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Sonntag, 25 Juni 2017 08:56

Kein virtuoses Schaulaufen

„Stars von Morgen“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester in der Stadthalle

Erschienen in der Kategorie Rezensionen
Donnerstag, 22 Juni 2017 07:27

Musikalische Poesie pur

Perspektive Zentralasien - Kulturelle Begegnungen mit dem Göttinger Symphonie Orchester

Erschienen in der Kategorie Rezensionen
Montag, 29 Mai 2017 11:38

Erfolgreich den Schatz gehoben

Haydns Oper „Orfeo ed Euridice“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester in der Stadthalle

Erschienen in der Kategorie Händel-Festspiele

Heute mit Hans Kaul zu „Beyond Doubt: Lotario“ und Andreas Düker über „Fairy Queen“  

Viele hoch dramatische Motive lassen sich in diesem Jahr bei den Internationalen Händel Festspielen unter dem Motto „Glaube und Zweifel“ erkunden. Das Festival Team hat dabei natürlich das Reformationsjubiläum im Blick. Aber neben Glaubensfragen geht es auch in Opern und Oratorien vor allem um Macht- und Herrschaftsansprüche und individuelle Überzeugungen, die in den musikalischen Bildern anklingen. Darauf möchte Sie das Kulturbüro auch mit dem Podcast „Händel Exkursionen“ einstimmen. Wir flanieren täglich durch das Festivalprogramm mit Künstlergesprächen und Tipps für Aufführungen und Konzerte.

Erschienen in der Kategorie Händel-Podcast

Heute mit Christoph-Mathias Mueller über die Haydn-Oper „Orfeo ed Euridice“

Viele hoch dramatische Motive lassen sich in diesem Jahr bei den Internationalen Händel Festspielen unter dem Motto „Glaube und Zweifel“ erkunden. Das Festival Team hat dabei natürlich das Reformationsjubiläum im Blick. Aber neben Glaubensfragen geht es auch in Opern und Oratorien vor allem um Macht- und Herrschaftsansprüche und individuelle Überzeugungen, die in den musikalischen Bildern anklingen. Darauf möchte Sie das Kulturbüro auch mit dem Podcast „Händel Exkursionen“ einstimmen. Wir flanieren täglich durch das Festivalprogramm mit Künstlergesprächen und Tipps für Aufführungen und Konzerte.

Erschienen in der Kategorie Händel-Podcast

Konzert mit dem Bariton David Wakeham unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller

Tragische Liebesgeschichten wie die von Romeo und Julia faszinieren auch in ihrer musikalischen Ausdeutung. Das gilt ebenfalls für das berühmteste Liebespaar der Antike, Orpheus und Eurydike, dem das Göttinger Symphonie Orchester mit Joseph Haydns musikalischem Drama anlässlich der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen einen Opernabend widmet. Als Einstimmung auf die dramatischen Klangbilder hatte Christoph-Mathias Müller Werke von Berlioz, Mahler, Fomin und Strauss für das 5. Konzert im Philharmonischen Zyklus II zusammengestellt. Mit expressiven und poetischen Klangbildern über die Welt der großen Gefühle, wie sie das mythische Liebespaar und Shakespeares jugendliche Träumer bewegten.

Das Leitmotiv „Verklärung“, mit dem das Konzert in der Göttinger Stadthalle überschrieben war, knüpft unmittelbar an das Spielzeitmotto „Sehnsucht und Verklärung“ an, die ja auch das Thema Hoffnung anspricht oder die Frage der Glücksvisionen, auf die die beiden Paare vergeblich vertrauen. Umso mehr bezaubern diese Visionen zunächst in Hector Berlioz Symphonie dramatique „Romeo et Juliette“. Nach der Ouvertüre, in der Hörner und Posaunen das Duell der verfeindeten Familien Capulet und Montague dramatisch forcieren, wird die Liebesszene zum poetischen Sehnsuchtstableau. Aus der Tiefe des Raumes flüstern die Geigen das zarte Aufblühen der Gefühle herbei und werden darin von den Klarinetten und den Celli beflügelt. Es ist ein filigranes Klangbild, das Mueller hier mit den Musikern webt, mit all den Stimmen, von Herzklopfen, Scheu und Zuversicht, die immer wieder in Momenten von Andacht verweilen, wo die Stimmen einander zu bestaunen scheinen.

Die romantische Schwärmerei erfährt ihre tragische Erdung in Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“, der sein Liebesleid und sein zertrümmertes Seelenleben beklagt und auf seiner Wanderung ein trostreiches Echo herbei sehnt. Die inneren Zerreißproben seines Wanderers und sein existenzielles Ringen zwischen Leben und Tod verwandelt Bariton David Wakemann in einen Sturmlauf mit großem Pathos, als sei Mahlers verzweifelter Geselle in eine Wagner Oper geraten und müsse jeden Gedanken an eine lyrische Emphase wegblenden.

