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Montag, 27 Februar 2017 09:12

ClavierTage Göttingen 2017: Beethoven

Der Clavier-Salon in Göttingen feiert im Frühjahr 2017 seinen 5. Geburtstag, dies ist Anlass zur Gründung eines neuen kleinen Festivals in Göttingen. Jeweils im April eines Jahres sollen die ClavierTage die musikalische Szene in Göttingen beleben, in jedem Jahr mit einem anderen Komponisten-Schwerpunkt.

Der Start 2017 gehört natürlich dem Schwergewicht unter den Klavier-Komponisten: Ludwig van Beethoven. Sein Werk wird vielfältig in Kammermusik, Soloabend und Orchesterkonzerten dargeboten, immer auf den historischen Flügeln des Clavier-Salons.

Die Mitwirkenden
Die Lüneburger Symphoniker unter der Leitung von Thomas Dorsch widmen sich unter dem Titel „Norddeutsche Kammerakademie“ der Musik der Klassik und frühen Romantik. Musik mit den Augen der Zeit ihres Entstehens zu sehen: mit diesem Weg setzen sich die Musiker mit ihrem musikalischen Leiter Thomas Dorsch ambitioniert auseinander.
Weitere Informationen: www.theater-lueneburg.de 

Das Quartet Berlin-Tokyo gehört zur jungen Generation der international anerkannten Streichquartette und erwirbt sich immer mehr Lorbeeren auf dem Weg zur großen Karriere.
Weitere Informationen: www.quartetberlintokyo.com

Alexander Schimpf ist nach seinen sensationellen Erfolgen bei den internationalen Wettbewerben in Bonn, Wien und Cleveland einer der erfolgreichsten deutschen Pianisten seiner Generation. Er wurde gerade als Professor an die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover berufen.
Weitere Informationen: www.alexander-schimpf.de

Christian Poltéra gehört zu den großen Cellisten mit einer Weltkarriere. Er spielt das berühmte „Mara“-Violoncello von Stradivari. Seine Auftritte als Solist mit den berühmtesten Orchestern, als Mitglied des Trios Zimmermann und als Kammermusiker sind von allerhöchster Güte.
Weitere Informationen: www.christianpoltera.com

Gerrit Zitterbart ist als Pianist und Professor an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover seit vielen Jahren ein Garant für hochkarätige musikalische Ergebnisse auf allen Gebieten der Pianistik.
Weitere Informationen: www.gerrit-zitterbart.de

Die Orte
Der Clavier-Salon Göttingen hat sich in den fünf Jahren seines Bestehens mit über 750 Konzerten einen festen Platz im Kulturleben der Stadt erobert. Seine feine, festliche und intime Atmosphäre bietet allen Liebhabern der Klavier- und Kammermusik eine Heimstatt.
Die Aula der Universität Göttingen aus dem Jahr 1837 ist ein idealer Konzertraum für orchestrale Besetzungen der Wiener Klassik. Sie ist ein perfekter Rahmen für die Klavierkonzerte Beethovens.

Die Konzerte
Mittwoch 26.4. 19:30 h, Aula der Universität am Wilhelmsplatz:
Orchesterkonzert I: Gerrit Zitterbart, Clavier, Lüneburger Symphoniker im Rahmen der Norddeutschen Kammerakademie, Leitung Thomas Dorsch
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen
Klavierkonzerte C-Dur op.15, B-Dur op.19 & c-Moll op.37
Freier Eintritt für alle Studierenden der Georgia Augusta

Donnerstag 27.4. 19:45 h, Clavier-Salon Stumpfebiel 4:
Quartet Berlin-Tokyo, Gerrit Zitterbart, Clavier
Klavierquartett Es-Dur WoO 36,2, Streichquartette e-Moll op.59,2, B-Dur op.130/Große Fuge op.133

Freitag 28.4. 19:45 h, Clavier-Salon Stumpfebiel 4:
Klavierabend Alexander Schimpf
Klaviersonaten D-Dur op.28, f-Moll op. 57 "Appassionata", c-Moll op.111

Sonnabend 29.4. 19:30 h, Aula der Universität am Wilhelmsplatz:
Orchesterkonzert II: Gerrit Zitterbart, Clavier, Lüneburger Symphoniker im Rahmen der Norddeutschen Kammerakademie, Leitung Thomas Dorsch
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen
Klavierkonzerte G-Dur op.58 & Es-Dur op.73
Freier Eintritt für alle Studierenden der Georgia Augusta

