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Montag, 14 August 2017 05:41

Aus alt mach neu? - „Jedermann reloaded“

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„Jedermann reloades“ im Deutschen Theater „Jedermann reloades“ im Deutschen Theater © Photo: Goos

Mit dem Gastspiel „Jedermann reloaded“, am Samstagabend, erfuhr die diesjährige Kultursommerreihe des Deutschen Theaters einen gebührenden Abschluss.

Es ist durchaus ein anspruchsvolles Vorhaben, dem sich der Schauspieler Philipp Hochmair mit der modernen Darstellung des Klassikers „Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ stellt. Das von Dramatiker und Lyriker Hugo Hofmannsthal (1874-1929) erschaffene Werk wurde 1911 in Berlin uraufgeführt und eröffnet jedes Jahr erneut die Salzburger Festspiele. Philipp Hochmair, geboren 1973 in Wien, spielt seit 2008 am Thalia Theater in Hamburg und ist auch aus Fernseh- und Kinofilmen, wie unter anderem in der Rolle des Golo Mann in „Die Manns- Ein Jahrhundertroman“ bekannt. Abgesehen von „Jedermann reloaded“, ist er auch mit weiteren Soloprogrammen, wie Goethes „Werther“ und Franz Kafkas „Prozess“, auf Tour.

Im Mittelpunkt des Stücks steht der wohlhabende Herr Jedermann, der für seinen ausschweifenden Lebensstil und seine Gier nach Reichtum, Glanz und Prunk bekannt ist. Jedermann ist ein Lebemann, wie er im Buche steht. Gott beschließt, seinem Treiben ein Ende zu setzen und erteilt Gevatter Tod den Auftrag, Jedermann zu holen, damit er vor dem göttlichen Gericht Rechenschaft ablege. Inmitten einer Feier wird er vom Tod aufgesucht, mit dem er jedoch „noch ein Stündchen“ Gnadenfrist aushandeln kann. Nun muss sich auch Jedermann mit dem Thema der Vergänglichkeit seines Lebens und den eigenen Fehlern auseinandersetzen. Er begegnet seinen Werken und seinem Glauben, die im Laufe seines Lebens verkümmert sind, was seine Verwandlung in einen besseren Menschen bewirkt.

Nun könnte man sich fragen, wie diese Handlung in alter Sprache und eine sehr moderne Inszenierung mit harten Gitarrenriffs zueinander passen - die Antwort: erstaunlich gut! - denn auf mitreißende Art gelang es Hochmair, eine unglaubliche Bühnenshow zu präsentieren und dabei eine Vielzahl von Charakteren zu verkörpern. Die Zuschauer erlebten eine „Onemanshow“, in der Hochmair in Sekundenschnelle und höchst überzeugend von einer Persönlichkeit in die andere schlüpfte: Hochmair als exzentrischer, stets Zigarre rauchender Jedermann, als Geliebte, als Mutter, Tod, Teufel und sogar als Gott selbst. Durch seine grandiose, schillernde Bühnenpräsenz zeigte sich Hochmair wandlungsfähig und offenbarte zahlreiche Facetten seines schauspielerischen Könnens in nur einem Stück, immer in musikalischer Begleitung seiner Band „Die Elektrohand Gottes“, die ihrem Namen alle Ehre machte. Mit dem im Vorfeld angekündigten „Klangteppich“ wurde keineswegs zu viel versprochen, glänzte er doch durch eine enorme Bandbreite an instrumentalen Klängen, die von klassischen Gitarrenriffs mit Schlagzeug, über experimentelle Beats, Techno, bis hin zu einem gefühlten Klangkunstfestival reichten. Die Musiker Tobias Herzz Hallbauer, Jörg Schittkowski und Alvin Weber führten mit akustischer Raffinesse durch alle Stimmungslagen Jedermanns, mal laut, rasant und hitzig, um sich dann wieder in leisen, sanften und melodischen Klängen zu beruhigen. Hochmair sprach den Originaltext, der immer wieder in einen Sprechgesang mit akustischem Echo überging. Das Publikum begegnete einer äußerst fein aufeinander abgestimmten Symbiose aus schauspielerischer und musikalischer Kunst, was eine unglaublich ausdruckstarke Atmosphäre erschuf. „Jedermann reloaded“ ist ein Beispiel dafür, dass manchmal weniger mehr ist und es keinesfalls immer eines aufwendigen Bühnenbildes bedarf, um einen ganzen Saal in Faszination zu versetzen.

Eine äußerst gelungene Begegnung von alter Sprache und moderner Inszenierung, die durch Hofmairs unübersehbare schauspielerische Leidenschaft neu belebt wird und auch für jüngere Generationen einen Zugang zu klassischen Theaterstücken bereiten kann. Dieser bravourösen Leistung entsprechend, fiel auch die Reaktion des Publikums aus, das Hochmair und seine Band mit tosendem Applaus und begeistertem Fußgetrappel verabschiedete.

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