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Dienstag, 26 September 2017 21:44

„Geliebter Brahms“ in Göttingen

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Carolin Widmann und Alexander Lonquich überzeugten das Publikum mit ihrer großen Spielfreude Carolin Widmann und Alexander Lonquich überzeugten das Publikum mit ihrer großen Spielfreude Photo: May

Carolin Widmann und Alexander Lonquich eröffneten die Göttinger Aulakonzerte

Johannes Brahms’ (1833-1897) Kompositionen sind intensiv von Beginn an und ziehen die ZuhörerInnen sofort in den Sog romantischer Klänge – Letzteres gelang auch der Violinistin Carolin Widmann und dem Pianisten Alexander Lonquich, die mit einem abwechslungsreichen Programm die Aulakonzerte eröffneten und das Publikum begeisterten.

Seit nunmehr 50 Jahren besteht die Göttinger Kammermusikgesellschaft. Entsprechend ihres Namens feiert sie ihr Jubiläum, indem sie sich in den sechs Konzerten der Reihe „Geliebter Brahms“ vor einem der prominentesten Komponisten der Romantik verneigt, der besonders mit seinen kammermusikalischen Werken stilprägend wirkte. So verwundert es nicht, dass Widmann und Lonquich das Konzert mit der Violinsonate G-Dur, auch Regenlied-Sonate genannt, eröffneten. Von Beginn an wurde deutlich, dass es sich bei den MusikerInnen auf der Bühne um ein eingespieltes Team handelt: Obwohl beide wenig aktiv miteinander kommunizierten, gelang ihnen eine stellenweise unkonventionelle Interpretation der populären Sonate. Sie brillierten durch lebendige Dynamik und eine starke, wenn auch nie affektierte Ausarbeitung harter und weicher Phrasierungsbögen. Neben ihren solistischen Fertigkeiten überzeugten sie vor allem damit, dass sie sich gegenseitig ebendiese zeigen ließen und sich Freiräume zustanden, wann immer die Sonate es verlangte.
Mit der Violinsonate von Leoš Janáček (1854-1928) konnten Carolin Widmann und Alexander Lonquich ihre kammermusikalischen Kompetenzen besonders unter Beweis stellen. Beeinflusst wurden die vier Sätze der Sonate des tschechischen Komponisten durch die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs. Diese Emotionalität und Zerrissenheit fand sich in den Gegensätzen zwischen Tonalität und Atonalität, zwischen romantisch anmutenden folkloristischen Melodien und hektisch rhythmisierten Einwürfen der Violine wieder und wurde von dem Duo in eindrucksvoller Präzision ausgeführt – Durch die gesamte Sonate hinweg hüllten sie das Publikum in eine atmosphärische Klangwelt, in der man auch in harmonischen und melodiösen Momenten unruhig verweilte und auf die nächste Attacke wartete.

Abschließend erklangen in der Alten Aula wieder die vertrauteren Töne Richard Strauss’ (1864-1949). Obwohl er zehn Jahre später als Janáček geboren wurde, verblieb er mit seinen Kompositionen eher in den Konventionen der Romantik. Carolin Widmann beeindruckte in der Violinsonate Es-Dur mit einer breiten Bedienung der Klangfarben, die die Sonate zu einem intensiven Hörgenuss werden ließen. Im Finale der Sonate konnten beide ihre virtuosen Fertigkeiten auf ihren Instrumenten präsentieren: Gleichermaßen mühelos glitten schnelle Finger über Tastatur und Griffbrett und ließen mit dem fulminanten Schluss ein lautstark applaudierendes Publikum zurück. Nach einer Zugabe, dem zweiten Satz der Sonate Francis Poulencs (1899-1963), entließen Carolin Widmann und Alexander Lonquich ihr begeistertes Publikum aus einem abwechslungsreichen und rundum gelungenen Konzertabend.

 

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