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Mittwoch, 07 September 2016 08:57

Boeing Boeing und viel heiße Luft am ThOP

Noch gilt auch auf dem Campus die Sommerzeit. Ideale Bedingungen für das Thop, das in der vorlesungsfreien Zeit mit einer Sommerkomödie unterhält. Die Zutaten muten Personal bedingt luftig locker an. Außerdem wird reichlich getrickst, getürkt und improvisiert und es herrscht auch kein Mangel an überraschenden Wendungen.

Erschienen in der Kategorie Theater im OP
Donnerstag, 09 Juni 2016 07:55

Musikalische Charmeoffensive

The English Drama Workshop begeistert mit dem Musical "The Sound of Music" im ThOP

Erschienen in der Kategorie Theater im OP

„Eine dunkle verlassene Waldhütte. Eine Tür knarrt. Ein Schrei gellt durch die Nacht. Blut.

Das ist doch alles Gruseln von gestern. Klischees über Klischees. Sind Sie die ollen Horror-Kamellen leid? Die Blondine stirbt zuerst, der Fluch der Großmutter, geheimnisvolle Stimmen aus dem nichts und so’n Quatsch. Dann haben wir genau das Richtige für Sie! Werden Sie der Drehbuchautor zu Ihrem eigenen Grusel-Streifen!

Wer wird der Bösewicht sein? Ein mordlüsternes Einhorn mit Vaterkomplex? Ein menschenfressender Riese mit Verdauungsproblemen? Oder doch nur ein Hinterwäldler, der die Gebrauchsanweisung der Kettensäge falsch verstanden hat? The choice is yours.
Seien Sie dabei, wenn das brandheiße Produktionsstudio ThOPLess Productions Sie einlädt zu einem Dreh der ganz anderen Art!“

Wir improvisieren weiter! Nach dem Erfolg von Frust Neujahr präsentiert das ThOP im August ein weiteres Impro-Stück, bei dem das Ensemble im Zuge des Abends Szenen aus einem Horrorfilm entstehen lässt. Diese werden komplett aus der Feder des Publikums stammen. Die Mischung aus Genre-Komödie und Improvisationstheater findet aufgrund der anhaltenden Dacharbeiten des Theaters in der sogenannten Notaufnahme statt. So läuft die Produktion unter dem Motto: Improvisation ist alles!
Das charismatische, gutaussehende und motivierte Ensemble setzt sich aus erfahrenen Newcommern und taufrischen Haudegen zusammen und ist bereit für ihre diabolischen Vorschläge und Ideen. Allgemein gilt: Keine Angst, wir wollen bloß spielen!
Muahaha!

Aufführungsdaten: 01.08. / 04.08 / 06.08. / 07.08. / 08.08. / 11.08. / 13.08. / 14.08. / 15.08. / 18.08. / 20.08. / 21.08. / 22.08. / 25.08. (an allen Vorstellungstagen mit Ausnahme der Premiere gilt das Kulturticket)

Regie: René Anders und Vicky Fitz
Text: Andreas Hey
Es improvisieren: Beatriz Beyer, Myrtha Dorothee Werner, René Anders, Sebastian Braatz, Thius Vogel und Vicky Fitz.

Erschienen in der Kategorie Theater im OP
Freitag, 26 Juni 2015 15:27

Per Zeitreisen-App in die Vergangenheit

Ein Theaterstück zum 1000-jährigen Jubiläum der Burg Plesse

„Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von `Hart aber weich´ mit Ihrem beliebten Moderator Frank Plesseberg!“ – so die Begrüßung des Publikums zur Premiere von „Alles Theater! Eine szenische Zeitreise durch die 1000-jährige Geschichte der Burg Plesse.“

Im Jahr 1015 wurde die sieben Kilometer nördlich von Göttingen liegende Burganlage zum ersten Mal erwähnt; anlässlich des Jubiläums hat sich eine große Zahl Mitwirkender des Theaters im OP zusammen gefunden und eigens ein Theaterstück dazu geschrieben, welches auch zur Festwoche Mitte September auf der Burg selbst zu sehen sein wird.

