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Montag, 15 Mai 2017 23:04

Eine bessere Besetzung hätte man sich nicht wünschen können

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Die Kantorei St. Jacobi mit dem Ensemble Antico, der Altistin Nicole Pieper und dem Dirigenten Stefan Kordes Die Kantorei St. Jacobi mit dem Ensemble Antico, der Altistin Nicole Pieper und dem Dirigenten Stefan Kordes © Photo: Wortmann

Kammerchor und Kantorei St. Jacobi mit „Israel in Egyp“ in der Johanniskirche

„Israel in Egypt“ von Georg Friedrich Händel erreichte nie die Popularität wie zum Beispiel der „Messiah“. Aufführungen dieses Oratoriums sind deshalb immer auch Momente des Neu- und Wiederentdeckens.

Kantor Stefan Kordes hatte sich der Aufgabe gestellt, dieses Werk für die diesjährigen Internationalen Händel-Festspiele aufzuführen. Mit moderaten Kürzungen hat er ein Konzertprogramm ohne Überlänge erstellt – und zum Glück hatte er den ersten Teil nicht einfach gestrichen, wie es durchaus häufig der Fall ist. Die „Lamentation of the Israelites for the Death of Joseph“ ist die eigentliche Vorgeschichte des Oratoriums, diese wurde an diesem Abend vom Kammerchor St. Jacobi vorgetragen. Der hatte ordentlich zu tun, in sämtlichen Nummern heißt es „Chorus“. Nur einmal ließ Kordes das Solistenquartett antreten, um den Chor etwas zu entlasten. Der gut vorbereitete Kammerchor gestaltete seinen Part ausdrucksstark und intonationssicher. Dazu trug auch das bestens aufgelegte Barockorchester „Ensemble Antico“ um die Konzertmeisterin Christine Freitag. Dieser erste Teil war auf jeden Fall eine Entdeckung.

Im zweiten Teil beginnt die Geschichte um den Auszug der Israeliten. Hier regnet und hagelt es, es kommen Plagen mit Fliegen oder Fröschen und Heuschrecken, Finsternis und Feuer. Das Meer wird trockengelegt, um hinterher die Feinde unter sich zu begraben. Händel griff tief in die musikalische Trickkiste – die jetzt vollständige Kantorei St. Jacobi und das Ensemble Antico setzten diese Vorgaben begeistert um. Das setzte sich an diesem kurzweiligen Abend im dritten Teil, dem Lobgesang Moses nahtlos fort.

Dass die flinken Koloraturen von dem großen Chor nicht so filigran gestaltet werden konnten und auch die Intonation nicht mehr ganz so sicher war wie zuvor, trübte den Genuss nur wenig. Umso mehr begeisterten die für den Abend verpflichteten Solisten. Allen voran sei hier Nicole Pieper genannt. Schon allein deswegen, weil bei Aufführungen zu den Händel-Festspielen üblicherweise Countertenöre antreten und Altistinnen Mangelware sind. In diesem Fall kann man aber nur sagen: eine bessere Besetzung als Nicole Pieper hätte man sich nicht wünschen können: dramatisch ihre Arie „Their land brought forth frogs“, innig ihr späteres Duett „The Lord is my strenght“ und wunderbar lyrisch ihre Arie „Thou shalt bring them in“. Stets passte sie ihren Ausdruck dem Kontext an, es war eine Wonne, ihr zuzuhören. Die anderen Solisten standen ihr wenig nach: Theresia Taube (Sopran) und Henning Kaiser (Tenor) sind hier zu nennen. Händel hatte gleich zwei Baritone vorgesehen. Neben Henryk Böhm kam noch „Clodomiro“ Todd Boyde aus der diesjährigen Festspieloper „Lotario“ dazu. Nach ihrem Duett „The Lord is a man of war“ hätte man am liebsten laut „da capo“ gerufen, großartig!

Solisten gab es auch im Orchester: neben dem Dauereinsatz am Cembalo mit Sabine Erdmann sind hier vor allem die Trompeten (u.a. mit Ruprecht Drees) zu nennen. Und für nur eine Nummer traten auch zwei Flöten auf: als „Leihgabe“ aus dem Festspielorchester spielten Kate Clark und Brian Berryman.

Stefan Kordes leitete den Abend umsichtig und sicher. Er forderte die Musikerinnen und Musiker im Orchester und im Chor immer wieder zu großem Engagement auf, die aufmerksamen Ensemblemitglieder nahmen diese Aufforderung gerne an. So entstand eine wunderbare Aufführung, die vom Publikum in der sehr gut besuchten Johanniskirche mit langanhaltendem Applaus bedacht wurde.

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