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Kammerchor und Kantorei St. Jacobi mit „Israel in Egyp“ in der Johanniskirche

Erschienen in der Kategorie Jacobikantorei
Sonntag, 05 März 2017 09:09

Ein Bild in großer, lichter Harmonie

3. Sinfonie in d-Moll von Gustav Mahler mit dem Göttinger Symphonie Orchester und Christoph-Mathias Mueller

Erinnern Sie sich an Ihren Tuschkasten in der Grundschule? Er hatte 12 Farben. Und der Pultnachbar hatte natürlich die Luxusversion: dort konnte man die obere Etage abheben, darunter erschienen weitere 12 Farben.

Einen solchen Tuschkasten verwendete Christoph-Mathias Mueller in der Göttinger Stadthalle zur Aufführung der monumentalen dritten Symphonie von Gustav Mahler. Nur das sein Tuschkasten viel, viel mehr Etagen hatte. Immer mehr Farben wurden von Mueller freigelegt, immer mehr Klangfarben zauberte er hervor.

Das Spannende an dem Abend war: man konnte immer nur einen Teil der Farben sehen, die noch zum Einsatz kommen werden. Und man konnte ahnen, dass da noch mehr Farben folgen. Aber was sind das für Farben in der nächsten Ebene, was ist darunter, was folgt noch? Dirigent und Orchester zauberten eine unglaubliche Anzahl von Farben hervor. Mueller gelang es, in den über 100 Minuten diese Spannung enorm hochzuhalten. Man war fast versucht, „Ah“ und „Oh“ beim Öffnen der nächsten Farb-Etage zu rufen.
Das Publikum hielt sich aber zurück und sparte sich diese Rufe bis zum Schluss auf. Mit zahlreichen Bravi, Standing Ovations und nicht enden wollendem Applaus entlud sich die Begeisterung in der ausverkauften Stadthalle.

„In der gut gefüllten Stadthalle“ ist eine übliche Floskel bei Konzerten. Hier reicht diese Beschreibung nicht, denn allein die Anzahl der Mitwirkenden hat die Stadthalle schon gut gefüllt. Das ist auch der Grund, warum diese Musik selten im Konzertsaal erklingt: über 100 Mitwirkende im Orchester und noch einmal 120 Sängerinnen aus den Kantoreien von St. Jacobi und St. Johannis sowie die Knaben vom Göttinger Knabenchor bildeten die großartige Kulisse. Oder – um in dem Bild oben zu bleiben: sie stellten die Farben für den Dirigenten zur Verfügung. Und dieser nutzte alle Möglichkeiten, um ein gewaltiges Gemälde entstehen zu lassen. Das bestand aber keineswegs nur aus mit dickem Strich aufgetragenen Farben. Da waren auch viele kleine, zum Teil filigrane Details, zarteste Piano-Pianissimostellen, aber auch große Melodiebögen und kräftige Tutti-Sätze – diese Worte beschreiben die Vielfalt nur unzureichend.

Mueller lies die Streicher tanzen, die Hörner (achtfach besetzt!) singen, die Kontrabässe schwelgen und selbst der großen Trommel zarte Töne entlocken. Die Musikerinnen und Musiker des aufgestockten Göttinger Symphonie Orchesters folgten der Musik und ihrem Chefdirigenten mit hoher Konzentration und starken Emotionen. Besonders hervorgehoben seien die Soli der Konzertmeisterin Anna Kaczmarek-Kalandarishvili (Violine), Bettina Bormuth (Flöte), Matthias Weiss (Oboe), Manfred Hadaschik (Klarinette), John Feider (Horn), Roman Usenko (Posaune) und Helmut Pöhner (Posthorn).

Es war aber vor allem die Ensembleleistung, die diesen Abend so besonders machte. Dazu zählen auch die Choristen, die nur im fünften Satz zum Einsatz kamen. Während die Frauenstimmen fröhlich „Es sungen drei Engel“ aus „Des Knaben Wunderhorn“ sangen, ließen die Knaben die Glocken erklingen.

Dazu sang Cécile van de Sant das Altsolo. Vor allem die Interpretation von Nietzsches Gedicht „O Mensch! Gib acht!“ im vierten Satz war herzergreifend. Mit ihrem warm timbrierten Mezzosopran berührte van de Sant die Herzen. Die Sängerin war erst am selben Tag für die erkrankte Ingeborg Danz eingesprungen. Dass also so gut wie keine Probenzeit zur Verfügung stand, war dem Zusammenspiel mit dem Orchester und dem Dirigenten nicht zu spüren.