Erschienen in der Kategorie Theater im OP

Der Verein KUNST e.V. hat beschlossen, das ThOP im Jahr 2015 mit einer Summe von 3000 Euro finanziell zu unterstützen, um zumindest teilweise die erhöhten Aufwendungen des ThOP durch die Umlegungen der Aufführungen an verschiedene Orte in Göttingen wegen der andauernden Dacharbeiten im ThOP aufzufangen.

Die Planungen für die Dacharbeiten laufen, die entsprechende Ausschreibung wird momentan vorbereitet, so dass die Arbeiten nach den Planungen des Gebäudemanagements der Universität voraussichtlich im Juni beginnen können. Die Aufführungen müssen also weiterhin an verschiedenen wechselnden Spielorten durchgeführt werden. Zu den bisherigen Ausweichorten (ehemalige Notaufnahme, Aula am Waldweg und DT2) werden sicher auch noch andere hinzukommen, innerhalb und außerhalb der Universität.

Neben dem logistischen Aufwand kommen auf das ThOP deshalb zusätzliche Kosten für Transport, evtl. Raummieten und/oder Schließdienst zu. Neuanschaffungen im technischen Bereich bzw. Reparaturen der vorhandenen Ausstattung waren bereits nötig, um den Spielbetrieb zu gewährleisten (neue Dimmer, Reparatur kleinerer Defekte am mobilen Lichtpult etc.) und sind auch für die kommenden Monate zu erwarten.
Diese zusätzlichen Ausgaben müsste das ThOP komplett aus seinen Eintrittseinnahmen bestreiten.

Deshalb wird der Verein KUNST aus den Erlösen der diesjährigen KUNST-Gala das ThOP, das selbst Mitglied im Verein KUNST ist, finanziell mit 3000 Euro unterstützen!
„Wir hoffen, so dem ThOP in seiner Not ein bisschen helfen zu können und bitten die Universität, die Reparaturarbeiten zügig voran zu treiben, damit das ThOP schnellstmöglich wieder in seinen angestammten Räumen spielen kann!“ erklärte Nils König vom KUNST-Vorstand.

Anne Moldenhauer     Willi Arnold     Tobias Wolff        Nils König
(Vorstand des Vereins KUNST e.V.)

Erschienen in der Kategorie Rezensionen
Dienstag, 05 Mai 2015 14:18

Kampf der Geschlechter

Premiere von Oliver Bukowskis Friday Night im Theater im OP

Wie wenige andere Autoren der Gegenwart, schafft es Oliver Bukowski in seinen Stücken vor allem den unterhaltungsgewillten „Tireds“ aus dem Akademikermilieu den allseits gepriesenen Spiegel vorzuhalten.

„Tireds“?
Das steht für „Thirtysomething Independent Radical Educated Dropout“, ist quasi der neue Yuppie und in Bukowskis „Friday Night“ auch in etwa das, worauf sich die Darstellerinnen unaufhaltsam zubewegen: Gut ausgebildete, frustrierte Frauen, die vor lauter Selbstoptimierungsdrang schließlich ausrasten. Seine Figuren stellt er zunächst als nicht ernst zu nehmende, plumpe, einseitige Typen vor, die aber dann (meist unter Alkoholeinfluss) mit viel sprachlicher Raffinesse ihre tief liegende Verzweiflung heraus schreien. Als Zuschauer fühlt man sich dabei meist schrecklich angesprochen, weil Bukowskis Stücken immer die ein oder andere Unterhaltung und Gefühlslage inne wohnt, die einem aus dem eigenen Leben so schaurig bekannt vorkommt.

