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Sonntag, 06 August 2017 15:16

Zur Müllerin hin! So lautet der Sinn.

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Bernd Eberhardt und Mathias Schlachter in der Göttinger St. Johanniskirche Bernd Eberhardt und Mathias Schlachter in der Göttinger St. Johanniskirche © Photo: Wortmann

„Die schöne Müllerin“ von Franz Schubert mit Mathias Schlachter und Bernd Eberhardt in der Göttinger St. Johanniskirche

In dem noch unrenovierten Teil der Göttinger Johanniskirche dominieren die Farben grau und schwarz. Der Tenor Mathias Schlachter ließ mit dem Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ warme und weiche Farben der Seele erklingen und damit die noch triste Umgebung vergessen. Dabei sah es zu Beginn des Liederabends nicht unbedingt danach aus: in der vollbesetzten Kirche stellte Schlachter zunächst einen eher naiven, schlichten Naturburschen vor, der sich bei seiner Wanderung dem Lauf des Baches anschließt. Erst als die romantische Geschichte vom armen Müllersburschen ihren Lauf nahm und ihn die Liebe zur Müllerin vollständig ergriffen hatte, zeigte Mathias Schlachter seine großen Qualitäten als Erzähler und Mitfühler: die lyrischen Passagen waren ergreifend schön gestaltet – angefangen bei der „Danksagung an den Bach“ („Zur Müllerin hin! So lautet der Sinn.“) über den „Tränenregen“ bis zu den „Trockne Blumen“.
Bernd Eberhardt an dem großen Ibach-Flügel der Johanniskirche folgte der differenzierten Wiedergabe des Sängers. Dieses sonst so kraftvoll klingende Instrument konnte dank Eberhardts Spiel auch erstaunliche Qualitäten im Piano und Pianissimo beweisen. Durch die akustisch bedingte Zurückhaltung im Klavierspiel blieb allerdings die Virtuosität der Klavierparts vor allem im ersten, forscheren Teil zum Teil etwas im Verborgenen.

Das Lied „Pause“ („Ich kann nicht mehr singen, mein Herz ist zu voll“) nahm Mathias Schlachter zum Anlass, selbst eine Pause zu machen. Die füllte Bernd Eberhardt mit dem selten zu hörenden Impromptu in es-Moll. In diesem in Schuberts letztem Lebensjahr 1828 entstandene Stück dominiert eine eher düstere Stimmung. Eberhardt legte die im Liederzyklus gebotene Zurückhaltung vollständig ab und gestaltete die dynamische Bandbreite des Werkes sehr effektvoll, zum Teil auch hoch dramatisch.

Das war eine gute Überleitung zum zweiten Teil, in dem Wut, Eifersucht, Melancholie und Suizid die Folgen der unerfüllten Liebe sind. Großartig gestaltete Schlachter den Dialog „Der Müller und der Bach“. Und am Ende bleibt nur noch der Bach mit seinem Nachruf, dem Wiegenlied: „Gute Nacht, gute Nacht! / Bis alles wacht, / Schlaf aus deine Freude, schlaf aus dein Leid! / Der Vollmond steigt, / Der Nebel weicht, / Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!“ Bis zum letzten Ton hielt Mathias Schlachter die Spannung hoch. Erst danach verschwanden die von ihm und Bernd Eberhardt produzierten Farben, das Grau und Schwarz aus dem Kirchenschiff traten wieder hervor. Einen Vorgeschmack auf die neuen Farben, die nach der Renovierung der Johanniskirche zu sehen sein werden, gibt der Chorraum und auch das neue Glasfenster von Günter Grohs auf der Nordseite des Kirchenschiffes.

Als Dank gab es am Ende in der vollbesetzten Kirche großen Applaus für beide Solisten, die sich ihrerseits mit dem Schubert-Lied „Du bist die Ruh“ bedankten.

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