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Konzert mit dem Göttinger Knabenchor in der Universitätsaula

Erschienen in der Kategorie Händel-Festspiele

Heute mit dem Göttinger Knabenchor   

Viele hoch dramatische Motive lassen sich in diesem Jahr bei den Internationalen Händel Festspielen unter dem Motto „Glaube und Zweifel“ erkunden. Das Festival Team hat dabei natürlich das Reformationsjubiläum im Blick. Aber neben Glaubensfragen geht es auch in Opern und Oratorien vor allem um Macht- und Herrschaftsansprüche und individuelle Überzeugungen, die in den musikalischen Bildern anklingen. Darauf möchte Sie das Kulturbüro auch mit dem Podcast „Händel Exkursionen“ einstimmen. Wir flanieren täglich durch das Festivalprogramm mit Künstlergesprächen und Tipps für Aufführungen und Konzerte.

Erschienen in der Kategorie Händel-Podcast

Biographie erscheint zum 100. Geburtstag - Festkonzert am 28. Mai

Zum hundertsten Geburtstag von Franz Herzog am 30. Mai 2017 erscheint seine Biographie in der „Dresdner Schriftenreihe zur Musik“. Der Musikwissenschaftler Dr. Vitus Froesch aus Dresden, der seine Dissertation dem bedeutenden Kreuzkantor Rudolf Mauersberger gewidmet hat, legt nun ein umfassendes Werk über Franz Herzog vor, der als Mitglied des Dresdner Kreuzchores Schüler von Mauersberger war, außerdem drei Jahre als Chorpräfekt dessen erster Stellvertreter und später Wunschnachfolger als Kreuzkantor.

Glücklicherweise – für Göttingen – ließ sich dieser Plan aufgrund der deutschen Teilung nicht realisieren. Herzog kam 1953 als Musiklehrer nach Göttingen ans Felix-Klein-Gymnasium und begann am damaligen Jungen-Gymnasium sofort mit dem Aufbau eines leistungsfähigen Schulchores, der schnell bekannt wurde und 1962 zum „Göttinger Knabenchor“ umbenannt wurde. „Herzog brachte die Tradition sächsischer Knabenchöre nach Göttingen“ (Ludwig Doormann). Er war nicht nur ein begnadeter Chorleiter, sondern auch ein ausgesprochen vielseitiger Komponist, der Werke unterschiedlichster Gattungen schuf: Chor- und Orchestermusik, Messen und Bühnenwerke, Sololieder, Sonaten für Klavier und andere Soloinstrumente, Bläsermusik, zahlreiche Volksliedbearbeitungen bis hin zu Arrangements populärer U-Musik für Männerchor (z.B. Beatle-Songs). Gern hat Herzog auch humoristische Text vertont, u.a. von unserem Lokaldichter Wilhelm Busch.

Vitus Froesch stellt in seinem Buch Leben und Werk von Franz Herzog kenntnisreich und fachkundig vor. Die Biographie wird ergänzt durch ein vollständiges Werkverzeichnis der ungefähr 200 Kompositionen und einer Auflistung der Aufführungen seiner Werke, unter anderem durch den Dresdner Kreuzchor, den Mädchenchor Hannover, die Hannoversche Solistenvereinigung, den Göttinger Knabenchor und anderen.

Der Göttinger Knabenchor würdigt das Wirken seines Gründers mit folgender Veranstaltungsreihe:

• Eröffnung am 28. Mai mit einem Festkonzert in der Aula der Universität im Rahmen der Händelfestspiele mit Werken von Herzog und Händel. Von Herzog wird „Der Fluch des Krieges“ (1964) aufgeführt, dazu „5 Gesänge für Baß und Klavier nach Texten von Rainer Maria Rilke“ (1947) und ein „Pater noster“ mit „Ruf und Gebet“. Außerdem erklingen Chöre aus Oratorien von Georg Friedrich Händel. Der Göttinger Knabenchor war unter Herzog jahrelang Oratorienchor bei den Händelfestspielen.
Tickets zu diesem Konzert bekommen Sie beim GT-Ticketservice, in der Tourist-Information im Alten Rathaus, im Deutschen Theater sowie online hier im Kulturbüro Göttingen.

• Ein Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird die Präsentation der Biographie von Franz Herzog sein, die nach derzeitigen Planungen am 28. Mai vorliegen soll.