Sonntag 30.4. 19:45 h, Clavier-Salon Stumpfebiel 4:
Duoabend Christian Poltéra, Violoncello, Gerrit Zitterbart, Clavier
Cellosonaten g-Moll op.5,2 & A-Dur op.69, Mozart-Variationen WoO 46 & op.66

Karten (Einheitspreis 20 €) bei
www.reservix.de (plus Vorverkaufsgebühren)
Göttinger Vorverkaufsstellen (plus Vorverkaufsgebühren)
Clavier-Salon Stumpfebiel 4
Abendkasse soweit vorhanden

Sonderkonzerte:
Mittwoch 26.4. 16:30 h
Schulkonzert I für alle Schüler in Stadt und Landkreis Göttingen
Aula der Universität am Wilhelmsplatz: Orchesterkonzert
Gerrit Zitterbart, Clavier, Lüneburger Symphoniker im Rahmen der Norddeutschen Kammerakademie, Leitung Thomas Dorsch
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen
Beethoven, Klavierkonzerte C-Dur op.15, B-Dur op.19 & c-Moll op.37
Freier Eintritt für alle Schülerinnen und Schüler

Sonnabend 29.4. 16:30 h
Schulkonzert II für alle Schüler in Stadt und Landkreis Göttingen
Aula der Universität am Wilhelmsplatz: Orchesterkonzert
Gerrit Zitterbart, Clavier, Lüneburger Symphoniker im Rahmen der Norddeutschen Kammerakademie, Leitung Thomas Dorsch
In Zusammenarbeit mit dem Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Göttingen
Beethoven, Klavierkonzerte G-Dur op.58 & Es-Dur op.73
Freier Eintritt für alle Schülerinnen und Schüler

Erschienen in der Kategorie Clavier-Salon
Mittwoch, 20 Juli 2016 09:40

Hörcollage über ein eigenwilliges Paar

George Sand und Fréderic Chopin im Clavier-Salon

Erschienen in der Kategorie Clavier-Salon
Freitag, 20 Mai 2016 10:52

Quälereien hoch Sieben

Clavier-Salon: 14 Stunden das gleiche Stücke oder Erik Satie zum Geburtstag

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Dienstag, 05 April 2016 08:53

Satie-Geburtstag im Clavier-Salon

Jede Menge Pianisten gesucht

Erschienen in der Kategorie Clavier-Salon
Samstag, 02 Januar 2016 18:33

Das singende Clavier

Romantisch begann das Jahr im Göttinger Clavier-Salon. Gerrit Zitterbart hatte zum Neujahrskonzert eingeladen und sein Konzertprogramm mit „A Ladies‘ Diary“ überschrieben. Dies stand symbolisch für die Epoche, in der auch sein Flügel von Robert Wornum (London) gebaut worden ist, also die Jahre um 1845. Zitterpart präsentierte Klaviermusik mit Werken von John Field bis Frédéric Chopin. Charmant und informierend schlug Zitterbart in seiner Moderation die Bögen der einzelnen Komponisten zueinander.

Nach den „Nocturne“ von John Field, die der Komponist auch in Warschau in Anwesenheit des noch jungen Frédéric Chopin spielte, sowie zwei Werken von Franz Schubert standen „Lieder ohne Worte“ auf dem Programm. Musik der „Erfinderin“ dieser Gattung Delphine von Schauroth erklang ebenso wie die von Fanny Hensel und natürlich von Felix Mendelssohn Bartholdy. Und Gerrit Zitterbart ließ diesen auf abenteuerlichem Weg nach Göttingen gelangten historischen Flügel singen. Die von Wornum erfundene, hoch komplizierte Anschlagtechnik erklang unter seinen Fingern überhaupt nicht kompliziert. Im Diskant erklangen diese Lieder glockenhell, wie eine jugendliche Sopranstimme in diesen „Liedern ohne Worte“.

Nach der Pause standen zunächst Stücke von Robert Schumann auf dem Programm. Auch wenn Schumann selbst vermutlich auf einem anderen Instrument gespielt hatte, zauberte Zitterbart aus den Stücken aus dem „Album für die Jugend“ wahre Kleinode. Das gilt vor allem für die „Träumerei“ aus den „Kinderszenen“, die Zitterbart mit großer Zartheit und viel Gefühl zum Klingen brachte.

