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Montag, 09 Oktober 2017 13:29

Ein Abend mit rotem Faden

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Das Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Peter Kuhn in der Stadthalle Das Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Peter Kuhn in der Stadthalle © Photo: Goos

„Zerklüftet“ – Göttinger Symphonieorchester und Hába Quartett in der Stadthalle

„Zerklüftet“ – unter diesem Titel setzte das Göttinger Symphonieorchester mit dem 1. Konzert des Philharmonischen Zyklus II seine aktuelle Spielsaison fort und begeisterte gemeinsam mit dem gastierenden Hába Quartett unter der Leitung von Peter Kuhn den nahezu gefüllten Saal der Stadthalle.

Den Auftakt des dreiteiligen Konzertabends bildete das ausdrucksstarke und berührende Poem „Exil“ des belgischen Komponisten Eugène Ysaÿe (1858 – 1931), der sich bereits in jungen Jahren einen Ruf als bedeutender Geiger machte. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges emigrierte er nach England und später in die USA, aus der er 1922 zurückkehrte. Durch das Poem mit seinen dramatischen und tragischen Passagen wurde dem anwesenden Publikum Zugang zu Ysaÿes damaliger Gefühlswelt im Exil gewährt, aus der Sehnsucht und Verzweiflung, Suche und Schwere sprechen. Insbesondere durch die hohen Streicher und ihre nahezu spitzen, höchsten Tonlagen wurde sein emotionaler Schmerz zum Ausdruck gebracht, im feinfühligen Wechsel der Tempi von getriebener Schnelligkeit zu sanften, ruhigen, aber ebenso melancholischen Passagen, die sich in tiefer Trauer verlieren.

Heitere Klänge erwarteten das Publikum im zweiten Konzertabschnitt - eine fein aufeinander abgestimmte Zusammenstellung aus dem Konzert für Streichquartett und Orchester a-Moll op. 131 von Louis Spohr (1784 – 1859). Jener war nicht nur ein international bekannter Komponist, sondern auch einer der größten Geiger seiner Zeit. Bewusst im Vordergrund steht in diesem Werk das Streichquartett in zurückhaltender Begleitung des Orchesters. Das Zusammenspiel eines solchen Quartetts, bestehend aus einem „virtuose Primarius“, der von drei weiteren Streichern begleitet wird, bildet in der heutigen Konzertlandschaft eine Rarität, lebte aber an diesem Abend durch das 1946 gegründete Hába Quartett und insbesondere durch die nahezu virtuosen Fähigkeiten der Violinistin Sha Katsouris wieder auf. Dieser Abschnitt war geprägt von einem harmonischen Zusammenspiel des Quartetts, was seinen Auftakt im dynamischen „Allegro Moderato“ mit ungarischer Klangnote und wechselnden, mitreißenden Tempi fand – zugleich durchzogen von leicht melancholischen Passagen im „Adagio“ - und sich im abschließenden „Rondo: Allegretto“ wieder energischer und schneller zeigte.

Den besonders mitreißenden Abschluss des Abends setzte Felix Mendelssohns Symphonie Nr. 3 a-Moll op. 56, die passenderweise als „die Schottische“ bekannt wurde. Mendelssohn (1809-1847) verarbeitete hier seine Reiseeindrücke während seiner Konzertreise auf die britischen Inseln. Anders als in den ersten beiden Abschnitten rückte hier das Orchester in seiner vollen Klangbreite in den Mittelpunkt zurück. Dabei überzeugte das Göttinger Symphonie Orchester wieder einmal mit seiner inneren Stimmigkeit. Es entführte die Anwesenden in ein hinreißendes, musikalisches Landschaftsportrait mit stürmischen, düsteren, gleichwohl energisch pointierten Wogen der Pauken und Bläser, im Wechsel mit einem musikalischen Blick in die Weite und Schönheit der schottischen Landschaft. Immer wieder begleitet durch fließende Sequenzen der wiederkehrenden Querflöten und Oboen. Hervorzuheben ist vor allem ein zwar sehr kurzes, aber in seiner Wirkkraft besonders beeindruckendes Zwischenspiel von Klarinette und Fagott, was schließlich das Finale des Konzerts einleitete.

Der passend gewählte Titel „zerklüftet“ zog sich wie ein roter Faden durch die einzelnen Abschnitte und setzte unterschiedliche Zusammenhänge. Auch die Abfolge der einzelnen Stücke vom Tragischen zum Überwältigenden und die Mitwirkung des Hába Streichquartetts und die Leitung durch den Gastdirigenten Peter Kuhn führte zu einem äußerst gelungenen Konzertabend, was vom Publikum zu Recht mit Bravo- Rufen gewürdigt wurde.

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