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Montag, 02 Oktober 2017 17:25

Kammerchor con anima: Phänomenales Piano

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Der Kammerchor Con anima unter der Leitung von Jan Scheerer in der Göttinger Nikolaikirche Der Kammerchor Con anima unter der Leitung von Jan Scheerer in der Göttinger Nikolaikirche © Photo: Wortmann

„Verwandte Seelen“ lautete das Motto des Herbstkonzertes vom Kammerchor Con anima in der Göttinger Nikolaikirche.

Warum müssen Konzerte heutzutage ein Motto, eine solche Überschrift haben?

Jan Scheerer hatte sich natürlich etwas dabei gedacht: im Mittelpunkt stand die „Messe für zwei vierstimmige Chöre“ von Frank Martin (1890 – 1974). Dieses a cappella – Werk zählt zu den bedeutendsten, schönsten und auch anspruchsvollsten Chorkompositionen des 20. Jahrhunderts. Und es wurde von Scheerer in einen Dialog mit Stücken „seelenverwandter Komponisten“ gestellt, wie es in der Überschrift des Programmheftes hieß.

Diese „seelenverwandten Komponisten“ waren Johann Sebastian Bach, Benjamin Britten und Ingvar Lidholm mit Chorwerken auf der einen Seite und wiederum Bach, Jacques Ibert und Kazuo Fukushima mit Werken für Solo-Flöte, vorgetragen von Antje Vetterlein-Helm.

Um den Dialog entstehen zu lassen, hat Scheerer die Messe in ihre Einzelteile zerlegt und abschnittsweise vom Chor vortragen lassen. Das ist insofern schade, weil der ungeheure Gesamteindruck, den diese Komposition entfalten kann, sich kaum entfalten kann. Die Motette „Komm, Jesu, komm“ von Bach ist zudem so eigenständig, dass sie den Dialog zwischen Martins Kyrie und dem Gloria eigentlich nicht nötig hat. Der Grund für diese Maßnahme blieb bei der Wiedergabe der Musik leider verborgen. Obwohl Jan Scheerer seinen Schritt ausführlich vor dem Publikum erläutert hat. (Nebenbei: die Benutzung eines Mikrophons erhöht die Verständlichkeit außerordentlich!)

Der Kammerchor Con anima wurde von Scheerer gründlich vorbereitet. Wie immer geht es dem in Kopenhagen ansässigen Chorleiter vor allem um den Klang. Und das ist ihm und seinen Sängerinnen und Sängern vorzüglich gelungen. Schon der erste Kyrie-Einsatz gelang so phänomenal im Piano. Überhaupt waren die leisen Stellen die Stärke des Chores. Die Messe von Frank Martin bekam so etwas sehr Filigranes und Intimes. Diese dynamische Ausdruckskraft der Choristen ließen dann auch über die eine oder andere intonatorische Schwäche hinweghören.

Die Motette von Johann Sebastian Bach konnte diese Ausdruckskraft nicht aufgreifen. Die Bachsche Musik verlangt aber auch schlicht nach anderen Maßnahmen: die Musik ist anders strukturiert und braucht deutlich mehr Durchsichtigkeit. Nicht der Chorklang steht im Mittelpunkt, es ist eher die Formensprache Bachs, die die Wirkung der Musik erzielt.

Ganz anders wiederum bei der Musik von Benjamin Britten: „A Hymn to St. Cecilia“ Hier war der Chor wieder in seinem Element: festlich gelang der hymnische Auftakt zu Ehren der Heiligen Caecilie, an deren Festtag Benjamin Britten geboren wurde. Die Sängerinnen und Sänger hatten offenkundig ihren Spaß an den kompositorischen Verschränkungen, die Britten vorgenommen hatte. Ein Spaß, der sich durchaus auf die Zuhörer übertrug.

Zum Schluss erklang eine Komposition des schwedischen Komponisten Ingvar Lidholm (* 1921). Sein 1946 komponiertes „Laudi“ beeindruckte durch eine spannende Tonsprache.

Antje Vetterlein-Helm ergänzte das Programm durch ihre Flöten-Soli: Sie eröffnete den Abend mit dem „Prélude“ aus der Suite d-Moll BWV 1008 von Johann Sebastian Bach, stellte das Stück „Pièce“ von Jacques Ibert vor und schloss mit dem „Requiem“ von Kazuo Fukushima.
So ergab sich ein durchaus abwechslungsreiches Programm. Das allerdings hätte sich auch ergeben, wenn die Messe von Frank Martin nicht aufgeteilt worden wäre.

Das Publikum in der Universitäskirche St. Nikolai war begeistert – und so konnte der Kammerchor Con anima seinen Klang noch einmal entfalten: „Die Nacht“ von Peter Michael Riehm (1947 – 2007) ist ein entrückend schönes Stück Chormusik.

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