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Sonntag, 05 November 2017 13:29

Literarisches Zentrum: Kritische Worte zu seiner Heimat

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Luiz Ruffato im Literarischen Zentrum Luiz Ruffato im Literarischen Zentrum © Photo: Hmida

Luiz Ruffato zu Gast im Literarischen Zentrum

Am vergangenen Freitag waren der brasilianische Autor Luiz Ruffato und seine „deutsche Stimme“, der Übersetzer Michael Kegler, zu Gast im Literarischen Zentrum. Besprochen wurde der Roman Teilansicht der Nacht (Vista parcial da noite im Original) und moderiert wurde der Abend von Friederike von Criegern (Georg-August-Universität Göttingen). Bekanntheit hierzulande erlangte Ruffato zuvor sowohl durch seine Eröffnungsrede bei der Frankfurter Buchmesse 2013 als auch durch den Erhalt des Calwer Herman-Hesse-Preises.

Noch am Vormittag besuchten Ruffato und Kegler das Romanische Seminar, um mit uns Lusitanistik-Studierenden über die Schwierigkeiten und Finessen einer Übersetzung vom Portugiesischen ins Deutsche zu reden. Der Schriftsteller betonte dabei mehrmals die Wichtigkeit der literarischen Übersetzer, nannte sie „Co-Autoren“.

Bei Teilansicht der Nacht handelt es sich um den dritten Teil einer Pentalogie, der dieses Jahr beim Verlag Assoziation A erschien. Während der Lesung wurde erklärt, dass die Handlung in den 1970er Jahren der brasilianischen Militärdiktatur spielt, wobei diese im Werk nur sehr zurückgenommen auftritt. Ruffato lag hingegen der Fokus auf der unteren Mittelschicht, welche er in der brasilianischen Literatur für unterrepräsentiert hält, besonders am Herzen. In dem Roman werden verschiedene Personen begleitet, die sich ein besseres Leben erhoffen. Sie besitzen ihre Charakterschwächen, dennoch fühlt man stark mit ihnen mit. Besonders auffallend ist außerdem, dass der Inhalt in seinen Büchern durch Veränderungen des Schriftbildes visuell unterstützt wird.

Nach der Lesung bat ich den Schriftsteller auf wackeligem Portugiesisch um ein Photo, dem er freundlicherweise zustimmte. Man mag ihm gar nicht zutrauen, ein Provokateur zu sein, der mit Aussagen wie „No Brasil ninguém lê“ (In Brasilien liest niemand) nicht davor zurückschreckt, auch mit seiner Heimat hart ins Gericht zu gehen. So erzählte er während der Lesung auch, dass er durch die kritischen Worte zu seiner Heimat während der Frankfurter Buchmesse für einen kleinen Eklat sorgte. Verstehen tut er diese Aufregung aber nicht, habe er ja schließlich nichts anderes gesagt als in Brasilien auch.

Gerade in Anbetracht der Bedeutung Ruffatos für die brasilianische Literatur wären mehr Besucher im Literarischen Zentrum natürlich wünschenswert gewesen. Glücklicherweise stehen noch zwei Werke seiner Pentalogie in deutscher Übersetzung aus und die Chance, diesen besonderen Autoren wiederzusehen, sollte damit also auch in Zukunft gegeben sein.

Ruffato, Luiz: Teilansicht der Nacht
Vorläufige Hölle, Bd. 3
Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler
Verlag Assoziation A | erschienen 2017/02 | 144 Seiten | 16,00 €

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