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Sonntag, 03 September 2017 18:57

Erweiterung des literarischen Horizonts

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Die „Stillen Hunde“ Stefan Dehler und Christoph Huber Die „Stillen Hunde“ Stefan Dehler und Christoph Huber © Photo: Hmida

Die „Stillen Hunde“ spielten „Literarisches Roulette“ im Apex

Dass Literatur nicht immer eine trockene Angelegenheit sein muss, bewiesen die Stillen Hunde am vergangenen Samstag beim „Literarischen Roulette“ im Apex. Das Duo bestehend aus Christoph Huber und Stefan Dehler rezitierte mehrere literarische Werke und verlieh so manchem von ihnen gar ein neues Gewand. Bei der Wahl der Texte aus dem Themenspektrum „Ritter, Tod und Teufel“ wurden sie dabei vom Publikum unterstützt.

Der Vorhang geht auf und es tönt Musik aus einem Grammophon. Zwei Herren im schwarzen Anzug treten auf und zunächst hat das Ganze noch den Anschein einer betagten Spielshow. Dann bitten sie aber jemanden aus dem Publikum darum, einen Zettel aus einer Urne zu ziehen. Dieser ist mit einer Zahl versehen und entsprechender Text wird von einem der beiden Tableaus abgenommen und aufgeführt. Jener Akt soll auch später noch den Kurs des Abends bestimmen.

Die Textgattungen reichten dabei von kurzen Aphorismen über Dramenauszüge bis hin zu Roman-stellen. Einige Texte waren wohlbekannt, andere wiederum eher obskur. Über die Darstellung von Manfred Kybers „Die Ehe Niederbeuge“ freuten sich die Stillen Hunde besonders. So wurde hier das Gespräch zwischen dem Teufel und dem ewigen Pechvogel Herr Niederbeuge gespielt. Als der Teufel letzteren nach dem Aussehen der Frau Niederbeuge (geborene Krampf) fragte, schaute sich Stefan Dehler, der den Herrn Niederbeuge spielte, grinsend im Publikum um, woraufhin eine Dame scherzhaft „Wehe!“ rief.

Auch vor Requisiten wurde nicht zurückgescheut. So verwendeten die Stillen Hunde für den Auszug aus Shakespeares „Richard III.“ Duplo-Figuren, um das Ganze, wie sie es ausdrückten, „plastischer“ zu gestalten. Manchmal hatten die Requisiten aber auch einen ungewollt komischen Effekt. Der „Don Juan“ verlangte beispielsweise nach einem schwarzen Tischtuch und dieses wurde auch prompt gezückt und ausgeschüttelt, was jedoch zu einer riesigen Staubwolke führte. „Das Stück ist ja auch etwas älter“, hieß es dann lachend.

Die Pause sowie das Ende wurde durch ein Weckerklingeln markiert. Dies hatte zur Folge, dass die Stillen Hunde dazu gezwungen waren, inmitten von Interpretationen innezuhalten. Das war zum Beispiel der Fall, als Christoph Huber gerade einen Tiger aus „Der Handschuh“ von Friedrich Schiller mimte. Dies zeigte sich jedoch in keiner Weise störend. So wurde nach der Pause sogar eine kurze Rückschau gegeben und die Szene fortgesetzt. Inmitten des „Bärenhäuters“ aus der Märchensammlung der Gebrüder Grimm klingelte der Wecker plötzlich erneut und läutete das Ende des Abends ein. „Spielregeln sind Spielregeln“, hieß es zunächst, doch grinsten die beiden Herren daraufhin und spielten die Szene dennoch zu Ende.

Was die Aufführung so besonders macht, ist ihre Einzigartigkeit, denn die Szenen wird es in jener Form so nie wieder geben, da sie maßgeblich durch Zufälle bestimmt waren. In den folgenden Wochen soll es weitere Auftritte dieser Art geben, jedoch mit anderen Themen. Der Besuch eines solchen literarischen Roulettes lohnt sich allemal, denn man hat dort nicht nur besonders viel zu lachen, man erweitert auch seinen literarischen Horizont.

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