Im letzten Satz schloss sich der Kreis: das Hauptthema des ersten Satzes erklang erneut. Alle bisher verwendeten Farben kamen noch einmal zum Einsatz, und vollendeten das Bild in großer, lichter Harmonie.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Symphonie Orchester
Dienstag, 22 November 2016 16:46

Bewegende Interpretation des Chores

Konzert zum Ewigkeitssonntag mit der Kantorei St. Jacobi, dem Bariton Andreas Scheibner, der Jenauer Philharmonie unter der Leitung von Stefan Kordes

Erschienen in der Kategorie Jacobikantorei
Dienstag, 16 Februar 2016 12:39

Beängstigende Aktualität

Aufführungen des "War Requiem" mit der Kantorei St. Jacobi

Erschienen in der Kategorie Jacobikantorei
Montag, 06 Juli 2015 10:00

Nur Sieger bei den Carmina burana

Carmina burana von Carl Orff in der Jacobikirche

Der heilige Jacobus und der böse Zauberer Hermogenes blicken ungerührt vom Altar der Göttinger Jacobikirche auf das weltliche Geschehen unter ihnen: da singen Kinder von Amor, Jünglingen und Jungferlein, da singen Männer von Bacchus und von Trinkgelagen in der Schenke, da gibt sich eine Frau ganz und gar ihrem Süßesten hin – und zu allem tanzen junge Damen und hübschen sich mit Lippenstift auf. Und als sei das alles nicht genug, wird zudem ein Schwan gebraten.

Sind das die bösen Zauber, die Jacobus der Legende nach besiegt hat? Bereits im Eingangschor „O Fortuna“ konstatiert der Chor, dass Willenskraft und Schwachheit immer im Widerstreit liegen. Bei den Aufführungen der „Carmina burana“ von Carl Orff stand die Liebe und die Lebenslust an drei Abenden im Mittelpunkt. Am Ende gab es nur Sieger und keine Besiegten:

Da sind zu allererst die Tänzerinnen der Balletttschule „art la danse“ zu nennen. In einer Choreographie von Judith Kara griffen sie die zum Teil deftigen Inhalte auf und setzten die musikalischen Bilder mit Ausdruckstanz um. Ihr Tanz beschränkte sich nicht nur auf den Altarraum: immer wieder wurden die Gänge im Kirchenschiff als Tanzfläche genutzt – und sogar das Publikum wurde mit einbezogen: Schminkspiegel wurden den Zuhörern entgegengehalten oder kurze schriftliche Botschaften verteilt. Judith Kara hat großartige Bilder geschaffen, die die Tänzerinnen ungemein ausdrucksvoll umgesetzt haben.

Das Orchester bestand zum einen aus zwei Flügeln mit den Pianisten Miriam Puls und Michael Schäfer und zum anderen aus dem Wuppertaler Schlagzeugensemble – aufgeführt wurde nämlich die von Orff autorisierte Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk. Die zum Teil komplizierten Rhythmen dieser Musik können in dieser Fassung häufig deutlicher herausgearbeitet werden als in der Orchesterfassung. Das war in der nicht einfachen Akustik der Jacobikirche nicht immer so deutlich herauszuhören.

Das gilt auch für den Chor, bestehend aus der Kantorei St. Jacobi und dem Unterstufenchor des Otto-Hahn-Gymnasiums. Zwar klang das Tutti groß und archaisch, der Kinderchor jugendlich frisch, der Männerchor mit erfreulichen großen Ton. Nur konnte man zu nahezu keinem Moment etwas vom Text verstehen. Dabei lebt doch zum Beispiel die Szene „in tabernam“ von der Artikulation.

Der Begeisterung der Sängerinnen und Sänger, aber auch der Zuhörer tat das allerdings keinen Abbruch. Diese Musik ist mitreißend komponiert und mitreißend wiedergegeben worden.

Von den Gesangssolisten hat der Tenor als Schwan die dankbarste Rolle. Andreas Fischer gestaltete seinen Auftritt perfekt. Der Bariton Samuel Hasselhorn konnte vor allem in den hohen Lagen überzeugen, während Anna Gann ihr „Dulcissime“ zuckersüß gestaltete und damit die Herzen des Publikums eroberte.

