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Donnerstag, 17 August 2017 07:23

Lyrik meets Drama: Anregung zur genauen sensiblen Betrachtung

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Elsa-Sopie Jach und Alexandru Bulucz im Dots Elsa-Sopie Jach und Alexandru Bulucz im Dots © Photo: Vespermann

„Kellerkultur“ feierte den Sommer mit einer kleinen Gattungszusammenkunft: Am 15. August teilten sich Elsa-Sopie Jach und Alexandru Bulucz die Bühne des Dots Innenhofs und zerrten gemeinsam an Grenzen und Konventionen.

Zwischen gattungstheoretischer Debatte und schlichter Lesung präsentierte die studentisch-literarische Initiative „Kellerkultur“ die Begegnung zweier junger Autoren und mit ihnen die Begegnung zweier literarischer Gattungen im Fokus der aktuell zunehmenden Aufweichung klarer Grenzen.

Die junge Dramatikerin Elsa-Sophie Jach arbeitete als Regieassistenz am Staatsschauspiel Dresden, studierte szenisches Schreiben in Berlin und setzt ihre Weiterbildung nun im Studium der Theaterwissenschaft fort. Die präsentierten Texte, an mancher Stelle wohl mehr narrativ, mehr Bildbeschreibung, als typische Dramenform, strotzen vor Aussagekraft, Kontur und Farbe. Schließt man die Augen, malen ihre Worte teils skurrile, schauerhafte Bilder, die an dieser Stelle nicht einmal einer Inszenierung bedürfen, um für den Rezipienten lebhaft zu werden. Angelehnt an Heinrich Müller, beschreibt Elsa-Sophie Jach, in ihren an diesem Abend gelesenen Texten, starke szenische Bilder oder Kurzszenen, die von bekannten Bildern, Filmen oder Geschichten ausgehen und Grundlage weiterer Inszenierungen bieten. Sie selbst beschreibt ihre Texte als „wohl fast prosaisch“, losgelöst von der Gattungsspezialisierung betont sie das Ziel der Stücke. Sie selbst verstünde sich als „Theatermacherin“ und strebe mit ihren Texten also an, eine Grundlage zur weiteren Bearbeitung zu bieten, denn gerade das „Aufeinanderprallen verschiedener Lesarten“ von Autor und Regisseur, sei Gegenstand ihrer Faszination für das Drama.

Alexandru Bulucz vertritt an diesem Abend die Lyrik. Der in Rumänien geborene Autor studiert Komparistik und Germanistik in Frankfurt am Main, arbeitet als Übersetzer, ist Mitherausgeber der Literaturzeitschrift „otium“, Herausgeber der philosophischen Gesprächsreihe „Einsichten im Dialog" der „Edition Faust“ und verantwortlicher Redakteur für Literatur und Philosophie bei „Faust-Kultur“. An diesem Abend liest er aus seinem 2016 erschienenen Debüt-Lyrikband „Aus sein auf uns“. Seine Texte entführen in fast mystisch wirkende Zwischenwelten, die stark durch ein osteuropäisches Motiv geprägt sind. Hier prallen Alltäglichkeiten auf Spiritualität und werden in einer Mischung aus traumhafter Poesie und narrativem Bericht international, interkulturell und interreligiös Inhalte aufgegriffen, die durch ihre zeitliche Bindungslosigkeit irgendwo zwischen früher und heute eine gewisse Unsterblichkeit und immerwährende Aktualität besitzen.

Dies, so der junge Autor, sei auch sein Anspruch. Auf die Frage, ob er dem aktuellen Trend folge, wieder mehr politische Literatur zu schaffen, antwortet er, dies sei nicht direkt sein Ziel, doch durch das Zeitgenössische seiner Texte, sei auch der Gegenwartsbezug geschaffen, der durchaus politisch sein kann.

Elsa-Sophie Jach beantwortet die gleiche Frage ähnlich. Nicht der direkte politische Bezug sei ihr Ziel, sondern viel mehr indirekt auf die mangelnde Fähigkeit mit aktuellen Spannungen umzugehen hinzuweisen. Dies strebe sie durch die Beschreibung von Geschehnissen im „nächsten Umkreis der Katastrophe“ an, die viel mehr von Sehnsucht nach Eskalation, als tatsächlicher politischer Aussage zeugen.

An diese Frage angegliedert wird die Debatte über die verschiedenen Literaturtypen und deren aktuelle Vermischung aufgegriffen. Beide Autoren sehen das heutige Schreiben als stärker durch Instrumentalität geprägt. Die Wirkung für den Autor, eine bestimmte Botschaft zu vermitteln, Bilder, Gefühle und Geschehnisse wiederzugeben, sei in den Vordergrund gerückt und nicht die breite literarische Produktion in vielen verschiedenen Gattungen und diese in ihrer Typizität zu berücksichtigen. Dadurch komme es zwar zu einer vermehrten Spezialisierung junger Autoren auf eine bestimmte Gattung, doch durch die zunehmenden Kleinteiligkeit der Klassifizierungen und der extrem verbreiterten Wissensgewinnung und -schaffung durch die neuen Medien komme es zu einer durchmischten Undurchsichtigkeit, die mit einer Aufweichung der klaren Grenzen zwischen den Gattungen einhergehe.

In diesem Sinne steht auch die Lesung der mitgebrachten Texte. Ohne breite Diskussion stehen die Worte und die Bilder, die sie malen für sich und bilden damit einen kleinen Ausschnitt zeitgenössischer Lyrik- und Dramaliteratur ab. Mit ihren sehr eigenen Texten machen die beiden jungen Autoren Lust auf mehr und öffnen eine weitere Tür Welt zur literarischen Vielfalt, die zur genauen sensiblen Betrachtung anregt.

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