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Donnerstag, 05 Januar 2017 17:32

Mit blendender Kondition

geschrieben von
Chiara Sannicandro Chiara Sannicandro © Photos: Schäfer

Ein neues Jahr mit Sphärenklängen begrüßen? Mit dieser guten Idee hatte Christoph-Mathias Mueller, Chefdirigent des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO), am Mittwoch die Besucher in Scharen in die Stadthalle gelockt. Kaum ein Sitz blieb frei beim GSO-Neujahrskonzert, das nur in Teilen mit dem Programm des ausverkauften Silvesterkonzerts fünf Tage zuvor identisch war. Es ging um Bewohner der Unterwelt wie Orpheus und Mephisto, um den Beherrscher der Geister, aber auch um so schöne Dinge wie heiteren Mut, ein Leben ohne Sorgen – und selbstverständlich um tänzerische Rhythmen. Die sind Anfang des Jahres nun einmal Pflicht.

Gleich zu Beginn konnten die GSO-Musiker in Jacques Offenbachs Ouvertüre zu „Orpheus in der Unterwelt“ ihre blendende Kondition vorführen. Da waren wunderschöne Soli zu hören, für Violoncello (See Young Lee), für Violine (Seayoung Kim), aber auch für Oboe (Tiago Coimbra) und Klarinette (Matthias Mauerer), um nur einige zu nennen. Und es gab sowohl blühende Melodik als auch mitreißenden Schwung im finalen Cancan-Thema: eine perfekte Einstimmung auf einen unterhaltsamen musikalischen Abend, prickelnd wie Champagner. Vier ungarische Tänze von Brahms sprühten lebhaftes Temperament – mit einem Schuss wehmütiger Melancholie im Tanz Nr. 11. Vor dem Walzer „Mephistos Höllenrufe“ von Johann Strauß Sohn brauchte sich niemand zu fürchten. Es ist schon eine ziemlich kultivierte Hölle, in die der Walzerkönig sein Publikum entführt.

Die entspannt-gelassene im Tempo gemäßigte Polka „Heiterer Mut“ von Josef Strauss war sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Denn darauf folgte Maurice Ravels „Tzigane“ für Violine und Orchester, ein hochvirtuoses Konzertstück in ungarischem Stil, genauer: im Stil der ungarischen Zigeunergeiger. Wobei Ravel hier keinesfalls Folklore schreibt, sondern diese Musik auf ganz eigene Weise stilisiert, sie aufs Konzertpodium transportiert. Für den Solopart hatte Mueller eine junge Geigerin aus Salzburg engagiert, die 19-jährige Chiara Sannicandro. Sie ist, was die Musik angeht, erblich vorbelastet: Ihre Eltern sind Pianisten, die Mutter Ines Bartha stammt aus Göttingen, Schwester der Pianistin Julia Bartha und des Violinisten Alexander Bartha.

Ravels hochvirtuosen Anforderungen wurde Chiara Sannicandro in erstaunlichem Maße gerecht. Sie verfügt über einen weit tragenden, singenden Ton, Griffsicherheit, ausgereifte Bogentechnik, wieselflinke Finger, eine fast immer präzise Intonation und die Fähigkeit, große musikalische Zusammenhänge darzustellen. Mit ihrem spannungsreichen, temperamentvollen Spiel bezauberte sie die gebannt lauschenden Zuhörer nachhaltig. Schön, dass sie im zweiten Teil des Abends noch einmal zu hören war: in einem Arrangement von Piazzollas „Verano Porteño“ für Violine und Streicher von Leonid Desyarnikov, der augenzwinkernd Piazzollas Stück – aus einem Jahreszeiten-Zyklus – mit mehreren Zitaten aus Vivaldis „Jahreszeiten“ bereichert und so eine Brücke vom 18. ins 20. Jahrhundert schlägt. Auch hier überzeugte die Solisten mit viel Temperament, kleinen Flageolett-Zaubereien und beseeltem Ton.

Das GSO unter der sensiblen Leitung von Christoph-Mathias Mueller war ein sehr aufmerksamer Partner der Solistin. Neben drei Strauß-Stücken – einschließlich dem anmutig schwingenden Walzer „Sphärenklänge“ von Josef Strauss, der dem Abend dem Namen gegeben hatte – war Carl Maria von Webers jugendlich-frische Ouvertüre „Beherrscher der Geister“ zu hören, in der die GSO-Musiker enorme virtuose Leistungen erbrachten. Hervorgehoben seien hier die brillanten, konturenscharfen raschen Läufe des Fagotts (Ömür Kazil), die ganz unauffällig im Hintergrund mit einer Präzision blitzschnell dahinschnurrten, dass es eine Freude war. Und dass Dirigent Mueller in diesem kultivierten, abwechslungsreichen Programm immer wieder mit Überraschungen aufwartete, etwa mit kleinen, spannungssteigernden Pausen oder besonders liebevoll ausgekosteten Rubati in den Starttakten der Strauß-Walzer, steigerte den Genuss noch erheblich.

Auf den offiziellen Schluss des Abends mit den „Sphärenklängen“ folgten, mit rhythmischem Klatschen nachhaltig eingefordert, drei Zugaben: die „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß (Sohn), Edward Elgars „Salut d’amour“ mit einem besonders zärtlichen Violinsolo von Chiara Sannicandro und, wie es sich für Neujahrskonzerte gehört, der „Radetzkymarsch“ von Johann Strauß Vater. Wobei das Publikum sich beim Mitklatschen perfekt nach Muellers Dirigat richtete.

Letzte Änderung am Freitag, 06 Januar 2017 10:00

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Jens Wortmann Freitag, 06 Januar 2017 07:16 gepostet von Jens Wortmann

    Wer sich zunächst beim Lesen am 5.1. gewundert hat, dass der Text ein wenig abrupt endete - nach einem technischen Übermittlungsfehler ist nunmehr der Schluss des Textes von Michael Schäfer ebenfalls angekommen und der Text jetzt vollständig.

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