In Friday Night ist es der Kampf der Geschlechter, den Bukowski beleuchtet: Alle vier Wochen treffen sich vier Freundinnen gemeinsam, um hemmungslos einen drauf zu machen. Diesmal führt ihre Frustration über das starke Geschlecht dazu, dass sie ein männliches Opfer in ihre Wohnung locken. Jan (Erkan Akcali) obliegt es nun – gefesselt und gefoltert – stellvertretend die Männer dieser Welt zu verteidigen. Dabei wird klar, dass es Jan schon lange überfordert den perfekten Mann mimen zu sollen, so dass auch die „durchgeknallten Frustpfützen“ einstecken müssen, wenn Jan seiner Wut auf die mäkelige Weiblichkeit Luft macht. Verbitterung, Wut, Aussichtslosigkeit und immer wieder tiefe Traurigkeit sind die Essenzen dieser Dialoge. Emanze Kittie (herrlich unbeugsam: Laura Apel) und Karrierefrau Britta (mit teuflischem Spaß: Anja Marszalek) lassen sich von Jans Argumenten noch am wenigsten beeindrucken. Hausfrau Krüger (herzig verunsichert: Aysebike Yalcin) wäre eigentlich schon zufrieden, wenn das Opfer ihr ein paar Sachen im Haus reparieren würde. Mutter Natalie (Tina Schunder) sehnt sich nach Nähe und Sicherheit und verzweifelt ob ihrer scheinbaren Unmöglichkeit: Die kurzen Ausbrüche aus ihrer Resignation gelingen ihr so authentisch, dass im Publikum immer wieder betroffenes Schweigen einkehrt.

Die Regisseure Thomas Rühling und Nikolaus Wildberg haben mit ihrer Inszenierung den Nerv des Stücks voll getroffen. Maske, Kostüm und Requisite sind entsprechend Bukowskis überzogenen Typen sehr passend ausgewählt. Das Stück hat Tempo, die Dialoge gehen so zackig vonstatten, dass man manchmal kaum hinter dem eingebauten Sprachwitz her kommt.

Der kleine Bühnenraum wird in ganzer Breite und Höhe ausgenutzt – schade ist nur, dass man die auf dem Boden sitzenden Schauspieler ab der dritten, vierten Zuschauerreihe überhaupt nicht mehr sehen kann. Eine erhöhte Sitzmöglichkeit für die Darsteller wäre hier im Interesse der Zuschauer wünschenswert gewesen – schließlich macht es viel Vergnügen ihren mimischen Regungen zu folgen.

Weitere Aufführungen am 5., 6., 8., 9., 11., 12., 13., 15., 16., 19., 20., 22. und 23. Mai, jeweils um 20:15 Uhr in der „Notaufnahme“ (gleiche Adresse wie das ThOP). Karten im Foyer der ZHG-Mensa, Montags bis Freitags von 12-14 Uhr. Kartenreservierung unter 0551 39 70 77. Der Eintritt für Studenten und Studentinnen der Universität Göttingen ist kostenlos.

 

Erschienen in der Kategorie Theater im OP
Sonntag, 11 Januar 2015 19:03

Wir sind eskaliert!

Premiere von „Frust Neujahr“ in der „Notaufnahme“ des Theaters im OP

Zu Beginn des neuen Jahres, an einigen Orten dümpeln noch die weichpappigen Reste von Böller, Rakete & Co. im Rinnstein, präsentiert das Theater im OP eine frischgebackene Silvesterkomödie, gemixt mit Improvisationstheater: „Frust Neujahr“, geschrieben von Andreas Hey.

Sieben Freunde verbringen zusammen den Silvesterabend – dumm nur, dass Gastgeberin Annika den Alkohol vergessen hat und ihr Exfreund mit seiner neuen Flamme auftaucht. Die keifenden Eheleute Beatrix und Constantin beschließen sich zu trennen, noch ehe es 12 schlägt, und Dominik hat das Meerschweinchen der Gastgeberin gegessen.

#Der „Geist des alten Jahres“, gespielt von Sascha Vennemann, erscheint im Partytrubel, wann immer ihm die Gelegenheit günstig erscheint, und friert die Szenerie ein. Mithilfe des Publikums ist es dann an der Zeit, dem Geschehen neue Ideen und schadenfrohe Peinlichkeiten einzuverleiben.

