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Montag, 12 September 2016 08:44

Laßt uns Champus trinken mit lächelndem Gesicht!

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Ronny Thalmeyer, Benjamin Krüger, Dorothée Neff, Benedikt Kauff, Roman Majewski, Katharina Uhland, Gaby Dey, Moritz Schulze, Christina Jung, Gerd Zinck Ronny Thalmeyer, Benjamin Krüger, Dorothée Neff, Benedikt Kauff, Roman Majewski, Katharina Uhland, Gaby Dey, Moritz Schulze, Christina Jung, Gerd Zinck © Photo: Anton Säckl

Das Deutsche Theater eröffnet mit der Operette "Im weißen Rössl" die neue Spielzeit

Ein Abend voller Ohrwürmer und leichter Unterhaltung – wer mit diesen Erwartungen ins Deutsche Theater zur Saisoneröffnung kam, konnte sich gut amüsieren. Viel mehr Vergnügen aber war für diejenigen möglich, die genau hinhörten, denn die Inszenierung der Operette „Im weißen Rössl“ wurde in der Fassung gespielt, die 1994 von der Musikkabarettgruppe „Geschwister Pfister“ für die Berliner Bar jeder Vernunft neu eingerichtet wurde. Sie kommt der Originalfassung der Uraufführung von 1930 im Geiste viel näher als die glattgebügelten Filmfassungen, die sich ins kollektive Gedächtnis der Generation 50+ eingebrannt haben. Regisseur Tobias Bonn kennt als Mitglied der „Geschwister Pfister“ diese Version des Stücks bestens und schafft es so, neben den gefälligen Musiknummern, auch die textlichen Finessen gekonnt zur Geltung zu bringen. Viele kleine sprachliche Kostbarkeiten konnte man entdecken, wenn man genau hinhörte: Sticheleien, die jedes Klischee (Touristen, Berliner, Verliebte) bedienten, Gesellschaftskritisches (Privatgelehrte ohne Mindestlohn findet man auch heute noch) und auch tiefgehend Philosophisches und Lebenspraktisches. Das Ensemble verwandelte diese Steilvorlage in einer ungemein homogenen Gesamtleistung in einen großartigen Theaterabend.

Die drei neuen Ensemblemitglieder Roman Majewski, Dorothée Neff und Christina Jung nutzten die Chance, sich dem Göttinger Publikum schwungvoll vorzustellen: Roman Majewski als Zahlkellner Leopold schmachtete die Wirtin Josepha Vogelhuber (energisch und hinreißend spröde: Katharina Uhland) nicht nur an, sondern sorgte damit auch für genügend Verwicklungen und den Fortgang der Handlung. Die beiden als Gesellschafterinnen ihrer Väter anreisenden Töchter stellen ein reizendes Doppel dar und sichern sich jeweils am Ende des Stücks das Glück und den passenden Verlobten: die Berliner Großindustriellentochter Ottilie (Dorothée Neff, sehr musikalisch im Einsatz: nicht nur singend, sondern auch als Posaunistin) verlobt sich mit dem Rechtsanwalt Dr. Siedler (herrlich selbstsicher: Benjamin Krüger) und die lispelnde Tochter des Privatgelehrten Prof. Hinzelmann, Klärchen (Christina Jung) verzweifelt zwar an der Aussprache des Namens Sigismund Sülzheimer aus Sangerhausen, aber lässt keinen Zweifel daran, dass ihr der schöne Sigismund (wunderbar selbstironisch: Moritz Schulze) gefällt. Ronny Thalmeyer als Berliner Trikotagenfabrikant Wilhelm Giesecke spielt sein komödiantisches Talent voll aus und erfüllt als großstädtischer Tourist in Lederhosen jedes Klischee. Gerd Zinck verkörpert großartig Professor Hinzelmann: er trägt mit Würde Cordhose und grauenhaften Ringelpullunder und verzichtet auf die geliebten Zigarren und den Wein, um sich jedes dritte Jahr eine Urlaubsfahrt leisten zu können und in den andern zwei Jahren dem Reisezauber nur in Gedanken zu frönen. Die Rolle des Nachwuchskellners (mit Schalk im Nacken: Benedikt Kauff) und der Briefträgerin und Präsidentin des Jungfrauenvereins (resolut: Gaby Dey) sind dankbar und sorgen immer wieder für Szenenapplaus. Bernd Kaftan ist die Rolle des Kaisers Franz Joseph wie auf den Leib geschrieben und so kann er es souverän steuern, dass das ganze Singspiel wie erwartet zum glücklichen Ende für alle Liebespaare kommt. Die Tanzszenen (Choreografie: Valentí Rocamora i Torà) setzten immer wieder fröhliche Akzente, besonders eindrücklich war der Einsatz der Regenschirme.

Die musikalische Unterstützung kam vom Salz-Kammerorchester unter der Leitung von Michael Frei. Die sieben Musiker und Musikerinnen waren in jedem Genre daheim und ließen Alpenländisches ebenso gekonnt wie Tango und Walzer erklingen.
Die liebevolle Ausstattung von Bühne (Stephan Prattes) und Kostümen (Heike Seidler) ließen die Urlaubsatmosphäre der Zeit wiederaufleben, als eine Reise nach Österreich noch als exotisch galt. Das Premierenpublikum applaudierte begeistert und feierte nach der Vorstellung noch lange den Saisonbeginn im DT Bistro, gemäß dem Motto des Schlusscouplets: Laßt uns Champus trinken mit lächelndem Gesicht!

Die nächsten Aufführungstermine am 13.9., 21.9., 9.10., 14.10. und 27.10.



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