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Premiere „Ein Monat auf dem Lande“ von Ivan Turgenev

Es könnte so sein wie jedes Jahr im Sommer, mit netten Gästen, Plauderstunden im Grünen und möglichst viel Ablenkung von der Langeweile. Die lauert unentwegt in Ivan Turgenevs Schauspiel „Ein Monat auf dem Lande“ und das weniger, weil das Nichtstun auf Dauer erschöpft. Es ist vor alle die Aussicht, dass alles immer so weitergeht zwischen den Paaren und denen, die sich noch Hoffnung machen auf einen Partner oder eine bedeutsame Veränderung in ihrem Leben. Doch in diesem Sommer versetzt der junge Lehrer, der für den Sohn des Hauses engagiert wurde, die Gemüter in Aufruhr. Endlich rumort in diesem Brutkasten aus Langeweile, stiller Panik und Überdruss, den Antje Thoms am Deutschen Theater inszenierte.

Man plaudert, spielt Karten und lässt Drachen steigen. Es passiert nicht gerade viel im Bühnenraum von Beni Küng, der die ländliche Enklave mit einer Bungalowkulisse, Panoramablick und mit einer Terrasse für die verabredeten Geselligkeiten ausgestattet hat. Freies Feld für Gutsherrin Natalja (Rebecca Klingenberg), die ihren Flirt mit dem langjährigen Hausfreund Michajlo Ratkin (Florian Eppinger) zelebriert. Hier kann Landarzt Spigelski (Paul Wenning) die Gesellschaft boshaft ironisch bei Laune halten, während sich Hausherr Arkadij (Andreas Jessing) bereits in die nächste handwerkliche Betriebsamkeit stürzt. Die Kartenrunde seiner Mutter Anna (Angelika Fornell), ihrer Gesellschafterin Lizaveta (Gaby Dey) und dem Deutschen Hauslehrer Saaf (Michael Frei) tangiert das nicht sonderlich, auch nicht den verschüchterten Nachbarn Afanasij (Lutz Gebhardt), bis sich ein nervöser angespannter Unterton in die täglichen Rituale einnistet. Natalja hat sich in den jungen Hauslehrer Aleksej (Florian Donath) verliebt, der ihren Sohn Kolja (Valentin Kühn) betreut. Den umschwärmt allerdings auch ihre Pflegetochter Verocka (Christina Jung) umschwärmt, ebenso wie das Dienstmädchen Katja (Felicitas Madl).

Fast schleichend verwandelt sich dieses ländliche laissez-faire Panoptikum in ein Schauspiel der Vermeidungsstrategien. Hier gibt niemand seine Gefühle so ohne Weiteres preis, schon gar nicht wenn das Arrangement aus Konventionen und Bequemlichkeiten dadurch gefährdet wird und es dann auch noch zu Eifersuchtsanfällen, Intrigen und Vorwürfen kommt. Doch die Sehnsüchte und die Enttäuschungen geben einfach keine Ruhe, wie sie sich nun in den Gesichtern spiegeln, den scheinbar spontanen Gesten und in der Sprache der Körper, selbst wenn die Rededuelle so gern etwas anderes behaupten möchten.

Antje Thoms hat in ihrer Inszenierung vor allem das Innenleben ihrer Figuren im Blick, wie sie an den Gitterstäben ihrer scheinbar beengten Lebensentwürfe rütteln, aber nie den Mut aufbringen würden, jetzt eine Ehekrise zu riskieren oder den Heiratsantrag von alternden, unattraktiven oder herrischen Bewerben abzulehnen. Zwischen Allen herrscht eine latente Spannung, einander nur nicht zu nahe zu kommen, besonders nicht mit dem Wunsch, aus den Verhältnissen auszubrechen und vielleicht einen Fluchtversuch zu wagen, um sich nicht nur für den Moment wieder lebendig zu fühlen. Der vermeintliche Hoffnungsträger wird hier zur idealen Projektionsfigur, weil ihn Florian Donath wie ein unbeschriebenes Blatt spielt. Als freundlich, aufmerksamen Zeitgenossen, der sich auch weiter keine Gedanken macht über die emotionalen Befindlichkeiten seiner Umgebung und nach all den Verwirrungen einfach wieder sein Bündel schnürt.

