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Kammerchor und Kantorei St. Jacobi mit „Israel in Egyp“ in der Johanniskirche

Erschienen in der Kategorie Jacobikantorei
Andacht zur Todesstunde Jesu am Karfreitag, 14. April 2017, um 15 Uhr

In St. Jacobi findet am Karfreitag in jedem Jahr um 15 Uhr die Andacht zur Todesstunde Jesu statt, die traditionell vom Kammerchor St. Jacobi gestaltet wird. In diesem Jahr steht ein zentrales, und dennoch weitgehend unbekanntes Werk der Lutherischen Kirchenmusik auf dem Programm: Die Matthäuspassion Johann Walters aus dem Jahr 1530.

Walter gilt als der „Urkantor“ der evangelischen Kirchenmusik. Als guter Freund und Wegbegleiter Martin Luthers setzte er dessen reformatorische Ideen auf dem Gebiet der Kirchenmusik um, z.B. durch viele Lieder und Gesangbücher, durch die Einführung des Bürgerlichen Gesangswesens in der Torgauer Kantorei, durch die gemeinsam mit Luther entwickelte „deutsche Messe“ und nicht zuletzt durch die Komposition von Passionsberichten für die liturgische Aufführung an Palmsonntag und Karfreitag.
Der Kammerchor St. Jacobi schlägt in diesem Jahr in der Andacht zur Todesstunde Jesu mit der Aufführung von Walters Matthäuspassion den Bogen zwischen liturgischem Anlass und Reformationsjubiläum. Das musikalisch sehr schlichte, aber deshalb besonders eindrückliche Werk war aus der Musikpraxis nahezu vollständig verschwunden, weswegen die Noten für die diesjährige Aufführung erst nach alten Quellen erstellt werden mussten.

Es singt der Kammerchor St. Jacobi, Andreas Jedamzik, Evangelist, Arne zur Nieden, Jesus, die Leitung hat Stefan Kordes.

Außerdem erklingen Motetten von Heinrich Schütz, sowie norddeutsche Orgelmusik. Die Ansprache hält Pastor Harald Storz.

Liturgische Osternacht mit der Kantorei St. Jacobi am Karsamstag, den 15. April um 23 Uhr

Auch in diesem Jahr wird in St. Jacobi das Fest der Auferstehung Jesu mit einer stimmungsvollen Feier der Osternacht begonnen. Die zuerst dunkle Kirche wird am Übergang zum Ostersonntag nach und nach durch Entzünden vieler Kerzen immer heller, bis mit dem Osterevangelium und der Wandlung des Altars der Ostermorgen spürbar anbricht.

Es wirken mit: Pastor Harald Storz, Kantor Stefan Kordes sowie die Kantorei St. Jacobi.

Erschienen in der Kategorie Jacobikirche
Montag, 27 Februar 2017 17:02

Viel Barockswing ohne akademischen Touch

Festliche Barockmusik in St. Jacobi

Eine gut gefüllte Jacobikirche am Sonntagnachmittag bestätigte die Wahl der Konzertzeit um 16 Uhr – auch, wenn die Konzertdauer mit über zwei Stunden etwas reichlich bemessen war.

Geboten wurde ein „Festliches Barockkonzert“ mit Musik von Johann Sebastian Bach, dem Thomaskantor Johann Friedrich Doles und Jan Dismas Zelenka. Das erklärte Lieblingsstück der Kantorei und eine wunderbare Entdeckung war der kurze Kantatensatz „Nun ist das Heil“: ein doppelchörig angelegter und festlich mit Pauken und Trompeten besetzter Satz begeisterte nicht nur das Publikum. Und auch die Erklärung von Johann Friedrich Doles, der 50 Jahre nach Bach komponierte, „Fugen sind blos Kunstwerke des Verstandes und belustigen allenfalls den Kenner“ wurde eindrucksvoll widerlegt. Denn das sehr kunstvolle Kompositionsprinzip einer Permutationsfuge erklingt bei Bach spielerisch und leicht. Wenn es dann noch vom Kammerchor St. Jacobi und dem Göttinger Barockorchester mit viel Barockswing vorgetragen wird, ist endgültig jeder akademische Touch dieses Kleinods verschwunden.

