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Dienstag, 03 Juni 2014 09:23

Operninszenierung auf höchstem Niveau

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Händels "Faramondo" im Deutschen Theater

Zwei Männer lieben dieselbe Frau – die Stoffe der Weltliteratur und des Musiktheaters sind seit Jahrhunderten immer wieder ähnlich. Und dennoch hat sich einiges verändert. Zu Händels Zeiten war das Rezeptionsverhalten des Opernpublikums ein anderes als es heutzutage ist. In der Oper „Faramondo“ gibt es ein klassisches Zwei-Welten-System, das das Publikum zur Entstehungszeit natürlich sofort verstanden hat: hier der Hof mit Königen und Bediensteten, dort die Außenwelt, die harte Realität. Um dieses Verständnis zu inszenieren, hat Regisseur Paul Curran mit seinem Bühnenbildner Gary McCann diese Welten zeitgenössisch umgesetzt. Und in der Tat sind diese Welten für das Publikum der Händel-Festspiele 2014 sofort erfassbar.

Händel kannte kein Regie-Theater. Heute kommt es aber auf eine geschickte Personenführung an, um die Charaktere der früheren Zeit sichtbar zu machen. Genau das hat das Gespann Curran / McCann erfolgreich getan. Funktioniert hat das aber nur dank der hervorragenden Musikerinnen und Musiker auf der Bühne und im Orchestergraben, denn die Handlung der Oper ist trivial, unlogisch und unglaubwürdig. Die „First Class Music“ (Laurence Cummings) wurde jedoch perfekt umgesetzt. Und so entstand eine Operninszenierung auf höchstem Niveau.

Nach der umjubelten Premiere am Samstag war auch das Publikum der zweiten Aufführung begeistert.

Emily Fons wusste schon beim Händel-Talk mit ihrem Stimmumfang, ihrem warmen Timbre und mit der Gestaltungskraft ihres Mezzosoprans zu überzeugen. Alle diese Eigenschaften hat sie in der Titelrolle von „Faramondo“ eingesetzt und machten sie auch deswegen zum umjubelten Star des Abends. Anna Devin (Clotilde, Sopran) und die beiden Countertenöre Maarten Engeltjes (wunderbar verliebt als Adolfo) und Christopher Lowrey (Gernando – bewundernswerte Arien in dieser etwas albernen Rolle) standen ihr in nichts nach. Bei Anna Starushkevych (Rosiminda, Mezzosopran) und Njål Sparbo (Gustavo, Bass) hätte man sich noch etwas mehr Volumen in der Tiefe gewünscht.

Das Ensemble wurde noch durch den Bariton Edward Grint und die Sopranistin Iryna Dziashko sehr gut ergänzt. Alle Solisten erhielten am Ende ihre verdienten Bravi.

Die waren aber auch für die schauspielerische Leistung verdient. Ganz offensichtlich konnten sie dem Handlungsstrang folgen und wussten, wann sie wen zu hassen und wen zu lieben hatten. Sie wechselten gekonnt zwischen den von Gary McCann geschaffenen Welten hin und her. Paul Curran mutete ihnen zudem noch einiges zu – wie zum Beispiel mit einem Sack über dem Kopf zu singen. Aber das Regiekonzept war stimmig und schlüssig. Es setzte immer wieder Akzente – häufig mit einem Augenzwinkern.

Das FestspielOrchester Göttingen ist längst ein Markenartikel für die Stadt Göttingen geworden - und damit ein Botschafter für die Stadt und die Festspiele. Es setzt unter der Leitung des bestens aufgelegten Laurence Cummings die Musik Händels perfekt um – filigran, blitzsauber, atemberaubend virtuos, zart und feinfühlig – und wo nötig kraftvoll und treibend: die Musiker holten alles aus der Partitur heraus. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass die Musiker zu Händels Zeiten besser gewesen sind. Für dieses Orchester hätte Georg Friedrich Händel vielleicht doch einmal Göttingen besucht!

Letzte Änderung am Dienstag, 25 November 2014 13:21

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