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Dienstag, 17 Oktober 2017 09:45

Literaturherbst: Ein intensiver Montagabend

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Heinrich Detering im ausverkauften Alten Rathaus Heinrich Detering im ausverkauften Alten Rathaus © Photo: Widemann

Heinrich Detering stellte Texte von Bob Dylan vor

Ein gewöhnlicher Montagabend in Göttingen - aber wer um 20.45 Uhr beim Gänseliesel war, konnte eine Warteschlange bestaunen, die vom Alten Rathaus bis weit in die Rote Straße hineinreichte. Wer von den vielen Wartenden Bob Dylan- und wer Heinrich Detering-Fan war, war nicht ersichtlich. Aber der Altersdurchschnitt lag eher bei Fans der ersten Stunde (Dylan) und UDL (Detering) als bei Abi 2017. So legte sich denn zelebriertes, andächtiges Schweigen über den Raum, als Detering mit einem Textzitat und einigen kurzen Ausführungen zu Dylan begann. Dieses Schweigen wich einer atemlosen, intensiven Stille als Detering verschiedene Texte Bob Dylans in seiner eigenen Übersetzung – jeweils versehen mit einer kurzen Einführung – vortrug. Diese Intensität war so übermächtig, dass selbst ein furios vorgetragener Rap, den man eher bei der studentischen Charity-Aktion Profs-at-Turntables erwarten würde als im Programm des Literaturherbstes, nur nach und nach Szenenapplaus hervorrief.

Der Abend war geprägt durch Deterings profunde Kenntnisse über Leben und Werk Bob Dylans, die er in seiner zurückhaltenden und gewinnenden Art immer in den Dienst der Sache stellte. Der Vortrag der Texte – nein, singen wollte er sie dann doch nicht – reichte vom geschulten Rezitieren bis hin zu besagtem Rap. Mehrmals nahm Detering das Publikum mit auf eine Reise durch die kürzeren und längeren Texte, bereitete es auf die Strukturen und erzählerischen Wendungen vor und ermöglichte so einen Zugang zu Dylans Werk. Die Warnung vor expliziten Ausdrücken, die Anfang der siebziger Jahre noch für Aufregung gesorgt hatten, war für Ohren unserer Zeit eher amüsant – so wurden die Texte doch auch noch einmal zeitgeschichtlich verortet. Ein intensiver Abend, der mit „Blowin‘ in the wind“ begann und bei „death silenced her pool“ sich dem Ende zuneigte, hat sich schon jetzt nachdrücklich ins Gedächtnis gegraben.

Bob Dylan: „tod ließ den pool verstummen“ / „death silenced her pool“

tod ließ den pool verstummen
am tag als sie starb
hing über ihren
spielzeughündchen
doch hinterließ
keine spur
von sich
beim begräbnis
Aus dem Amerikanischen von Heinrich Detering.

Bob Dylan. Best of Lyrics. Hoffmann und Campe Verlag 2017, 25 €

 

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