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Freitag, 13 November 2015 15:31

Sympathischer Auftritt – mit Abnutzungserscheinungen

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Das K'antu Ensemble in der Göttinger Auls Das K'antu Ensemble in der Göttinger Auls © Photo: Wortmann

Das „K’antu Ensemble“ eröffnet die Göttinger Reihe Historischer Musik“

Junge, talentierte Nachwuchsensembles lädt die Göttinger Händel-Festspiele regelmäßig zum Wettbewerb ein. In der „Göttinger Reihe Historischer Musik“ wetteifern diese Ensembles nicht nur um das begehrte Konzert im Hauptprogramm der Internationalen Händel-Festspiele, sondern häufig ist die Teilnahme für das Ensemble auch ein wichtiger Schritt in der naturgemäß noch jungen Biographie der Musikerinnen und Musiker.

Unter den Bewerbungen wird neben der Qualität auch auf eine neue Darstellungsform der Alten Musik geachtet. Das Konzept ist so erfolgreich, dass der Wettbewerb als Teil des internationalen Stipendiatenprogramms "eeemerging, Emerging European Ensembles Project" im Rahmen des Programms "Kreatives Europa" der Europäischen Union gefördert wird.

In diese Vorgaben passt das „K’antu Ensemble“ gut hinein. Mit ihrem Konzert in der Universitätsaula eröffneten sie den Wettbewerb dieser Saison. Talentiert sind sie alle auf ihren historischen Instrumenten – und ein sehr frischer Wind weht aus den südamerikanisch angehauchten, selbst arrangierten Stücken. Man muss nicht gleich so mitwippen, wie es die Blockflötistin Michelle Holloway den ganzen Abend über tat, aber so mancher Fuß der zahlreichen Konzertbesucher tänzelte bei den Rhythmen durchaus mit.
Das Problem nur: diese Arrangements nutzen sich mit der Zeit etwas ab. Und die durchaus unterschiedliche Musik von Juan Arañés, Antonio de Salazar oder Georg Friedrich Händel klangen plötzlich alle sehr ähnlich.

Dazu kam der Gesang: hier war kein kunstvoller Barockgesang zu hören. Mit enger Stimme, ohne Stimme und Tragkraft sangen die jungen Musiker, allen voran „Leadsängerin“ Ruth Hopkins. Diese Art der musikalischen Gestaltung passt eher in einen Club, wo das Ensemble auch häufiger auftritt, als in einen Konzertsaal. Dazu hat das Göttinger Publikum schon zu hochkarätige Sängerinnen und Sänger auch in dieser Reihe gehört. Ein solches Experiment hat beim britischen Rockmusiker Sting geklappt; seine Interpretation der Lieder John Dowlands war in sich allerdings deutlich überzeugender als die Variante des „K’antu Ensembles“.

"Ausreißer" waren das Stück "Verbindung" von Karlheinz Stockhausen, in dem weder gesungen wurde noch südamerikanische Rhythmen vorkamen. Es kamen überhaupt fast nur Geräusche vor - das wurde aber sehr spannend und überzeugend vorgetragen. Und auch das "Geamparale" in seinem 7/8-Takt bot am Ende einen durchaus versöhnlichen Abschluss, weil auch hier die individuelle Klasse der Musikerinnen und Musiker zu hören waren. Und weil sich diese Stücke von den anderen des Abends deutlich unterschied.

Dennoch war es ein sympathischer Auftritt der jungen Musikerinnen und Musiker. Die Elemente von Folk und Weltmusik lassen diese alte Musik durchaus neu hören und erleben. Für einen Wettbewerb in Sachen Barockmusik sollte aber ein wenig mehr vom Original übrigbleiben.

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