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Dienstag, 15 November 2016 07:28

Bewegende musikalische Reflektionen

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Der Petrichor, das Göttinger Symphonie Orchester, Solisten und Antonius Adamske in der Godehardkirche Der Petrichor, das Göttinger Symphonie Orchester, Solisten und Antonius Adamske in der Godehardkirche © Photo: Ezra Kurth

Louis Spohrs Oratorium „ Die letzten Dinge“ in der Göttinger Godehardkirche und in der Nikolaikirche

Schon die Ouvertüre stimmt nachdenklich. Es sind widersprüchliche Klangwelten, die Louis Spohr in seinem Oratorium „Die letzten Dinge“ miteinander in Beziehung setzt. Dramatik und Emphase treffen immer wieder auf moderate Motive. Es ist eben kein Katastrophenszenario, das die Musiker des Göttinger Symphonie Orchesters in der St. Godehardkirche unter Leitung von Antonius Adamske nachzeichnen. Spohrs Lesart für die Bibelverse zum jüngsten Gericht aus dem Buch der Offenbarung klingt hier wie eine bewegende musikalische Reflektion über den Versöhnungsgedanken, dem auch später der Petrichor Weende und die Solisten folgen. Magdalena Harer (Sopran), Johanna Krödel (Alt), Florian Lohmann (Tenor) und Bariton Henryk Böhm.

Selten aufgeführten Chorwerken und fast vergessenen Komponisten hat sich Antonius Adamske mit der Weender Chorgemeinschaft immer wieder gewidmet. Auch sein Abschiedskonzert als Chorleiter in Göttingen verbindet sich mit einer besonderen Wiederentdeckung. Die Begeisterung, die Spohrs Oratorium 1826 bei der Uraufführung in Kassel auslöste, sollte nicht lange anhalten. Erst mit den neuen Notenausgaben, die 2009 anlässlich des 150. Todestages des Komponisten erschienen sind, kam es zu einer musikalischen Wiederbegegnung mit einem Werk, das sich so mancher traditionellen Schublade verweigert.

Im Libretto des Musikkritikers und Schriftstellers Friedrich Rochlitz gibt es keine fortlaufende Handlung und auch keinen Erzähler, der die Szenen aus dem Buch der Offenbarung kommentiert und moderiert. Auch nehmen Chor und Solisten sich immer wieder gemeinsam dieser Vision vom Ende der Zeit an, wo der göttliche Zorn nicht nur auf Angst und Verzweiflung trifft, sondern immer auch auf die Stimmen, die das Erbarmen einklagen und auf Erlösung hoffen und vertrauen. Da faszinieren vor allem die harmonischen Kontraste, die Spohr mit expressiven Stimmungen, melodischen Irritationen und gebrochenen Akkorden verwebt und so auch den steinigen Weg zum Seelenheil musikalisch verdichtet. Klagegesänge begegnen den Visionen der ewigen Verdammnis, auf die erneut ein Einwand folgt, der die Sanftmut anmahnt und die Heilsbotschaft im Gottvertrauen. „Es ist, als ob nach dem Hören der Musik die Faszination für das Thema noch mit den Händen zu greifen wäre“ notierte Antonius Adamske im Programmheft zur Aufführung. Auf diesen anteilnehmenden Diskurs über „Die letzten Dinge“ haben sich die Solisten und der Petrichor Weende im Bündnis mit dem GSO wunderbar verständigt. Da berührten die kraftvoll homogenen Chorstimmen in den dramatischen Bildern und in den Momenten von Andacht, Kontemplation und Zuversicht. Und das auch im musikalischen Dialog mit den vier Solisten, die sich Spohrs Oratorium so feinstimmig nuanciert widmen.

Mit diesen Abend der musikalischen machten sie nicht nur Antonius Adamske ein bewegendes Abschiedsgeschenk als Chorleiter sondern auch dem Publikum.

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