• Mit den Kantoren Bernd Eberhardt und Stefan Kordes ist verabredet, dass am Samstag, dem 23. September 2017 eine Nacht der Chöre mit den Schwerpunkten Herzog und Luther stattfinden soll. Alle mitwirkenden Chöre sind gebeten, nach Möglichkeit ein Werk von Franz Herzog aufzuführen. Zu diesem Zweck sind zahlreiche Chorwerke bereits durch Jens Wortmann digitalisiert worden und stehen den Chören zur Verfügung. Natürlich wird dabei auch der Göttinger Knabenchor mitwirken und ebenfalls ein Männerchor aus Ehemaligen des Göttinger Knabenchores.

• Am 23.September 2017 vormittags um 11.00h wird es eine Feierstunde mit Empfang im Felix-Klein-Gymnasium geben, zu der Schule, Knabenchor und Verein der Ehemaligen und Freunde des FKG einladen. Dort hat Franz Herzog von 1953-1979 als Musiklehrer gewirkt. Prof. Dr. Matthias Herrmann von der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden wird die Festrede halten. Außerdem wird Musik von Franz Herzog erklingen.

• Beantragt ist die Anbringung einer Gedenktafel am FKG als „Musikerzieher und Komponist“, deren Enthüllung nach Möglichkeit am 23. September erfolgen soll.

• Wir beschließen das Jubiläumsjahr im Dezember mit dem Weihnachtskonzert des Chores, bei dem u.a. die Vertonung der Weihnachtsgeschichte nach Lukas erklingen wird, die Herzog eigens für den Göttinger Knabenchor komponiert hat. Das Weihnachtskonzert wird am 10. Dezember in der St. Joseph-Kirche Hannover wiederholt.

• Bei allen Veranstaltungen wird die umfangreiche Festschrift des Göttinger Knabenchores zum Chorjubiläum 2012 ausliegen, in der neben vielen interessanten Beiträgen das Wirken von Franz Herzog beim Göttinger Knabenchor ausführlich dargestellt wird.

Franz Herzog ist Träger der Ehrenmedaille der Stadt Göttingen und wurde 1982 mit einer Feierstunde im Alten Rathaus offiziell von der Stadt Göttingen als Leiter des Göttinger Knabenchores verabschiedet. Er starb am 28. Februar 1986.

Herbert Schur, Vorsitzender des Göttinger Knabenchor e.V.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Knabenchor
Sonntag, 05 März 2017 09:09

Ein Bild in großer, lichter Harmonie

3. Sinfonie in d-Moll von Gustav Mahler mit dem Göttinger Symphonie Orchester und Christoph-Mathias Mueller

Erinnern Sie sich an Ihren Tuschkasten in der Grundschule? Er hatte 12 Farben. Und der Pultnachbar hatte natürlich die Luxusversion: dort konnte man die obere Etage abheben, darunter erschienen weitere 12 Farben.

Einen solchen Tuschkasten verwendete Christoph-Mathias Mueller in der Göttinger Stadthalle zur Aufführung der monumentalen dritten Symphonie von Gustav Mahler. Nur das sein Tuschkasten viel, viel mehr Etagen hatte. Immer mehr Farben wurden von Mueller freigelegt, immer mehr Klangfarben zauberte er hervor.

Das Spannende an dem Abend war: man konnte immer nur einen Teil der Farben sehen, die noch zum Einsatz kommen werden. Und man konnte ahnen, dass da noch mehr Farben folgen. Aber was sind das für Farben in der nächsten Ebene, was ist darunter, was folgt noch? Dirigent und Orchester zauberten eine unglaubliche Anzahl von Farben hervor. Mueller gelang es, in den über 100 Minuten diese Spannung enorm hochzuhalten. Man war fast versucht, „Ah“ und „Oh“ beim Öffnen der nächsten Farb-Etage zu rufen.
Das Publikum hielt sich aber zurück und sparte sich diese Rufe bis zum Schluss auf. Mit zahlreichen Bravi, Standing Ovations und nicht enden wollendem Applaus entlud sich die Begeisterung in der ausverkauften Stadthalle.