Von der Kanzel aus agierte Stefan Kordes als musikalischer Leiter. Präzise dirigierte er die Ensembles. Er hatte sichtlich Freude am Geschehen im Altarraum und auf dem hohen Chorpodest. Wie auch das Publikum in der dreimal ausverkauften Jacobikirche. Und wie wohl auch der heilige Jacobus.

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Sonntag, 28 Juni 2015 09:56

Carmina burana mit Ballett

Eines der beliebtesten Chorwerke überhaupt wird am kommenden Wochenende in der Göttinger St. Jacobi-Kirche aufgeführt: Carl Orffs Carmina burana für Chor, 3 Solisten, 2 Klaviere und fünf Schlagzeuger. Das Werk basiert auf Texten, die um 1230 im Kloster Benediktbeuren geschrieben wurden und die im 19. Jahrhundert wiederentdeckt wurden.

Die Carmina werden mit Ballett aufgeführt. Unter der Choreographie von Judith Kara tanzen Schülerinnen der Göttinger Ballettschule "Art la danse". Der Chorpart übernehmen der Unterstufenchor des Otto-Hahn-Gymnasiums (Einstudierung Franziska Eismann) sowie die Kantorei St. Jacobi. Die Solisten sind Anna Gann, Sopran, Andreas Fischer, Tenor und Samuel Hasselhorn, Bass,  es spielen Miriam Puls und Michael Schäfer, Flügel sowie das Wuppertaler Schlagzeugensemble. Die Gesamtleitung hat Kantor Stefan Kordes

Die Aufführungen sind am Freitag, 3. Juli, 20 Uhr, am Samstag, 4. Juli, 20 Uhr sowie am Sonntag, 5. Juli, 18 Uhr.
Karten gibt es bei allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie unter www.jacobikantorei.de und hier online im Kulturbüro Göttingen. Eventuelle Restkarten gibt es an der Abendkasse.

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Sonntag, 10 Mai 2015 20:55

Herausragende Aufführung

Dresdner Requiem mit der Jacobikantorei

Atmosphärisch dicht – so lässt sich am besten die Aufführung von Rudolf Mauersbergers Dresdner Requiem am Samstagabend in der St. Jacobikirche beschreiben. Enthusiastischere Beschreibungen, die für die ausgezeichnete Aufführungsqualität bei einem anderen Stück sicher leicht aus der Feder geflossen wären, verbieten sich bei diesem Aufführungsanlass und diesem Stück. Überhaupt - der Anlass:  Der 70. Jahrestag des Kriegsendes. Dieses wurde von Mauersberger, damals Kreuzkantor  in Dresden, ebenso wie die vorangegangene Zerstörung der Stadt direkt miterlebt. Seine Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die bereits am 4. August 1945 in den Ruinen der Kreuzkirche uraufgeführt wurde, wurde auch im Göttinger Konzert dem Requiem vorangestellt – wie es der Dresdner Aufführungstradition entspricht. Stefan Kordes hatte die Kantorei St. Jacobi als Hauptchor und den Kammerchor, der den Part des Fernchores und den Altarchor übernommen hatte, bestens vorbereitet. Die räumlich weite Entfernung der drei Gruppen und der Instrumentalisten, neben Mathias Herbst, Orgel, und Miriam Puls, Célesta,  auch Mitglieder – insbesondere Blechbläser - des Göttinger Symphonie Orchesters, führte an keiner Stelle der Aufführung zu rhythmischen Unstimmigkeiten. Hier ist auch Arne zur Nieden zu nennen, der die Leitung des Fernchores auf der Orgelempore übernommen hatte und für Präzision und harmonisches Einfügen ins Gesamtgeschehen stand.

