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Sonntag, 15 Oktober 2017 13:38

Literaturherbst: „Man darf einfach keine Angst haben, dass Pop draus wird.“

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Sophie Kennedy und Mense Reets in der Musa Sophie Kennedy und Mense Reets in der Musa © Kindler

Sophia Kennedy und Mense Reents zu Gast in der musa beim 26. Göttinger Literaturherbst: „Man kann doch alles machen, wenn man nicht nervt und nicht scheiße dabei ist.“

Solche selbstbewusst und frech daherkommenden Sätze kann man Sophia Kennedy nur schwer verübeln, wenn man das, was in der Popwelt in Deutschland sonst so veröffentlicht wird, auch nur einigermaßen verfolgt. Originalität, Tiefgang und Kreativität sucht man hier oft vergeblich. Seichte, oberflächliche Texte sowie immer wiederkehrende, sich nahezu bis ins letzte Detail ähnelnde Songstrukturen sind stattdessen die Regel.

Ausnahmen wie die Sängerin und Multiinstrumentalistin Sophia Kennedy gehören glücklicherweise ebenso zu dem großen musikalischen Spektrum der Popmusik. Ein sensibles Gespür für traditionelle Songstrukturen trifft bei ihrer Musik auf einen kreativen Hang zum Experimentieren. Die elf Songs ihres Erstlingswerks „Sophia Kennedy“ sind zwar durchzogen von Referenzen zu Altbekanntem, verlieren sich jedoch nicht in uninspirierten Wiederholungen des bereits Vertonten, sondern stechen durch ihre abwechslungsreiche Gestaltung deutlich unter anderen Vertretern des Genres hervor.

Am 14. Oktober war sie nun im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes mitsamt ihrem Produzenten und Musikerkollegen Mense Reents, der unter Anderem seit knapp zwei Jahrzehnten beim Hamburger Punk-Urgestein „Die Goldenen Zitronen“ an diversen Instrumenten für das Sounddesign verantwortlich ist, in der musa in Göttingen. Bevor die zwei Musiker allerdings zu ihren Instrumenten greifen konnten, wurde mit dem NDR Moderator Robert Hauspurg noch ein kurzes Interview über Kennedys Werdegang, ihre Musik und natürlich ihren Hang zur Sprache geführt.

Kennedy, die ursprünglich aus Baltimore stammt, zog während ihrer Kindheit mit ihrer Mutter in ein „Kuhdorf“ in der Nähe von Göttingen und entdeckte schon in jungen Jahren ihre Neigung zur Musik, die sich unter anderem darin äußerte, dass sie in ihrer Freizeit „Büsche ansang“ und bereits früh dem schulischen Chor beitrat. Die zweisprachig aufgewachsene Kennedy nimmt die Verwendung der englischen Sprache zwar als natürlicher und passender für ihre Musik wahr, schließt die deutsche Sprache jedoch nicht kategorisch aus, obwohl die „Sprache der Dichter und Denker“ auf sie oft geschwollen und kitschig wirkt. Den Spaß am Texte schreiben merkt man ihrer Musik so oder so durch die originellen und oft auch etwas ausgefallenen sprachlichen Spielereien hinsichtlich ihrer Phonetik und Semantik deutlich an.

Das Konzert selbst fing zwar eher ruhig und zurückhaltend an, wurde jedoch durch viele dynamische Songs zunehmend belebter, wodurch nach und nach auch einige der Zuschauer des, als Sitzkonzert konzipierten, Konzerts auf die Tanzfläche drängten und im Rhythmus der Klänge langsam auftauten. Die Musik selbst lässt sich zwar grob als Pop bezeichnen, vereinigt in sich jedoch Elemente aus diversen Genres. Singer-Songwriter-Ästhetik trifft unter anderem auf Klassik, Rap, R’n’B, sowie Jazz und wird mit der Vielfalt elektronischer Musik zu einer eigensinnigen, aber nicht sperrigen Mischung zusammengeführt.

Experimentierfreudige und doch eingängige Pop-Musik wie Sophia Kennedys könnte es ruhig mehr geben. Auch dem Publikum hat es gefallen, was durch Rufe nach mehreren Zugaben deutlich wurde. Das Konzert fiel mit knappen 45 Minuten tatsächlich leider etwas kurz aus. Das, was während des Konzerts geboten wurde, konnte jedoch in jeder Hinsicht begeistern.

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