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Montag, 31 Oktober 2016 15:56

Das grenzt an Hexerei

geschrieben von
Henri Sigfridsson Henri Sigfridsson © Manfred Esser

Die neue Saison der Rathauskonzerte in Duderstadt ist eröffnet. Am Sonntag gastierte der aus Finnland stammende Pianist Henri Sigfridsson mit einem Klavierabend – keinem gewöhnlichen: Das Programm enthielt ausschließlich Werke für die linke Hand allein.

Um es vorwegzunehmen: diese Repertoirenische hat Sigfridsson nicht freiwillig gewählt. Vor einiger Zeit seien, wie er am Ende seines Konzerts berichtete, in seiner rechten Hand Probleme aufgetreten. Seine anfängliche Hoffnung, das werde sich mit der Zeit wieder geben, haben die Ärzte begraben müssen: Es handelt sich offenbar um eine chronische Krankheit.

Aber als Finne ist Sigfridssohn – Professor an der Essener Folkwang-Universität der Künste – mit dem Lebensmut (finnisch sisu) vertraut. Das Wort sei unübersetzbar, heißt es bei Wikipedia. Es könne aber „mit ,Kraft‘, ,Ausdauer‘ oder ,Beharrlichkeit‘, auch ,Unnachgiebigkeit‘ oder ,Kampfgeist‘ besonders in anscheinend aussichtslosen Situationen wiedergegeben werden“. Diese Definition klingt, als sei sie eigens für Sigfridsson formuliert worden.

Bachs d-Moll-Chaconne in der Bearbeitung für linke Hand allein von Johannes Brahms war der Einstand, an dem Sigfridsson die enormen Qualitäten seines Klavierspiels exemplarisch demonstrierte. Die reichen von titanischer Kraftentfaltung bis hinein in leise, ja zärtliche Bereiche. Die Schwierigkeit, Melodie- und Begleittöne innerhalb einer Hand zu differenzieren, also die Kraft in einzelnen Fingern unterschiedlich einzusetzen, beherrscht der Pianist meisterlich. So kann der Zuhörer auch polyphonen Linien mühelos folgen, jede erklingt in einer eigenen Farbe.

Besonders raffiniert hat Alexander Skrjabin das einhändige Spiel in seinem Opus 9 – Prélude und Nocturne – organisiert. Man hält es kaum für möglich, dass ein in Diskant, Mittellage und Bass kompletter Klaviersatz tatsächlich nur von einer Hand ausgeführt werden kann. Der Trick: Die Melodiestimme ist so konstruiert, dass sie für tiefe Basstöne kurz pausieren kann. Zudem lassen sich tiefe und hohe Klänge mit der richtigen Pedaltechnik perfekt verbinden. Auch hier reichte die Ausdrucksskala von zarten Lyrismen bis zu leidenschaftlicher Dramatik. Zwei Werke des 20. Jahrhunderts schlossen sich an: Prélude und Fuge des Mexikaners Manuel Ponce mit erheblichen Anforderungen im polyphonen Spiel und die sehr farbige, abwechslungsreiche Komposition „L. H.“ (left hand) des US-amerikanischen Schönberg-Schülers Leon Kirchner.

Die zweite Programmhälfte war dem spätromantischen Virtuosen Leopold Godowsky gewidmet. Den reizten technisch besonders anspruchsvolle Werke des 19. Jahrhunderts dazu, sie in noch schwierigeren Versionen zu arrangieren. So führte Sigfridssohn fünf Godowsky-Bearbeitungen von Chopin-Etüden für die linke Hand allein vor, bei denen die Verzahnung von raschen Läufen oder Akkordbrechungen mit der beinahe originalen Melodie- oder Bassführung überaus raffiniert gehandhabt ist. Voran ging diesen Etüden eine verblüffend trickreiche Godowsky-Eigenkomposition, nämlich Prélude und (dreistimmige) Fuge über B.A.C.H. Den krönenden Abschluss bildeten Godowskys „Sinfonisch Metamorphosen über den ,Schatz-Walzer‘ aus dem ,Zigeunerbaron‘ von Johann Strauß“. Das ist beileibe nicht nur der im Titel erwähnte Walzer, sondern in der Tat, wie Sigfridsson vorab lächelnd erläuterte, ein Potpourri aus ungefähr sämtlichen „Zigeunerbaron“-Motiven – am liebsten mit zwei bis drei Melodien gleichzeitig. Das grenzt an Hexerei. Stürmischer Beifall.

Die weiteren Duderstädter Rathauskonzerte: Trio Fagott, Gambe und Cembalo (Sophie Dartigalongue, Aude-Marie Piloz und Sabine Erdmann) am Sonntag, 12. Februar, und Duo Violine/Klavier (Franziska Hölscher und Martin Klett) am Sonntag, 26. März 2017.

Letzte Änderung am Montag, 31 Oktober 2016 16:01

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