„In der gut gefüllten Stadthalle“ ist eine übliche Floskel bei Konzerten. Hier reicht diese Beschreibung nicht, denn allein die Anzahl der Mitwirkenden hat die Stadthalle schon gut gefüllt. Das ist auch der Grund, warum diese Musik selten im Konzertsaal erklingt: über 100 Mitwirkende im Orchester und noch einmal 120 Sängerinnen aus den Kantoreien von St. Jacobi und St. Johannis sowie die Knaben vom Göttinger Knabenchor bildeten die großartige Kulisse. Oder – um in dem Bild oben zu bleiben: sie stellten die Farben für den Dirigenten zur Verfügung. Und dieser nutzte alle Möglichkeiten, um ein gewaltiges Gemälde entstehen zu lassen. Das bestand aber keineswegs nur aus mit dickem Strich aufgetragenen Farben. Da waren auch viele kleine, zum Teil filigrane Details, zarteste Piano-Pianissimostellen, aber auch große Melodiebögen und kräftige Tutti-Sätze – diese Worte beschreiben die Vielfalt nur unzureichend.

Mueller lies die Streicher tanzen, die Hörner (achtfach besetzt!) singen, die Kontrabässe schwelgen und selbst der großen Trommel zarte Töne entlocken. Die Musikerinnen und Musiker des aufgestockten Göttinger Symphonie Orchesters folgten der Musik und ihrem Chefdirigenten mit hoher Konzentration und starken Emotionen. Besonders hervorgehoben seien die Soli der Konzertmeisterin Anna Kaczmarek-Kalandarishvili (Violine), Bettina Bormuth (Flöte), Matthias Weiss (Oboe), Manfred Hadaschik (Klarinette), John Feider (Horn), Roman Usenko (Posaune) und Helmut Pöhner (Posthorn).

Es war aber vor allem die Ensembleleistung, die diesen Abend so besonders machte. Dazu zählen auch die Choristen, die nur im fünften Satz zum Einsatz kamen. Während die Frauenstimmen fröhlich „Es sungen drei Engel“ aus „Des Knaben Wunderhorn“ sangen, ließen die Knaben die Glocken erklingen.

Dazu sang Cécile van de Sant das Altsolo. Vor allem die Interpretation von Nietzsches Gedicht „O Mensch! Gib acht!“ im vierten Satz war herzergreifend. Mit ihrem warm timbrierten Mezzosopran berührte van de Sant die Herzen. Die Sängerin war erst am selben Tag für die erkrankte Ingeborg Danz eingesprungen. Dass also so gut wie keine Probenzeit zur Verfügung stand, war dem Zusammenspiel mit dem Orchester und dem Dirigenten nicht zu spüren.

Im letzten Satz schloss sich der Kreis: das Hauptthema des ersten Satzes erklang erneut. Alle bisher verwendeten Farben kamen noch einmal zum Einsatz, und vollendeten das Bild in großer, lichter Harmonie.

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Montag, 14 November 2016 10:09

Ein Gewehrfeuer an Klang und Emotion

Der Göttinger Knabenchor und der OHG-Konzertchor mit The Armed Men von Karl Jenkins in der Göttinger Johanniskirche.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Knabenchor

Im August startet mit den „Chorkrabben“ ein neues Angebot des Göttinger Knabenchores für Jungen im Vorschulalter von fünf bis sechs Jahren. Unter der Leitung der Sängerin und Rhythmikerin Nicola Krause-Glandorf musizieren und tanzen die „Chorkrabben“ und entdecken gemeinsam die Freude am Singen im Chor.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Knabenchor

99 Jahre ergeben zwar kein rundes Jubiläumsdatum. Dennoch ist es gerade für Göttingen lohnend, sich an einen prägenden Menschen der Stadt zu erinnern, der eben vor 99 Jahren, am 30. Mai 1917, geboren wurde. Die Rede ist von Franz Herzog.

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Sonntag, 13 Dezember 2015 08:23

Begeisterung für den Knabenchor

Weihnachtskonzert des Göttinger Knabenchores in der Marienkirche

Am Vorabend des Dritten Advents hat der Göttinger Knabenchor zu seinem traditionellen Weihnachtskonzert eingeladen. Viele waren der Einladung gefolgt, die Marienkirche war gut gefüllt. Und das Publikum war begeistert – obwohl ihm der Einstieg in das Konzert nicht leicht gemacht wurde. Der Leiter des Knabenchores Michael Krause hatte an den Anfang zwei gregorianische Magnificat-Vertonungen gesetzt. Diese einstimmigen Canti mit ihren schlichten Melodien ließen manche Konzertbesucher einnicken – oder zum Handy greifen, während die Knaben ihren klaren Klang im Lobgesang Marias entfalteten.

Erst Michael Praetorius‘ „Es ist ein Ros entsprungen“ ließ sie wieder erwachen, nun kam auch adventlich-vorweihnachtliche Stimmung in der Kirche auf.

