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Sonntag, 03 September 2017 19:04

Aus der Dunkelheit ins Licht

geschrieben von
Christoph-Mathias Mueller und das Göttinger Symphonie Orchester Christoph-Mathias Mueller und das Göttinger Symphonie Orchester © Photo: Goos

„Dem Vergessen entrissen – Orchestermusik von Alexander Weprik“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester

Mit dem Konzert „Dem Vergessen entrissen - Orchestermusik von Alexander Weprik“, eröffnete das Göttinger Symphonieorchester nicht nur die neue Saison, sondern setzte darüber hinaus ein wichtiges Zeichen.

Alexander Mossejewitsch Weprik (*1899 Balta + 1958 Moskau) war ein russischer, international und auch in Deutschland sehr anerkannter Komponist. Schon in jungen Jahren wurde er Schüler am Leipziger und später am Moskauer Konservatorium, wo er ab 1930 auch selbst als Professor lehrte. Weprik war eines der führenden Mitglieder in der Moskauer Gesellschaft für Jüdische Musik. Nachdem seine Werke aufgrund seiner jüdischen Abstammung von den Nationalsozialisten verboten wurden, geriet er in Deutschland in Vergessenheit. In der Sowjetunion entließ man Weprik 1943 mit anderen Professoren aus dem Lehrbetrieb. 1950 wurde unter dem Vorwurf kontrarevolutionärer Tätigkeiten – unschuldig - zu acht Jahren Zwangsarbeit in einem Gulag im Ural verurteilt. Körperlich und seelisch gebrochen, kehrte Weprik 1954 zurück und starb am 13. Oktober 1958 im Alter von 56 Jahren in Moskau.

Vor diesem Hintergrund und durch die gelungene Werkseinführung, in der den Konzertbesuchern der historische Kontext, mit Schwerpunkt auf die Musikausübung in Gulags, nähergebracht wurde, erschien Wepriks Musik durch das Göttinger Symphonieorchester in neuem Glanz. Es handelte sich um eine Premiere, das wohl erste Konzert seiner Art, in dem ausschließlich nur Wepriks Werke gespielt wurden. In einer fein aufeinander abgestimmten Zusammenstellung begleitete das Orchester die Zuschauer auf einer Reise durch die in chronologischer Reihenfolge gespielten Werke. Mit seiner besonderen Präsenz und begeisternden Art führte Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller aber nicht nur musikalisch, sondern auch biografisch durch die einzelnen Lebensabschnitte, was Wepriks Musik in ihrer ganzen emotionalen Klangweite für die Zuschauer erlebbar machte. Wepriks musikalischer Stil, mit dem er sowohl charakteristische, traditionelle Klänge jüdischer Musik als auch moderne Elemente vereinte, gelangte tief in das Bewusstsein des Publikums. Schnelle Passagen gefolgt von einer spürbaren Dramaturgie und Tragik. Das Orchester schuf in diesem Rahmen eine einzigartige Atmosphäre und nahm die Zuhörer mit auf eine Reise in das Lebensgefühl des vergessenen Komponisten und seiner Zeit. Wepriks Musik ist ausdrucksstark und emotional berührend, immer wieder begleitet von seinem Lieblingsinstrument, der Bratsche. Charakteristisch sind die melodisch dunklen „Einbrüche“ (Mueller), die die Zuhörer nahezu erschaudern ließen, im steten Wechsel mit dynamischen und beseelten, aber auch zarten, zutiefst melancholischen Sequenzen, denen gleichzeitig die Tragik seines Lebens innewohnt. Nicht nur die für jüdische Musik klassischen Klarinettenklänge, sondern auch Harfe, Fagott und die farbenfrohe Celesta finden sich in Wepriks Werken wieder und setzen sich zu einer ganz eigenen Klangwelt zusammen. Den Abschluss bildeten die wenigen Werke, die Weprik nach seiner Rückkehr aus dem Gulag komponierte, insbesondere die Pastorale und zwei Poeme. Sie beleuchten den Rückblick auf sein schicksalhaftes Leben aus seiner ganz persönlichen Sicht.

Die Absicht und Einladung des Göttinger Symphonieorchesters, den Opfern der Gulags zu gedenken und Wepriks Musik in Deutschland zu rehabilitieren, ist mit diesem Sonderkonzert absolut gelungen, was besondere Anerkennung verdient, ebenso wie die aufwendige Suche nach seinen Werken und seiner Lebensgeschichte.

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