Doles (1715-1797) erklärte jedoch seinen Gegenentwurf zum Musikverständnis seines Lehrers Bach: Kirchenmusik soll das Herz berühren und Gefühle im Hörer auslösen. Und wenn man nun dem Ratschlag von Arne zur Nieden im Programmheft folgte, nämlich „Bach für 20 Minuten zu vergessen“, war die Intention Doles‘ tatsächlich zu spüren: gefühlvoll und ausdrucksstark interpretierte Kantor Stefan Kordes den Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Chor und Orchester ließ er klingen, er spannte Bögen und entfaltete somit die Wirkung dieser Musik.

Zu diesem Gelingen haben auch die Solisten beigetragen, von denen vor allem Gotthold Schwarz zu nennen ist, ist Schwarz doch ebenfalls Thomaskantor und damit ebenfalls ein Nachfolger Bachs und auch Doles‘. Aber deswegen wurde er natürlich nicht eingeladen. Vielmehr gestalteten Schwarz gemeinsam mit Theresia Taube, Ulrike Schneider und Henning Kaiser ihre Solistenparts überzeugend.

Begonnen hatte der Abend mit der Kantate „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“. Sie erklang im Rahmen der Reihe „Bach-Kantaten zu Luther-Liedern“. Und diese Kantate hatte es Stefan Kordes sehr angetan. „Eine kleine Matthäuspassion“ erläuterte er – und meinte die Besonderheit dieser Kantate: Bach gestaltete einen groß angelegten und sehr bewegten Eingangschor, in dem neben dem Chor die Oboe und die Querflöte solistisch auftreten. Leider waren Chor, Orchester und Dirigent zu Beginn des Konzertes noch nicht exakt aufeinander eingespielt. Zum Teil klapperte es bedenklich zwischen den Ensemblegruppen. Das legte sich aber schnell. Auch lagen Kordes die „romantischen pianissimo-Passagen“ in der Kantate besonders am Herzen, wie er im Programmheft verriet. Diese pianissimo-Passagen sorgten jedoch dafür, dass der 40köpfige Kammerchor St. Jacobi bisweilen sich nicht recht durchzusetzen vermochte. Dass er dazu durchaus in der Lage ist, war beim anschließenden Psalm von Johann Friedrich Doles zu hören.

Das Göttinger Barockorchester mit seinem Konzertmeister Henning Vater war im gesamten Verlauf des Konzertes mehr als ein zuverlässiger Begleiter: vor allem bei der Musik vor der Pause konnten die Stimmgruppen wunderbare eigene Akzente setzen, besonders genannt seien hier die Flöte, die Oboe und die Trompetengruppe. Nach der Pause erklang die „Missa Divi Xaverii“ von Jan Dismas Zelenka. Chor und Orchester hielten die Konzentration bewundernswert aufrecht. Allein die etwas gefällige Musik Zelenkas zog sich ein wenig hin.

Umso schöner, dass der Bach-Satz „Nun ist das Heil“ als Zugabe noch einmal gegeben wurde. Derart beschwingt entließen der Kammerchor St. Jacobi, das Göttinger Barockorchester und Stefan Kordes das Publikum in den Sonntagabend.

Der Kammerchor St. Jacobi ist gemeinsam mit der Kantorei St. Jacobi am 14. Mai während der Internationalen Händel-Festspiele zu hören. Um 18 Uhr erklingt in der Johanniskirche Händels Oratorium "Israel in Egypt" unter dem Dirigat von Stefan Kordes. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Das Göttinger Barockorchester ist bereits am Montag, den 6. März um 19.30 Uhr zu hören. Unter der Leitung von Antonius Adamske erklingen in der St. Pauluskirche unter anderem die drei Bass-Solokantaten von Johann Sebastian Bach. Die Solopartie singt Henryk Böhm. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Erschienen in der Kategorie Kammerchor St. Jacobi
Donnerstag, 08 Dezember 2016 07:41

Schneegeglitzer zum Advent

Der Kammerchor St. Jacobi konzertierte am 2. Advent mit Werken von Schütz, Poulenc und Martin

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Joseph Eybler Weihnachtsoratorium in der Göttinger St. Jacobikirche

Wenn das Weihnachtsoratorium auf dem Programm steht, sind die Kirchen immer gut gefüllt. Das war in der Jacobikirche am Dritten Advent ebenfalls der Fall – obwohl der Komponist nicht Johann Sebastian Bach sondern Joseph Eybler hieß. Die Neugierde auf das Werk des Mozart-Zeitgenossen hatte zahlreiche Konzertbesucher in die Kirche gelockt. Und sie brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen.

