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Samstag, 30 Januar 2016 11:11

Klangfarben und Klangerlebnisse mit Kenneth Hesketh

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Janet Sung mit dem Göttinger Symphonie Orchester Janet Sung mit dem Göttinger Symphonie Orchester © Photo: Wortmann

"Referenz" - Das Göttinger Symphonie Orchester mit einer Uraufführung in der Göttinger Stadthalle

„Eine Referenz hat immer etwas zu tun mit Ehrfurcht, mit Dankbarkeit“, erläuterte der Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters Christoph-Mathias Mueller zu Beginn des Konzertabends in der Göttinger Stadthalle.

Die erste Referenz war die Bearbeitung der Klaviersuite „Au gré des ondes“ („Den Wellen preisgegeben“) von Henri Dutilleux (1916-2013) durch den britischen Komponisten Kenneth Hesketh (*1968). Diese sechs kleinen Stücke hat Hesketh für Orchester bearbeitet. Dadurch hat die Musik viel an Farbe gewonnen. Mueller hat diese Farben hörbar gemacht und ließ die Musikerinnen und Musiker immer wieder Akzente setzen.

„Er versteht meine Musik besser als jeder andere“, sagt Kenneth Hesketh über den Mueller, mit dem er regelmäßig zusammenarbeitet, kürzlich in einem Interview. Dieses Verständnis hat Christoph-Mathias Mueller bei der Uraufführung der „Inscription – Transformation für Violine und Orchester“ bewiesen. Die Musik von Kenneth Hesketh setzt vor allem auf Klangfarben und Klangerlebnisse. Es gibt keine Melodien im herkömmlichen Sinn. Und es ist auch kein Violinkonzert.

Die Solovioline (gespielt von der Amerikanerin Janet Sung) steht eher im Dialog und der Auseinandersetzung mit dem Orchester. Der zarte Beginn mit Glockenschlägen der Harfe und Klängen der Flöte ist wie ein milder Sonnenaufgang. Der Tag entwickelt sich jedoch schnell mit starkem Crescendo chaotisch. Das Orchester verbreitet durch seine Einwürfe starke Unruhe, die Luft im Saal wird flirrend. Die Versuche der Solovioline, Versöhnung zu vermitteln, scheitern schnell. Es folgen weitere Versuche, die Eruptionen im Orchester wiederholen sich, die Musiker zeigen sich unversöhnlich. Am Ende scheint das Orchester jedoch aufzugeben. Das Aufbäumen weicht, das Leben scheint zu erlöschen. Es gibt noch letzte Zuckungen, und auch die Solovioline scheint mit ihrem Glissando aufzugeben. Zum Schluss gibt es eine Art Gewitter mit starken Donnerschlägen. Dann wird es friedlich, alles verstummt.

Hesketh entwickelt in seinem Werk, das er Henri Dutilleux und seiner Großmutter gewidmet hat, eine spannende Klangsprache, die das Göttinger Symphonie Orchester famos umgesetzt hat. Zahlreiche Einzelleistungen bei den Holzbläsern beeindruckten. Das Publikum in der gut gefüllten Stadthalle spendete für diese Uraufführung anhaltenden Applaus, auch für den anwesenden Komponisten Kenneth Hesketh.

Nach der Pause setzte sich die Referenz an Joseph Haydn fort, die sich durch die gesamte Saison des Orchesters zieht. An diesem Abend stand das C-Dur-Violinkonzert auf dem Programm. Ein Werk, das seit der Entstehung um 1770 eher ein Mauerblümchen-Dasein fristete. Erst im 20. Jahrhundert wurde dies Konzert überhaupt gedruckt. Janet Sung entwickelte einen warmen, leuchtenden Ton mit ihrer Maggini-Violine aus dem Jahr 1600  und konnte so diesem Werk des noch jungen Haydn damit ein Glanzlicht setzen.

Vor dem letzten Stück des Abends gab es eine Referenz an Ernö Scheich. Nach 38 Jahren Mitgliedschaft im Orchester wurde der Cellist in den Ruhestand verabschiedet. Die Aufführung der Symphonie G-Dur von Jean Françaix war damit sein letzter Auftritt als Orchestermitglied. Am Ende dieser fröhlichen, tänzerischen Musik, die eine Homage an Joseph Haydn ist, bekam Scheich seinen eigenen verdienten Applaus.

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