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Sonntag, 19 März 2017 07:49

Musikalische Inselfreundschaften

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Christoph Mathias Mueller und das Göttinger Symphonie Orchester - hier bei einem früheren Konzert in der Universitätsaula Christoph Mathias Mueller und das Göttinger Symphonie Orchester - hier bei einem früheren Konzert in der Universitätsaula © Photo: Wortmann
Konzert im „Zyklus Wiener Klassik“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester

Dass in Italien und in Frankreich was zu hören sei und in England was zu verdienen, hatte der Musikschriftsteller Johann Mattheson 1713 notiert. Für Johann Christian Bach und Carl Friedrich Abel sollte sich seine Ansicht später auch bestätigen. Die beiden Komponisten genossen die Gunst des Londoner Publikums zeitweilig auch sehr ertragreich. Das wäre auch Wolfgang Amadeus Mozart zu wünschen gewesen, dessen Inselträume sich nie realisieren sollten und erst recht Thomas Linley, dem einzigen britischen Vertreter beim zweiten Konzert das Göttinger Symphonie Orchesters in der Reihe Wiener Klassik.

Unter dem Motto „Mozart und England“ widmeten sich die Musiker mit Christoph Mathias Mueller diesen musikalischen Inselfreundschaften um Abel und Bach, Linley und Mozart, um dem Musikkritiker Mattheson auch ein bisschen zu widersprechen. Was es da alles zu hören gab und gibt im ehemals zahlungskräftigeren England und eben nicht nur im sonnigen Bella Italia und in den königlich französischen Kreisen. Zunächst eine charmante Ouvertüre mit viel Esprit aus der Feder des damals 19jährigen Thomas Linley Junior, die in heiteren Farben auf die komische Oper „The Duenna“ einstimmt. Im zweiten Satz scheinen die Bläser fast zu witzeln über diese Verwechselungskomödie mit den vielen Tarnmanövern, die am Ende gleich drei Paaren das ersehnte happy end beschert.

Das war dem Komponisten nicht vergönnt, den Moderatorin Dorothea Schröder in ihrer biografischen Skizze beschreibt. Das musikalische Wunderkind, das zunächst als Geigenvirtuose gefeiert wurde und schon bald mit seinem Vater gemeinsam komponierte, starb mit 22 Jahren bei einem Bootsunfall auf der Themse. Auch von der Begegnung zweier Wunderkinder in Italien berichtet Schröder, mit der Freundschaft zwischen Linley und Mozart, die in eine freundschaftliche Korrespondenz mündete.

Viele biografische Notizen ranken sich auch um die Inselfreundschaft wie sie Carl Friedrich Abel und Johann Christian Bach teilten, als erfolgreiche Komponisten und auch als Konzertmanger und als kreative Köpfe eines Künstlerkreises, der sie mit dem Maler Thomas Gainsborough besonders freundschaftlich verband. Weniger ausführlich hätte sich mancher Zuhörer die kenntnisreichen und sehr detaillierten Kommentare der Musikwissenschaftlerin gewünscht. Doch dann beschwingte das GSO mit Abels Es-Dur Symphonie, wie sie einst auch in den Londoner „Hanover Square Rooms“ erklang, straight forward in den melodischen Wendungen, schwungvoll und kurzweilig. Auch in Johann Christian Bachs B-Dur spüren Mueller und sein Orchester den besonderen Talenten des Komponisten und Konzertmanagers nach und wie er sein Londoner Publikum zu unterhalten wusste. Mit Motiven, die ebenfalls heiter und beschwingend anmuten, um dann eine elegante Wendung nehmen, die in ein kurzweiliges, charmantes Finale münden.

Mit Mozarts Konzert für Klavier und Orchester bekommt die musikalische Inselfreundschaft auch eine poetische Stimme, in die Esther Walker am Flügel sanft zum Leuchten bringt. Voller Anmut klingen selbst die dramatischen Motive des ersten Satzes und so ganz ohne virtuose Emphase, die dann in zarte, mitunter zerbrechlich wirkende Melodielinien münden, die die Pianistin zu einem intimen Klangkosmos verwebt. Es sind oft nur Momente, in denen die Motive dann dramatisch bewegend ausbrechen. Auch dann begegnen sich Klavier und Orchester wie freundschaftliche Gefährten, die auf den Klangraum ihres Gegenübers vertrauen, offen für all die Echos, die er bei ihnen auslöst. Es ist das gemeinsame für sich sein, das die Musiker in Mozarts Klavierkonzert hier bekunden. Auch als Widmung für diese ganz besonderen musikalischen Inselfreundschaften.

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