Kantor Stefan Kordes hatte für seinen Kammerchor St. Jacobi noch zwei Werke zusätzlich auf den Programmzettel gepackt: die Choralkantate „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie die Weihnachtsouvertüre mit demselben Titel von Otto Nicolai. Es gibt nur selten Gelegenheiten, diese für Chor und großes Orchester komponierten Stücke aufzuführen.

Die Jenaer Philharmonie war in großer Stärke besetzt, da konnte sich der Klang besonders prachtvoll entfalten. Die gut 40 Sängerinnen und Sänger des Kammerchores hatten keine Mühe, sich klanglich durchzusetzen. Nur die Textverständlichkeit blieb manchmal auf der Strecke. Der Choral ist aber ja durchaus bekannt, dazu gab es noch das umfangreiche Programmheft.

Sowohl das Werk des noch jungen Mendelssohn als auch die Weihnachtsouvertüre versetzten das Publikum in adventlich-weihnachtliche Stimmung, um nach der Pause die Göttinger Erstaufführung des 1794 entstandenen Weihnachtsoratoriums „Die Hirten bei der Krippe zu Bethlehem“ zu hören.

Der Textdichter dieses fast opernhaften Oratoriums ist leider nicht überliefert. Hier spielen eine große Naturverbundenheit („Herauf, o Sonne, säume nicht, beflügle deinen Lauf“) und innige Gefühle („Sie nahen, wie tränet ihr Blick!“) die Hauptrollen. Zu hören ist auch dieser schöne Satz: „So tönt’s aus den Kehlen, so rauscht’s aus den Harfen der himmlischen Sänger.“ Wie passend!

Musikalisch ist die Nähe zu Mozart unverkennbar. Das trifft insbesondere auf die Arie „Er ist’s, Gott selbst in Fleisches Hülle“ zu. Die Sopranistin Anna Nesyba war hier die „Königin der Engel“ und setzte wahrlich Höhepunkte – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Auf der Opernbühne hätte sie definitiv Szenenapplaus bekommen.

Ihr zur Seite standen Barbara Bräckelmann mit ihrer schön timbrierten Altstimme, Manuel König mit seinem schlanken, mitunter etwas zurückhaltenden Tenor und Konstantin Heintel mit seiner warmen, kraftvollen Bassstimme.

Die Jenaer Philharmonie war mehr als nur ein musikalischer Partner. Sie folgten dem differenzierten Dirigat von Stefan Kordes zu jeder Zeit, nahmen sich zurück, wenn es nötig war, und konnten mehr als einmal eigene Akzente setzen. Das gilt vor allem für die erste Flöte, die am Ende zurecht ihren Sonderapplaus bekam. Das Orchester wurde ergänzt durch Arne zur Nieden an der Großen Orgel (Otto Nicolai) und an der Continuo-Orgel (Joseph Eybler).

Der Kammerchor St. Jacobi hatte im Oratorium nur vereinzelt Chorsätze zugewiesen bekommen. Diese gestaltete der Chor akkurat und ausgewogen in den einzelnen Stimmen. Auch war die Textverständlichkeit deutlich besser. Das lag aber auch am Orchester, das in diesen Fällen deutlich zurückhaltender erklang.

Das Weihnachtsoratorium von Joseph Leopold Eybler (1765-1846) wurde zur Zeit seiner Entstehung hoch gelobt. Das Werk war dann aber lange Zeit eher vergessen. Erst jüngst fand es - wie in dieser Aufführung zu hören war - zu Recht wieder Einzug in die Programme der Kirchenmusik. Ein großer Dank gilt Stefan Kordes, der dieses Juwel der Wiener Klassik für Göttingen entdeckte und zur Aufführung brachte.

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Samstag, 25 Juli 2015 12:52

Strahlende Sopranstimmen

Konzert mit dem Kammerchor St. Jacobi

Der Kammerchor St. Jacobi geht auf Konzertreise: einem Auftritt in der Leipziger Thomaskirche folgen noch Stationen in Annaberg, Kohren-Sahlis und Chemnitz.

Am Vorabend der Abreise präsentierte sich der Chor zur 1776. Orgelmusik an St. Jacobi. Kantor Stefan Kordes hat ein Programm mit der Überschrift „Trauer und Freude anlässlich des 70. Jahrestages des Ende des zweiten Weltkrieges“ zusammengestellt. Dabei hat er einige Werke ins Programm genommen, die der Kammerchor bereits vor kurzem in Konzerten gesungen hat. Dazu gehört die Motetten „Wie liegt die Stadt zu wüst“ von Rudolf Mauersberger und „Jesu meine Freude“ von Johann Sebastian Bach.

