Punkte neu 30 transparentWillkommen im Kulturbüro Göttingen - Ihrem Veranstaltungsportal für Göttingen

Dienstag, 15 März 2016 11:31

Jubel, Trubel und Gipfel musikalischer Heiterkeit

geschrieben von
Jubel, Trubel und Gipfel musikalischer Heiterkeit Bildquelle: www.gipfeltreffen-goettingen.de

Das Göttinger „Gipfeltreffen“

Sie fragen sich, wo die gemütliche ZDF-Samstagabend-Familienunterhaltung geblieben ist? Der musikalische Spaß mit Gags, Jubel, Trubel und Heiterkeit für Jung und Alt? Nun, im beschaulichen Leinestädchen gibt es seit dem letzten Jahr zumindest eine Bühnenfassung: Mit samt Zauberer, Comedy-Einlagen, süßen Chansons, kernigen Pop-Covern und ganz schön feisten Musikern. Am letzten Samstag war es wieder soweit: Das Göttinger Gipfeltreffen wurde stilecht in der barocken Pracht der Stadthalle vor geschätzten +/-1000 Zuschauern abgehalten, die sich mit ihrem Beifall sicher nicht täuschen können.

Dieses Jahr fand die Veranstaltung frei unter dem Motto: "Deutsche und deutschsprachige lokale Künstler, die sich aber auch international Gehör verschaffen" statt. Und es kam schon eine faszinierende und schillernde Schau zusammen: Das Vokalensemble Seven Up, der Living Gospel ChoirDie Feisten (das neue Zwei-Mann-Ensemble der ehemaligen "ganz schön" Feisten), der Magier und Mentalist Jan Forster, die erst 15-jährige Leona Uhlendorff, die peppige Pop-Chansoneuse Shandra Konzak, die per Bewerbung eine sogenannte "Wild Card" für ihren Auftritt gewonnen hatte, das Ukulelenensemble L'Uke und nicht zuletzt Lars Wätzold und die wunderbare Anna Depenbusch (beide letzteren tauchten nicht im Programmheft auf).

Es ist nicht wirklich möglich, den dreistündigen Abend, durch den in wunderbarer Gentleman-Manier Christoph Mathias Mueller, der Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters führte, in ein paar Sätzen zu umreißen. Trotzdem sei es an dieser Stelle versucht: Es war eine nicht ohne Grund ausverkaufte und sehr aufwändig produzierte Bühnenshow, die ihre Zuschauer gute und kurzweilige Einblicke in das populäre Göttinger Musikleben ab vom elitären Klassik- und Jazz-Markt gewinnen ließ: "Affengeil", meinte so beispielsweise mein Sitznachbar, der zuletzt Gerd Dudenhöfer in der Stadthalle genossen hatte.

Von frechen Balladen über homoerotisch angehauchte Liebschaften im Spanien des ausgehenden 16. Jahrhunderts (Die Feisten; hier mit einem Klassiker aus ihrem alten Bühnenprogramm), von amerikanisch-englischen Gospel komponiert im deutschsprachigen Göttingen bis hin zu fetzigen Ukulelearrangements (Falcos "Rock me Amadeus", hier gespielt von L'Uke) blieb kein Wunsch des begeisterten Publikums unerfüllt. Begleitet wurde all das von der exzellenten "Gipfeltreffen Big Band" – ein Name, der so schön klingt, dass man ihn erfinden müsste, hätten das nicht die Veranstalter getan. Jürgen Scholz (Gitarre), Jens Wrede (Bass), Dirk Schaad (ePiano), Thomas Zander (Saxophon), Olaf Krüger (Trompete) und Heinz Lichius (Schlagwerk) sind nicht nur in dieser Formation, sondern auch als Solokünstler hervorragende Musiker.