Nachdem sie sich über die zwei Meter langen Bartstoppeln ihres Mannes echauffiert hat, überkommt die esoterikgläubige Beatrix das Bedürfnis nach einer Science, um in Erfahrung zu bringen, ob das neue Jahr Erfreulicheres bereit hält. Die Freunde werden hypnotisiert und sprechen nun mit der Stimme des Geistes Anton. Das Publikum entscheidet über die Fragen, die die Partygäste an das neue Jahr stellen: Bastian soll sich fragen, mit wie vielen Frauen er im kommenden Jahr schlafen wird, Denise, wo sie das Kochbuch ihrer Großmutter wieder findet, und Annika, wie sie 2015 eine Menge Geld macht. Zugleich bekommt jeder der drei für die Sequenz eine Emotion zugeteilt – Bastian sinniert in höchster Erregung über die zu erwartenden 23.000 Frauen, Denise spricht hasserfüllt über die Kochbuchsuche, während Annika phlegmatisch vorschlägt, es doch mal in der Küche zu probieren.

„Wir sind eskaliert!“ freut sich Dominik schließlich, nachdem er mit seinen beiden Kumpanen eklige kleine Feuerwerke aus Salzbrezeln und Sprühsahne in der Wohnung verteilt hat.

Es ist ein Theaterstück, was seinen Darstellern höchste Konzentration und ständige Spontaneität abverlangt – unvorhersehbare Stichworte in höchst amüsante Situationskomik zu verwandeln ist eine Kunst für sich, die den quirligen Schauspielern an vielen Stellen sehr gut gelingt. Einige Witze sind sicherlich platt, dafür kommt die Komik immer unverbraucht und schwungvoll – die Regisseure Sascha Vennemann und René Anders, die beide auch selber mitspielen, haben den improvisierten Silvesterabend tempo- und abwechslungsreich inszeniert. Das Publikum in der ausverkauften Notaufnahme hat selten Lachpause und gibt viel Szenenapplaus.

Wer selber einmal die Party mit abstrusen Ideen aufmischen möchte, sollte sich raketenschnell um Karten bemühen. Der Spielort „Notaufnahme“, eigentlich ein Probenraum des Theaters im OP, stellt selbst eine Improvisation dar, da das Dach des Theatersaales saniert werden muss – und er hat nur 50 Plätze.
Weitere Vorstellungen am 13., 14., 16., 17., 20., 21., 23. und 24. Januar, jeweils um 20:15 Uhr in der „Notaufnahme“ (gleiche Adresse wie das ThOP). Karten im Foyer der ZHG-Mensa, Montags bis Freitags von 12-14 Uhr. Kartenreservierung unter 0551 39 70 77. Der Eintritt für Studenten und Studentinnen der Universität Göttingen ist kostenlos.

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Dienstag, 09 September 2014 00:59

Die Abgründigkeit des Erlebten

Mr. Marmalade von Noah Haidle im Theater im OP

„Du Scheißfotze“, sagt der Mann im Anzug zu Lucy. Er ist wütend, weil das Baby so laut schreit, dass er den Fernseher nicht hören kann. Lucy bringt dem Mann ein Bier. Dann tötet sie ihr Neugeborenes, weil es nicht aufhören will zu schreien. Ihre Bluse ist voller Blut. Da wird es dem Mann zu viel und er verlässt sie.

Lucy (Halya Pidstrigach) ist vier und spielt am liebsten Familie. Weil niemand da ist, mit dem sie spielen kann, hat sie ihre Mitspieler erfunden. Der Mann ist Mr. Marmalade (Hans Peter Hucke) und die wichtigste Bezugsperson unter ihren Fantasiefreunden. In ihrem Alleinsein imaginiert Lucy Geschichten und Personal, die ihre eigene traumatische Lebenswelt widerspiegeln.

