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Donnerstag, 14 September 2017 12:16

Überwältigende Menge an Neugierde

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Eliot Weinberger (Mitte) mit Clemens J. Setz (rechts) und der Übersetzerin Beatrice Faßbender (links) Eliot Weinberger (Mitte) mit Clemens J. Setz (rechts) und der Übersetzerin Beatrice Faßbender (links) © Hanke

Eliot Weinberger im Gespräch mit Clemens J. Setz im Literarischen Zentrum

Im Literarischen Zentrum traf Clemens J. Setz auf den amerikanischen Essayisten Eliot Weinberger. Mit dreizehn wollte Weinberger Archäologe werden. Dann las er ein Gedicht von Octavio Paz und entdeckte eine neue Leidenschaft: das Schreiben. Seine Essays spiegeln die überwältigende Menge an Neugierde, die in dem New Yorker Autor steckt, treffend wider: Über die ganze Weltkarte verortet, ob auf der Grundlage eines Biologielehrbuchs oder der Biographie George W. Bushs, widmen sie sich den unterschiedlichsten Themen. Und erreichen mit der unbeschreiblichen Leichtigkeit, mit der sich Worte im Internet verbreiten, Kultstatus.

Das behauptet zumindest Clemens J. Setz, Weinbergers vermutlich größter und berühmtester Fan. Der Abend stellte für den jungen österreichischen Schriftsteller ein ganz besonderes Schmankerl dar: Zum ersten Mal kam es zum Treffen der beiden Autoren. Ergebnis war ein lebhaftes Gespräch über alle möglichen, auf das Schreiben bezogene Themen, wie zum Beispiel Fans, die sich auf Facebook den gleichen Namen geben oder Lob von der falschen Seite, aber auch über Gott und die Welt.

Unterbrochen wurde der Gedankenaustausch immer wieder von kleinen Lesungen aus entweder Weinbergers oder Setz’ Werken, wobei zum Teil auf Englisch und auf Deutsch vorgetragen wurde (die Lesung der deutschen Ausschnitte aus Weinbergers Repertoire übernahm seine Übersetzerin Beatrice Faßbender).

Weinbergers Essays bedienen sich stilistisch besonders in der Poetik – allein optisch ist jedes Werk für sich selbst sprechend. Der Titel „Vogelgeister“, der in der gleichnamigen, 2014 erschienenen Kollektion auftaucht, ist treffend im Flattersatz gestaltet, ein Gedicht über Sterne ähnelt den Figuren im Himmel. Weiterhin arbeitet Eliot Weinberger mit der Fantasie des Lesers, indem er verschiedene Klänge für sich sprechen lässt, oder aber einen Sachverhalt nur andeutet, anstatt die ganze Geschichte zu erzählen. Obwohl er nach eigener Aussage selten Stellen streicht, zeigt er dennoch Mut zur Lücke und ein Gespür für das Notwendige.

Romanautor Clemens J. Setz gestand seine Faszination für diesen Stil. Seine Beiträge, die Gedichte „Der Präsident“ und „Die Nordsee“ (beide zu finden in „Die Vogelstraußtrompete“) seien beides Versuche, Weinberger möglichst nahe zu kommen. Dabei erklärte er, dass für ihn literarische Einflüsse weniger bedeuten, ein Vorbild kopieren zu wollen, als sich an die Freiheit, die sich darin genommen wurde, zu erinnern und sich diese zu eigen zu machen. Eine höchst poetische These, welcher Weinberger beherzt zustimmte.

Schlussendlich hat die Annäherung der beiden Autoren der Literatur ein wenig die Schau gestohlen, und wäre der Abend nicht zeitlich begrenzt gewesen, hätten die Sprecher und das Publikum wahrscheinlich noch Stunden dieser nachgehen können. Eliot Weinberger warnte zu Beginn der Veranstaltung mit einem Augenzwinkern: „You have to buy the book.“, aber nach den Einblicken, die sich ergeben haben, entsprach dies sowieso dem Wunsch des Publikums. Und auch Clemens J. Setz hat sich seine Ausgabe signieren lassen.

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