Immer wieder erfrischend waren die Einlagen von Seven Up, die beispielsweise mit einem lustigen Krimiserienengagement (nicht ganz dem Titel entsprechend aus James Bond, Miss Marple, Mission Impossible, Derrick und Tatort bestehend) oder einer etwas ernster gemeinten Fassung von "Geh davon aus" das Publikum in ihren Bann zogen. Hervorgehoben sei an dieser Stelle auch "Liebe meines Lebens", das die Nachwuchskünstlerin Leona Uhlendorff mitreißend vortrug.

Besonders in Erinnerung bleibt auf jeden Fall Anna Depenbusch ("Noch ein Sternchen, aber bald ein Star", so erstaunlicherweise Christoph Mathias Müller), die mit einer Stimme so schön wie zartschmelzende Lindt-Schokolade und einem sehr berührenden Chanson an ihren verschmähten Geliebten Benjamin für die zartesten Gefühle des Abends sorgte. Ebenso wunderbar: Der Tageblatt-Kolumnist Lars Wätzold, der mit "Junimond" einen wirklich fetzenden Cover-Beitrag hinlegte. Genauso gut gecovert und dabei musikalisch sehr mitreißend war übrigens auch Michael Zalejskis Udo Jürgens Hommage, die ihren Höhepunkt mit dem melancholischen Gassenhauer "Ich war noch niemals in New York" fand.

Der spaßigste Teil des Abends (sieht man einmal ab von den gelungenen und Limonaden-spritzigen Musikhumor-Einlagen der sieben Seven Ups), war sicherlich der Auftritt Jan Forsters, des berühmt-berüchtigten Göttinger Mentalmagiers, der die Gedanken eines Teils des Publikums zu lesen vermochte: So führte er den zuvor unwissenden Hochschullehrer Richard (ursprünglich Australier; lehrt an der Anglistik in Hannover) auf die Bühne und riet mit ihm und einigen anderen Publikumsmitgliedern Nomen aus Büchern.

Das alles wäre aber natürlich nichts ohne einen abschließenden Knaller: Und wenn Bert Kaempfert erklingt, ist das bekanntlich nie falsch: "Dankeschön" (ursprünglich viel räudiger von Wayne Newton gesungen) sorgte für einen würdigen Schluss der bunten Bühnenshow. Im Sinne Bert Kaempfers: "That's what friends are for!"

1 Kommentar

  • Kommentar-Link Christoph Mischke Mittwoch, 16 März 2016 19:49 gepostet von Christoph Mischke

    Den Abend hat der Herr Dellschow ziemlich treffend beschrieben, im Detail hapert es aber gewaltig...
    Möglicherweise war ich ja am falschen Ort, zumindest konnte ich dort, wo ich war, keinerlei "barocke Pracht" entdecken, eher nüchterne 70er-Jahre-Sachlichkeit. Was immer der Autor mit "peppiger Pop-Chansoneuse" meint, die junge Dame heißt Konzok (mit o). Steht auch so im Programmheft. Nicht im Programm stand allerdings (richtig erkannt, Herr Dellschow) Anna Depenbusch, was schlichtweg daran lag, dass sie in der Stadthalle nicht aufgetreten ist. Die "Stimme so schön wie zartschmelzende Lindt-Schokolade" gehörte oben genannter (Shan Dra ) Shandra Konzok (mit o), die Depenbuschs Lied "Benjamin" wunderbar interpretierte.
    Es freut mich darüber hinaus sehr, dass Seven Up nach so langer Zeit auf den Bühnen der Republik nun endlich mit einem "Krimiserienengagement" quasi geadelt werden. Das wird sicher manch' müdem Tatort zu gigantischen Einschaltquoten verhelfen.
    Jan Forster darf man durchaus eine gewisse Berühmtheit bescheinigen, aber berüchtigt ist er ganz sicher nicht.
    Statt einiger verschwurbelter Formulierungen und sachlicher Fehler hätte dem Text m. E. eine Erwähnung des Mannes gut getan, der für die Arrangements des Abends verantwortlich zeichnete, Christoph Jess.

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.

Jetzt schon Tickets sichern

Kulturticket

Gandersheimer Domfestspiele

Europäisches Filmfestival