Man merkte vor allem bei diesen beiden Werken die gründliche Vorbereitung: die Sängerinnen und Sänger musizierten frei und waren nicht mit dem Notentext beschäftigt (wie bei den Motetten von Melchior Franck zu Beginn des Abends). Vielmehr konnten sie das engagierte Dirigat von Stefan Kordes abnehmen und sofort umsetzen. Man merkte dem Ensemble die Musizierfreude regelrecht an.

Solche Momente sorgten auch dafür, dass der Funke in das Publikum in der gut gefüllten Jacobikirche übersprang. Hellwach und konzentriert verfolgten die Zuhörerinnen und Zuhörer die Chorklänge: da gab es eine große Bandbreite an Dynamik mit wunderbarem Pianissimo und kraftvollem Forte, da gab es kleinste Tempoveränderungen, und da gab es präzise Artikulation. Und das alles bei einem sehr ausgewogenen Chorklang, in dem vor allem die Sopranstimmen strahlten.

Im Programm standen noch Motetten von Johann Hermann Schein, die Kordes sehr lebendig gestaltete, sowie das „Exultate deo“ von Francis Poulenc. In der Veranstaltungsreihe „Orgelmusik an St. Jacobi“ darf ein Orgelstück nicht fehlen – auch, um dem Chor eine kleine Verschnaufpause zu geben: Stefan Kordes spielte an der italienischen Orgel eine Toccata von Girolamo Frescobaldi.

Dass in der Bach-Motette die Intonation am Ende ein klein wenig getrübt war, hat der Freude über dieses Konzert nicht beeinträchtigt. Am Ende gab es noch das Abendlied von Josef Gabriel Rheinberger als Zugabe. Und in Leipzig, Annaberg, Kohren-Sahlis und Chemnitz darf man sich schon auf den Kammerchor St. Jacobi freuen.

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Sonntag, 10 Mai 2015 20:55

Herausragende Aufführung

Dresdner Requiem mit der Jacobikantorei

Atmosphärisch dicht – so lässt sich am besten die Aufführung von Rudolf Mauersbergers Dresdner Requiem am Samstagabend in der St. Jacobikirche beschreiben. Enthusiastischere Beschreibungen, die für die ausgezeichnete Aufführungsqualität bei einem anderen Stück sicher leicht aus der Feder geflossen wären, verbieten sich bei diesem Aufführungsanlass und diesem Stück. Überhaupt - der Anlass:  Der 70. Jahrestag des Kriegsendes. Dieses wurde von Mauersberger, damals Kreuzkantor  in Dresden, ebenso wie die vorangegangene Zerstörung der Stadt direkt miterlebt. Seine Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die bereits am 4. August 1945 in den Ruinen der Kreuzkirche uraufgeführt wurde, wurde auch im Göttinger Konzert dem Requiem vorangestellt – wie es der Dresdner Aufführungstradition entspricht. Stefan Kordes hatte die Kantorei St. Jacobi als Hauptchor und den Kammerchor, der den Part des Fernchores und den Altarchor übernommen hatte, bestens vorbereitet. Die räumlich weite Entfernung der drei Gruppen und der Instrumentalisten, neben Mathias Herbst, Orgel, und Miriam Puls, Célesta,  auch Mitglieder – insbesondere Blechbläser - des Göttinger Symphonie Orchesters, führte an keiner Stelle der Aufführung zu rhythmischen Unstimmigkeiten. Hier ist auch Arne zur Nieden zu nennen, der die Leitung des Fernchores auf der Orgelempore übernommen hatte und für Präzision und harmonisches Einfügen ins Gesamtgeschehen stand.

