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Freitag, 01 September 2017 00:01

Neue Saison, neues Programm und neuer Vorstand bei der Göttinger Kammermusikgesellschaft

geschrieben von Bettina Lange-Malecki
Der fünfköpfiger Vorstand der Göttinger Kammermusikgesellschaft (v.l.n.r.): Bettina Lange-Malecki, Katharina Troe, Michael Schäfer, Ulla Schimpf und Hannelore Franz Der fünfköpfiger Vorstand der Göttinger Kammermusikgesellschaft (v.l.n.r.): Bettina Lange-Malecki, Katharina Troe, Michael Schäfer, Ulla Schimpf und Hannelore Franz © Photo: Kammermusikgesellschaft

In der Mitgliederversammlung der Göttinger Kammermusikgesellschaft wurde der frühere Tageblatt-Redakteur Michael Schäfer als Nachfolger von Katharina Troe zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Zum fünfköpfigen Vorstand gehören außerdem als stellvertretende Vorsitzende die Cellistin Katharina Troe und als Schatzmeisterin Hannelore Franz, die ehemalige Direktorin des Amtsgerichts Duderstadt, dazu zwei Beisitzerinnen, die Göttinger Musikerinnen Bettina Lange-Malecki (Flöte) und Ulla Schimpf (Violine). Elisabeth Staehelin, die viele Jahre lang die Göttinger Kammermusikgesellschaft verdienstvoll geleitet hat, hat sich jetzt endgültig aus der Vorstandsarbeit verabschiedet.

Der frühere Vorstand hatte das Saisonprogramm 2017/18 schon vorbereitet. Es widmet sich dem vor 120 Jahren gestorbenen Komponisten Johannes Brahms (1833-1897). Unter der Motto „Geliebter Brahms“ sind sechs Konzerte in der Aula der Universität am Wilhelmsplatz zu erleben. Eröffnet wird die Saison am Sonntag, 24. September, mit der Violinistin Carolin Widmann und dem Pianisten Alexander Lonquich, die außer der „Regenliedsonate“ op. 78 von Brahms Violinsonaten von Janáček und Richard Strauss spielen werden. Beginn ist um 19.45 Uhr.

Zur Mitgliedschaft in der Kammermusikgesellschaft gehört nicht nur das Abonnement der Aulakonzerte, sondern auch die Möglichkeit zur Mitarbeit im Programmausschuss sowie die Gelegenheit zum Kontakt mit den Künstlern. Den Kontakt der Mitglieder untereinander möchte der neue Vorsitzende vertiefen. „Der Kauf von Eintrittskarten ist nicht das einzige, das uns verbindet“, betonte Schäfer auf der Mitgliederversammlung. „Wir haben uns alle in irgendeiner Weise der Kammermusik verschrieben und können uns in einem Mitteilungsorgan gegenseitig über solche Aktivitäten informieren.“ Das könnten Hinweise auf Konzerte in der Region sein, aber auch Anfragen nach Kammermusik-Partnern für Hausmusik.

Abonnements unter www.aulakonzerte-goettingen.de, per E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Der allgemeine Vorverkauf von Einzelkarten beginnt am 1. September an den Göttinger Vorverkaufsstellen sowie über das Buchungsportal Reservix. Informationen zu den Konzerten und den Tickets finden Sie natürlich auch hier online im Kulturbüro Göttingen.

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    So (oder ähnlich) mag es derjenigen ergehen, welche die Große Fuge zum ersten Mal hört. Keine falsche Helden-/Werkverehrung. Und auch keine echte. Aber wahrlich, es ist ein Ton-Trumm, den der gute Ludwig van Beethoven 1825/1826 aufgeschichtet hat.

    Gut besucht ist die Aula am Wilhelmsplatz auch beim vorletzten Konzert der Saison. Eine strenge Türkontrolle hätte das Programm allerdings kaum hereingelassen – die drei Originalkompositionen für Streichquartett haben schließlich mit dem Saisonmotto „Zauberhafte Arrangements“ herzlich wenig zu tun. Des Publikums Schaden war es nicht.