Nur die Begegnung mit dem Nachbarsjungen Larry (Jewa Kogan) deutet einen Ausweg und die Möglichkeit echter Zweisamkeit an. Larry klaut und hat – „im Spiel oder in Echt?“ - versucht, sich umzubringen. Das Zusammentreffen der Kinder wird für Lucy zu einem Oszillieren zwischen möglichen Welten, einem Hin- und Herkippen zwischen Fantasie und Wirklichkeit. Nach allem was geschehen ist, kann auch eine Emanzipation von Mr. Marmalade Lucy längst nicht mehr vollständig retten.

Realität und Vorstellung existieren parallel oder verschwimmen. Als Lucys Mutter (Miriam Emperle) nach Hause kommt, ist sie böse. Lucy hat ihre gute Bluse an und ist von oben bis unten voller Ketchup.

Wer aus Kinderperspektive erzählt, hat es mit einer Menge narrativer Besonderheiten zu tun. In Haidles Text entsteht die Verzerrung der Realität niemals durch ein moralisches Urteil, sondern durch das mangelnde Reflexionsvermögen seiner Protagonistin. Das ist zeitgenössisches Theater. Lucy nimmt ihre Welt wahr mit der grotesken Selbstverständlichkeit eines Traums und spiegelt sie ebenso selbstverständlich in ihren Spielen. Nur den Zuschauer gruselt es, wenn die Vierjährige mit dem älteren Herren Doktor spielt oder der eingebildete Assistent grün und blau geschlagen ins Kinderzimmer gehumpelt kommt. Lucy rügt Mr. Marmalade für seine Unzuverlässigkeit, für Gewalt und Drogenexzesse wie einen Jungen, der schon wieder sein Gemüse nicht aufgegessen hat. So vertraut wir mit diesem Kunstgriff auch sind, die Wirkung bleibt verstörend. Im kindlichen Geist sehen wir nur konkrete Szenen aufblitzen, Lucy kann ihre Vorstellungen nicht vor einem sinnstiftenden Hintergrund einordnen.

Die ohnehin schon anspruchsvolle Aufgabe, ein Kind zu spielen, wird durch die Abgründigkeit des Erlebten noch heikler. Halya Pidstrigachs fällt nie aus der Rolle, ihr Spiel wirkt aber manchmal etwas bemüht, schrill, überdreht. Jewa Kogan als Nachbarsjunge Larry hat mit ähnlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, wenngleich ihre vergleichsweise melancholische Rolle ihr entgegen kommt. Hans Peter Hucke als Gegenpart erdet mit seiner ruhigen Körperlichkeit das Bild, wenn Lucy hektisch um Mr. Marmalade herum springt. Der eigentliche Star ist Roman Kupisch als Assistent Bradley. In stiller Eleganz, mit Nachsicht, Einfühlungsvermögen und feinem Humor wirkt seine Figur tatsächlich wie aus einer anderen, magischeren Welt. Er ist der Fantasiefreund, der für einen Rest Hoffnung einsteht und auch der letzte, der die Bühne verlässt. Für tragische Komik, aber vor allem leider für flache Gags sind Lucys Mutter (Miriam Emperle), die Babysitterin (Diana Tyebally) und ihr Muskelprotz (Thomas Sicking) zuständig.

Überraschend traditionell inszenieren Heiko Matthias und Ilka Daerr den Text von 2004. Von den Dialogen über die Regieanweisungen bis hin zu Requisite und Bühnenbild halten sich die beiden Regisseure erstaunlich oft an die Vorlage. Von einem postdramatischen Abarbeiten, einem Neukomponieren des Materials, sehen sie vollkommen ab. Gerade bei einem Stück, das die Möglichkeit böte, gesellschaftliche Untiefen auszuloten, scheint eine stärkere Loslösung vom Text mehr als legitim, eher schon erforderlich zu sein. Spätestens seit Brecht steht die Forderung im Raum, dass das Theater nicht dem Autor, sondern der Gesellschaft dienen soll. Auch Heidle, der Theateraufführungen als Treffen einer reflektierten Community begreift, die ihre Gedanken im Angesicht der Inszenierung bündeln kann, hätte das sicher gefallen. Gerade weil er als Freund des Absurden Theaters nicht jede gesellschaftskritische Ebene in seinen Texten ausformuliert, ist er fast angewiesen auf ein freieres Spiel der Regisseure mit seinem Material. Gegen eine textnahe Umsetzung im Allgemeinen ist nichts einzuwenden, aber bei dieser Produktion verfangen sich die Inzenierenden nicht selten in Klamauk und Klischees , kratzen an der Oberfläche und verpassen eine intensivere Auseinandersetzung mit dieser tatsächlich so schweren Kost. Der Zuschauer bekommt Marmelade und Ketchup, kein Blut.

