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Dienstag, 07 November 2017 08:00

Der Haussegen hängt schief

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Marius Ahrendt (Max), Marie Seiser (Catherine), Florian Donath (Carol), Benjamin Kempf (Douglas), Nikolaus Kühn (Alexander), Andrea Strube (Judith) Marius Ahrendt (Max), Marie Seiser (Catherine), Florian Donath (Carol), Benjamin Kempf (Douglas), Nikolaus Kühn (Alexander), Andrea Strube (Judith) © Photo: Thomas Aurin

Das Familienstück „Wo die wilden Kerle wohnen“ hatte Premiere im Deutschen Theater

Der Haussegen hängt schief bei Max. In der neuen Produktion des Deutschen Theaters hat Valentin Baumeister (Bühne und Kostüme) dies wörtlich genommen, und die Wohnung von Max und seiner Familie senkrecht gebaut. Während die Schauspieler sich verrenken müssen, um in der ungewohnten Perspektive zu spielen, betrachtet das Publikum Max‘ Welt von oben.

Max selbst (großartig: Marius Ahrendt) versteht mit seinen 8 Jahren diese verkehrte Welt nicht mehr: niemand hat Zeit für ihn, er ist eigentlich eher im Weg und unerwünscht. Und als er seiner Mutter droht, sie aufzufressen, wird er ohne Abendessen in sein Bett gesteckt.
Von hier aus erträumt sich Max in eine andere Welt: die Welt der Wilden Kerle. Und nach dem phantastischen Bühnenbild aus der Eingangsszene fährt das Deutsche Theater gewaltige Bühnentechnik auf: das Bild mit der Wohnung fährt nach hinten, nach und nach erscheint ein Dschungel, es kippen Bäume um (die sich am Ende wie von Geisterhand wiederaufzurichten), Bühnennebel kommt zum Einsatz, ein Sternenhimmel bildet den Hintergrund.

Und vor allem: die Wilden Kerle erscheinen! Was für eine Pracht hat das Team der Kostümausführung um Ilka Kops erstellt. Seit der Verfilmung des Bilderbuchklassikers haben die Monster auch Namen: Judith (Andrea Strube, zu Beginn auch Max‘ Mutter), Catherine (Marie Seiser), Douglas (Benjamn Kempf), Ira (Jan Huttanus), Alexander (Nikolaus Kühn), Carol (Florian Donath) und Bull (Zainoun Al Akrad). Sie alle stecken in phantastischen Kostümen – diese alleine lohnen schon den Besuch der Vorstellung.
Max landet in der Welt dieser Kerle, die ihn sogar zum König machen. Hier kann Max bestimmen, hier kann er seine Wildheit ausleben. In dem Buch kommt die Geschichte mit nur 333 Wörtern aus – und die Geschichte ist dennoch ein Entwicklungsroman. Denn am Ende ist Max geläutert, auch Königsein macht nicht glücklich.

Die Bühnenfassung benötigt natürlich mehr Wörter, um die Aufführungsdauer von 1 Stunde und 15 Minuten zu erreichen. Laura Linnenbaum, die mit dieser Produktion ihr Regiedebüt am DT gibt, lässt die Kerle viel Palavern, wodurch sich ein paar kleinere Längen ergeben. Ein wenig mehr Aktion auf der wunderbar und liebevoll ausgestatteten Bühne wäre hie und da vielleicht besser gewesen.

Dem Premierenpublikum war das aber egal, die Begeisterung kannte keine Grenzen. Denn eines kommt auf jeden Fall rüber: Max erlebt in dieser Phantasiewelt all das, was ihm zu Hause fehlt. Seine neuen pelzigen Freunde sind gar nicht so wild, sie sind warmherzig – trotz gelegentlicher gewalttägiger Auswüchse. Und sie sind zutiefst menschlich, streiten sich, sind eifersüchtig und auch melancholisch. Trotzdem wird Max nicht glücklich. Bei seiner Rückreise fährt die Wohnung wieder nach vorne, die Phantasiewelt wird ausgeblendet. Die Wohnung ist jetzt wieder aufgeräumt, sein Bett wartet schon auf ihn. Und das Abendessen auch. Und es war noch warm.

Bei den wilden Kerlen. Famileinstück nach Maurice Sendak und Dave Eggers.
Die nächsten Vorstellungen: 3.12., 17.12. (jeweils 15 Uhr), am 23.12. um 18 Uhr, am 26.12. und 15 Uhr
Dazu gibt es eine Reihe von Schulvorstellungen

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