Im Mittelpunkt des Konzertes stand die Aufführung der Kantate „Meine Seel erhebt den Herren“ von Johann Sebastian Bach. Bach hat hier das Magnificat aufgegriffen, und so passte die Musik wunderbar in diesen Kontext. Und hier zeigte der Knabenchor sein wahres Leistungsvermögen, denn der Eingangschor der Kantate ist durchaus anspruchsvoll. Die Solistenparts hatten Nicola Krause-Glandorf, Leopold Schmarsel und Michael Jäckel übernommen, in der Altpartie glänzten die beiden Knaben Noah Kirchhoff und Lorenz Strik. Michael Krause hatte zügige Tempi gewählt, denen das Orchester bereitwillig folgte. Leider waren die Namen der Instrumentalisten nicht zu erfahren – sie haben sich Lob und Erwähnung durchaus verdient!

Im zweiten Teil erklangen kürzere Marienvertonungen sowie Advents- und Weihnachtsstücke. Darunter sei vor allem das Magnificat von Arvo Pärt hervorgehoben – das Stück ist eine große Herausforderung für jeden Chor.

Den Abschluss bildete das festliche „Tollite hostias“ aus dem Oratorio de Noël von Camille Saint-Saëns. Warum Michael Krause ganz am Ende die ganze Kirche „O du fröhliche“ hat singen lassen, ist vielen unverständlich geblieben. Gehört doch dieses Kirchenlied so sehr zum Heiligen Abend und der erst dann beginnenden Weihnachtszeit, dass es an diesem Abend deplatziert wirkte.

Der Knabenchor konnte mit diesem Weihnachtskonzert sein Publikum begeistern. Es ist auch sehr schön, dass in den Programmen dieses Chores immer wieder Sätze von Franz Herzog erklingen. An diesem Abend waren zu hören: „Vom Himmel hoch, o Englein kommt“ und „Joseph, lieber Joseph mein“ (mit den Knabensolisten Julius Laube und Linus-Leo Löfke, die ihren Part wunderschön gestalteten). Franz Herzog hatte den Chor 1962 gegründet.

Nach den gut 90 Minuten entlud sich die Begeisterung durch lautstarken Applaus, den sich die Knaben und ihr Leiter durchaus verdient hatten.

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Dienstag, 22 Juli 2014 08:03

Protestantische Krönung in St. Paulus

Göttinger Knabenchor und Projektchor 2011 in der St. Pauluskirche

3½ Stunden Krönungsmesse, 2000 aneinandergedrängte Besucher ohne Sitzplatz – auf diese Weise mussten die Zuhörer in St. Paulus am schwülen Sonntagabend zum Glück nicht ausharren, um in den Genuss guter Musik zu kommen. Trotzdem hatte man die Gelegenheit den Krönungsgottesdienst von König Georg dem I. sozusagen live mitzuverfolgen: Im Verbandskonzert des Chorverbands Niedersachsen-Bremen präsentierte der Göttinger Knabenchor unter seinem Leiter Michael Krause in chronologischer Reihenfolge fast alle Musikstücke, welche am 20. Oktober 1714 in Westminster Abbey zu diesem festlichen Anlass zu hören waren.

Logisch, dass hierfür das Beste der englischen Chormusik aufgefahren wurde: Werke von Henry Purcell, Thomas Tallis und William Child, um nur einige zu nennen, wurden herangezogen, um den Einzug in die Kirche, die Salbung, Krönung, Inthronisierung usw. musikalisch zu untermalen.

Anfangs noch etwas variationslos, zeigt der Chor spätestens mit den im Wechsel gesungenen Fürbitten (Thomas Tallis: O God, the father of heaven) sein Können: Immer wieder überraschende Stimmungswechsel, klare forte-Stellen, lieblich-sanfte piani, sauber und effektvoll vorgetragen. Der Solo-Tenor hätte eine namentliche Erwähnung im Programmheft verdient.
Michael Krause unterhält die gut halbvoll besetzte Kirche zwischen den Stücken mit weiteren Informationen zur Krönungszeremonie und gestaltet den Abend nicht zuletzt dadurch lebendig, dass er das Publikum beim dreifach gerufenen „God save King George“ mit einbezieht.

