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Samstag, 14 Oktober 2017 22:36

Literaturherbst: Wechselnde Perspektiven und ungewohntes Genre

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Jakob Nolte und Maren Kames in der Galerie Art Supplement Jakob Nolte und Maren Kames in der Galerie Art Supplement © Photo: Schlüter

Lesung von Jakob Nolte und Maren Kames in der Galerie „Art Supplement“

Im Rahmen des 26. Göttinger Literaturherbstes las neben Maren Kames, Jakob Nolte aus seinem Buch „Schreckliche Gewalten“ vor, welches es mit 19 anderen Büchern auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft hat. Die Galerie „Art Supplement“ stellte am Eröffnungsabend des Literaturherbstes hierfür ihre Räumlichkeiten zur Verfügung, um einerseits das neue Werk Noltes vorzustellen (der übrigens einer der drei nominierten Schriftsteller ist, die den Göttinger Literaturherbst mit ihrer Anwesenheit beglücken) und andererseits einen Einblick in das neue Werk Maren Kames „Halb Taube halb Pfau“ zu gewähren.

Die Galerie in der Burgstraße, die eine schöne stilvolle Räumlichkeit darstellte, war pünktlich um 19 Uhr gut gefüllt, sodass es gleich losgehen konnte. Dass die Veranstaltung an ein junges Publikum gerichtet war, war nicht sofort zu erahnen, allerdings war der Alterdurschnitt um einiges jünger als bei anderen Veranstaltungen des Herbstes.

Beginnend las Jakob Nolte aus seinem Roman, mit dem an ein Märchen erinnernden Plot: Gabriel Honik wird eines Nachts von seiner Frau umgebracht, die sich in einen Werwolf verwandelt hatte. Mit einem Schock zurück bleiben die Zwillingsgeschwister Iselin und Edvard, die nun auf sich alleine gestellt sind. Iselin entscheidet sich daraufhin in Bergen, Norwegen, zu bleiben und der Vergangenheit ihrer Eltern auf die Spur zu gehen. Außerdem gründet sie mit ihren Mitbewohnerinnen eine aktivistisch-feministische Gruppe, um mit dieser ihre Vorstellungen von Gerechtigkeit durch Proteste, Erpressungen und sogar eine Geiselnahme in die Tat umzusetzen. Währenddessen möchte Edvard mit seiner Vergangenheit nichts mehr am Hut haben und wandert nach Litauen aus, wo er zunächst verweilt, bevor er Pläne schmiedet, seine Reise nach Afghanistan fortzusetzen. Der Ausschnitt, den Nolte gestern Abend vorlas, greift in der Handlung vor und beschreibt die politischen und philosophischen Auseinandersetzungen, die Edvard und seine Freunde in Litauen beschäftigen.

Dass Jakob Nolte mehrere Jahre für das Buch recherchierte und sich intensiv mit der Thematik auseinandersetzte, spiegelte der gelesene Ausschnitt wider. Zu Beginn irritierte der Wechsel der Perspektiven der Protagonisten und die formale Einteilung in manchmal sehr kleine Abschnitte auf einer ansonsten leeren Seite. Bald daran wirkten die unterschiedlichen und notwendigen Blickwinkel gewohnt, die formal diese Gliederung erfuhren, um das moderne Internet-Surfverhalten und dessen Flüchtigkeit darzustellen, wie von Nolte zu erfahren war. Da die Geschichte jedoch in den 70er Jahren spielt, wirkt dieser Zusammenhang nicht ganz schlüssig.

Nach dem Einstieg in den Abend mit einem Roman, folgten nun Ausschnitte aus einem Buch, die sehr schwer in ein Genre zu ordnen sind. Es ist weder nur Lyrik noch Prosa. Neben einigen Texten stellt das Werk vor allem Soundcollagen dar, die in dem Buch durch QR-Codes mit dem Smartphone abrufbar sind. Es ist von Maren Kames Aufgenommenes, das teils mit Live-Ergänzungen von ihr gespickt ist, teils sind es Planet Earth ähnelnde Aufnahmen über Natur(-gewalten), die von ihr ergänzt wurden. Ab und an stoppte sie die Soundinstallationen an ihrem Laptop, um direkt aus ihrem Buch zu lesen. Später im Gespräch mit Maximilian Meier vom Literaturherbst sagte sie, ihr Buch sei eher ein Hörbuch und das von Jakob Nolte eher eines zum Lesen. Wie der Titel des Buches „Halb Taube halb Pfau“ erahnen lässt, sind Natur und (menschliche) Beziehungen zentraler Teil ihres Werkes und werden in oft meisterlich verschachtelten Sätzen dem Lesenden dargeboten.

Für typische Roman-Leserinnen und Leser ist das Buch von Jakob Nolte „Schreckliche Gewalten“ zugänglicher. „Halb Taube halb Pfau“ allerdings besticht durch seine Einzigartigkeit.

Jakob Nolte „Schreckliche Gewalten“, Mathes & Seitz Verlag Berlin, 2017 - 22 €
Maren Kames „Halb Taube halb Pfau“ Secession Verlag Zürich 2016 - 35 €

Letzte Änderung am Samstag, 14 Oktober 2017 22:41

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