Punkte neu 30 transparentWillkommen im Kulturbüro Göttingen - Ihrem Veranstaltungsportal für Göttingen

Montag, 16 Februar 2015 16:22

Winterliche Kammermusik des Göttinger Symphonie Orchesters

geschrieben von
Stephanie Lichtmeß und Joongbae Jee Stephanie Lichtmeß und Joongbae Jee © Photo: Sascha Ludwig

Was gibt es schöneres, als an einem kalten, grauen Februarabend ein gemütliches Konzert in behaglicher Atmosphäre zu genießen? Diesem Genuss konnte sich das Göttinger Publikum am Sonntagabend im Deutschen Theater hingeben. Das Göttinger Symphonieorchester lud zum ersten Konzert des Zyklus der Kammerkonzerte ein. Unter der Leitung von Joongbae Jee durfte sich das Publikum auf einen kurzweiligen Abend mit abwechslungsreicher Musik freuen.

Joongbae Jee, seit 2012 erster Kapellmeister und Stellvertreter des Generalmusikdirektors am Theater Trier lernte sein Handwerk als Dirigent unteranderem bei Klaus Arp in Mannheim sowie bei Hun-Jeong Lim und Deok-ki Kim an der Soul National University in Südkorea. Er gilt seit 2004 als einer der besten Nachwuchsdirigenten, was er bis heute unter Beweis gestellt hat. Er dirigierte zahlreiche Orchester auf der ganzen Welt und beschäftigt sich seit seinem Studium zusätzlich mit der neuen Musik.

Am besagten Sonntagabend widmete er sich mit dem Göttinger Symphonie Orchester allerdings der Musik des 18. und 19. Jahrhunderts.

Zu Beginn präsentierte das Orchester die Serenade für Streicher in Es-Dur (op.6) des tschechischen Komponisten und Violinisten Josef Suk (1874-1935). Die viersätzige, komplett in Dur komponierte Serenade eröffnete mit einem Andante con moto. Suk, der Schüler und Schwiegersohn von Antonín Dvorák, begann seine überaus lyrische Komposition mit einer Kombination aus anspruchsvollem musikalischem Material und folkloristischen Elementen. Das charakteristische Eintrittsthema der ersten Geigen erklang mit weichen, zarten Tönen, so dass die Zuhörer die Möglichkeit hatten sich und ihre Gedanken der Musik hinzugeben.

Die Streicher zauberten einen Klangteppich mit einer lyrischen Melodie, die jeden in ihren Bann zog. Einfühlsame Töne dominierten den ersten Satz, worauf im zweiten Satz ein Allegro ma non troppo grazioso folgte, ein leichtfüßiger Walzer, der sein Thema immer wieder aufgriff. Der darauffolgende, in G-Dur geschriebene Satz, ließ die zuvor aufgekommene Heiterkeit beinahe wieder vergessen. Mit großem Vibrato und tiefer Schwere entführte das Ensemble die Zuhörer wieder in die winterlichen Gedanken. Obwohl die gesamte Serenade dem Dur zugeschrieben wurde, erklangen hier auch Augenblicke von Melancholie und Schwermut. Joongbae Jee wies die Musiker mit viel Gefühl durch den Satz. Er fordert von ihnen seine Vorstellungen des Klangs, welche deutlich umgesetzt wurden. Besonders die Kommunikation zwischen den ersten Pulten und dem Dirigenten schien einwandfrei zu funktionieren, so dass das Vibrato, die Dynamik und die Leidenschaft genauso wieder gegeben wurde wie es gefordert wurde. Im letzte Satz der Serenade, einem Allegro gicoso, ma non troppo presto dominierten die tiefen Streicher und setzten sich von den Geigen ab. Es entstand der Eindruck eines Kontrasts zwischen den weiträumigen Themen der tiefen Streicher und den schnellen Klängen der hohen Streicher. Beide vereinten sich aber immer wieder in den Staccato-Passagen, die das Hauptthema aufgriffen.

Der zweite Teil des Abends bildete die Serenade Nr. 4 in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Den acht Sätzen dieser Serenade war unverkennbar die Handschrift des Komponisten abzulesen. Staccato-Passagen, Praller und Vorhalte zogen sich durch den ersten Satz und führten in die Serenade ein. Die Zuhörer im Theater durften unterhaltsamer Musik lauschen und in den wunderschönen Klängen der ersten Konzertmeisterin Stephanie Lichtmeß aufgehen. Diese durfte ab dem zweiten Satz ihre Solokünste präsentieren. Mit viel Gefühl und abwechslungsreicher Dynamik setzte sie dem gemütlichen Abend einen besonderen Akzent. Bewundernswert spielte sie ihre Soloparts mit einer sauberen Intonation und gefühlvoller Hingabe.

Über einen weiteren Höhepunkt durften sich die Zuhörer im sechsten Satz, einem Andante, freuen. Tiago Coimbra an der Oboe spielte sein Instrument mit einer absoluten Klarheit, hielt sich aber dabei immer nur so weit im Vordergrund wie gerade angemessen. Er beherrschte seine Fertigkeit an diesem Abend mit absoluter Präzision. Er zeigte mit seiner Oboe großes Gespür für die Akustik des Theatersaals und dem Zusammenklang des Ensembles.

Die Zuhörer wurden mit einem fröhlichen Schlusssatz in einem Prestissimo-Thema in die kühle, klare Februar Nachtluft entlassen, wobei die abwechslungsreichen Klänge des Abends noch lange im eigenen Ohr nachklangen.

Der Kammermusikabend war ein sehr schönes, kurzweiliges Vergnügen. Durch die angenehme Länge des Konzerts von ca. 70 Minuten wurden die Zuhörer schon um 21 Uhr verabschiedet. Leider stieß das Thema der Winter Serenaden wohl nicht auf allgemeines Interesse des Göttinger Publikums, da viele Plätze im Theater frei blieben.

Das nächste Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters findet am 6.März 2015 in der Stadthalle  unter dem Thema „Tanzschritte“ statt. Es wird das 4. Konzert des Philharmonischen Zyklus I sein.

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.

Jetzt schon Tickets sichern

Kulturticket

Gandersheimer Domfestspiele

Europäisches Filmfestival