Die Jüngsten sind trotz der fremden Sprache bemerkenswert textsicher und halten das Tempo auch in den schwierigen, schnellen Sopranphrasen. Die Bässe strahlen zusammen in einem so warmen und vollen Klang, dass manch anderer Chor neidisch sein dürfte. Den Blickkontakt zwischen Sängern und Dirigenten dürfte wiederum mancher Chorleiter sehnsüchtig bemerken. Lucile Chaubart am Cello und Heiner Kedziora an der Orgel begleiten den Gesang unaufdringlich und professionell.
Ein Lob zudem an das Durchhaltevermögen aller Sänger: Das ohnehin anstrengende Programm, gepaart mit der schwülen Hitze, die auch in den Kirchenraum gezogen war, verlangt den Sängern alle Kräfte ab – drei Eleven müssen vor Erschöpfung zeitweise pausieren.

projektchor2011Nach einer knappen Stunde wechseln die jungen Sänger mit den älteren des Projektchores 2011 des Chorverbands Niedersachsen-Bremen, die unter Eckhard Albrecht die Missa choralis von Franz Liszt vorbringen. Zusammen mit Doris Vetter am Klavier zeigen diese in dem halbstündigen romantischen Chorwerk, was wahre Singfreude ist. Mit viel Sinn für Betonung und Effekte präsentiert der kleine Chor seine Arbeit, und auch wenn die hohen forte-Stellen vor allem gegen Ende häufig zu tief ausfallen und manchmal die rechte Kraft für ein fortefortissimo fehlt, sind doch Einsätze und Abschlüsse präzise, erklingen Tenorsoli mutig und erfolgt alles mit einem so offensichtlichen Spaß an der Sache, dass es einen nicht unberührt lässt.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Knabenchor
Samstag, 31 Mai 2014 08:59

Ganz großes Kino II

"Krönungszyklus" in der Jacobikirche

"O Lord, grant the King a long life" klingt es vom Westeingang der Westminster Abbey zu uns nach vorn ins Kirchenschiff. Wir, das sind die geladenen Gäste und Vertreter des Adels, die an der Krönungszeremonie für George I. teilhaben dürfen. Ein Welfe, genauer gesagt mein Herzog von Braunschweig-Lüneburg ist der Mann, der heute zum englischen König gekrönt wird. Das erste Anthem von William Child verklingt in der Kirche und während der Knabenchor auf der Nordseite und Trompeten und Trommel mit festlichen Fanfaren auf der Südseite in die Kirche einziehen, erfüllt mich Rührung und ein wenig Stolz, dass ich als Abgesandter des Grafen Wortmann zu Göttingen an diesem Ereignis teilhaben darf. Und doch beschleichen mich auch erste Zweifel, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht, sind doch Chor und Fanfarenspieler erstaunlich schnell durch die riesige Kirche zu uns nach vorne gelangt. Auch erinnert mich die Ausmalung der Kirche stark an die Göttinger Jacobikirche. Und warum stehen überall zwischen den Musikern Mikrofone?

Als der Schauspieler Stefan Wiefel vortritt und uns Anwesende begrüßt, stelle ich fest, dass ich mich beim ersten Konzert des "Krönungszyklus" der Göttinger Händelfestspiele befinde. "Herrschaftszeiten" schießt es mir durch den Kopf, "wie konnte ich mich nur um dreihundert Jahre verschätzen?"

Unser Erzähler des Abends unterbricht mich: "Heute erleben Sie hier ein bedeutendes Ereignis, ganz großes Kino würde man heute sagen." "Na endlich" denke ich, musste ich doch gestern im Oratorium "Joshua" darauf verzichten. Ein Bote aus dem Knabenchor bringt unserem Zeremonienbeister eine schriftliche Nachricht - der König ist an der Kirche eingetroffen. Schnell wird noch mit uns der Ausruf "Long live King George" eingeübt, der an entsprechender Stelle im Verlauf des Gottesdienstes anzubringen sein wird.

Was am Freitag Abend in der Göttinger Jacobikirche geboten wurde war mehr als großes Kino. Es war erlebbar gemachte Geschichte und Musikgeschichte. Der Musikwissenschaftler und Zinkenist Arno Paduch hat die Musik zur Krönung Georg I. nach Originalquellen rekonstruiert. Das Ergebnis ist erstaunlich und erfreulich zugleich. Wie Paduch in der Werkeinführung vor dem Konzert bemerkte, war die Legitimation Georgs alles andere als sicher und die Opposition in England groß. Deshalb stellte er sich beispielsweise mit seiner Krönungszeremonie in eine ältere Tradition, ließ einige Details ändern und betonte, dass die alles auf die protestantische Tradition vor 1685 - hier wurde der später verjagte katholische König James II gekrönt - zurückgehe.