Den Abschluss bildeten Préludes und Walzer von Chopin. Hier verbanden sich Gefühl, Melancholie und Virtuosität zu einem Gesamtkunstwerk. Das Publikum im gut gefüllten Clavier-Salon wurde damit in das Neue Jahr entlassen – nicht ohne seiner Begeisterung durch lang anhaltendem Applaus Ausdruck zu verleihen.

Erschienen in der Kategorie Clavier-Salon

 Clavierabend mit Gerrit Zitterbart

Wie ein Taschenklavier sieht er wahrlich nicht aus. Der kleine Flügel in Gerrit Zitterbarts Sammlung historischer Tasteninstrumente glänzt wie eine kostbare Antiquität. Aber sein Erbauer Robert Wornum nannte ihn nun mal „pocket piano“. Vielleicht dachte er um 1845  auch an die Atmosphäre von musikalischen Salons in denen sich sein samtig wärmender Klang wunderbar entfalten würde.

Für diesen Abend in seinem Clavier-Salon stimmt Gerrit Zitterbart das Publikum auch gern auf ein romantisch anmutendes Tableau ein, wenn er nun das Bild von englischen Landhäusern entwirft, in denen die Lady ihre Gäste mit den romantischen Kompositionen unterhielt, die gerade kursierten. Da darf auch eine charmante Anspielung auf den Titel des Abends „A Ladies’ Diary“ nicht fehlen. Auch wenn es dabei um ein Markenzeichen für modische Accessoires handelt, die die Damenwelt in dieser Zeit entzückten, für Zitterbart passt Wornums „Pocket Piano“ einfach wunderbar in dieses Umfeld der Ladies Diaries und natürlich auch in seine musikalische Reise durch das romantische Zeitalter.

Es kommt dabei auch gleich zu Entdeckungen mit drei musikalischen Skizzen von John Fields, der dafür um 1812 den Begriff „Nocturne“ erfunden hatte, den später Frédéric Chopin für viele seiner Kompositionen übernahm. Auch die „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn- Bartholdy haben ihre romantische Vorgeschichte, die Zitterbart seinen Zuhörern mit einer beschwingenden Momentaufnahme von Delphine von Schauroth entdeckt und dabei auf ein nicht nur musikalisches Beziehungsgeflecht verweist. Dass Mendelssohn die Pianistin und Komponistin sehnsüchtig umschwärmte, als er ihr sein Gondellied widmete. Und dass seine Schwester Fanny Hensel diese Form der musikalischen Widmung ebenfalls schätzte, die auf Wornums Taschenklavier ihren romantischen Zauber entfaltet.

Auch bei Robert Schumann und seinen musikalischen Präziosen für Klavier verweilt der Musiker auf seiner Klangreise mit den Stimmen der Romantik. Wie geschaffen für die Novellen aus dem Album der Jugend und aus Schumanns Kinderszenen klingt auch hier der Flügel, dessen  warme dunkle Erdung  vor allem mit zarten melodischen Variationen harmoniert und weniger mit dramatischen Motiven. Das hat Zitterbart auch bei den Werken von Chopin bedacht, mit denen sich leicht ein pianistisches Feuerwerk entzünden ließe. An seinem Wornum dürfen Préludes und Walzer auch als sentimentale moments musicaux bewegen und eine melancholische Färbung annehmen. Wenn sie sich nun in romantische Träumereien verwandeln, die sanft beschwingen und bezaubern.

Erschienen in der Kategorie Clavier-Salon
Dienstag, 28 April 2015 14:57

Perfekt aufeinander abgestimmt

Das Arte-Ensemble im Aulakonzert

„Lebensläufe – Werkgeschichten“, so heißt die Überschrift über die Saison 2014/15 der Göttinger Kammermusikgesellschaft. Im letzten Abonnementskonzert standen eine ganze Reihe von Geschichten auf dem Programm: jüdische Klänge in der Ouvertüre op. 34 von Sergej Prokofjew mit gleich mehreren Versionen der Entstehungsgeschichte, die neu entdeckte (und zu entdeckende) Musik von Franz Hofmann, der 1945 als 25jähriger vermutlich mit dem Untergang der „Steuben“ in der Ostsee sein Leben verloren hatte und – als Höhepunkt – die Geschichte der lebendig gewordenen Spielsachen in der Kinderpantomime „Zaubernacht“ von Kurt Weill.

