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Mittwoch, 05 Juli 2017 09:50

Lichtung #2: Male Thomas Mann so gut du kannst

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Das Veranstaltungsplakat von Lichtung #2 Das Veranstaltungsplakat von Lichtung #2

Lichtung #2 im Nörgelbuff – ein Abend auf Millenials

Am Dienstagabend hatten alle Freunde junger Lyrik in Göttingen gleich mehreres zu feiern. Zum einen erschien die Literaturzeitschrift „prisma“ zum fünften Mal, zum anderen wurde aus viel mehr Texten geschöpft und gelesen, was das Zeug hält. Zusätzlich stellten nämlich auch Jonis Hartmann und Steffen Bach ihre jüngsten Veröffentlichungen vor.

Jonis Hartmann, aus Hamburg kommend und dadurch quasi in Außenseiterposition, machte den Anfang mit seinem Ende 2016 im Elif Verlag erschienenen Gedichtband „Bordsteinsequenzen“. Außerdem las er noch einige von seinen selbstgetauften „Prosaminiaturen“ (nicht ganz Lyrik, nicht ganz Prosa).

In allen Fällen erzählt er immer Geschichten. Geschichten von „Hanna in Havanna“, von „Tantchen“ oder vom „konkaven Muttchen“ – alle scheinen sie in einer Welt stattzufinden, in der zwar WG-Party-Gespräche und Selbstironie genauso Alltag sind, wie für einen Großteil der Millenial-Generation, die aber durch den Schleier des Verträumten doch von der unseren getrennt zu sein scheint.

Die literarischen Werke von Jonis Hartmann sind immer echt, manchmal unverfroren und vor allem nahbar. Diese Nahbarkeit bot dem Abend einen sehr sinnlichen Einstieg, obwohl es auch gerade bei den Beiträgen, die von den Herausgebern stellvertretend für die nicht anwesenden Autoren aus der „prisma 5“ gelesen wurden, sehr witzig zuging.

Am meisten Lacher aber erntete CJ von Borells und Joscha Röhrkasses szenische Lesung ihres Textes „Leipzig“, der das Networkinggetingel in die Hipsterhochburgen mit all seinen Neben- und Schattenseiten erstaunlich lebensnah und wahrhaftig beschreibt. „Male Thomas Mann so gut du kannst“ war nicht nur eine Stelle im Text, sondern gleich Aufforderung an das Publikum, sich selbst im Beobachten und Reflektieren zu üben.

Die Lesung von Steffen Bachs im Verschlag Verlag erschienenen Debütband „ist es eine ebene?“, welche in zwei Teile – Lyrik und Erzählungen – gesplittet war, stand mit Texten wie „being as bonker as schlingensief“ (allein dafür lohnt es sich, die aktuelle (kostenlose!) Ausgabe der „prisma“ in die Hand zu nehmen) weder in der Witzigkeit, noch im eben so schmerzlich unter derben Wörtern und intelligenten Wortspielen hervorkriechendem Gefühl nach.

So endete der Abend – nicht ohne die Unterstützung des tiefsinnigen Rocks von „Local Heroes“-Gewinnern Tom Schreibers Blume – auf einer nachdenklichen Note.

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