mehr wegzudenken.

Nachdem sie bereits Ende Juni auf dem festival contre le racisme gespielt hat, ist Sookee am 10. Dezember dann auch schon wieder in Göttingen zu sehen (Infos und Tickets gibt es hier!). Zusammen mit der Rapperin Ebow wird sie im Literarischen Zentrum im Rahmen einer Lesung, Diskussionsrunde und Musikperformance auftreten und mit ihrer lebhaften Art hoffentlich noch mehr Menschen für ihre Musik und die Wichtigkeit politischer Debatten begeistern!

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