Für die Zuhörenden entwickelte sich auf diese Weise ein Klangerlebnis, das eindrücklich die Texte kommentierte und in Zusammenhang brachte, so wie es vom Komponisten durch die Textauswahl aus Bibeltexten und Gesangbuchliedern und durch die Rollenzuordnung vorgesehen war: Der  Hauptchor stand insbesondere für den Bezug zur Jetztzeit und zur Zerstörung Dresdens, vielfach formuliert durch eine Auswahl von alttestamentlichen Texten aus dem Buch Hiob und den Klageliedern. Dazu versinnbildlichte der Fernchor die Abgeschiedenen und spiegelte die Aussagen des Hauptchores. Der kleine Altarchor, dem auch solistische Aufgaben übertragen waren, übernahm vorwiegend die Evangelientexte. Wie Mauersberger es vorgesehen hatte, stand dieser Chor in Kurrendetracht zentral um einen kleinen Tischaltar mit Kreuz und Kerze. Hierdurch wurde das Requiem auch liturgisch verortet und entwickelte eine tiefe Aussagekraft, die von allen Mitwirkenden getragen wurde. Zwei Choralstrophen waren für den Gemeindegesang vorgesehen und mit Noten im Programmheft notiert, so dass in diesem Mittun alle Anwesenden – Chöre, Instrumentalisten und Zuhörer zu einer musikalischen Gemeinschaft zusammengeführt wurden.

Stefan Kordes ist zu danken, dass er den Anlass wahrgenommen und mit dieser Göttinger Erstaufführung ein Zeichen gesetzt hat. Zudem hat er durch die überaus geschickte Inszenierung  dafür gesorgt, dass dieses Requiem in einem liturgischen Rahmen stattfand und es konsequenterweise auch keinen Applaus gab – aber umso mehr eindrückliche Erinnerungen aller Anwesenden an eine herausragende Aufführung. Selten erlebt man Aufführungen, in denen Stück, Aufführungspraxis und Anlass so perfekt korrespondieren.

Erschienen in der Kategorie Kammerchor St. Jacobi
Montag, 09 Februar 2015 12:46

Schwelgen auf Französisch

Die "Seligpreisungen" von César Franck in der Göttinger Jacobikirche

Die französische romantische Musik ist vor allem durch ihre Orgelwerke bekannt. Dazu gehören auch die Orgelwerke von César Franck. Romantische Oratorien aus Frankreich sind eher unbekannt. Das Oratorium „Béatitudes“ (Seligpreisungen) von César Franck gehört somit ebenfalls zu den unbekannten großen Chorwerken. Dass sich der Bekanntheitsgrad dieser Musik überhaupt steigern konnte, ist der Pionierarbeit von Hans Christoph Becker-Foss aus Hameln zu verdanken, der für seine Aufführungen des Werkes im Herbst letzten Jahres in jahrelanger Arbeit das Aufführungsmaterial erstellt hat.

Das nutzte Jacobi-Kantor Stefan Kordes nur wenige Monate später. Seine Leidenschaft für die französische Romantik hatte er bereits häufiger gezeigt. Diese Leidenschaft ist es in erster Linie, die die Göttinger Erstaufführung in der Jacobikirche zu einem großen Erfolg werden ließ. Das beginnt schon in der Begeisterung, die zunächst im Chor geweckt werden muss. Eine große Chorpartie, ein unbekanntes Stück, eine fremde Sprache – das spricht zunächst wenig für große Begeisterung. Die aber war im Konzert deutlich zu spüren! Der Chor war gut vorbereitet und wirkte sehr präsent. Es ist eine besondere Herausforderung, bei solcher Musik nicht „mitzuschwelgen“, sondern durch selber aktiv dafür zu sorgen, dass die Zuhörer in den romantischen Klängen schwelgen können. Die verschiedenen Rollen des Chores als irdischer oder himmlischer Chor waren deutlich unterscheidbar.

Franck hat den acht Seligpreisungen jeweils größere, zum Teil dramatische Passagen für Chor und Solisten vorangestellt. Für die unterschiedlichen Rollen wird ein großer Stab an Solisten benötigt. Zum Teil hat sich Stefan Kordes dabei aus seinem eigenen Chor bedient: Marie Lüders (Sopran), Karsten Krüger (Tenor) und Christian Neofotistos (Bass) machten ihre Sache mehr als ordentlich.

Dem frisch gebackenen Thomaskantor Gotthold Schwarz kam eine besondere Rolle zu: er sang die Stimme Christi und damit den eigentlichen Bibeltext. Mitunter hätte man sich außer der schönen Stimme noch etwas mehr Volumen gewünscht, nicht immer konnte sich Schwarz gegenüber dem groß besetzten Orchester durchsetzen.

