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Mittwoch, 14 Dezember 2016 11:38

Leidenschaftliche Gipfelstürmerin

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Chiara Maria Schwetje und Natalie Kundirenko Chiara Maria Schwetje und Natalie Kundirenko Bildquelle: www.lebanti-goekao.de

Familienkonzert mit dem Göttinger Kammerorchester, Chiara Maria Schwetje und Natalie Kundirenko

Traditionen lassen sich gern ein bisschen auffrischen. In diesem Sinne bekam das traditionelle Adventskonzert des Göttinger Kammerorchesters diesmal ein besonderes Motto. „Jung und Alt“ sollten nicht nur im Publikum zusammenfinden sondern auch auf der Bühne im Alten Rathaus. Hier begleiteten die Musiker einen ebenso erfrischenden wie leidenschaftlichen musikalischen Dialog zwischen den Generationen mit den beiden Solistinnen des Abends.

Zunächst gab Chiara Maria Schwetje ihr Konzertdebüt mit dem Göttinger Kammerorchester. Die 15jährige Musikerin spielt seit fünf Jahren Cello, hat mehrfach mit Erfolg an den „Jugend musiziert“ Wettbewerben. Sie bezauberte die Zuhörer mit einem beschwingend schönen Werk von Johann Melchior Molter. Wie viele musikalischen Zeitgenossen Johann Sebastian Bachs geriet auch der langjährige Kapellmeister der markgräflich badischen Hofkapelle in Karlsruhe später in Vergessenheit und ist eine Wiederentdeckung wert. Auch mit seinem kleinen concerto für Violoncello, Streicher und basso continuo.
Schon der erste Satz mit dem tänzerischen Allegro Molto ist ein melodisches Vergnügen mit seinen rhythmischen Akzenten und Verzierungen für das Cello und die Streicher. Fast wie eine poetische Widmung für das Instrument klingt dann das Adagio des zweiten Satzes. Hier bezaubert Chiara Maria Schwetje umso mehr mit einem wunderbar lyrischen Ton und fein nuancierten Schwingungen und beflügelt ihr Publikum auch im charmanten tänzerischen Finale. Das erlebte nun so herzhaft beschwingt von Molters melodischen Farben an diesem Abend eine weitere Entdeckung mit Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ und Solistin Natalie Kundirenko.

Die GSO Konzertmeisterin verwandelte den barocken Klassiker in ein faszinierendes musikalisches Abenteuer voller Leidenschaft und Dramatik. Das sind nicht mehr die vertrauten Frühling-, Sommer-, Herbst- und Winter-Stimmen, wo die Vögel munter zwitschern und das Laub raschelt, ein Hitzegewitter die ländliche Idylle aufwirbelt, Jäger ausschwärmen und eisige Winde kämpfen. Von allen bildhaften Assoziationen gelöst klingt die Violine wie auf der Suche nach dem alles umfassenden Herzton, der in diesem musikalischen Naturschauspiel immer wieder aufleuchtet, sei es in einem Moment der Andacht oder in einem hitzigen Ausbruch aus den vielen lebhaften Melodielinien.

Vivaldi verführt natürlich zu virtuosen temporeichen Höhenflügen. Hier begibt sich Natalie Kundirenko mit Leichtigkeit auf die Überholspur um sich dann erneut ganz unmittelbar von einem atemlosen prestissimo zu lösen und ein Moment der Kontemplation wirken zu lassen, das für die Tiefe des Empfindens nach einem anderen Takt verlangt. Viele der vertrauten Tempi in diesen vier Jahreszeiten deutet sie einfach anders und gibt den Motiven dabei auch eine andere durchdringende emotionale Färbung. Die kann pathetisch anmuten oder wie eine zarte romantische Träumerei, temperamentvoll aufbrausen, sich andächtig verschwärmen oder leidenschaftlich bestürmen, aber sie bewegt immer ganz unmittelbar. Wer hätte gedacht, dass Vivaldis „greatest Hit“ so gewaltig und tief zu berauschen vermag. Dass sich hinter seinem Jahreszeitenpanorama ein musikalischer Himalaja eröffnet, mit dem an diesem Abend eine leidenschaftliche Gipfelstürmerin kämpft und strahlt und begeistert.

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