So wird verständlicher, warum die dargebotenen Anthems bis auf eine Ausnahme älteren Datums sind und bis tief ins 16. Jahrhundert zu Thomas Tallis zurückgehen. Auffallend schlicht und doch ausdrucksstark, und durchweg mit dem richtigen Gespür für schöne Chorsätze, so präsentiert sich die Musik zu Georgs Krönung - allein stehend vielleicht etwas unspektakulär, aber im Kontext dieses rekonstruierten Gottesdienstes zu voller Wirkung gebracht. Wieder einmal zeigt sich, wie Kirchenmusik aus dem inhaltsfreien Kontext des Konzerts befreit und in ihre eigentlich Funktion gesetzt doch eine viel größere Aussagekraft bekommt. Aus dieser Reihe schlichterer Musik schert das einzige für die Krönung Georgs neu komponierte Werk aus: Das Anthem "The Lord is a sun and a shield" von William Croft, der als Hofkapellmeister auch die musikalische Leitung der Zeremonie hatte. Hier zeigt sich mit der Mehrsätzigkeit und dem eigenständig agierenden Orchester die Richtung, in die sich die Krönungsmusiken bei Händel entwickeln werden.

Und so war es dann auch dieses Anthem, das dem ansonsten wunderbar begleitenden Orchester "Musica Alta Ripa" die Möglichkeit gab, sich zu präsentieren. Wer diese Musiker kennt, weiß, dass ihnen das hervorragend gelang. Den Chorpart des Abends - und damit eigentlich den ganzen
musikalischen Teil - übernahmen der Göttinger Knabenchor und der Knabenchor Hannover. Deren beide Leiter Michael Krause und Jörg Breiding hatten das umfangreiche Programm sorgfältig vorbereitet und so konnten die Knaben mit ihren klaren Stimmen und der hohen Konzentration auf das präzise Dirigat Jörg Breidings der Authentizität der Rekonstruktion noch das i-Tüpfelchen aufsetzen. Auch die solistischen Leistungen, die bis auf den Altus, der souverän von Henning Voss übernommen wurde, aus dem Chor besetzt waren, konnten restlos überzeugen. Besonders erwähnt werden muss der leider namentlich unbekannte Vorsänger, der in Tallis' Fürbitten-Litanei "O God, the Father of heaven" die oft schier endlosen Bitten auf dem immer gleichen Rezitationston sang ohne sich nur im geringsten anmerken zu lassen, wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist.

Durch den ganzen Abend führte der Schauspieler Stefan Wiefel. Teils in wohlformulierten eigenen Worten, teils aus Originalen Berichten deutschsprachiger Teilnehmer der Krönung zitierend beschrieb er bildlich, sodass sich jeder Besucher die Situation genau vorstellen konnte, den ganzen Ablauf der Zeremonie zwischen der Musik. Die Jacobikirche ist zwar deutlich kleiner und, vor allem wenn sie wie an diesem Abend voll bestuhlt und ausverkauft ist, mit weniger Nachhall gesegnet als Westminster Abbey, doch ein Blick auf den zur Festtagsseite geöffneten und somit golden strahlenden Altar brachte den passenden optischen Eindruck von Prunk und Festlichkeit.

Das Gloria in der Vertonung von Thomas Tallis beendet keineswegs prunkvoll und schwülstig, sondern würdevoll und andächtig diese große Zeremonie, bevor die Trompeten wieder mit Fanfarenakkorden ausziehen.

Zum anschließenden Krönungsbankett in der Westminster Hall bin ich als einfacher Schreiberling des Grafen Wortmann zu Göttingen nicht mehr eingeladen. Doch das kann meine tief beglückte und berührte Seele nach dieser erhebenden Zeremonie genauso wenig trüben wie die Tatsache, dass
ich, obwohl ich doch eigentlich recht weit vorn in der Kirche meinen Platz fand, keinen einzigen Blick auf den neu gekrönten König erhaschen konnte.

Großes Kino in der Jacobikirche? Nein, das war kein Kino! Ich war doch mitten drin! God save King George!

Das Konzert wurde von NDR Kultur aufgezeichnet und wird am 29. Juni 2014 um 11 Uhr gesendet.

Erschienen in der Kategorie Händel-Festspiele
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