Das aufgeregte Bühnenbild aus Puppengeschirr, Schokolade und Stofftieren wirkt oftmals redundant. Die Requisiten bebildern die dargestellten Handlungen und Dialoge, sind irritierend dinglich und bleiben doch stumm. Sie haben dem Geschehen nichts hinzuzufügen, scheinen keinerlei weitere Ebene zu eröffnen oder über die Ereignissen hinausgehende Bezüge herstellen zu wollen. Das viel besprochene und im Stück omnipräsente Tutu, das der Autor seiner damalige Freundin  zuliebe, also keineswegs aus künstlerischen Gründen, in den Text aufgenommen hat, wird exemplarisch für diese Art der Illustration. Das kann auf eine naive Art manieriert wirken. Ungewöhnlich erscheinen diese Entscheidungen vielleicht vor allem, weil Produktionen anderenorts gerade in den letzten Jahren auf sehr vielfältige Weise zeigen, dass auch opulente Bühnenbilder einen erheblichen Abstraktionsgrad erreichen können. Das Theater im OP ist nicht die Volksbühne. Aber das erwartet auch niemand. Trotzdem würde man sich von einem so jungen, engagierten Ensemble, das doch irgendwie Teil der Freien Szene ist, Lebendigeres wünsche. Mehr Experimentierfreudigkeit. Gänsehaut. Neugier. Und ja, auch etwas mehr Tiefgang.

weitere Vorstellungen:
Sa, 6. September
Mo, 8. September
Di, 9. September
Do, 11. September
Fr, 12. September
Sa, 13. September
Di, 16. September
Mi, 17. September
Fr, 19. September
Sa, 20. September (Derniere)

Erschienen in der Kategorie Theater im OP
Freitag, 15 August 2014 15:32

Tanzen und Verdrängen

Premiere von Headstate im Theater im OP

Zwei Männer, zwei Frauen. Sie sind kaputt. Sehr kaputt. Mickey, die Prostituierte, ist schließlich tot. Das ist etwas blöd, denn nun stehen die andern mit einer Leiche da. Aber halb so wild, sie sind ja Meister in der Kunst der Verdrängung. Und letztlich kann man mit so einer Leiche ja vielleicht noch einträgliche Geschäfte machen. „Headstate“ ist der Titel der 80minütigen Bestandsaufnahme eines verhängnisvollen Discoabends, geschrieben von Irvine Welsh („Trainspotting“). Ein in der Zeit springendes Stück, das in seinem ziellos umher springenden Stil das Lebensgefühl seiner Protagonisten spiegelt: Vergangenheit scheiße, Zukunft vermutlich auch, also Leben im Jetzt! Drogen, Alkohol, Sex, Aids, Elektromucke und ekstatischer Tanz sind das Umfeld für allerlei vulgäre, aneinander vorbei laufende Dialoge der Protagonisten. Sie bohren gegenseitig in ihren Wunden und beschimpfen sich – nur voneinander lassen können sie auch nicht.