Für die Zuhörenden entwickelte sich auf diese Weise ein Klangerlebnis, das eindrücklich die Texte kommentierte und in Zusammenhang brachte, so wie es vom Komponisten durch die Textauswahl aus Bibeltexten und Gesangbuchliedern und durch die Rollenzuordnung vorgesehen war: Der  Hauptchor stand insbesondere für den Bezug zur Jetztzeit und zur Zerstörung Dresdens, vielfach formuliert durch eine Auswahl von alttestamentlichen Texten aus dem Buch Hiob und den Klageliedern. Dazu versinnbildlichte der Fernchor die Abgeschiedenen und spiegelte die Aussagen des Hauptchores. Der kleine Altarchor, dem auch solistische Aufgaben übertragen waren, übernahm vorwiegend die Evangelientexte. Wie Mauersberger es vorgesehen hatte, stand dieser Chor in Kurrendetracht zentral um einen kleinen Tischaltar mit Kreuz und Kerze. Hierdurch wurde das Requiem auch liturgisch verortet und entwickelte eine tiefe Aussagekraft, die von allen Mitwirkenden getragen wurde. Zwei Choralstrophen waren für den Gemeindegesang vorgesehen und mit Noten im Programmheft notiert, so dass in diesem Mittun alle Anwesenden – Chöre, Instrumentalisten und Zuhörer zu einer musikalischen Gemeinschaft zusammengeführt wurden.

Stefan Kordes ist zu danken, dass er den Anlass wahrgenommen und mit dieser Göttinger Erstaufführung ein Zeichen gesetzt hat. Zudem hat er durch die überaus geschickte Inszenierung  dafür gesorgt, dass dieses Requiem in einem liturgischen Rahmen stattfand und es konsequenterweise auch keinen Applaus gab – aber umso mehr eindrückliche Erinnerungen aller Anwesenden an eine herausragende Aufführung. Selten erlebt man Aufführungen, in denen Stück, Aufführungspraxis und Anlass so perfekt korrespondieren.

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h-Moll-Messe von Bach mit dem Kammerchor St. Jacobi

Die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach gilt für viele nicht nur als das größte Kunstwerk der Musikgeschichte, sondern auch für Chorsänger als das schwierigste und anspruchsvollste Chorwerk überhaupt. Umso erfreulicher, dass dieses Werk immer wieder auch in Göttingen zu hören ist. Jetzt hat Stefan Kordes mit seinem Kammerchor St. Jacobi das Werk zur Aufführung gebracht: an zwei jeweils sehr gut besuchten Aufführungen in der Göttinger Jacobikirche erklang dieses Meisterwerk. Die umfangreiche Chorpartie mit einem Kammerchor zu besetzen, ist durchaus mutig: schnell kommt man an die Grenzen der Besetzung, wenn der Chor doppelchörige Fugeneinsätze zu singen hat. Und in der Tat: beim Sanctus, speziell beim Pleni sunt coeli hätten ein paar mehr Stimmen dem Klang gut getan. Ansonsten aber hat der Chor seine Aufgabe mit Bravour gemeistert. Stefan Kordes ist es gelungen, einen sehr homogenen Klang zu erzeugen. Zudem waren die Choristen perfekt vorbereitet und blieben auch bei der besuchten zweiten Aufführung bis zum Schluss des gut zweistündigen Werkes hoch konzentriert und hellwach. Kleinere Intonationstrübungen konnten den Genuss nicht weiter stören.

Bisweilen hätte man sich jedoch einen etwas differenzierteren Klang gewünscht, so zum Beispiel gleich zu Beginn beim Kyrie. Obwohl Stefan Kordes die Lautstärke des Orchesters erheblich reduzierte, waren die Themenköpfe der Choristen bisweilen kaum zu vernehmen. Insgesamt aber hat sie die kleinere Chorbesetzung bewährt: mit diesem Ensemble konnte Kantor Kordes die Musik beweglich gestalten, die Choristen reagierten sofort auf die Zeichensprache des Dirigenten. Stefan Kordes wählte für die Bach’sche Musik nur verhalten flotte Tempi. Das erhöhte den Musikgenuss, denn so konnte man der Struktur der Musik wesentlich besser folgen. Mit ein paar Stimmen mehr wäre der Chorklang gegenüber dem Orchester allerdings noch etwas ausgeglichener gewesen. Damit hätte es vermutlich auch noch etwas mehr Gestaltungsmöglichkeiten gegeben. So war es stets ein akustischer Balanceakt zwischen Chor und Orchester.

Das Barockorchester Antico mit der Konzertmeisterin Annika Schmidt war gut aufgelegt. Die Musikerinnen und Musiker folgten Chor und Solisten und waren den Sängern ein ebenbürtiger Partner. Allerdings mussten sie sich wegen der Chorgröße oft sehr zurückhalten. Das hatte offenbar auch Auswirkungen auf die Begleitung der Solisten: sowohl die Flöten, als auch die Oboen, aber vor allem das wunderschöne Violin-Solo im „Laudamus te“ hätte man sich gerne etwas kräftiger im Ton gewünscht. Dass historische Instrumente dazu durchaus in der Lage sind, ist schon häufig bewiesen worden. Die Trompeten hatten in den festlichen Stellen wie dem „Sanctus“ natürlich kein akustisches Problem und meisterten ihren Part perfekt. Optisch besonders auffällig war das Kontrafagott, das mit seinem profunden Basston das Continuo ergänzte.