Thoms zoomt diese Spannungsverhältnisse mit ihrem Schauspielteam ganz nah heran, so dass auch die Verzweiflung spürbar wird, die hinter all den charmanten, boshaften und beschwichtigenden Plaudereien lauert. „Das Gefühl für Dich erregt mich nicht“ lässt die verliebte Gutsherrin ihren Hausfreund Michaijlo wissen. Schon in diesem Satz steckt die ganze Verzweiflung, die Rebecca Klingendorf in ihrer Figur immer wieder aufspürt. Dass es zum wahnsinnig werden ist mit diesem Leben, dass allen Komfort bietet und sogar einen toleranten Ehemann, wenn das Herz nicht mehr spontan klopft sondern nur noch dröge pulsiert. Dann spielt es auch keine Rolle mehr, dass Sommerflirt ehrlich verliebt ist und nun den Rückzug antritt. Vor lauter Eifersucht wird nun die Pflegetochter des Feldes verwiesen und in die gleiche Beengtheit getrieben. Auch das ist einer der bewegenden Momente an diesem Theaterabend, wenn Christina Jung beschreibt, wie ein naiver neugieriger Teenager einfach verkümmert und als junge Frau eigentlich nichts mehr vom Leben erwartet.
Turgenevs ländliche Gesellschaft jammert auf hohem Niveau. Das macht sie vielleicht nicht sonderlich attraktiv für einen Theaterabend, auch weil der Dramatiker hier keinen politischen Kontext zum russischen Feudalsystem und ihren Nutznießern herstellt. Aber es sind eben nicht nur satte saturierte Menschen, die hier an ihrer Langeweile und ihrem Überdruss laborieren und nach jeder sich bietenden Abwechslung greifen, sondern auch Zeitgenossen, die sich in ihrer Wohlstandsenklave verspekuliert haben und in dieser sensiblen Nahaufnahme nachdenklich stimmen. Vielleicht über ein gesichertes Setting, das seinen Preis hat, wenn dabei Neugier und Leichtsein abhandenkommen, und vor allem der Mut, mal eine Veränderung zu riskieren. Selbst wenn es dabei nur um ein bisschen Nähe und Offenheit geht und einen Alltag, der eigensinnige Wünsche und ihre Widersprüche aushält und von ihnen umso mehr belebt wird.

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater
Donnerstag, 02 März 2017 21:20

Ein Kampf um Liebe, Tod und Erlösung

Friedrich Hebbels Tragödie „Judith“ am Deutschen Theater

Dieser Mord an Holofernes ist nicht planbar. Mögen auch die Motive noch so sehr dafür sprechen, auf die sich Friedrich Hebbels Tragödienheldin „Judith“ stützt. Dass der mörderische Heerführer das jüdische Volk vernichten wird und Gott ihr den Auftrag erteilt hat, ihn zu töten. Auf der Bühne des Deutschen Theaters beginnt ein ebenso gewaltiges wie leidenschaftliches Kräftemessen zwischen einer Frau, die ihre Beweggründe unterschätzt, und einem lebensüberdrüssigen Gegner. Die Sehnsucht nach Liebe, Tod und Erlösung kollidieren in der Inszenierung von Matthias Kaschig, der mit Hebbels hoch komplexem Szenario auch das tragische Schauspiel von zwei einsamen Einzelkämpfern erforscht hat.

Der Geschichte der biblischen Judith mit ihrem heldenhaften Opfergang verweigerte sich schon Hebbel ganz bewusst. Er stellt die Machtfrage, die Judith und Holofernes beherrscht und wie beide verzweifelt darum ringen, endlich einen würdigen Gegner zu finden. An seinem wortmächtigen Stück, das auch Pathos und Emphase nicht scheut, fasziniert zunächst vor allem die analytische Wucht und wie Hebbel Jahrzehnte vor Freud die Seelenlandschaften seiner Figuren in all ihren Deformationen dramatisch diagnostizierte. Dass dabei auch Gefühle ins Spiel kommen, in denen die Lust, den anderen zu zerstören, gegen das Bedürfnis kämpft, sich ihm vorbehaltlos hinzugeben und damit endlich dem Leben.