Martin, der den Metzgerladen seiner Eltern geerbt, ihn aber seit Wochen einfach nicht mehr geöffnet hat, versucht sich als Zuhälter (René Anders als sympathisch-quirliges Stehaufmännchen). John, seinem psychopathischen Handlanger (perfekte Besetzung: Christian Feuerhake), ist alles mögliche zuzutrauen. Tina (Yvette Rother), der das Jugendamt ihre beiden Kinder entzogen hat, will einfach nie mehr mit der Party aufhören. Mickey (in hautengem, weißen Lack mal Engel, mal Teufel: Jennifer Reinhardt) konfrontiert sie alle mit dem Gefühl aller Gefühle. Denn über allem Rave, allen Worten und Taten liegt eine große Sehnsucht, die über den Konsum weiterer Speedballs hinausgeht.

„Glaubst du an die Liebe?“, fragt Mickey. „Wenn ich damit Kohle machen kann, ja, dann glaube ich an die Liebe.“ antwortet Martin geschäftsmäßig. Doch wenn er den Ausländer John unter seine Fittiche nimmt oder klaglos erklärt, niemals wieder Sex zu haben, um niemanden mit seiner Krankheit anzustecken – so entsteht Verständnis für seine Tragik, die er in Drogen und Tanz zu vergessen sucht.

Liebe ist ja schließlich auch gefährlich – und macht verletzlich. Yvette Rother zeigt als partywütige Rabenmutter Tina genau das: Ihre Rolle, meist verpeilt, obszön und albern, gestaltet sie durch eine stetige, unterschwellige Trauer sehr überzeugend.
Auch Mickey zeigt in einer textlosen, musikalisch unterlegten Szene anhand ausgewählter Requisiten (Barbie, Schere), was alles in ihrem Inneren, hinter dem herausfordernden Dauergrinsen, versteckt liegt.

Alles in allem ist Headstate ein knallig-betrübliches Stück, das kriminelle, verkommene, kranke und traurige Tunichtgute zu Sympathieträgern macht. Regisseur Peter Schubert lässt in seiner bunten, bewegten und musikreichen Inszenierung das Publikum im voll besetzten Saal konstant an der Party teilhaben. Jede Menge Applaus – für Fans des Genres unbedingt sehenswert.

Weitere Aufführungen am 15., 16., 19., 21., 22., 23., 26., 28., 29. und 30. August, jeweils um 20:15 Uhr. Karten im Foyer der ZHG-Mensa, Montags bis Samstags von 12-14 Uhr, sowie im Alten Rathaus, Montags bis Samstags 10-18 Uhr. Kartenreservierung unter 0551 39 70 77 oder unter http://thop.uni-goettingen.de

Erschienen in der Kategorie Theater im OP
Freitag, 18 Juli 2014 09:14

Schauspielkunst Director´s Cut

Premiere von Henrik Ibsens „Gespenster“ im Theater im OP

Die aktuelle Inszenierung des Theaters im OP ist etwas für alle, denen es eine Freude ist Stücke zu sehen, die den Schwerpunkt auf ihre Charaktere und deren Beziehungen zueinander legen. Mit einigen der besten Darsteller, die das ThOP vorzuweisen hat, zeigt das reine Dialogstück weit ausgearbeitete, vielschichtige und widersprüchliche Rollen. Das darf dann auch mal etwas länger dauern. Das Familiendrama „Gespenster“ (Uraufführung 1882) verlangt pausenlose Konzentration – auch vom Publikum. In über zweieinhalb Stunden werden die Verzweiflung und das Unglück der Witwe Helene Alving aufgedeckt, die ihr Leben damit verbracht hat, die unmoralischen Eskapaden ihres Mannes zu vertuschen, um den Eindruck eines anständigen Familienlebens zu wahren.

Zum Gedenken ihres Mannes stiftet Frau Alving (Alina Halverscheid) zu dessen zehnten Todestag ein Kinderheim. Pastor Manders (Thomas Rühling), ihr Berater und ehemaliger Jugendfreund, bespricht diesbezüglich einige Details mit ihr, bevor er das Gespräch unter vier Augen dazu nutzt, die Witwe mit schweren Anschuldigungen zu konfrontieren: Nicht nur sei sie ihrem Mann in seiner schwersten Stunde keine Stütze gewesen und habe versucht ihn zu verlassen – auch sei sie ihren Mutterpflichten nicht nachgekommen und habe ihren einzigen Sohn, Osvald, als 7-jährigen zu Pflegeeltern gegeben.