All diese Geschichten erzählte das Arte Ensemble. Die Mitglieder sind Solisten der NDR Radiophilharmonie und treten in variabler Besetzung auf. Nur so ist es überhaupt möglich, die verschiedenen Besetzungen der Stücke an einem Abend umzusetzen. Ergänzt wurde das Ensemble durch den Göttinger Pianisten Gerrit Zitterbart.


Auf welch hohem Niveau sich die Musiker bewegen, war schon gleich zu Beginn des Abends hörbar: in der Besetzung für Klarinette, Streichquartett und Klavier spielten sie die „Ouvertüre über hebräische Themen“ von Sergej Prokofjew. In dieser Musik ließ der emigrierte Prokofjiew Klezmer-Themen erklingen, das Werk schrieb er für ebenfalls aus Russland emigrierte jüdische Musiker, die sich eben in dieser Besetzung gefunden hatten. Die beiden musikalischen Themen wandern in den Stück durch die Instrumente. Das Arte Ensemble verstand es, diese Übergänge so kunstvoll zu gestalten, dass die Klangfarbe des „abgebenden“ Instrumentes perfekt getroffen wurde. So ergab sich ein kunstvoll miteinander verwobenes Werk als Ouvertüre des Abends.

Die Musik von Franz Hofmann kommt erst allmählich aus ihrer Vergessenheit hervor. In seinem kurzen Leben hinterließ Hofmann zahlreiche kammermusikalische Werke. Die Musik Hofmanns ist im Geist der Spätromantik komponiert, im Quintett h-Moll für Flöte, Klarinette, Geige, Bratsche und Cello war aber deutlich ein eigener Stil von großer Reife zu erkennen. Das Arte Ensemble hat dieses Werk keineswegs aus seinem Repertoire gewählt, sondern eigens für das Göttinger Konzert einstudiert. Das Publikum in der gut gefüllten Göttinger Universitätsaula kam so in den Genuss dieser Erstaufführung.

Nach dieser im Lebenslauf dramatischen Geschichte und der Pause kam es zum Höhepunkt des Abends. Die „Zaubernacht“, Kinderpantonmime für Flöte, Fagott, Klavier, Schlagwerk und fünf Streicher von Kurt Weill. Komponiert im Jahr 1922 – dann aber viele Jahre verschollen, bis das Werk im Jahr 2005 in Yale unvermittelt wieder auftauchte. Es dauerte eine Weile, bis die Musik identifiziert war, und so erschien erst im Jahr 2008 die wieder hergestellte Partitur in der Gesamtausgabe. Und erst im Jahr 2010 wurde das Werk nach mehr als 85 Jahren wieder aufgeführt – im Rahmen des Musikfests Stuttgart, erstaufgeführt vom Arte Ensemble. In der Göttinger Aula erklang die Ballettmusik konzertant. Weill hat die Geschichte der zwei Geschwister, deren Spielsachen in der Nacht lebendig werden, so bildhaft vertont, dass der hüpfende Ball, das galoppierende Steckenpferd, das tanzende Stehaufmännchen oder der exerzierende Zinnsoldate förmlich vor den Augen der Zuhörer zu sehen war. Die zehn Musiker, darunter zwei ziemlich beschäftigte Schlagzeuger, waren perfekt aufeinander abgestimmt. Im Grunde spielten sie ebenso mit den Spielsachen wie es eine Balletttruppe in einer szenischen Aufführung hätte tun sollen. Fasziniert lauschte das Publikum dem Ensemble – und wollte es am Ende kaum gehen lassen.

Schon während der Weill’schen Musik ertappte man sich als Zuhörer dabei, ein wenig mitzuspielen. Und war es nicht König Georg IV., der auf seinem Gemälde oben über den Musikern an der Königswand geschmunzelt hat und mit den Füßen beinah ein wenig mit dem Zinnsoldaten mitmarschiert ist?

Erschienen in der Kategorie Aulakonzerte
Montag, 20 April 2015 14:30

Gegen alles Normale

Gerrit Zitterbart mikroskopiert Schuberts B-Dur-Sonate

„Musik unter dem Mikroskop“, so hat Gerrit Zitterbart seine Reihe von Gesprächskonzerten genannt, in der er Klaviersonaten von Schubert, Mozart und Beethoven nicht nur spielt, sondern sie für seine Zuhörer auch detailreich, informativ und sehr vergnüglich auseinandernimmt. Am Freitagabend schloss er mit der B-Dur-Sonate den Zyklus der letzten drei Klaviersonaten von Franz Schubert ab.