    Die zarte Platzregie der Kammermusikgesellschaft verschafft dem Rezensenten die (sehr angenehme) Möglichkeit, im Laufe der Zeit beinahe jeden Sitzplatz in der Aula akustisch kennenzulernen. Empore, letzte Reihe, Mitte: für Streichquartette in diesem Saal ein beinahe perfekter Platz. Trotz der großen Distanz zum Podium sind selbst allerleiseste Passagen (mit denen das Dover Quartet gottlob nicht spart) sehr gut zu vernehmen. Das Klangideal von Milena Pajaro-van de Stadt an der Bratsche und ihren drei männlichen Kollegen (Joel Link und Bryan Lee an der Violine sowie Camden Shaw am Violoncello) ist hörbar ein sehr homogenes. Phrasierung, Artikulation, Vibrato sind ungewöhnlich stark einander angeglichen, so dass ein Hervortreten aus dem Ensembleklang einem Instrument wirklich nur „gelingt“, wenn die Komposition es vorschreibt. Sowohl bei Mozarts Quartett F-Dur KV 590 als auch bei Samuel Barbers Streichquartett op. 11 (1936) nutzen sie diese Klangvorstellung, um gleichzeitig eine sehr kontrollierte, fast sittsame Interpretation zu liefern. Diese kostet die emotionalen Extrema wohl aus – aber nie bis ins Letzte. Sie lässt freundlich-sprudelnde Notenketten sehr virtuos durch den Raum fliegen – aber nie von der Leine.

    Das ist stimmig. Besonders Barbers zweiter Streichquartettsatz – später als „Adagio für Streicher“ berühmt geworden – profitiert davon ungemein. Dementsprechend lautstark dankt das Publikum bereits zur Konzerthälfte.

    Zwischen 1824 und 1826 schrieb Beethoven die letzten fünf seiner insgesamt 16 Streichquartette. Jenes in B-Dur op. 130 mit seinen sechs Sätzen erklingt heute Abend mit seinem ursprünglichen Finale, der Großen Fuge. Ursprünglich, denn Beethoven komponierte auf Drängen seines Verlegers eines neues Finale. Warum? Die vorherigen Sätze fanden teils Anklang bei der Uraufführung - wie die Fuge ankam, mag ein Zitat aus der „Allgemeine Musikalische Zeitung“ verdeutlichen: „Aber den Sinn des fugirten Finale wagt Ref. nicht zu deuten: für ihn war es unverständlich, wie Chinesisch.“

    Spielt ein Ensemble nun das Quartett op. 130, ist die entscheidende Frage vor dem Einstudieren: mit oder ohne? Heute beantwortet man sie, ziemlich sicher im Sinne des Komponisten, wie das Dover Quartet, d.h. mit Fuge. Wer so kundig, großartig spielend auftritt, wie die Vier an diesem Abend, wird auch das Folgende mit Bedacht und Absicht gewählt haben: die ersten fünf Sätze verbleiben – nun natürlich Beethoven wiedergebend – in jener klassisch-gesitteten Ausdruckswelt der ersten Programmhälfte. Sobald die Fuge beginnt, eröffnet sich schlagartig jedoch ein neuer Ausdrucksraum. Die Akzente hauen in die Aula; die Bandbreite der Lautstärke erhält an beiden Enden neue Bereiche etc.

    Das ist erfreulich – aber leider für uns schwer nachvollziehbar, warum es diesen Bruch gibt. Das Außergewöhnliche der Fuge braucht nicht extra betont zu werden. Im Gegenteil hätten wir uns bereits das ganze Quartett mit dem Mut der Fuge gewünscht. - Was keinesfalls heißen soll, dass die Interpretation irgendwelche Mängel oder Fehler aufgewiesen hätte!

