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Dienstag, 08 August 2017 15:41

Die vielen Facetten des Emil Cimiottis

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Papierreliefs und Skulpturen Emil Cimiottis im Weißen Saal des Künstlerhauses Papierreliefs und Skulpturen Emil Cimiottis im Weißen Saal des Künstlerhauses © Photo: Bunes

„Papierreliefs und Skulpturen“ im Künstlerhaus

Es scheint sich der große Kreis des Emil Cimiotti nun zu schließen. Vor 90 Jahren in Göttingen gebo-ren, aufgewachsen in der Geismar Landstraße, studiert in Stuttgart, Berlin und Paris, gelehrt in Braun-schweig, zeigt der Bildhauer seine Werke jetzt im Kunstverein in seiner Heimatstadt. Doch wer glaubt, dass die Ausstellung lediglich ein Rückblick auf die Jahrzehnte seines Schaffens wäre, irrt. Cimiotti ist noch nicht müde, erfindet sich und seine Kunst immer wieder neu. Seine Arbeit ist Autobiografie und so machen die Themen stets eine Wandlung, weil er selbst ein anderer geworden ist.

Nach der britischen Kriegsgefangenschaft absolvierte Cimiotti eine Ausbildung zum Steinmetz, die nötig war, um an der Kunsthochschule angenommen zu werden. Ende der 1950er Jahre stellte er seine Werke auf der documenta II sowie documenta III aus. Außerdem war er zwei Mal auf der Biennale in Venedig vertreten. Cimiotti ist auch mit fünf Großplastiken im Göttinger Stadtbild präsent: Sie stehen unter anderem im Innenhof des Landkreisgebäudes an der Reinhäuser Landstraße und im Hof des Erziehungswissenschaftlichen Instituts am Waldweg.

„Papierreliefs und Skulpturen“ zeigt die vielen Facetten des Emil Cimiottis. Während Plastiken schon seit seiner Studentenzeit einen Großteil seines künstlerischen Schaffens darstellen, sind die Papierreli-efs ein Teil seines Spätwerks. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Formproblemen. Er wendet sich gegen die Auffassung einer geschlossenen Form, die noch seine Lehrer vertraten und stellt infolgedes-sen das Spannungsverhältnis zwischen innerem und äußerem Raum in den Fokus. In seinen Skulptu-ren wird dies durch Hohlformen deutlich, die geradezu willkürlich die unebene Oberfläche aufbre-chen.

Diesen konstruktivistischen Ansatz scheint Cimiotti auch bei den Papierreliefs des Spätwerks zu ver-folgen. Beim Betreten des Ausstellungsraums entdeckt der Besucher auf beiden Wandseiten Pa-pierstrukturen, die der Künstler wie Holz aussehen lässt. Auf der linken Seite ein dunkles, auf der rechten Seite ein helles. Er führt sein Material also auf seinen Ursprungszustand zurück, besinnt sich in gewisser Weise auf das Wesentliche.

Dieses Motiv könnte man seinem Spätwerk auch generell unterstellen. Er hat sein gesamtes künstleri-sches Leben hauptsächlich mit Bronze und aufwendigen Verfahren gearbeitet. Kunst auf Papier ist nach den Höhlenmalereien vielleicht die ursprünglichste Form der Kunst. Selbst heute malt jedes Kind sein erstes Bild auf Papier (oder auf der Tapete, die aber auch eine Form von Papier ist). Cimiotti ex-perimentiert mit Farben, die die Ausstellung oft gegenüberstellt. Grün neben rot neben grau. Das Auge wandert von einem Relief zum anderen, entdeckt dabei Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Emil Cimiotti ist also trotz seines im August anstehenden 90. Geburtstags des Künstlerdaseins noch lange nicht überdrüssig geworden. Im Gegenteil: Er hat es geschafft, sich neu zu erfinden und ein Spätwerk zu erschaffen, das sowohl Wegbegleitern, als auch Cimiotti-Neulingen begreifbar wird. Ein Künstler aus Göttingen, den wir hoffentlich noch häufig hier sehen werden.

„Emil Cimiotti: Papierreliefs und Skulpturen“ ist eine Kooperation zwischen dem Kunstverein Göttin-gen und dem Verein Künstlerhaus mit Galerie. Zu sehen ist die Ausstellung im Künstlerhaus, Gotmar-straße 1, 37073 Göttingen.

Öffnungszeiten: Di–Fr 14–18 Uhr, Sa/So 11–16 Uhr. Am Sonntag, 13., 20. und 27. August, führt die Göttinger Kulturjournalistin Tina Fibiger jeweils um 15 Uhr kostenlos durch die Ausstellung.

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