Dramatisch bewegend entfaltet sich auch Jewstignej Formins Suite aus seiner symphonischen Dichtung über Orpheus und Eurydike. Sie besänftigt zugleich den pathetischen Aufruhr, den Mahlers Lieder hinterlassen haben, wenn die Musiker mit der temperamentvoll anmutenden Ouvertüre eine Welt der stürmischen Leidenschaften beschreiben. In der darf die die Idee von der Leichtigkeit des Seins zwischen all den Gefühlstürmen und Bewegtheiten auch gern ein bisschen mitschwingen. Mit der Aussicht auf ein Adagio der zarten musikalischen Wellenbewegungen, wo die Klarinetten dem Ruf der Hörner an einen idyllischen Sehnsuchtsort beschwören, an den sich mit dem „Tanz der Furien“ ein musikalisches Gewitter anschließt. Götter, Geister und Dämonen und wie sich das antike Liebespaar heimsuchen, erscheinen in wunderbar expressiven Klangbildern.

Zu gewaltigen Eruptionen kommt es auch in der Tondichtung von Richard Strauss, der in „Tod und Verklärung“ auch an die Alptraumvisionen Goyas denken lässt und wie der Maler in seinen Zeichnungen Todesängste und Todeskämpfe zu reflektieren und zu bannen suchte. Doch Mueller lässt die Projektionsfalle nicht zuschnappen, die in den dramatischen symphonischen Verwerfungen lauert. Natürlich bewegt dieses expressive Klanggemälde auch emotional, wenn man dabei Motive von Krankheit, Fieberwahn, Todeskampf und Erlösung assoziiert, wie sie auch im Programm genannt werden. Aber nicht zuletzt verführt der Titel „Tod und Verklärung“ zu einer Deutung des Werkes, indem es an existenzielle Dimensionen rührt. Verklärung des Todes könnte es ebenso heißen und bewegt an diesem Abend gleichwohl als musikalischer Bildersturm der dramatischen Kontraste. Wie sich die Instrumente wechselseitig bestürmen und wie um jeden Ton leidenschaftlich gerungen wird. Auch für die Visionen eines gemeinsamen harmonischen Sehnsuchsortes fernab der Dissonanzen des Daseins.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Symphonie Orchester
Mittwoch, 19 April 2017 18:35

Ein roter Faden mit dem Schweizerkreuz

Die Abschiedssaison von Christoph-Mathias Mueller mit dem Göttinger Symphonie Orchester

In seiner letzten Spielzeit-Pressekonferenz stellte Generalmusikdirektor Christoph-Mathias Mueller das Programm des Göttinger Symphonie Orchester der nächsten Saison vor. Dieses Programm ist vielleicht Muellers persönlichstes, denn es beinhaltet zahlreiche sehr persönliche Komponenten.

Mueller hat und pflegt zahlreiche Kontakte und Freundschaften zu Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt. Und so kommt es, dass immer wieder große Stars zu Gast in Göttingen waren. In der letzten Saison von Christoph-Mathias Mueller geben sie sich geradezu die Klinke in die Hand: Pianist Radu Lupu (13. April), Klarinettist Dimitri Ashkenazy (27. Oktober), die Sopranistin Simone Kermes („La Kermes“ am 25. Mai), Mandolinen-Spieler Avi Avital (31. Mai) – um nur ein paar Beispiele zu nennen. „Es ist überhaupt keine Selbstverständlichkeit, dass solche Persönlichkeiten nach Göttingen kommen“, betont Mueller nicht ohne Stolz. Die persönlichen Beziehungen, aber auch die Qualität und Menschlichkeit im Orchester sind der Grund für die zum Teil langjährigen Freundschaften. Wie zum Beispiel die mit dem Trompeter Reinhold Friedrich, der das GSO nach Bückeburg begleiten wird, wo der dortige Kulturverein 70jähriges Jubiläum feiert und das Orchester eingeladen hat.

Eine weitere sehr persönliche Leidenschaft von Mueller ist sein Interesse an Neuer Musik. Das Göttinger Publikum habe diese Leidenschaft aktiv mitgetragen, betont Mueller. Und so überrascht es nicht, dass eine Uraufführung auf dem Programm steht: der Schweizer Komponist Gérard Zinsstag widmet sein neues Klavierkonzert dem GSO-Chef, zu hören ist das Werk am 30. September.

Gar nicht so neu ist die Musik von Alexander Weprik. Als bekannt kann man die symphonische Musik des russischen Komponisten (1899-1958) dennoch nicht bezeichnen. Die von ihm im Gulag erlittenen Folterungen und Entbehrungen führten nicht nur zu seinem vorzeitigen Tod, sondern auch zur Verdrängung des Komponisten aus dem Musikleben. Mit einem Sonderkonzert am 2. September, das Mueller selbst als einer der Höhepunkte der Saison bezeichnet, soll diese „großartige Musik“ (so Mueller) dem Vergessen entrissen werden.

Eine große Klammer bildet das Werk von Gustav Mahler: im September 2005 stellte sich Mueller dem Göttinger Publikum mit der 5. Symphonie des österreichischen Komponisten vor. In diesem Jahr reizte der Dirigent mit der Aufführung der 3. Symphonie die Kapazitäten der Göttinger Stadthalle aus – und sein letztes Konzert in Göttingen wird die Aufführung der 2. Sinfonie, der „Auferstehungssymphonie“ am 29. und 30. Juni 2018 sein.

