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Montag, 27 Februar 2017 17:02

Viel Barockswing ohne akademischen Touch

Festliche Barockmusik in St. Jacobi

Eine gut gefüllte Jacobikirche am Sonntagnachmittag bestätigte die Wahl der Konzertzeit um 16 Uhr – auch, wenn die Konzertdauer mit über zwei Stunden etwas reichlich bemessen war.

Geboten wurde ein „Festliches Barockkonzert“ mit Musik von Johann Sebastian Bach, dem Thomaskantor Johann Friedrich Doles und Jan Dismas Zelenka. Das erklärte Lieblingsstück der Kantorei und eine wunderbare Entdeckung war der kurze Kantatensatz „Nun ist das Heil“: ein doppelchörig angelegter und festlich mit Pauken und Trompeten besetzter Satz begeisterte nicht nur das Publikum. Und auch die Erklärung von Johann Friedrich Doles, der 50 Jahre nach Bach komponierte, „Fugen sind blos Kunstwerke des Verstandes und belustigen allenfalls den Kenner“ wurde eindrucksvoll widerlegt. Denn das sehr kunstvolle Kompositionsprinzip einer Permutationsfuge erklingt bei Bach spielerisch und leicht. Wenn es dann noch vom Kammerchor St. Jacobi und dem Göttinger Barockorchester mit viel Barockswing vorgetragen wird, ist endgültig jeder akademische Touch dieses Kleinods verschwunden.

Doles (1715-1797) erklärte jedoch seinen Gegenentwurf zum Musikverständnis seines Lehrers Bach: Kirchenmusik soll das Herz berühren und Gefühle im Hörer auslösen. Und wenn man nun dem Ratschlag von Arne zur Nieden im Programmheft folgte, nämlich „Bach für 20 Minuten zu vergessen“, war die Intention Doles‘ tatsächlich zu spüren: gefühlvoll und ausdrucksstark interpretierte Kantor Stefan Kordes den Psalm „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Chor und Orchester ließ er klingen, er spannte Bögen und entfaltete somit die Wirkung dieser Musik.

Zu diesem Gelingen haben auch die Solisten beigetragen, von denen vor allem Gotthold Schwarz zu nennen ist, ist Schwarz doch ebenfalls Thomaskantor und damit ebenfalls ein Nachfolger Bachs und auch Doles‘. Aber deswegen wurde er natürlich nicht eingeladen. Vielmehr gestalteten Schwarz gemeinsam mit Theresia Taube, Ulrike Schneider und Henning Kaiser ihre Solistenparts überzeugend.

Begonnen hatte der Abend mit der Kantate „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“. Sie erklang im Rahmen der Reihe „Bach-Kantaten zu Luther-Liedern“. Und diese Kantate hatte es Stefan Kordes sehr angetan. „Eine kleine Matthäuspassion“ erläuterte er – und meinte die Besonderheit dieser Kantate: Bach gestaltete einen groß angelegten und sehr bewegten Eingangschor, in dem neben dem Chor die Oboe und die Querflöte solistisch auftreten. Leider waren Chor, Orchester und Dirigent zu Beginn des Konzertes noch nicht exakt aufeinander eingespielt. Zum Teil klapperte es bedenklich zwischen den Ensemblegruppen. Das legte sich aber schnell. Auch lagen Kordes die „romantischen pianissimo-Passagen“ in der Kantate besonders am Herzen, wie er im Programmheft verriet. Diese pianissimo-Passagen sorgten jedoch dafür, dass der 40köpfige Kammerchor St. Jacobi bisweilen sich nicht recht durchzusetzen vermochte. Dass er dazu durchaus in der Lage ist, war beim anschließenden Psalm von Johann Friedrich Doles zu hören.

Das Göttinger Barockorchester mit seinem Konzertmeister Henning Vater war im gesamten Verlauf des Konzertes mehr als ein zuverlässiger Begleiter: vor allem bei der Musik vor der Pause konnten die Stimmgruppen wunderbare eigene Akzente setzen, besonders genannt seien hier die Flöte, die Oboe und die Trompetengruppe. Nach der Pause erklang die „Missa Divi Xaverii“ von Jan Dismas Zelenka. Chor und Orchester hielten die Konzentration bewundernswert aufrecht. Allein die etwas gefällige Musik Zelenkas zog sich ein wenig hin.