Man könnte auch von einem dramatischen Labyrinth sprechen, dessen verwirrende Fäden Mattias Kaschig mit dem Schauspielteam aufgreift, auch mit dem Wissen, nicht alle Motivfäden enträtseln zu können. Die Tragödie ließe sich leicht als Geschlechterkampf verstehen, zugespitzt durch die politischen Umstände. Dass hier ein omnipotenter Feldherr auf die Unterwerfung seiner jüdischen Gegner dringt und der einzige Widerstand von einer Frau kommt, die ihm am Ende den Kopf abschlägt. Ein vermeintlich übermächtiger Gott scheint sich mit ihr ebenfalls in den Weg zum Sieg zu stellen. Aber auch das ist nur eine von vielen dramatischen Spuren, in die das kämpferische Paar nicht nur sein Publikum verwickelt, sondern alle anderen Figuren in dieser wahnsinnigen und verzweifelten Tour de Force.

Bühnenbildner Michael Böhler hat die Kampfzone mit kraterhaften Löchern versehen, in die jederzeit ein störrischer Zeitgenosse hinein gestürzt werden kann. Sandsäcke bilden ein Sofa, auf dem Holofernes posiert, wenn er nicht gerade unruhig seine Kreise zieht und ebenso spontan wie willkürlich mal wieder ein Todesurteil beschließt, um sich dann in ein Refugium aus hölzernen Bruchstücken zurück zu ziehen. Es wäre ein leichtes für Marco Matthes, hier einen bösartigen Wüstling auftreten zu lassen. Stattdessen legt er diese unmittelbar mehrdeutigen Spuren, die in dem Feldherrn bereits einen lebensmüden Zeitgenossen ahnen lassen, der sich hinter einemAusdruck von Langeweile tarnt, egal ob er nun herrisch aggressiv reagiert, einfach nur zynisch und gelegentlich auch larmoyant. In all dem Überdruss und der Langweile wütet auch etwas Verzweifeltes, das nach Erlösung sucht.

Ebenso widersprüchliche Zwischentöne verbindet Elisabeth Hoppe mit der Gestalt ihrer Judith. Und das nicht nur, weil die traumatische Eheerfahrung sie in die Rolle einer jungfräulichen Witwe gezwungen hat, in der der Kinderwunsch und das Bedürfnis endlich als Frau anerkannt und wahrgenommen zu werden, einfach nicht verstummen wollen. Auch in ihr lauert eine kaum zu bändigende Wut, die endlich raus will. Wie befreiend wirkt dann der Gedanke, es den schwächelnden Helden im eigenen Lager endlich mal zu zeigen - und das mit scheinbar göttlicher Rückversicherung. Sich dem gegnerischen Feldherrn anzubieten und dafür als Retterin ihres Volkes endlich Anerkennung zu finden, diese Sünde nimmt Hebbels Judith gern in Kauf. Schon der Gedanke daran hat etwas Berauschendes, das die Schauspielerin immer wieder für den Moment aufblitzen lässt.

Hellhörig macht hier auch Felicitas Madl als Dienerin Mirza, wie sie die Strategie ihrer Herrin durchschaut und dabei auch den Defaitismus, der ihre Argumente einfärbt. Auf beiden Seiten der Kampfzone spekulieren Bardo Boehlefeld, Benjamin Kempf und Nikolaus Kühn in wechselnden Rollen und Haltungen über das jeweils opportune Argument, das Judith und Holofernes in ihrem Kräftemessen zum endscheidenden Duell dann noch beflügelt.

Es ist grandioses Schauspiel, dem sich Elisabeth Hoppe und Marco Matthes hier stellen. Wenn sie mit Worten und Gesten auch die widersprüchlichen Gefühle unter Kontrolle bringen möchten, weil es dabei um mehr geht als um erotischen Schwingungen und die Lust, den anderen zu bezwingen, die in diesem verbalen Schaukampf ständig präsent sind. Die Frage, was sich dann hinter diesem hölzernen Verhau abspielt, will diese Inszenierung eine gemeinsame Liebesnacht oder die Fortsetzung eines Kampfes mit anderen Mitteln, will diese Inszenierung bewusst nicht entschlüsseln und lässt so auch ein letztes existenzielles Gefecht ahnen, dem sich dieses Paar hingibt. Auf dass es darin vielleicht für den Moment Erlösung findet.

Die Gestalt, die mit einem abgeschlagenen Kopf über die Bühne irrt, wird von ihrem Volk als Retterin gefeiert. Surreale Bilder erfasst ein Kameraauge im Kopf des Holofernes, der in den Armen einer gebrochenen Heldin ruht. Es irrlichtert entlang von Körpern und Gesichtern, während diese Judith zwischen Wahnsinn und absoluter Leere vergeblich nach Halt sucht. Sie hat ihre einzige Liebe ermordet. Auf göttlichen Beistand ist jetzt kein Verlass mehr und erst recht nicht auf Trost in diesem existentiellen Schauspiel, das nicht mit dem Schlussapplaus enden will weil es so nachhaltig aufstört und bewegt.

