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Montag, 21 März 2016 08:14

Ulla Meinecke schlendert in die Musa

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Ulla Meinecke Ulla Meinecke Bildquelle: www.musa.de

Konzert in der Göttinger musa

Samstagabend, 19 Uhr: Einlasszeit in der Göttinger Musa. Dicht gedrängt hat sich eine verschworene, langjährige Fangemeinde vor der Glastür versammelt: Das Konzert ist ausverkauft. Gemeinsam mit Ingo York und Reinmar Henschke tritt hier heute die Grand Dame des Deutsch-Pops auf. Ulla Meinecke, die in den 1980er Jahren mit der "Tänzerin" ihren wohl bekanntesten Hit hinlegte, präsentiert heute Bunt-Gemischtes von seicht aber schön, bis verträumt aber pfeffrig.

Doch bevor es losgeht, erst einmal ein bisschen lokale "Americana". So bezeichnet die Göttinger Band "Karin Bender & the Reason" ihr Genregemisch aus Folk, Country und Pop. Mehrere der Stücke beschäftigen sich mit Wegen: Dem auf-dem-Weg-sein, genauso wie dem langen Weg von der Erde zum Mond: "Jeder von uns hat - so wie Sie jetzt gerade - ein Ticket in der Hand ... und macht sich auf den Weg", so Karin Bender, die neben Countrygitarre auch lap steel und ein bisschen Mundharmonika spielt. Nachdem wir wir mit "October Leaves" noch ein wenig auf den Herbst eingestimmt werden, singt Karin Bender einige Verse, die mit "time for a change" ausklingen. Unbewusst bereitet sie damit auf Ulla Meinecke vor, die nach einer Umbaupause und einem warmen Applaus die Musa-Bühne betritt.

Meinecke, in durchsichtiger Sternenbluse und weißer Hose modisch und frisch gekleidet, wird flankiert von zwei phantastischen Musikern. Ingo York, der sich in der Musa vor allem an einem riesigen E-Bass betätigt, sei, so wurde es mir geflüstert, gemeinsam mit Neil Diamond und Liza Minelli auf Tournee gewesen – Reimar Henschke, an einem knallroten Stagepiano sitzend, ist auch als Komponist bekannt und seit den 1990er Jahren mit HenschkeSchlott-Projekt (gemeinsam mit Volker Schlott und Bernhard Meyer) dem Jazz-Publikum bekannt.

Es gibt große Stücke, beliebte Balladen und feinfühlige Gemütsträumereien an diesem Abend. "Schlendern ist Luxus" ist so ein Stück: Meineckes Ode an die vielerorts unterschätzte Freiheit, mal nicht den Bus nehmen zu müssen, sondern den seidigen Abend gedankenverträumt per pedes genießen zu können. Oder "Wenn zwei zueinander passen", Meineckes sanfte Zusammenschau möglicher Beziehungskonstellationen, die denkbar sind, wenn die Herzen zweier Menschen wie Puzzleteile zusammengehören. Auch nett: Das "Hafencafé" mit Blick auf die Brandung, in dem Meinecke den melancholischen Kaffee, den sie dort an ihren verschmähten Liebsten denkend trinkt, hörbar macht.

Zwischen den Stücken tut Meinecke etwas, das etwas von einer Mischung aus komisch-beschwingtem Geschichtenerzählen und Stand-up-comedy hat: Sie moderiert souverän und mit sichtbarer Freude am Kokettieren. So leitet sie beispielsweise ihren trotzig-peppigen Song "Zu alt" mit einer ganzen Reihe aus gängigen Vorurteilen über die junge, selfiesüchtige Generation ein, die im Konsumtaumel und vom Medienrummel gebeutelt vor sich hin vegetiert. "Hoffentlich", denke ich in diesem Moment, "ist das verklausulierte Komik". Denn so alt, dass Meinecke solche Vorurteile mit sich herumtragen müsste, ist sie bei weitem nicht.

Im Gegenteil: Dass sie voller Energie und Schwung ist, beweist sie an diesem Abend in mannigfaltiger Weise. Am Ergreifendsten für ihr treues Fanpublikum sind natürlich ihre Klassiker. Aber auch gerade die Coverversionen gestaltet sie ausdrucksstark. Die Verse von Tom Waits "Grapefruit Moon" (Meinecke zufolge genau die Art Trost, die man immer in seiner Hausapotheke braucht) schmiegen sich geradezu fantastisch in ihre rauchigere, reife und kräftige Stimme ein. Ebenso treffsicher: "Walking in Memphis", Marc Cohns wohl größter Hit, sowie Paul Simons "50 Ways to Leave Your Lover" – von ihr Deutsch als "50 Tips" gebracht.

Am Ende geht ein glückliches Publikum nach Hause: Sogar Zugaben hat es gegeben und die Versicherung, bald wieder in Göttingen vorbeizuschauen. Und wir hoffen, dass sie das noch oft tun wird.

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