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Donnerstag, 19 Oktober 2017 09:57

Literaturherbst: Balkanesische Lockerheit

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Danko Rabrenović mit seiner Band Trovači Danko Rabrenović mit seiner Band Trovači © Photo: Krüger

Balkannacht mit Melinda Nadj Abonji, Saša Stanišić und Danko Rabrenović

Ein Lesungsabend von gleich drei Autoren – alle schreiben über den „Balkan“ und sind doch deutschsprachig. Zu Gast waren Melinda Nadj Abonji (Der Schildkrötensoldat) mit Moderatorin Aylin Rieger, Saša Stanišić (Fallensteller) und Danko Rabrenović (Herzlich Willkommenčić). Durch den Abend führte Marko Dinić.

Im Jungen Theater fand sich ein sehr gemischtes Publikum ein, alle Altersklassen waren vertreten. Schon die Beschreibung versprach vorab einen modernen lockeren Abend, ganz nach balkanesischer Art. Diese Lockerheit gefiel jedoch nicht jedem Gast. Gerade die moderne Moderationsart von Marko Dinić wurde ein paar Mal durch Zwischenrufe aus dem Publikum gestört; dieser erklärte eingangs, dass er diesen Abend etwas anders und lockerer gestalten wolle.

Nach einer kleinen Vorstellung durch die Moderatorin Aylin Rieger der Autorin Melinda Nadj Abonji, startete diese den Abend mit einer Lesung ihres Buches „Der Schildkrötensoldat“ (Suhrkamp 2017). Das Publikum hört aufmerksam zu. Nach der Lesung der ersten Passage, stellte die Autorin ihren Roman vor. Die Moderatorin stellt dabei die besondere Erzählstruktur in den Fokus und nennt die Art „kaleidoskopartig“. Die Autorin erklärte, dass sie mit dieser besonderen Art „die Sprache als Möglichkeit hin zur Imagination nutzen wolle“. Es folgte die zweite Passage. Danach fragte die Moderatorin, weshalb das Buch „Der Schildkrötensoldat“ heißt und was letztlich zentrales Thema im Roman sei- zentrales Thema sei das Sein und eine große Rolle spiele der Glaube.

Saša Stanišić und Marko Dinić begannen den nächsten Teil des Abends mit einer kleinen lockeren Gesprächsrunde über das Balkanschrifttum. Daraufhin begann der Autor einen Teil seines Buches „Fallensteller“ (Luchterhand 2016) zu lesen. Diese Passage war geprägt von Humor mit Tiefgang. Er brachte das Publikum zum Lachen. Begeisterung hatte sich ausgebreitet. Auch Saša Stanišić hat eine besondere Art zu erzählen. In der gelesenen Passage weiß man nicht genau, wo man ist. Es sind verschiedene Ebenen eingebaut, wie er selbst sagt. Lauter und langer Applaus zum Ende.

Nach der „Halbzeit“ las der Moderator Marko Dinić ein eigenes Gedicht. Hörbar gefiel es den Zuhörern.

Es folgte zu guter Letzt Danko Rabrenović. Dieser hatte sein Band Trovači im Gepäck. Die Gestaltung der Lesung von Rabrenovićs „Herzlich Willkommenčić“ (DuMont 2015) erfolgte etwas anders, als man es nach traditioneller Art kennt. Zunächst spielten Trovači einen Song, daraufhin folgte eine Passage aus dem Buch, wieder ein Song, eine Passage … Die Musik war fröhlich und hellte die gesamte Atmosphäre ungemein auf. Die Band spielte Gitarren, Schlagzeug und Kazoos. Die Kapitel seines Buches las Rabrenović mit Witz und unglaublich angenehmer Betonung vor, sodass der Zuhörer tatsächlich das Gefühl vermittelt bekam, er sei mitten im Buch. Lautes Lachen war in diesem Abschnitt des Abends kein Einzelfall. Immer wieder lauter Applaus.

Rundum ein gelungener Abend! Jedoch war bei dieser Veranstaltung Sitzfleisch wichtig. Gute dreieinhalb Stunden ging der Abend. Den Besuch dieser Veranstaltung war es wegen jeder einzelnen Lesung und jedem der drei Autoren wert.

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