Schubert hat diese drei Sonaten zur gleichen Zeit komponiert, wie das Publikum erfährt, und die B-Dur-Sonate schließlich bewusst an den Schluss der Trilogie gesetzt. Anders als in den Schwesterwerken lässt Schubert in ihr seine musikalischen Ideen stellenweise wie Kartenhäuser zusammenfallen oder schreibt sie wie endlose, nicht enden wollende Reihen aneinander. Und: Er betritt Neuland mit seinen Einfällen, er wendet sich immer wieder gegen die musikalischen Standards seiner Zeit. Angesichts dessen, dass die drei Sonaten in Schuberts letzten drei Lebensmonaten komponiert wurden, darf man sich fragen, ob Schubert das Ende seiner Lebenszeit vorausahnte und vielleicht deshalb seine letzte Möglichkeit dazu nutzte, Ideen zu entwickeln, die auszukomponieren er vorher vermieden hatte, da sie zu seiner Zeit als gewagt und ungewöhnlich galten. Die B-Dur-Sonate ist ein Wechselbad der Gefühle, immer wieder erschreckt sie mit unvermittelten Ausbrüchen, zum Beispiel chaotischen Explosionen nach der absoluten Stille einer Generalpause. Der Reichtum an Kontrasten ist unglaublich, schon im Eingangsthema des ersten Satzes, wenn die wellenartige Melodie bereits im achten Takt von einem Triller im Pianissimo unterbrochen wird, der auf dem tiefen F endet – dem tiefstmöglichen Ton des damaligen Pianos, wie Zitterbart hervorhebt. Das „Grauen“ – in den ersten beiden Sonaten noch laut und erdrückend dargestellt – wirkt durch solch einen subtilen, dunklen Einwurf noch gefährlicher. Auf dem historischen Hammerflügel von 1825, den Zitterbart für die Sonate nutzt, kommt das tiefe Grollen sogar noch eindrücklicher zum Vorschein als auf einem modernen Konzertflügel.

Zitterbart spickt seinen Vortrag mit amüsanten Anekdoten, verteilt den kompletten Notentext an alle Anwesenden und gibt dutzende Klangbeispiele, die seine Erklärungen hervorragend illustrieren. Besonders faszinierend wird es, wenn er Teile aus der Sonate „falsch“ spielt, also so, wie man die Komposition normalerweise erwarten würde: Dem munteren Scherzo des dritten Satzes folgt ein Trio; anders als das Scherzo ist es aber in moll geschrieben, mit krassen Sforzati, Nadelstichen, die die trügerische Idylle zerstören. Zum Vergleich spielt Zitterbart nun das Trio als „übliche“ Fortsetzung des Scherzo, in Dur und ohne die harten einzelnen Betonungen: Sofort klingt es hübsch und eingängig – und nicht mehr nach Schubert.

Zitterbart gelingt es Worte zu finden für die interessanten kompositorischen Einfälle, die einen am heimischen CD-Spieler vielleicht schon mal irritiert haben, die man aber nicht zu fassen vermochte: Warum erzeugt der Anfang des vierten Satzes das Gefühl der Schwebe, der Frage: Wo wollen wir eigentlich hin? Ganz einfach: Schubert beginnt in c-moll, lässt aber im Bass den Grundton c aus.
Dass man all diese Erläuterungen nicht bräuchte, um die Musik einfach zu genießen, dies gibt Zitterbart dann auch noch lächelnd zu, bevor er nach einer Pause im zweiten Konzertteil die Sonate am Stück zu Gehör bringt. In erster Linie interpretiert er sie eher vorwärts drängend als schreitend, durchaus legitim. Allerdings verlässt er diese Sichtweise nicht mal zu Beginn des Andante sostenuto: Das „getragene Schreiten“ (wie man es übersetzen könnte), das in langsamerem Tempo an ein unabwendbares Zugehen auf das Grab erinnern kann, wird so zum Joggen um den Friedhof. Meiner Meinung nach schade, auch da Zitterbart ja gerade auf die vielen Kontraste innerhalb der Sonate hingewiesen hatte; ebenso wie auf die ausgeklügelte Klanggestaltung Schuberts, die sich auch in allerlei Spielanweisungen im Notentext wiederfindet. Zitterbart nimmt Schuberts Forte meistens wörtlich, übergeht aber für meinen Geschmack zu viele Pianissimi. Dafür bringt er an vielen, vielen Stellen den Schmelz, die Wärme und die Außergewöhnlichkeit einzelner Noten durch behutsame Verzögerungen hervorragend zur Geltung. Beeindruckend auch die Effekte, die durch den geschickten Einsatz der Pedale entstehen, und die beim Hammerflügel zahlreicher und vielfältiger sind als bei den Pedalen eines Konzertflügels. Unnachahmlich samtig und warm schimmert auf diese Weise zum Beispiel das Ende des zweiten Satzes und überzeugt von der Einzigartigkeit des historischen Instruments.