Umso schöner, dass der Bach-Satz „Nun ist das Heil“ als Zugabe noch einmal gegeben wurde. Derart beschwingt entließen der Kammerchor St. Jacobi, das Göttinger Barockorchester und Stefan Kordes das Publikum in den Sonntagabend.

Der Kammerchor St. Jacobi ist gemeinsam mit der Kantorei St. Jacobi am 14. Mai während der Internationalen Händel-Festspiele zu hören. Um 18 Uhr erklingt in der Johanniskirche Händels Oratorium "Israel in Egypt" unter dem Dirigat von Stefan Kordes. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Das Göttinger Barockorchester ist bereits am Montag, den 6. März um 19.30 Uhr zu hören. Unter der Leitung von Antonius Adamske erklingen in der St. Pauluskirche unter anderem die drei Bass-Solokantaten von Johann Sebastian Bach. Die Solopartie singt Henryk Böhm. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Ticketkauf finden Sie hier im Kulturbüro Göttingen.

Erschienen in der Kategorie Kammerchor St. Jacobi

Am Freitag, 3. März um 18 Uhr beginnen die diesjährigen Konzerte der beliebten Reihe „30 Minuten Orgelmusik“ in St. Jacobi. 

Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr „Luthers Lieder“ - in einer Reihe von Orgelmusiken steht jeweils ein Lied des Reformators im Mittelpunkt, das gesungen wird und in verschiedenen Orgelbearbeitungen erklingt. Außerdem wird ein Theologe seine persönlichen Sicht zu diesem Lied mitgeben. 

Die Eröffnung gestalten Landessuperintendent Gorka und Stefan Kordes mit „Nun freut Euch, lieben Christen gmein“. Am Freitag, 10. März, 18 Uhr, folgt eine Kammermusik im Gemeindesaal mit Dmitri Feinschmidt (GSO), Violine und Stefan Kordes. Sie werden neben einer Beethoven-Sonate die sogenannte FAE-Sonate spielen, eine Gemeinschaftskomposition von Johannes Brahms, Robert Schumann und Albert Dietrich.

Alle Termine finden Sie unter www.jacobikantorei.de und natürlich hier online im Kulturbüro Göttingen.

Erschienen in der Kategorie Orgelmusik an St. Jacobi

Die große Ott-Orgel in der Jacobikirche wurde vor 50 Jahren erbaut. Aus diesem Anlass ist zu den Internationelen Orgeltagen an St. Jacobi ein umfangreiches Programmheft erschienen. Dieser Text von Arne zur Nieden wurde freundlicherweise von der Jacobikantorei und vom Autor zur Verfügung gestellt.

Erschienen in der Kategorie Internationale Orgeltage St. Jacobi

Am Freitag, den 7. Oktober spielt der 16jährige Organist Jan-Aurel Dawidiuk um 18 Uhr zur Orgelmusik in St. Jacobi. Aus diesem Anlass hat sich der ebenfalls 16jährige Orgelschüler Johannes Wortmann mit dem mehrfachen Bundessieger von „Jugend musiziert“ unterhalten.

Erschienen in der Kategorie Orgelmusik an St. Jacobi
Samstag, 03 September 2016 13:02

Surround-Klang in der Jacobikirche

Ben van Oosten an der Orgel und das Göttinger Symphonie Orchester unter Stefan Kordes begeisterten im Festkonzert zum 50. Geburtstag der Orgel in St. Jacobi