Als Solisten überzeugten Simone Schwark mit ihrem hellen Sopran, die kurzfristig eingesprungene Karina Schoenbeck mit ihrem lyrischen Alt, Tobias Hunger mit seinem schlanken Tenor und Henryk Böhm mit seinem warmen Bariton. Den Hauptakzent setzte jedoch der Kammerchor St. Jacobi, dem auch zu Recht der größte Applaus und die meisten Bravo-Rufe am Ende der Aufführung galten.

Erschienen in der Kategorie Kammerchor St. Jacobi
Freitag, 18 April 2014 22:12

Erfüllt und beeindruckt

Andacht zur Todesstunde Christi mit dem Kammerchor St. Jacobi

Was Kirchenmusik bewirken kann: war der Karfreitagsgottesdienst einer Innenstadtgemeinde am Morgen noch mit 17 Besuchern sehr übersichtlich besucht, reichten zur „Andacht zur Todesstunde Christi“ um 15 Uhr in der Jacobikirche die Stühle und Gesangbücher kaum. Die Kirche war gefüllt wie andernorts zu Heilig Abend.

Hauptanziehungspunkt war die Kirchenmusik: Kantor Stefan Kordes hatte mit seinem Kammerchor St. Jacobi Werke von Heinrich Schütz vorbereitet. Im Mittelpunkt stand das geistliche Chorwerk „Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“. Der Kammerchor war gut vorbereitet und klanglich sehr ausgewogen. Wie häufig in Jacobi waren die Solistenpassagen von Choristen besetzt: Andreas Fischer, Marie Lüders, Maxi Jansky, Arne zur Nieden, Tobias Wolff und Stephan Herminghaus sangen ihre Passagen souverän und ausdrucksvoll.

Fischer und Wolff sangen im Duett vorab „O hilf Christe, Gottes Sohn“ und anschließend „Tristis est anima mea“ von Marc-Antoine Charpentier. Der Kammerchor sang zudem noch die Schütz-Motette „Das ist je gewißlich wahr“.

Chor und Solisten wurden vom Kammerorchester St. Jacobi zuverlässig begleitet.

Diese längst Tradition gewordene Andacht mit Kirchenmusik am Karfreitag ist einer der Höhepunkte im an Höhepunkten nicht armen musikalischen Kirchenjahr in Göttingen. Es ist überaus erfreulich, dass alle Jahre wieder ein anspruchsvolles Musikprogramm im Mittelpunkt der Andacht steht. Hier erfüllt die Kirchenmusik ihre wichtige Funktion der Verkündigung. Und das mit anhaltend großem Erfolg. Erfüllt und beeindruckt verließen die vielen Gottesdienstbesucher die Jacobikirche.

Erschienen in der Kategorie Kammerchor St. Jacobi
Dienstag, 19 November 2013 15:07

Trauermusik in fröhlicher Atmosphäre

Ausklang des Volkstrauertags in der St. Jacobikirche

Am Volkstrauertag lud der Kammerchor von St. Jacobi unter der Leitung von Stefan Kordes zur Motette „Komm, Jesu, komm“ von Johann Sebastian Bach und zur „Trauermusik“ seines Vetters Johann Ludwig Bach in die Göttinger Jacobi Kirche ein.

Das Konzert begann in der nicht ganz ausverkauften, aber gut besuchten Kirche mit der doppelchörigen Motette „Komm, Jesu, komm“. Sie beschreibt das Sterbeverlangen eines Menschen, der zu Gott betet und die Erlösung herbei sehnt. Die Bitte wird mit hörbarem schmerzvollem Ton des Chores zum Ausdruck gebracht. Der Schluss des Stückes bildet einen Gegensatz zum klagevollen Beginn: die Zeilen „Ich will mich dir ergeben“ und „du bist der rechte Weg“ werden im Kontrast dazu heiter und voller Hoffnung präsentiert.

Erschienen in der Kategorie Kammerchor St. Jacobi

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NDR Soundcheck