Ganz anders Nicole Pieper, die sich mit ihrer Altstimme mühelos durchsetzte. Insbesondere ihren Solopart „Mater Dolorosa“ gestaltete Pieper so dramatisch, dass es unter die Haut ging.

Henryk Böhm gestaltete "seinen" Satan mit Augenzwinkern und Stephanie Henke gefiel als Engel sowie in einigen weiteren kleineren Rollen (Sopran). Clemens Löschmann (Tenor) hatte in den neun Nummern (Prolog und acht Seligpreisungen) häufig die Aufgabe des Prologs und der Hinführung zur Seligpreisung. Löschmann gestaltete seinen Part passend zur romantischen Musik mit viel Gefühl und dosierte die Kraft unterschiedlich - gerade so, wie es die Musik erforderte.

Einzig die Rolle des Erzählers wurde nicht ganz klar: Wolfgang Wangerin erzählte (in deutscher Sprache) jeweils den Ablauf jeder Nummer - der aber aus dem (etwas knappen) Programmheft eindeutig hervorging. Dass zudem die Technik immer wieder ausfiel, war ihm natürlich nicht anzulasten.

Das Göttinger Symphonie Orchester war groß besetzt und entsprechend durch zahlreiche Aushilfen verstärkt, zum Schluss sogar mit der großen Orgel der Jacobikirche. Die Musiker unter dem Konzertmeister Wojtek Bolimowski waren gut aufgelegt. Sie reagierten auf kleinste Fingerzeige des Dirigenten. Die Dynamik, die Kordes einforderte, wurde unmittelbar umgesetzt, so dass die Musik Francks sich zur ganzen Pracht entfalten konnte. Antonius Adamske setzte mit vollen Register am Ende des Stückes das i-Tüpfelchen auf die überbordenden Klänge.

Dem Chor gehört ein besonderes Lob ausgesprochen. Denn das gut zweistündige Werk lässt den Choristen kaum Verschnaufpausen. So wurde das Werk im wahrsten Sinne „durchgestanden“. Ermüdungserscheinungen waren nicht zu verzeichnen. Bis zum Schluss hielt der Chor die Spannung. Ja, sie konnte im zweiten Teil sogar noch gesteigert werden.

Die Musik von César Franck war für die meisten Besucher ganz neu. Es ist sehr erfreulich, dass die Göttinger sehr neugierig sind: es waren nicht nur viele Kollegen von Stefan Kordes anwesend, die Kirche war insgesamt sehr gut gefüllt. Die Stimmen in der Pause und nach dem Konzert waren unterschiedlich, was die Musik angeht. Von „hat so seine Längen“ über „ich mag solche Schmachtfetzen“ bis „ich habe Gänsehaut bekommen“ war alles vertreten. Was aber die Umsetzung angeht, waren sich alle einig: es kann nur höchstes Lob ausgesprochen werden an den Dirigenten, den Chor, die Solisten und das Orchester.

Der lang anhaltende Applaus am Ende hat das eindrücklich unter Beweis gestellt.

Erschienen in der Kategorie Jacobikantorei
Sonntag, 06 April 2014 10:23

Die Seele einer Aufführung

Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach in der Jacobikirche

Wenn es eine Seele einer Aufführung gibt, dann war es in der Aufführung der Matthäuspassion in der Jacobikirche der Tenor Clemens Löschmann. Er sang nicht nur die Rolle des Evangelisten sowie zusätzlich die Tenorarien, sondern er gestaltete die Partie mit bis zum Schluss nicht nachlassender Intensität, so dass es bisweilen Gänsehaut verursachte. Besser kann das nicht gesungen und gestaltet werden!

Die Jacobikantorei war von Kantor Stefan Kordes gut vorbereitet – und zwar für viele schon seit einigen Jahren, denn die Matthäuspassion stand in den letzten Jahren wiederholt auf dem Konzertplan der Kantorei. So beherrschten erfreulich viele Sängerinnen und Sänger die Chorpartien beider Chöre und konnten über weite Strecken dem Dirigat von Stefan Kordes mit viel Blickkontakt folgen. Das Ergebnis war eine konzentrierte und nuancenreiche Wiedergabe.

