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Sonntag, 01 Oktober 2017 23:10

Göttinger Symphonie Orchester: Motive des Abschiedes

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Das voll besetzte Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller sowie die Mezzosopranistin Cécile van de Sant Das voll besetzte Göttinger Symphonie Orchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller sowie die Mezzosopranistin Cécile van de Sant

Schattenspiele oder der ewige Kreis jeglicher Natur, im üblichen Wechsel von Hell und Dunkel – Diese Motive wurden an diesem Eröffnungskonzert der Philharmonischen Zyklen dieser Saison des Göttingen Symphonie Orchesters hörbar gemacht, mit Tönen verbildlicht.

Das Motiv des Abschiedes ist in dieser Saison deutlich vertreten oder zumindest eine Art Untertitel aller Konzerte, welche in diesem Rahmen gespielt werden. Chefdirigent Christoph-Mathias Müller wird zu Ende dieser Spielzeit das Göttinger Symphonie Orchester verlassen und betont daher die persönlichen musikalischen Komponenten des Programms.

Das Konzert beginnt mit der Uraufführung Gérad Zinsstags Werks „Masques“. Der Schweizer Komponist widmete das 2015/16 komponierte Werk dem Chefdirigenten Christoph-Mathias Müller und der Pianosolistin des Abends, Ancuza Aprodu. Er selbst wohnte dem Konzert ebenso bei.

Der Ehre der Uraufführung begegnete Müller mit einer sehr ausführlichen Werkseinführung, angereichert durch persönliche Interpretationen jeden Satzes. Zinsstag bedient sich zahlreicher musikalischer Zitate, unter anderem sind es Zitate von Igor Strawinsky, auch die orchestrale Besetzung erinnert an Strawinsky. So sind neben vor allem dunklen Bläsern, keine hohen Streicher, jedoch ein sehr umfangreiches Schlagwerk zu finden.

Durch die musikalische Anlehnung an andere Künstler und das Aufgreifen wiederholter Akkordabfolgen wird der Titel „Masques“ verdeutlicht. Das „Verstecken hinter Masken“, hinter Mustern und Kreisen verschiedener teils dissonanter Akkordabfolgen verleiht dem Werk einen animalischen Charakter. In neun Szenen erscheinen immer wiederkehrende Wechselspiele dramatischer Einsätze der Blechbläser, abgelöst durch spannungsvolle Haltemomente mit einfachen Akkordfolgen. Diese erzeugen Bilder die an bedrohliche Unwetter oder ergreifende Todeskämpfe im Tierreich erinnern, aber auch Momente der atemberaubenden Schönheit natürlicher Kreisläufe von Beginn bis Ende eines Organismus vermitteln.

Exemplarisch mögen hier Momente wie mehrfache Pianosoli unter Begleitung des Schlagwerks genannt sein, die mit natürlicher Dramatik an rhythmische Tänze erinnern, oder weiche melodische Einsätze der Bläser, die von schnarrenden Tönen der Celli und Kontrabässe in bedrohlicher Atmosphäre untermalt wurden.

Im zweiten Teil des Konzertes lösten die kontrastiv, fast seicht wirkenden Klänge Mahlers „Lied von der Erde“ die starke Dramatik Zinsstags ab. In großer Besetzung präsentierte das Orchester in weichen Abläufen das nun beruhigende Werk. Leider ging das im ersten Satz nur sehr leise zu hörende Tenorsolo, gesungen von Norbert Schmittberg, ein wenig in den kraftvollen Klängen der Instrumentalisten unter, wobei jedoch eine deutliche Steigerung über die Sätze hinweg zu hören war. Im satzweisen Wechsel mit der großen Stimme der Mezzosopranistin Cécile van de Sant ergab sich ein sehr stimmiges Bild. In der Angliederung an die Wechselspiele von brummenden Untertönen und melodischen Momenten aus Zinsstags Werks wurde das Thema des Kreislaufes mit einem runden Gesamtkonzept gut ausgefüllt.

Die musikalischen Muster des letzten Satzes „Der Abschied“ erinnern an wieder an die „Masques“ und schlossen den vom Publikum umjubelten Abend harmonisch ab.

Dieses Konzert und vor allem der letzte Satz markierten noch einmal den Abschied Müllers zu Ende der Saison, sollte jedoch, wie er selbst betont, auch den Grundstein für ein weiteres fröhlicheres Programm legen – auf welches wir mit Spannung und Vorfreude blicken werden.

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Gérard Zinsstag Mittwoch, 18 Oktober 2017 18:02 gepostet von Gérard Zinsstag

    Ein sehr schönes Konzert unter der fulminanten Lei(s)tung von Christoph-Mathias Mueller !
    Schade, sehr schade, dass es keine Tonaufnahme gab, obwohl es vorgesehen war...
    Nach so vielen, intensiven Proben hätte es verdient ! Also keine Tonspur...
    Die Pianistin Ancuza Aprodu spielte temperamentvoll und zugleich sehr sensibel und überlegen.
    Mein bester Dank an Ihr !

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