    Das Verschmelzen der vielen Takt- und Tempowechsel im ersten Satz gelingt grandios. Das wehmütige zweite Thema im Cello so traumschön, dass man auf das strahlende Ende der Coda hofft. Das strahlt auch; doch mit jener Zurückhaltung, der es hier besser(?) gemangelt hätte. Die Cavatina, der fünfte Satz, funkelt in der Lesart des Quartetts vielleicht am intensivsten. Hier verleiht die Noblesse der Darbietung dem Sehnsüchtigen der Melodie noch größeren Nachdruck. Der koboldhafte zweite Satz ist in der Lautstärkedisposition vorzüglich angelegt, doch das Exaltierte, Bedrohliche in den Begleitstimmen, wenn sie die erste Geige beinahe zu Tode hetzen, fehlt. Dem Alla danza tedesca geht in den Nichtmelodiestimmen die ätherische, schwebende Wirkung ein wenig ab und so wirkt der Satz wie ein „Deutscher“ (d.i. Walzervorläufer), statt wie eine geläuterte, gereinigte Version davon.

    Applaus wird es nach den Schlusstönen der Fuge zu Recht überreichlich geben. Dem „wie Chinesisch“ begegnet man im Publikum obschon: Wenn gut sieben, acht Minuten mit der Fuge ins Land gezogen sind, schaut manche doch auf den Programmzettel… das ist nicht Schönberg, oder?... Obwohl uns der Interpretationsbruch nicht stimmig erscheint, ist die Fuge ganz famos gespielt. Und wenn sich das größte Gewirr mit dem Allegro molto e con brio verzogen hat, kommt der beste Teil des Abends: Das zweite Meno mosso – in dem die Musik wie in Glas gegossen klingt. Zwei der großartigsten Minuten meiner Konzerthörervita.

    Die Zugabe nimmt das Saisonmotto schließlich doch noch auf – Duke Ellingtons „In a Sentimental Mood“, für Streichquartett gesetzt.

    DOVER QUARTET
    Joel Link und Bryan Lee – Violine
    Milena Pajaro-van de Stadt – Viola
    Camden Shaw - Violoncello

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    Drittletztes Konzert der Saison der Aulakonzerte, drei Musiker, drei Instrumente, drei Stücke - großer Beifall am Ende, Zugabe, zufriedenes Publikum. Wenn der Kritiker jetzt auch begeistert ist, endet die Besprechung hier. Allein, es kommt noch was. Und am Ende lag das an den Pausen.

    „Zauberhafte Arrangements - (Un-)vertraute Original Werke“ lautet das Saisonmotto, dazu passend gruppieren sich zwei Bearbeitungen um eine Originalkomposition für die Besetzung Violine/Klavier/Violoncello. Anton S. Arenskij (1861-1906) schrieb sein Klaviertrio Nr. 1 d-Moll 1894, das Werk jedoch ist Früherem verpflichtet; Schumann, Tschajkowskij, sein Lehrer Rimskij-Korsakow schweben erkennbar durch die Partitur.

    Maria Milstein (Violine) sowie Gideon den Herder (Cello) haben ihren Instrumentenklang gut aufeinander abgestimmt, obwohl ihr Stil bezüglich der rechten, der Bogenhand ganz unterschiedlich ist - das ergibt eine interessante, farbenfrohe Mischung. Hannes Minaar fügt seinen Klavierklang dieser Mischung bei, ohne dominant zu werden. (Nur ein nicht quietschender Klavierhocker wäre ihm zu wünschen gewesen.) Auf die Saalakustik wurde höchst sorgfältig Rücksicht genommen, so dass die Balance zwischen den Instrumenten gewahrt ist. Und an diversen Stellen trauen sich die Drei erfreulicherweise ans unterste Ende der Lautstärkeskala.

    In Arenskijs viersätzigem Trio begeistert, neben süffigen Melodien und virtuoser Brillanz, besonders die ein oder andere formale Wendung. Wenn im ersten Satz zu Beginn der Durchführung plötzlich ein völlig neues Motiv die Herrschaft übernimmt und alles vergessen machen will, was zuvor war - ist man beim Zuhören auf weitere Überraschungen gefasst. Bereits bei der sich unerwartet in den Himmel erhebende Coda wenig später ist Grund zu erneuter Freude. Kleinere Fehler im Zusammenspiel der Streicher trüben diese nur wenig. Virtuos wird nicht nur das Finale werden, schon im Scherzo wird bogentechnisch einiges verlangt. – Dass es ebenso viele Arten gäbe eine Saite zu zupfen, erleben wir leider nicht. – Unvergessen bleibt der Mittelteil dieses zweiten Satzes: Ein schmachtender Streicherwalzer mit ganz merkwürdig gestauchter Begleitung im Klavier (großartig exakt gespielt!). Unvergesslich schön auch wie in den Schlusstakten der Elegie (3. Satz), wenn das Cello ein letztes Mal die Melodie anstimmt, sich die Geige in diesen Klang unendlich sanft einschleicht.

