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Dienstag, 29 August 2017 04:45

Menschen ohne Kleidung, Kleidung ohne Menschen

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Menschen ohne Kleidung, Kleidung ohne Menschen © Photo: Kindler

Ausstellung des Kunstvereins: „FITTING“ von Berenice Güttler im Alten Rathaus

In der Ausstellung „FITTING“ der Künstlerin Berenice Güttler steht Kleidung, oder besser gesagt das für die Produktion benötigte Material, die verschiedenen Stoffe und Textilien im Mittelpunkt. Diese werden hier nämlich nicht unter dem Gesichtspunkt der Herstellung von Kleidung gesehen, sondern vielmehr in ihrem Potenzial für eine künstlerische Auseinandersetzung. Ihre Bedeutung gewinnen die Materialien durch die Verwendbarkeit als gestalterisches Mittel (sowohl für Zeichnungen als auch Skulpturen), womit auch auf den Umgang mit ihnen hingewiesen werden kann. Die industrielle, massenhafte Herstellung von Kleidung wird damit hinterfragt und es wird auf die Möglichkeit einer individuellen, kreativen Gestaltung hingewiesen.


Güttler, die erst vor kurzem von ihrem New York-Stipendium zurück nach Deutschland gekehrt ist, hat während des einjährigen Aufenthalts viele Erfahrungen machen können und präsentiert nun die Früchte ihrer Arbeit in den Veranstaltungsräumen des Alten Rathauses. Die Ausstellung ist hierbei in drei Teile gegliedert.

Zum einen wären da viele Zeichnungen und Aquarelle, die in der Anfangszeit des Stipendiums entstanden sind. Im Mittelpunkt steht hier das Verhältnis zwischen dem Menschen und der Kleidung. Dargestellt werden Figuren mit und ohne Kleidung, oder aber bloße Kleidungsstücke ohne dazugehörige Menschen. Die Künstlerin bewegt sich hierbei gekonnt zwischen abstrakten, vage angedeuteten Figuren und konkreteren Darstellungen. Auch erste Versuche an skulpturalen Arbeiten mit verschiedenen Textilien sind bereits in dieser Phase entstanden und können im linken Flügel der Veranstaltungsräume betrachtet werden.

Im mittleren Saal stößt man auf großflächige bestickte Tücher, die an den Wänden, sowie auch mitten im Raum aufgehängt wurden. Im Zentrum des Saals befindet sich eine Vitrinenkonstellation, in der sich ein Querschnitt durch das Schaffen der Künstlerin befindet. Zeichnungen, Aquarelle und textile Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen werden hier kompakt dargestellt. Um die Vitrinen herum befinden sich die Tücher, welche mit vermehrt warmen Farben einen gemütlichen Raum innerhalb des Saals schaffen.

Das Hauptstück der Ausstellung befindet sich jedoch im hintersten Raum. Die Rauminstallation „fitting“, nach der die Ausstellung letztendlich auch benannt wurde, besteht aus einer seriellen Arbeit zu dem für Güttler großen Thema Kleidung. Eigens angefertigte Westen und Hosen werden hier, in Gemälderahmen auf dem Boden liegend, in verschiedenen Farben, Formen und Materialien präsentiert. Zum Anziehen ist hier jedoch nichts gedacht. Die Kleidungsstücke werden bewusst unfertig gelassen. Wichtige Elemente wie Knöpfe, Nähte und Reißverschlüsse fehlen. Ihren Wert als Gebrauchsgegenstände verlieren sie dadurch. Ihnen wird jedoch durch die unkonventionelle Arbeitsweise eine neue Bedeutung verliehen. Die Künstlerin selbst empfindet die Abkehr vom traditionellen Umgang mit den Stoffen als große Befreiung. Während einer dreijährigen Schneiderlehre hat sie die Tradition des Handwerks zur Genüge kennen gelernt. Ihr eigener Ansatz besteht jedoch darin, die Materialen aus ihren gewöhnlichen Kontexten zu lösen und sie im Spiel mit klassischen Gemäldeformen und skulpturalen Elementen zu einer Symbiose zusammen zu führen. Die Kuratorin Anja Lückenkemper bezeichnet das Ergebnis treffend als „skulpturale Form konkreter Malerei“.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 15. Oktober. Am 24. September und am 1. Oktober findet jeweils eine kostenlose Führung statt. Danach werden weitere Teile Güttlers Werks in der städtischen Galerie Nordhorn ausgestellt. Hoffentlich wird sie auch so sehenswert wie die aktuelle Ausstellung!

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