Erschienen in der Kategorie Jacobikirche
Samstag, 21 Mai 2016 15:20

Eine ganze Nacht lang Schubert

Schubert-Lieder mit Andreas Fischer und Stefan Kordes in der Jacobikirche

Erschienen in der Kategorie Jacobikirche

1808. Orgelmusik an St. Jacobi: Kammermusik für Klarinette und Klavier mit Anton Säckl und Stefan Kordes

Erschienen in der Kategorie Jacobikirche

Wanderausstellung vom 4. März bis 30. April in der Jacobikirche

Erschienen in der Kategorie Jacobikirche
Dienstag, 16 Februar 2016 12:39

Beängstigende Aktualität

Aufführungen des "War Requiem" mit der Kantorei St. Jacobi

Erschienen in der Kategorie Jacobikantorei
Montag, 06 Juli 2015 10:00

Nur Sieger bei den Carmina burana

Carmina burana von Carl Orff in der Jacobikirche

Der heilige Jacobus und der böse Zauberer Hermogenes blicken ungerührt vom Altar der Göttinger Jacobikirche auf das weltliche Geschehen unter ihnen: da singen Kinder von Amor, Jünglingen und Jungferlein, da singen Männer von Bacchus und von Trinkgelagen in der Schenke, da gibt sich eine Frau ganz und gar ihrem Süßesten hin – und zu allem tanzen junge Damen und hübschen sich mit Lippenstift auf. Und als sei das alles nicht genug, wird zudem ein Schwan gebraten.

Sind das die bösen Zauber, die Jacobus der Legende nach besiegt hat? Bereits im Eingangschor „O Fortuna“ konstatiert der Chor, dass Willenskraft und Schwachheit immer im Widerstreit liegen. Bei den Aufführungen der „Carmina burana“ von Carl Orff stand die Liebe und die Lebenslust an drei Abenden im Mittelpunkt. Am Ende gab es nur Sieger und keine Besiegten:

Da sind zu allererst die Tänzerinnen der Balletttschule „art la danse“ zu nennen. In einer Choreographie von Judith Kara griffen sie die zum Teil deftigen Inhalte auf und setzten die musikalischen Bilder mit Ausdruckstanz um. Ihr Tanz beschränkte sich nicht nur auf den Altarraum: immer wieder wurden die Gänge im Kirchenschiff als Tanzfläche genutzt – und sogar das Publikum wurde mit einbezogen: Schminkspiegel wurden den Zuhörern entgegengehalten oder kurze schriftliche Botschaften verteilt. Judith Kara hat großartige Bilder geschaffen, die die Tänzerinnen ungemein ausdrucksvoll umgesetzt haben.

Das Orchester bestand zum einen aus zwei Flügeln mit den Pianisten Miriam Puls und Michael Schäfer und zum anderen aus dem Wuppertaler Schlagzeugensemble – aufgeführt wurde nämlich die von Orff autorisierte Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk. Die zum Teil komplizierten Rhythmen dieser Musik können in dieser Fassung häufig deutlicher herausgearbeitet werden als in der Orchesterfassung. Das war in der nicht einfachen Akustik der Jacobikirche nicht immer so deutlich herauszuhören.

Das gilt auch für den Chor, bestehend aus der Kantorei St. Jacobi und dem Unterstufenchor des Otto-Hahn-Gymnasiums. Zwar klang das Tutti groß und archaisch, der Kinderchor jugendlich frisch, der Männerchor mit erfreulichen großen Ton. Nur konnte man zu nahezu keinem Moment etwas vom Text verstehen. Dabei lebt doch zum Beispiel die Szene „in tabernam“ von der Artikulation.

Der Begeisterung der Sängerinnen und Sänger, aber auch der Zuhörer tat das allerdings keinen Abbruch. Diese Musik ist mitreißend komponiert und mitreißend wiedergegeben worden.

Von den Gesangssolisten hat der Tenor als Schwan die dankbarste Rolle. Andreas Fischer gestaltete seinen Auftritt perfekt. Der Bariton Samuel Hasselhorn konnte vor allem in den hohen Lagen überzeugen, während Anna Gann ihr „Dulcissime“ zuckersüß gestaltete und damit die Herzen des Publikums eroberte.

Von der Kanzel aus agierte Stefan Kordes als musikalischer Leiter. Präzise dirigierte er die Ensembles. Er hatte sichtlich Freude am Geschehen im Altarraum und auf dem hohen Chorpodest. Wie auch das Publikum in der dreimal ausverkauften Jacobikirche. Und wie wohl auch der heilige Jacobus.

Erschienen in der Kategorie Jacobikantorei
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