    Pedalflügel, d.i. Flügel mit zusätzlicher Pedalklaviatur wie bei der Orgel, stehen nur noch im Museum. Um Robert Schumanns „Studien für Pedalflügel. Sechs Stücke in canonischer Form“ op.56 (1845) aufzuführen zu können, kommt heute die Bearbeitung Th. Kirchner zu Gehör. Sie gleicht dem Versuch aus einer Aquarellminiatur ein 3x4m-Ölgemälde zu machen. Farbverläufe und Übergänge wirken, so ins Große gesetzt, plakativ. Nur der Dezenz des van Baerle-Trios ist es zu verdanken, dass der perlende Sechzehntelkanon der Nr.1 wirklich wie aus einem Instrument, aus einer Stimme heraus erklingt. Den Stimmverläufen in den weiteren fünf Studien zu folgen, ist, trotz der Trennung auf verschieden Instrumente, nicht immer ganz einfach. Hier verwischt das Arrangement mehr als zu verdeutlichen.

    Nun zu den Pausen. Die Ecksätze Schlusswerkes zeigen wieder einmal, dass sie das Wichtigste an der Musik sind. L. van Beethovens 2. Symphonie wurde 1806, vier Jahre nach der Komposition, von ihm oder zumindest mit seiner Zustimmung aus Gründen der Verkaufsförderung für Klaviertrio gesetzt.

    Das Hauptthema des ersten Satzes beginnt nach einer Pause mit einem Auftakt, vier gebundene Sechzehntel. Es spielt an allen Schlüssel- und Übergangsstellen die entscheidende Rolle. Leider, leider halten die Musiker an vielen dieser Stellen die Spannung nicht; und setzen jenen Bruchteil einer Sekunde zu früh ein, so als könnten sie die vortrefflich aufgebaute Spannung selbst nicht mehr aushalten. Vierter Satz, ähnliches Problem: Das äußerst vorwitzige Thema fordert nach den ersten beiden Achteln, vor dem pseudodramatischen – eigentlich ausgelassen-freudigem – Melodieabsturz eine Achtelpause. Sicherlich ist es schwierig, dies in sehr zügigem Tempo und bei jeder Motivwiederkehr exakt zu musizieren, doch liegt der ganze Witz des Themas, ja des ganzen Satzes eben darin.

    So munter, resolut, kraftvoll das Trio die Symphonie angeht, fehlt es bei den endlosen sforzati-Ketten an der nötigen Abstufung zu den nicht mit einem Akzent versehenen Tönen. Wie Beethoven im Scherzo lustvoll eine D-Dur-Tonleiter zerhackt, neu zusammensetzt und wieder zerhackt, hören wir – die auf kleinstem Raum geforderten Lautstärkeunterschiede jedoch nicht. Am Können der drei Musiker liegt das sicher nicht, vielmehr scheint das Abrupte, Schroffe und Garstige dieser Musik ihnen weniger zu liegen als das lyrisch Schwelgende.

    Den Applaus als Maßstab nehmend stellt unsere Beurteilung der Symphonie eine Minderheitenmeinung dar. Aber worüber ließe sich auf dem Heimweg sonst auch trefflich streiten?

    Für Blumen und Pralinen dankt das van Baerle Trio musikalisch: Felix Mendelsohn Bartholdy, zweiter Satz aus dem Klaviertrio Nr. 1 d-Moll.

  • Aulakonzert mit dem Meccore Stringquartett, Holger Michalski und Haiou Zhang Aulakonzert mit dem Meccore Stringquartett, Holger Michalski und Haiou Zhang

    Im zweiten Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft ist am 23. Oktober 2016 das polnische Streichquartett MECCORE STRING QUARTET zu Gast.

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