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Donnerstag, 06 April 2017 09:17

Musikalisch, emotional und gedanklich tief bewegt

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Die Akademische Orchestervereinigung in der Universitätsaula Die Akademische Orchestervereinigung in der Universitätsaula © Photo: AOV
Benefizkonzert der AOV für das Hospiz an der Lutter

Wenn zwei Geburtstagskinder gemeinsam feiern, dann ist das auch Anlass für ein besonderes Geburtstagsgeschenk. Das bekam das Hospiz an der Lutter zu seinem 20jährigen Bestehen von der Akademischen Orchestervereinigung, die in diesem Jahr seinen 111.Geburtstag feiert. Dem stationären Hospiz steht ein Umzug bevor. Eine Million Euro werden allein an Spenden für den geplanten Neubau benötigt. Die Musiker beschenkten das Hospiz-Team mit ihrem Benefizkonzert in Aula am Wilhelmsplatz und machten auch den Zuhörern mit Mozarts 40. Symphonie g-Moll KV 550 und den Metamorphosen für 23 Solostreicher von Richard Strauss eine ganz besondere Freude.

Den meisten Konzertbesuchern sind die Motive der g-Moll-Symphonie vertraut, die immer noch zu den beliebtesten Kompositionen Mozarts gehört. Ins Staunen gerieten sie trotzdem über die Klarheit und die Frische, mit der die Musiker unter der Leitung von Niklas Hoffmann dieses Werk erstrahlen lassen. Schon der erste Satz beschwingt unmittelbar mit erfrischenden Tempi, in den sich die Melodielinien wunderbar akzentuiert entfalten und feinsinnig miteinander verwebt werden. Dabei kommt neben Esprit und Charme auch ein Lebensgefühl zum Ausdruck, das an die diffizile Balance zwischen dramatischen und heiteren Erfahrungen erinnert. Wie die Motive einander umkreisen, für die Momente der Kontemplation innehalten, um sich bald darauf erneut zu bestürmen. So schön trügt hier auch der Schein von einer spielerischen Leichtigkeit, die den Musikern höchste Präzision abverlangt. Auch darüber lässt sich schwärmen, welchen Reichtum an Klangfarben und Nuancen Hoffmann mit dem Orchester spürbar werden und wie Mozarts symphonischer „greatest Hit“ hier noch einmal ganz neu seine belebende Wirkung entfaltet.

Die Metamorphosen für 23 Solostreicher berühren auf ihre Weise als dramatischer Kontrast zu Mozarts bewegendem Klangpanorama. Und das auch im Sinne der Hospiz-Idee, in der sich die Fürsorge für todkranke und sterbende Menschen immer auch lebensbegleitend versteht. Richard Strauss verwebte in seiner Komposition die Bilder der Zerstörung nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Seine musikalischen Reflektionen widmen sich den Stimmen von Trauer und Tod, Abschied und Schmerz auf der Suche nach dem Ort, der in diesem existenziellen Drama Halt gibt und Trost. Zunächst entfaltet sich ein vielstimmiger Klagegesang in den Begegnungen von Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässen, die füreinander Echoräume bilden. Jeder Ton findet seinen Gegenüber in diesem an- und abschwellenden circulus vitiosus, um sich bald darauf zu verflüchtigen und in einer anderen Färbung in einem weiteren Echoraum vorzudringen. Ganz leise blitzen sie hin und wieder auf, die Lichter am Ende des Tunnels, mit einem Bogenstrich der den elegischen Klangraum erhellend aufstört oder eine harmonische Wendung anmahnt und den Moment von Aussicht und Hoffnung. „Vielleicht kann die Musik auch die höheren Dinge jenseits des Lebens berühren“ heißt es im Programmheft. Das vermögen die 23 Streicher, die in diesen Metamorphosen musikalisch, emotional und gedanklich tief bewegen.

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