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Mittwoch, 07 Dezember 2016 09:40

Odyssee mit Paso Doble, Tango und Disco Beats

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im Vordergrund: David Höhle und Orthey Stoll als Paso Doble Tänzer, dahinter Ensemble Yasemin Dittmann, Matti Johannes Fellmann, Katharina Gellrich, Jacob Graeff, Fabian Hartje, Kerstin Kratzsch, Johanna Keßeler, Alina Mackowiak, Fiona Norbron, Karin Reilly, Katharina Schicketanz, Gülgün Şen, Johanna Steingräber, Merle Ziegler und Tabea Maas als „Maria“, Cédric Frein als „Clemens“ und Madita Eggers als „Janine" im Vordergrund: David Höhle und Orthey Stoll als Paso Doble Tänzer, dahinter Ensemble Yasemin Dittmann, Matti Johannes Fellmann, Katharina Gellrich, Jacob Graeff, Fabian Hartje, Kerstin Kratzsch, Johanna Keßeler, Alina Mackowiak, Fiona Norbron, Karin Reilly, Katharina Schicketanz, Gülgün Şen, Johanna Steingräber, Merle Ziegler und Tabea Maas als „Maria“, Cédric Frein als „Clemens“ und Madita Eggers als „Janine" © Dirk Opitz

"Alles tanzt" im Theater im OP (ThOP)

Die alten Leidenschaften sind noch in so vielen Erinnerungen präsent, auch wenn die Primaballerina jetzt im Rolli sitzt. Auf der ThOP Galerie wacht Jella Böhm als Oma Petrowski mit Argusaugen über das bewegende Szenario auf der Bühne und nörgelt über die Erben ihrer Tanzschule. Keine Spur von Liebe, Leidenschaft, Verzückung. Nur einen missmutigen Pax de deux bringen Enkel Clemens (Cédric Frein) und seine Partnerin Janine (Madita Eggers) zu Stande. Also schickt sie das widerspenstige Paar auf eine Reise hin zu den Schauplätzen, wo sie einst gefeiert wurde und lässt sie dabei von Detektiv Schneider (Ursula König) beobachten. Auf dass sie unterwegs vielleicht doch zu einem wahren Pax de Deux finden und der alten Dame nicht nur ein tänzerisches Happy end bescheren.

„Alles tanzt“ heißt die bewegende Odyssee mit Pasodoble, Tango und Disco Beats auf die sich für diesen Theaterabend ein Regieteam verständigt hat. Klaus-Ingo Pißowotzki, Julia Seidel, Joseph Smith, Pia Noethlichs, Johann de Maeyer und Orthey Stoll bringen in acht Szenen und Zwischenszenen Darsteller und Tänzer mit eigenen Texten immer wieder zum Tanzen. Eigene Choreographien kommen dabei ebenso ins Spiel wie die Ideen befreundeter Choreographen. Matti Johannes Fellmann, Miriam Feix, Birthe Schulz und Burkhard Wagener begleiten sie auf diesem kurzweiligen Trip, der zunächst bei einer Fiesta in Spanien Station macht.

So ganz programmgemäß verläuft Großmutters Reiseplanung allerdings nicht, weil sich das störrische Paar immer wiederverirrt und ständig auf Abwege gerät. Da lauern sehr mobile Vampire weit entfernt vom nächsten Tanzpalast und müssen mit Kreuzen vertrieben werden. Die beiden Reisenden werden von einer frustrierten amerikanischen Hausfrau vereinnahmt, gegen die auch kein Knoblauch hilft. In Argentinien geraten sie in eine wilde Verfolgungsjagd auf dem falschen Airport und finden auch auf der Techo Party nicht zum erhofften Pax de Deux. Erst recht nicht, wenn dieser ominöse Detektiv dauernd hilflos dazwischenfunkt und ähnlich wie das Regieteam weitere Stolperfallen produziert.

Das Motto des Abends „Alles tanzt“ macht‘s möglich, dass manche Dialoge wie Sinnsprüche aus dem Poesiealbum anmuten. Da tröstet es wenig, dass nach der dunkelsten Nacht wieder ein Morgen kommt. Wie weit man vom Wege abkommen kann, sinnieren die irrlichternden Happy end Kandidaten, die nicht nur in Argentinien ein weiteres Mal aus dem Takt geraten. Auch die nächtlichen Raver geben ihren Zuschauern schwer zu denken. Wer hätte das gedacht, dass beim Tanzen der Körper zum Kunstwerk wird und dass nach all den Jahren an der Balletstange nur noch die Devise gilt, den vertikalen Ausdruck eines körperlichen Begehrens in attraktiven Posen und Kostümen zu veredeln. Die alte Ballerina, die ihre beiden Quertänzer bis zum erhofften happy End im Blick hat, käme so ein Credo vermutlich nicht in den Sinn. Aber wo „Alles tanzt“ spielt das Regieteam als Autorengemeinschaft offenbar auch gern mit dem einen oder anderen Klischee - auch wenn es in manchen Szenen dabei eher aus dem Takt gerät und auf Plattitüden zum Thema Tanz vertraut.

Die Premiere war am 2. Dezember. Weitere Vorstellungen jeweils um 20.15 Uhr sind am 9., 10., 13., 14., 16., 17., 18. (um 15 Uhr) und am 20. Dezember.

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