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater
Mittwoch, 23 November 2016 19:45

Ein Stück Leben bleibt dran hängen

Theodor Fontanes Romanadaption „Irrungen und Wirrungen“ auf der DT-2 Bühne

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater

„Mein Kampf“ George Taboris Farce am Deutschen Theater

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater

Am Sonntag erhielten die Schauspieler Felicitas Madl und Moritz Schulze den "DT Förderpreis" verliehe. Die Laudatio hielt Tina Fibiger. Der Text dieser Laudatio ist hier nachzulesen:

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater
Dienstag, 07 Juni 2016 10:17

Die Scham ist vorbei

Alpträume aus dem Deutschen Alltag in der DT Inszenierung „Die schöne Fremde“

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater
Donnerstag, 28 April 2016 05:32

Absturzgefahr auf dem Display

„Netboy“ auf der DT-2 Bühne

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater
Sonntag, 06 März 2016 23:34

Kalte Poesie

Premiere von Shakespeares „Romeo und Julia“ im Deutschen Theater

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater
Montag, 23 November 2015 15:25

Entzückend!

"Bleib doch zum Frühstück" im Deutschen Theater

Die Premiere des Stücks „Bleib doch zum Frühstück“, eine Komödie von Gene Stone und Ray Cooney unter Regie von Florian Eppinger, bot dem Publikum im Deutschen Theater wunderbar kurzweilige Abendunterhaltung im entspannten Rahmen des DT-X Kellers.

Als die junge, hochschwangere Türkin Leila aus ihrer WG fliegt, zieht sie kurzerhand bei Endvierziger Hans-Georg eine Etage tiefer ein und bringt sein geordnetes Leben gehörig durcheinander. Zwei Welten prallen aufeinander, der Kulturschock ist vorprogrammiert. Dabei werden natürlich alle Klischees bedient: Gefestigter aber verschrobener Beamter mit penibel geplantem Tagesablauf und tadellosen Manieren trifft auf unverschämte Türkin mit losem Mundwerk, akutem Geldmangel, eher unstetem Lebensstil und gänzlich fehlendem Sinn für Privatsphäre. „Türkenschlampe“ triff auf „notgeilen Rentnerwichser“, um es mit Leilas Worten zu sagen. Er ist korrekt, pünktlich und wirklich ein bisschen steif, sie sieht dem Leben ganz entspannt entgegen. Nur eben Spießer kann sie nicht ausstehen, „Vati, Mutti, Schatzi, Hundi, Audi – alles Scheiße“. „Entzückend“, kann Georg da nur immer wieder feststellen. Und als dann in der Nacht auch noch die Wehen einsetzen, geht das Chaos erst richtig los...

Trotz der humoristischen Grundnote, gibt es auch immer wieder ernste Zwischentöne. Denn letztendlich geht es auch hier um die großen Fragen des Lebens: Wer bin ich? Wo gehöre ich hin? Was ist Heimat? Was mache ich mit der Zeit, die mir gegeben ist? „Bleib doch zum Frühstück“ ist eine Komödie über die Zufälle des Lebens und die Kunst über den eigenen Schatten zu springen. Liebenswert und zum Schreien komisch. Selbst die Schauspieler können sich das Lachen manchmal nicht verkneifen.

Leider weist das Stück trotzdem ein paar kleinere Schwachpunkte auf. Einige Passagen haben durchaus ihre Längen und mancher Szene hätte es wohl gutgetan, wenn sie nicht ganz so gründlich ausgekostet worden wäre. Der dramatische Aufbau gleicht zudem einem Wellengang, mehrere Male hat der Zuschauer das Gefühl, den Höhepunkt des Stücks erreicht zu haben, obwohl das Spektakel noch lange nicht vorbei ist.