Bei der Interpretation der Chöre und Choräle wählte Kordes flotte Tempi, bei den Chorälen hätte man sich zum Teil vielleicht noch etwas differenziertere Dynamik gewünscht. Insgesamt konnte die Jacobikantorei sehr überzeugen: der Chor hielt Intonation, Konzentration und Intensität bis zum Schlusschor aufrecht, obwohl er häufig lange Passagen (auch während der Arien) stehen musste. Bisweilen konnte man als Zuhörer mit den Sängerinnen und Sängern mitleiden…
Im ersten Teil sang noch der Göttinger Knabenchor den Choral „O Lamm Gottes unschuldig“, den Bach so kongenial noch über den Doppelchor komponiert hat, sowie den Choral im Schlusschor des ersten Teils. Im zweiten Teil blieben im Kirchenschiff einige weitere Plätze frei – offenbar machten auch viele Angehörige der Knaben Feierabend. Schade.

Zu den Gesangssolisten:

Henryk Böhm war mit seinem warmen Timbre eine ideale Besetzung für die Jesus-Worte. Der junge Bassist Samuel Hasselhorn hatte die Bass-Arien sowie die verschiedenen kleineren Rollen (Soliloquenten) übernommen und wusste immer wieder zu überzeugen: er entwickelt sich sehr gut, man kann sich auf zukünftige Konzerte mit ihm freuen. Stefan Görgner gastierte als Altus in der Jacobikirche. Seine bis in die hohen Lagen kräftige Stimme könnte noch etwas mehr Wärme vertragen. Die Sopranistin Stephanie Henke gestaltete ihre Arie „Aus liebe will mein Heiland sterben“ herzergreifend schön. Nur schade, dass sie vor allem in den übrigen Nummern relativ viel Vibrato einsetzte. Das passte nicht so recht zur historischen Aufführungspraxis und den übrigen, sehr schlanken Stimmen. Vor allen anderen (siehe oben) muss man jedoch Clemens Löschmann nennen. Wenn es nicht so unpassend gewesen wäre, hätte man ihm zwischendurch durchaus Szenenapplaus geben können.

Das Orchester:

Als Orchester für Barockmusik wählt Stefan Kordes das Barockorchester Antico Bremen. Sie haben sich als zumeist zuverlässige Begleiter erwiesen - aber auch nicht mehr. Hervorzuheben sind die beiden Violin-Solistinnen Annika Schmidt und Regine Freitag. Nicht immer reagierten die Instrumentalisten sofort auf die Zeichen von Stefan Kordes. Und leider war die Oboe da caccia im ersten Orchester nicht immer so sauber, wie man sich das von professionellen Spezialisten wünscht. Insgesamt hätte man sich von dem Orchester mehr Empathie gewünscht. Insbesondere die Continuo-Gruppe ist nicht besonders auf die Interpretation von Clemens Löschmann eingegangen.

Stefan Kordes, Clemens Löschmann, die übrigen Solisten und natürlich der Chor sorgten aber für eine sehr bewegende Aufführung (am Samstag) in der nicht ganz ausverkauften Jacobikirche.

Der nächste kirchenmusikalische Termin in der Jacobikirche ist am Karfreitag, den 18. April um 15 Uhr in der „Andacht zur Todesstunde Jesu“. Dann singt der Kammerchor St. Jacobi von Heinrich Schütz „Die sieben Worte Jesu Christi am Kreuz“ sowie die Motette „Das ist je gewißlich wahr“.

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Montag, 10 Februar 2014 15:52

Ein eindrücklicher Konzertabend

Verdi und Fauré mit der Jacobikantorei

Ein gut zweistündiges Programm servierte Stefan Kordes am Sonntag, den 9. Februar 2014, in der Jacobikirche. „Musik der italienischen und französischen Romantik“ lautete die Überschrift, wobei der italienische Part vor der Pause ausschließlich Giuseppe Verdi gewidmet war. Bereits in der Ouvertüre zu „La forza del destino“ zeigte sich das Göttinger Symphonie Orchester mit Wojtek Bolimowski am Konzertmeisterpult bestens aufgelegt. Insbesondere die Blechbläser hatten offensichtlich großes Vergnügen daran, einmal bei einem Kirchenkonzert keine Rücksicht auf den Chor nehmen zu müssen. Das war ein Ohrenschmaus, der die Vorfreude wachsen ließ.

