Punkte neu 30 transparentWillkommen im Kulturbüro Göttingen - Ihrem Veranstaltungsportal für Göttingen

Dienstag, 05 Mai 2015 14:18

Kampf der Geschlechter

geschrieben von

Premiere von Oliver Bukowskis Friday Night im Theater im OP

Wie wenige andere Autoren der Gegenwart, schafft es Oliver Bukowski in seinen Stücken vor allem den unterhaltungsgewillten „Tireds“ aus dem Akademikermilieu den allseits gepriesenen Spiegel vorzuhalten.

„Tireds“?
Das steht für „Thirtysomething Independent Radical Educated Dropout“, ist quasi der neue Yuppie und in Bukowskis „Friday Night“ auch in etwa das, worauf sich die Darstellerinnen unaufhaltsam zubewegen: Gut ausgebildete, frustrierte Frauen, die vor lauter Selbstoptimierungsdrang schließlich ausrasten. Seine Figuren stellt er zunächst als nicht ernst zu nehmende, plumpe, einseitige Typen vor, die aber dann (meist unter Alkoholeinfluss) mit viel sprachlicher Raffinesse ihre tief liegende Verzweiflung heraus schreien. Als Zuschauer fühlt man sich dabei meist schrecklich angesprochen, weil Bukowskis Stücken immer die ein oder andere Unterhaltung und Gefühlslage inne wohnt, die einem aus dem eigenen Leben so schaurig bekannt vorkommt.

In Friday Night ist es der Kampf der Geschlechter, den Bukowski beleuchtet: Alle vier Wochen treffen sich vier Freundinnen gemeinsam, um hemmungslos einen drauf zu machen. Diesmal führt ihre Frustration über das starke Geschlecht dazu, dass sie ein männliches Opfer in ihre Wohnung locken. Jan (Erkan Akcali) obliegt es nun – gefesselt und gefoltert – stellvertretend die Männer dieser Welt zu verteidigen. Dabei wird klar, dass es Jan schon lange überfordert den perfekten Mann mimen zu sollen, so dass auch die „durchgeknallten Frustpfützen“ einstecken müssen, wenn Jan seiner Wut auf die mäkelige Weiblichkeit Luft macht. Verbitterung, Wut, Aussichtslosigkeit und immer wieder tiefe Traurigkeit sind die Essenzen dieser Dialoge. Emanze Kittie (herrlich unbeugsam: Laura Apel) und Karrierefrau Britta (mit teuflischem Spaß: Anja Marszalek) lassen sich von Jans Argumenten noch am wenigsten beeindrucken. Hausfrau Krüger (herzig verunsichert: Aysebike Yalcin) wäre eigentlich schon zufrieden, wenn das Opfer ihr ein paar Sachen im Haus reparieren würde. Mutter Natalie (Tina Schunder) sehnt sich nach Nähe und Sicherheit und verzweifelt ob ihrer scheinbaren Unmöglichkeit: Die kurzen Ausbrüche aus ihrer Resignation gelingen ihr so authentisch, dass im Publikum immer wieder betroffenes Schweigen einkehrt.

Die Regisseure Thomas Rühling und Nikolaus Wildberg haben mit ihrer Inszenierung den Nerv des Stücks voll getroffen. Maske, Kostüm und Requisite sind entsprechend Bukowskis überzogenen Typen sehr passend ausgewählt. Das Stück hat Tempo, die Dialoge gehen so zackig vonstatten, dass man manchmal kaum hinter dem eingebauten Sprachwitz her kommt.

Der kleine Bühnenraum wird in ganzer Breite und Höhe ausgenutzt – schade ist nur, dass man die auf dem Boden sitzenden Schauspieler ab der dritten, vierten Zuschauerreihe überhaupt nicht mehr sehen kann. Eine erhöhte Sitzmöglichkeit für die Darsteller wäre hier im Interesse der Zuschauer wünschenswert gewesen – schließlich macht es viel Vergnügen ihren mimischen Regungen zu folgen.

Weitere Aufführungen am 5., 6., 8., 9., 11., 12., 13., 15., 16., 19., 20., 22. und 23. Mai, jeweils um 20:15 Uhr in der „Notaufnahme“ (gleiche Adresse wie das ThOP). Karten im Foyer der ZHG-Mensa, Montags bis Freitags von 12-14 Uhr. Kartenreservierung unter 0551 39 70 77. Der Eintritt für Studenten und Studentinnen der Universität Göttingen ist kostenlos.

 

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.

Jetzt schon Tickets sichern

Kulturticket

Gandersheimer Domfestspiele

Europäisches Filmfestival