Dafür entschädigen jedoch die Schauspieler. Felicitas Madl (Leila Hamit), Ronny Thalmeyer (Hans-Georg Ralcke) und Frederik Schmid (als Nachbar Jimmy) bieten eine hervorragende Leistung. Besonders Ronny Thalmeyer als Hans-Georg spielt sich in die Herzen der Zuschauer. Mit großartiger Leichtigkeit verkörpert er, wie die korrekt funktionierende Beamtenmaschine zu einem lebensfrohen Mann aufblüht. Und nach einem etwas holprig wirkenden Start wachsen die Schauspieler auf der Bühne genau wie ihre Figuren zu einem richtigen Team zusammen und nähern sich auf wunderbar skurrile Weise einander an. Das Duo Madl-Thalmeyer entfaltet so ein großartiges Zusammenspiel, bei dem die bissigen Kommentare und trockenen Sticheleien nur so über die Bühne fliegen. Das Paar versprüht dabei unglaublich viel Spaß am Spiel, Charme und Sympathie. Und auch Frederik Schmid mimt in der Nebenrolle des Nachbarn den arroganten, selbstgefälligen Schnösel sehr überzeugend.

Insgesamt also wunderbare Unterhaltung: Teils bis ins Absurde gesteigerter Humor, manchmal mit ernstem Unterton, aber auch einfach urkomisch. Das Publikum war begeistert, der heitere Abend bleibt also in guter Erinnerung. „Entzückend“, würde Hans-Georg sagen.

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater
Sonntag, 28 Juni 2015 14:43

Staunt und zweifelt!

Verleihung des Nachwuchsförderpreises an Bardo Böhlefeld im Deutschen Theater

„Staunt und zweifelt!“ ruft Intendant Erich Sidler den jungen Schauspielerinnen und Schauspielern im Deutschen Theater zu. Es sind dies Bardo Böhlefeld, Benedikt Kauff, Felicitas Madl, Frederik Schmid und Moritz Schulze. Er macht ihnen Mut, diesen „schönsten aller Berufe“ weiter engagiert auszuüben und sich in jeder Rolle stets neu zu erfinden. Diejenigen von den fünf Nominierten, die den Preis in diesem Jahr nicht erhalten haben, möchte er keine „Trostrede“ halten. Sie dürfen zwar jetzt enttäuscht sein, aber müssen ihr Talent weiter entfalten. Für jeden hatte er noch einige sehr persönliche Worte gefunden, die für die kommende Spielzeit Mut machen sollten.

Den Preis hat der Förderverein des Deutschen Theaters in diesem Jahr dem Schauspieler Bardo Böhlefeld verliehen. Tina Fibiger hielt die Laudatio auf den in Rom geborenen Böhlefeld, der in Göttingen seine erste feste Anstellung in einem Ensemble hat. Den Text ihrer Ansprache können Sie hier komplett nachlesen. Zu Beginn ihrer Ansprache war die Entscheidung der Jury noch nicht bekannt. Und Fibiger hielt die Spannung noch lange aufrecht. Als sie den Namen des Preisträgers erstmals nannte, gab es lautstarken Beifall – und das nicht nur vom Publikum im DT Keller, sondern auch von den Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls für diesen Preis nominiert waren.

Und weil die Preisträgerentscheidung so geheim gehalten worden ist, wusste auch Vanessa Czapla nicht, wer es sein wird. So sang sie ihren Förderpreis-Song auf alle fünf Kandidatinnen und Kandidaten. „You are the top“ titelte sie ihren Song, in dem alle Stücke und viele Rollen der Kandidaten vorkamen.

Florian Eppinger las nach der Preisverleihung einen Text aus dem Jahr 1998 vor. Josef Bierbichler erhielt damals den Gertrud-Eysoldt-Ring und widmete sich in seiner Dankesrede dem Thema „Engagement und Skandal“. Wie aktuell Bierbichlers Provokationen heute noch sind, war während Eppingers Vortrag deutlich zu spüren.

Zuvor gratulierte der stellvertretende Vorsitzende des Fördereins, Werner Tönsmann, dem Vorsitzenden Harald Noack nachträglich zum 70. Geburtstag. „Das wollte ich eigentlich geheim halten“, äußerte Noack. So recht glauben wollte das aber niemand…
Am Ende der kurzweiligen Feierstunde holte Erich Sidler noch einmal Vanessa Czapla nach vorne. Sie wird das Ensemble verlassen und nach Saarbrücken gehen. Nun flossen doch noch Tränen, nachdem Bardo Böhlefeld seine Dankesworte mit der Aussage begann „Ich werde jetzt nicht in Tränen ausbrechen.“
Der Förderpreis ist mit 2.000 Euro dotiert. Böhlefeld rief seinen Mitstreitern zu: „Dieser Preis ist auch für Euch!“

Erschienen in der Kategorie Deutsches Theater
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