Alles in allem gelingt Gerrit Zitterbart mit seiner Reihe „Musik unter dem Mikroskop“ ein faszinierendes Konzerterlebnis, das dem interessierten Laien die Augen öffnet für die Feinheiten und die Genialität einzelner Komponisten. „Sehr empfehlenswert“ befand auch das Publikum, das sich mit viel Beifall für den tollen Abend bedankte.

Erschienen in der Kategorie Clavier-Salon
Montag, 19 Januar 2015 13:34

Wiener Klassik im Clavier-Salon

Nachdem das Göttinger Publikum nun vom Göttinger Symphonie Orchester auf Wiener Art musikalisch in das Neue Jahr gebracht wurde (siehe hier), ist man nur eine Woche später zurück in Wien, zumindest im musikalischen Geiste. Gerrit Zitterbart brachte mit Mozart, Haydn, Beethoven und Schubert die typischen Wiener Klassiker nach Göttingen.

Das Rondo a-Moll KV 511 von Mozart sei melancholisch, in sich gekehrt und mehr für einen selbst, als für ein Konzert, so Zitterbart. Es sei wie ein Zwiegespräch zwischen Instrument und Interpret. Der Charakter ist nicht so leicht, wie man es von anderen Mozart Werken her kennt. Das schwermütige immer wieder kehrende Thema ist eher untypisch für ein Rondo, das eigentlich einen fröhlichen Charakter hat. In den Couplets lockert sich die Stimmung nur verhalten auf.


Mit Haydns Sonate f-Moll (Variationen) bot Zitterbart ein besonderes Variationswerk, das es so nicht nochmal gibt. Eine Doppelvariation, die aus zwei Themen besteht - eines in Moll und eines in Dur - die abwechselnd variiert werden. Das Moll Thema wirkt bedrückt wogegen das Dur Thema fröhlich und munter klingt. Die unterschiedlichen Charaktere der Themen hat Zitterbart durch eine abwechslungsreiche Spielweise herausgearbeitet. Unterbrochen wird diese Variation durch eine Kadenz, was ebenfalls sehr ungewöhnlich ist. Wie so häufig, spielt Haydn mit den Hörerwartungen der Zuhörer. Die ersten beiden Stücke wurden auf der Kopie nach Anton Walter 1795 gespielt. Einen solches Instrument besaß Mozart während seiner gesamten Zeit in Wien.

Die Klaviersonate E-Dur op. 109 von Beethoven ist eine seiner letzten Klaviersonaten. In polyphoner Satzweise sind die beiden Hände völlig unabhängig voneinander und spielen vollkommen eigene Melodien. Er hat damit die Grenzen, des auf dem Klavier möglichen erreicht und wich danach auf das Streichquartett aus, wie Zitterbart das Publikum wissen ließ. Die drei Sätze gehen direkt ineinander über. Der letzte Satz ist ein unkonventioneller Variationssatz mit einer langsamen, sanglichen Melodie, die in der letzten Variation in schnellen Läufen ausbricht und schließlich zum ruhigen Anfang zurückkehrt.

Nach der Pause dann der jüngste der vier Wiener Klassiker, Schubert. Die Sonate B-Dur op. posth. D 960 ist eine seiner drei letzten Sonaten, wovon die dazugehörige Sonate A-Dur op.posth. D 959 im Oktober letzten Jahres im Clavier-Salon zu hören war. Zitterbart beschrieb die B-Dur Sonate als melancholisch und dennoch kraftvoll. Der erste Satz beginnt mit einem friedlichen Thema, dass durch Tremoli in tiefer Lage eine bedrohlich Unterton bekommt. Das Scherzo steht mit schnellen Motiven und staccato im Kontrast zu den beiden Sätzen davor. Durch differenzierte Dynamik wurden die Höhen und Tiefen und die Zerrissenheit gerade der letzten beiden Stücke zum Ausdruck gebracht.

