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Montag, 18 Mai 2015 10:14

Der Erfolg hat viele Heldinnen

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Die Komponistin Isabel Mundry Die Komponistin Isabel Mundry © Photo: Wortmann

Das Göttinger Symphonie Orchester bei den Händel-Festspielen

„Händel Variationen“ lautete die Überschrift über dem Konzert mit dem Göttinger Symphonie Orchester während der diesjährigen Händel-Festspiele. Generalmusikdirektor Christoph Mathias Mueller hatte das Programm dramaturgisch gut zusammengestellt.

Im Zentrum stand die Uraufführung einer Komposition, die das GSO und die Händel-Festspiele gemeinsam in Auftrag gegeben haben. Die gefragte Komponistin Isabel Mundry hatte sich entschieden, sich in ihrem Werk nicht an Georg Friedrich Händel anzulehnen. Mit dem Projekt „Motions“ wählte sie ein eigenes Thema für einen Werkzyklus, dessen Teile 1 und 3 in Göttingen erstmals zu Gehör gebracht worden sind. Und in der Tat – Bewegungen spielen in diesem Werk eine große Rolle. Sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne. Unterschiedliche Bewegungen erklingen im Orchester – ein Beugen des Körpers oder das Öffnen einer Tür. Um die Bewegungen hörbar zu machen, müssen sich die Musikerinnen und Musiker des Orchesters traditionelle Wiedergabemethoden verlassen, müssen sich also auch in eine andere Richtung bewegen: während sich beispielsweise die Tür öffnet, erklingen Stimmen im Gespräch. Sie erklingen im Crescendo und ebben beim Schließen der Tür wieder ab. Zeitweise müssen die Instrumente oder der Bogen aus der Hand gelegt werden, um Papier zu zerreißen oder zu zerknüllen. Und selbstverständlich haben die drei Schlagzeuger alle Hände voll zu tun, ganz unterschiedliche Geräusche zu erzeugen. Sie waren fast am meisten in Bewegung. Mundry ist es gelungen, in ihrer atonalen Kompositionsweise dem Publikum einen Zugang zu dieser Tonsprache zu ermöglichen, der bei anderen Werken dieser Gattung häufig verborgen bleibt. Die Konzertbesucher in der gut gefüllten Göttinger Stadthalle folgten den Klängen, Geräuschen und Tönen gefesselt – auch deshalb, weil sich das Orchester mit Leidenschaft und Perfektion dieser Herausforderung gestellt hat. Allen voran Dirigent Mueller, der ganz offensichtlich viel Freude beim Dirigieren dieser komplexen Komposition hatte.

Dabei war es zunächst gar nicht so einfach, sich nach der Pause auf diese Art von Musik umzustellen: das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy hätte für sich genommen einen eigenen Höhepunkt des Abends sein können. Das lag nicht nur an dem begeisternden Spiel der Violinistin Carolin Widmann, sondern auch an dem Zusammenspiel mit dem Göttinger Symphonie Orchester. In feinsten dynamischen Abstufungen wechselten Zurückhaltung zu Gunsten der Solisten und das Setzen eigener Akzente sich ab. Nicht enden wollender Applaus war der Lohn – sowie eine Zugabe: mit „Les furies“ von Eugène Ysaÿe.

Musikalisch umrahmte dann doch noch Händel den Abend: zur Eröffnung erklang Schauspielmusik zu „Atalia“ von Mendelssohn Bartholdy und die „Athalie“-Ouvertüre von Frank Martin. Beides spielte in diesen Festspielen auf Händels Oratorium Atalia an.

Der Abend klang aus mit den Variationen und Fuge über ein Thema von Händel von Johannes Brahms. Dieses Klavierwerk erklingt nur selten – und die orchestrierte Fassung von Edmund Rubbra (1901  1986) sicher noch seltener. Die musikalischen Themen von Händel wanderten durch das Orchester – ein großartiges Schaulaufen für die Göttinger Musikerinnen und Musiker, die dieser Einladung zur romantischen Interpretation Händels nicht widerstehen konnten.
Viele Heldinnen erschienen an diesem Abend: Athalia, Carolin Widmann, Isabel Mundry. Zum Glück sind Helden (und damit auch Heldinnen) dem GSO-Chefdirigenten eher suspekt – und so hatte dieser großartige Abend zwar viele Heldinnen – aber auch genauso viele Helden auf der Bühne der Stadthalle in Göttingen.

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