Frau Alving bricht daraufhin ihr Schweigen und eröffnet dem Pastor die quälende Ehe mit ihrem dem Alkohol verfallenen Gatten, aus dessen Liaison mit dem Dienstmädchen eine Tochter hervorging – Regine, die nun wiederum als Dienstmädchen im Hause Alving arbeitet. Ihren Sohn Osvald (beeindruckend: Stefan Happach) gab sie in Pflege, teils, um ihn vor seinem Vater zu schützen, teils, um auch vor ihm den Lebenswandel des Vaters zu vertuschen.

Pastor Manders gerät zunächst mit Frau Alving aneinander, später mit Jakob Engstrand, dem Ziehvater der jungen Regine, schließlich mit Osvald. Er gebärdet sich als moralischer Zeigefinger ohne Tiefe („Wo kämen wir hin, wenn man immer alles selbst hinterfragen würde.“), der von den Enthüllungen erschüttert und betroffen ist, dem jedoch sein moralisches Grundgerüst nicht unter den Füßen wegbricht. Vor allem im textlosen Spiel Thomas Rühlings sieht der Zuschauer aber, dass es auch dem Pastor schwerfällt, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Er ist schließlich bereit zur Entschuldigung, kann aber seine Prinzipien nicht generell in Frage stellen.
Frau Alving hingegen bezeichnet sich selbst als feige und beschließt ihrem Sohn und Regine, die eine über Freundschaft hinausgehende Zuneigung zueinander entwickelt haben, zu sagen, dass sie Halbgeschwister sind („Ich muss mich zur Freiheit durcharbeiten.“). Alina Halverscheid überzeugt als von jahrzehntelangem Leid nicht gebrochene, aber abgekühlte Beobachterin der sie umgebenden gesellschaftlichen Verhältnisse. Nur wenige, glaubwürdige emotionale Ausbrüche zeigen, wie es um ihr Innerstes bestellt ist.

Sohn Osvald, ein liebebedürftiger, schwer erkrankter Künstler, der sich in seiner Angst vor dem Dahinsiechen bis zur Raserei verkrampft, wird von Stefan Happach zum Fürchten gut interpretiert.
Regisseur Andreas Müller hat das Stück als zeitloses Psychodrama erarbeitet, das danach fragt, inwiefern man mit seinen eigenen Ansprüchen und Wertevorstellungen (den „Gespenstern“) eigentlich wirklich brechen kann. Stellte sich das eigene Leben nicht als verwirkt heraus, wenn man zugeben müsste, es auf fragwürdigen Grundsätzen aufgebaut zu haben? Was soll man tun, wenn sich herausstellt, dass eine weit zurückliegende Entscheidung folgenschwer und – falsch war?

Müller rahmt die textreichen Enthüllungen mit von dramatischer (Film-)Musik unterlegten Stillleben, in denen die fünf Darsteller allein oder in unterschiedlichen Konstellationen mit wenigen Gesten ihre Gefühle zum Ausdruck bringen.

Fraglich bleibt, weshalb sich die Schauspieler häufig ohne erkennbare Motivation über die Bühne bewegen – das teilweise ununterbrochene Hin und Her versucht wohl eine Szenendramatik körperlich zu betonen, die der Betonung nicht weiter bedurft hätte.

Ein ausführliches, informatives Programmheft, inklusive Interview mit dem Regisseur, rundet den Abend ab. Weitere Vorstellungen am 18., 19., 22., 23., 25., 26., 30., 31.7. sowie 1., 2.8., jeweils um 20:15 Uhr. Karten im Foyer der ZHG-Mensa, montags bis samstags von 12-14 Uhr, sowie im Alten Rathaus, montags bis freitags 10-18 Uhr. Kartenreservierung unter 0551 39 70 77 oder unter www.thop-online.de

Erschienen in der Kategorie Theater im OP
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