Die „Quattro pezzi sacri“ von Verdi stehen nur selten auf dem Konzertprogramm. In Göttingen erklangen sie zuletzt 1984 unter Hermann Amlung. Der Grund liegt sicher auch an den sehr unterschiedlichen vier Stücken von jeweils ca. fünfzehn Minuten Dauer: das „Ave maria“ zu Beginn ist für a capella – Stimmen komponiert. Den Part übernahm ein Solistenquartett aus der Jacobikantorei und war mit Marie Lüders, Maxi Jansky, Tobias Wolff und Arne zur Nieden sehr klangschön besetzt. Sie meisterten diese höchst anspruchsvolle Aufgabe meist intonationssicher. Ganz anders klang das folgende „Stabat mater“. Im Vergleich zur Komposition von Antonín Dvořák (siehe hier) und Gioachino Rossini (am 23. März in St. Johannis) hat Verdi das „Stabat mater“ eher kurz vertont und keine solistischen Passagen vorgesehen. Der Chor und das groß besetzte Orchester haben fast durchweg zu tun. Trotz der durchaus differenzierten Wiedergabe wirkte das Werk etwas eintönig.

Das „Laudi alla vergine Maria“ ist dem Frauenchor a capella vorbehalten. Auch hier setzte Kordes auf eine solistische Besetzung aus dem Chor heraus. Es ist eine sehr schöne Tradition in der Kantorei, solche Aufgaben innerhalb des Chores zu vergeben. Carlotta Israel, Marie Lüders, Sabine Birkenfeld, Deike Böning und Edda Lüdeke standen leider ganz hinten, oben auf dem Chorpodest. Eine Platzierung weiter vorne (wie beim „Ave maria“) wäre akustische sicher von Vorteil gewesen. Vielleicht wären dann die Intonationsschwierigkeiten leichter zu verhindern gewesen.

Zum Abschluss erklang das „Te deum“. Dieses vorletzte Werk des Opernkomponisten zeigt eine große stilistische Bandbreite mit großen Dramatischen Effekten. Kordes wusste diese gut aus Chor und Orchester herauszuarbeiten. Hanna Marie Hansen zeigte in ihrer kurzen Solopartie den schönen Klang ihrer auch in den Höhen klaren Stimme.

Nach der Pause erklangen zwei Pavanen vom Maurice Ravel und Gabriel Fauré. Auch wenn diese ohne Fehl und Tadel wiedergeben worden sind, wäre ein Verzicht auf die beiden Werke (und damit auch ein Verzicht auf die Pause) dem Abend zuträglicher gewesen. Die Vielzahl der für den Abend ausgewählten Werke stahl sich gegenseitig die Aufmerksamkeit.

Das abschließende „Requiem“ von Gabriel Fauré bezog die Orgel mit ein. Kein leichtes Unterfangen, weil das Instrument am anderen Ende der Kirche steht. Antonius Adamske verstand es aber, stets akkurat pünktlich und wunderbar registriert auf das Geschehen im Altarraum einzugehen. Vielleicht hätte er lieber Faurés Erstfassung nur für Orgel und Chor gespielt. Aber das GSO erwies sich als guter Partner und verstand es, die tröstende, eher positiv gestimmte Komposition erklingen zu lassen. Der Chor blieb bis zum Schluss konzentriert, was sicher auch am zupackenden Dirigat von Stefan Kordes lag. Unklar blieb jedoch, warum der Chor so aufgestellt wurde: die Sopranstimmen in der Mitte „en block“, die restlichen Stimmen anscheinend frei auf dem Chorpodest verteilt. So waren auch die Tenorstimmen weit verstreut und konnten so keinen wirklich einheitlichen Klang erzeugen.

Im Requiem erklang der Bariton von Christian Neofotistos (ebenfalls aus der Kantorei): wie vom Komponisten ausdrücklich erwünscht, war er „eine Art Vorsänger mit einem ruhig strömenden Bassbariton, der Ruhe und Würde der Partie entsprechend“.
Insgesamt ein sehr eindrücklicher, wenn auch etwas zu langer Konzertabend mit der Jacobikantorei in der gut besuchten Kirche. Das Publikum war begeistert, was man dem anhaltenden Applaus anmerken konnte. Dieser galt insbesondere den Chorsolisten, deren Leistung es in der Tat hervorzuheben gilt.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Symphonie Orchester
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