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Freitag, 30 September 2016 13:59

Trickreiches Racheszenario mit lukrativen Folgen

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Angelika Fornell, Gaby Dey, Dorothée Neff Angelika Fornell, Gaby Dey, Dorothée Neff © Photo: Anton Säckl

Alan Ayckbourns Krimikomödie „Falsche Schlange“ auf der DT-X Bühne

Der Maschendrahtzaun kann manchmal Halt geben. Vor allem dann, wenn sich der mentale Käfig gerade für ein neues Planspiel öffnet. Johannes Frei hat ein sehr subtiles Bühnenbild für die Begegnung von Annabel und Miriam entworfen, die in Alan Ayckbourns Krimiszenario „Falsche Schlange“ an der gemeinsamen Vergangenheit und den weiteren Aussichten laborieren. Es gibt nur diese eingezäunte Fläche vor dem dunklen Hintergrund und ein paar Gartenstühle.
Die beiden Frauen haben sich über lange Jahre nicht gesehen. Jetzt steht das väterliche Erbe zur Disposition, mit dem nicht etwa diejenige belohnt wird, die sich um die Pflege eines offenbar ziemlich bösartigen Zeitgenossen gekümmert hat sondern die abtrünnige ältere Schwester. Darüber könnte es auf der Bühne im Keller des Deutschen Theaters nun zum Streit kommen, aber Ayckbourns Figuren spielen viel lieber mit hinterlistigen Fallen, denen DT-Intendant Erich Sidler mit Angelika Fornell, Gaby Dey und Dorothée Neff an diesem Theaterabend auf der Spur ist.

Der Plot Miriam hat den väterlichen Abgang beschleunigt. Das hat nach Meinung seiner früheren Pflegerin Alice Moody seinen Preis und den soll gefälligst die zukünftige Erbin entrichten. Angelika Fornell wird noch öfter Halt an der sperrigen Umzäunung suchen. Wenn Dorothée Neff sie jetzt unsanft attackiert und dazu noch freundlich lächelt, vor allem aber wenn Gaby Dey der älteren Schwester mal wieder zusetzt und deren Unsicherheit genießt. Natürlich muss erst mal diese Erpresserin von der Bildfläche verschwinden. Aber die Altlasten in dieser Familie sind damit noch lange nicht vom Tisch. Das Gefühl von der Schwester verraten worden zu sein, die so schön schwächelt, mit ihrer Herzerkrankung und ihrer Atemnot.

Macht es einen Unterschied, ob ein gewalttätiger Ehemann auf einen einprügelt oder ein kranker Vater verbal um sich schlägt, nachdem er eine Tochter vor langer Zeit vergewaltigt hat und die andere auf dem Tennisplatz ständig malträtierte. Die Verliererin in dieser Kampfabstimmung um frühen Ängste und Verletzungen steht eigentlich von vorn herein fest. Der Zuschauer ahnt schon bald, dass hier kein versöhnendes Miteinander geprobt wird, nur weil ein Mord verschleiert werden muss. Dann ist der weitere Gang der Ereignisse schon fast absehbar. So giftig war der Cocktail für die erpresserische Pflegerin wohl doch nicht und der Sturz in einen alten Brunnen keineswegs tödlich. Die mörderischen Folgen bekommt vor allem eine ängstliche Annabel zu spüren, deren Angst im Dunkeln durch das Geräusch aufschlagender Tennisbälle verstärkt wird, während sich die Schwester mit einem wissenden Lächeln davon schleicht.

Ayckbourns Krimikomödie bietet durchaus die Möglichkeit, tiefer in diesem verkorksten Familienmodell zu graben und in den gestörten Erfahrungswelten eines Geschwisterpaares. Doch an diesem Abend punktet vor allem der Krimiplot mit seinen überraschenden und eben auch absehbaren Wendungen als trickreiches Racheszenario mit lukrativen Folgen.

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