Der Flügel aus dem Jahre 1825 ist ein Originalinstrument, der restauriert wurde. Er hat noch vier Pedale, davon zwei Moderato Pedale, die man an heutigen Instrumenten vergeblich sucht. Schade eigentlich, denn mit diesen Pedalen lässt sich nochmal eine extra Facette in den Klang einbringen. Wie gewohnt erklärte Zitterbart die Technik der beiden Klaviere im Vergleich zum heutigen Flügel und das Publikum schaute mit Interesse auf das Spiel, um die Besonderheiten nicht nur hören, sondern auch sehen zu können.

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Donnerstag, 01 Januar 2015 23:22

Ein herrlicher Abend voller Unsinn

Musikkabarett mit Gerrit Zitterbart im Clavier-Salon

Lauter Unsinn war angekündigt, lauter Unsinn wurde geliefert. Es gibt viele Möglichkeiten Unsinn und Klaviermusik in Verbindung zu bringen: in der Art des Spielens, in der Präsentation und der Auswahl der Stücke. Hier waren es die Komponisten, die den Unsinn machten. „Das ist lauter Unsinn, den du da schreibst“ soll schon Brahms zu Leschetizky gesagt haben. Und Gerrit Zitterbart – Göttinger Pianist, Professor für Klavier und Inhaber des Clavier-Salons – präsentierte ihn mit viel Humor und Natürlichkeit dem Publikum im ausverkauften Clavier-Salon.

Wie fängt man so einen Abend am besten an, wenn man vorgibt nichts vorbereitet zu haben? Man vertraut auf sein Publikum mit Kennern der Klaviermusik und lässt sich zurufen: „Ein Präludium“. Da ein gebräuchlicher Johann Sebastian Bach nicht so richtiger Unsinn ist, nimmt man sich den P.D.Q. Bach vor, eine Erfindung des amerikanischen Pianisten und Musikprofessors Peter Schickele. Charakteristisch für P.D.Q. (engl. „pretty darn quick“) sei seine Arbeit mit Plagiaten gewesen.

Als nächstes eine Premiere: Ein Stück von Theodor Leschetizky (1830-1915) soll auf seinem eigenen Flügel vorgetragen werden. Wie oft hört man das schon, 100 Jahre nach dem Todestag.  Der  130 Jahre alte Flügel aus Wien, schien sich an seine Stücke zu erinnern, so leicht gingen sie Zitterbart von der Hand.

Komponisten erlauben sich häufig den Unsinn, musikalisches Material ihrer Kollegen wiederzuverwenden. So scheinen sich viele Kompositionen sehr ähnlich zu sein. Der in Europa eher unbekannte amerikanische Komponist Zez Confrey (1895-1971) zum Beispiel komponierte ein Stück, das stark an Schumanns Kinderszenen erinnerte. Ob bei dem nächsten Stück nun Richard Fall (1882-1945) von J.S. Bach (1685-1750) kopiert habe oder umgekehrt, ließe sich wirklich schwer sagen, so Zitterbart. Und auch Brahms habe sich an Händels Material (1862) bedient.

Wenn man das Bisherige noch nicht als schwere Kost gesehen habe, dann doch aber das Folgende: ein Wiener auf dem Wiener Flügel von 1888 und auch noch in Verbindung mit dem zuvor gehörten Stück von Max Reger? Zuhören gab es, passend zum Thema Unsinn: Zwölftonmusik von Schönberg.

Von nicht intendiertem zu intendiertem Unsinn: Da lässt Zez Confrey ein paar Kätzchen über die Tastatur laufen, notiert es und nennt das Ganze dann „Kitten on the Keys“ (1921).

Gerrit Zitterbart brillierte am Klavier und als Moderator des Unsinns!

Was ihm jetzt noch fehle, sei derjenige, der ihm so nah am Herzen liege: Beethoven. Sein Material hätten wir heute schon gehört, jedoch zur Zugabe etwas Neues, gerade Entdecktes: eine neue Beethoven-Sonate. Aber Moment, das Stück kam einem doch irgendwie bekannt vor. War es nun die 5. Sinfonie adaptiert? Oder doch etwas ganz anderes?

Alles Unsinn, der hier vor sich geht. Außer der Tatsache, dass man mit Lauter Unsinn einen herrlichen Abend verbringen kann.

Erschienen in der Kategorie Clavier-Salon
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