Typisch Mueller – ist dieses Konzert auch ein Beispiel für eine weitere Leidenschaft: immer wieder hat Mueller Kooperationen gesucht und gepflegt: zur Universität natürlich, aber auch zu den beiden großen Kantoreien, die bei diesem Konzert beide mitwirken. Und erstmals gibt es eine Kooperation mit dem Symphonieorchester Thorn. Seit 40 Jahren gibt es die Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt und erstmals diese Kooperation der beiden Orchester. Außerdem sind an den Abenden Lin Lin Fan (Sopran), Ingeborg Danz (Alt) und Samuel Hasselhorn (Bariton) zu hören. Vorweggeschickt wird Mahlers Symphonie das „Stabat Mater“ von Karel Szymanoswki, in dem der Komponist sich musikalisch auf seine slawischen Wurzeln besinnt, gleichzeitig aber auch im zweiten Satz Carl Orffs „Carmina burana“ vorwegnimmt.

Eine ganz persönliche Note zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison: ein roter Faden mit dem Schweizerkreuz. Die Uraufführung von Gérard Zinsstag, mit dem Mueller schon seit 1996 verbunden ist, ist bereits genannt. Ein Gastspiel des GSO in der Schweiz folgt im Sommer, wo das Orchester auf Initiative ihres schweizer Dirigenten zum Festival nach Murten eingeladen worden sind. „Ich weiß ja, wie gerne die Orchestermusiker in die Schweiz reisen. Die Schweiz ist ein schönes Land, wie wir alle wissen.“ Und hat zudem auch ihre eigene Kultur, weshalb ein eigener Abend im Rahmen der Reihe „Kulturelle Begegnungen“ dem Heimatland Muellers gewidmet ist. „Da darf natürlich das „Schwyzerörgeli“ nicht fehlen“, betont Mueller. Man darf auf die Arrangements von diesem speziellen Akkordeon mit einem Symphonieorchester gespannt sein.

Das Saison-Motto „Neue Ufer“ beinhaltet aber auch viel Neues: es kommen Künstler, die noch nicht in Göttingen aufgetreten sind. Zum Beispiel einige Dirigenten, die als Gast das Orchester dirigieren werden. „Der Grund ist ja allen klar“, kommentiert Mueller den Grund, dass er selbst zunächst nicht so häufig am Pult stehen wird.

Mit diesem Programm verabschiedet sich Mueller nach 13 Jahren aus Göttingen. Wehmut soll allerdings nicht aufkommen. „Deshalb habe ich den Abschied an den Anfang gelegt: Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ (mit Cécile van de Sant) eröffnet den Philharmonischen Zyklus I am 30. September. Der sechste und letzte Satz heißt „Der Abschied“.

„Um mich müssen Sie sich keine Sorgen machen“, meinte Christoph-Mathias Mueller gut gelaunt auf die Frage, wo denn seine neuen Ufer künftig zu verorten seien.

Das Saisonprogramm finden Sie als Spielzeitheft an vielen Stellen der Stadt, das Programm selbst schon bald hier auf den Seiten des Kulturbüros.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Symphonie Orchester
GSO-Serenade mit Igor F. Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“ -

Wer Stillleben mag, wird auch dieses Stück mögen.

Auf einfache Weise erzählt es, was alle Welt doch weiß: Begehre nicht mehr, als Du bereits hast. Jeder verändert sich im Laufe der Zeit. Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück.

Die Lehre ist alt – beherzigen jedoch scheinen die Menschen sie wenig, sonst wäre es nicht immer wieder in allen Formen in Kunst oder Religion gegossen worden. Ein Vanitas-Bild in Tönen also ist Igor Strawinskys Musiktheaterwerk „Die Geschichte vom Soldaten“. Das 1917 nach einem Text von Charles-Ferdinand Ramuz (Übersetzung H. Reinhardt) in der Schweiz entstandene und uraufgeführte Stück hat mit dem damals noch tobenden Weltkriege nichts zu tun, sondern basiert auf zwei russischen Märchen aus der Sammlung A. Afanassjews. Gleichwohl hinterließ der Krieg seine Spuren: Beschränkungen für das Kulturleben sind verantwortlich für die Besetzung des Wanderbühnenstücks. Ein Vorleser, zwei Schauspieler, eine Tänzerin und sieben Instrumente.

Die Beschränkungen der heutigen Zeit sorgen an diesem Abend für weitere Reduktionen. Aus den drei Sprechrollen wird flugs eine (Peter Christoph Scholz (JT)), die Rolle der Prinzessin (Tänzerin) überlässt man „der Fantasie des Publikums“, wie der Programmzettel verkündet. Tempi passati. Klarinette, Fagott, Kornett, Posaune, Schlagwerk, Violine und Kontrabass werden Gott sei Dank nicht der Phantasie überlassen, sogar der Chef, Christoph-Mathias Mueller, selbst steht am Pult.

Ein Soldat auf dem Rückmarsch tauscht seine Geige mit Teufel gegen ein Buch, welches großen Reichtum verspricht. Wir ahnen, das wird etwas kosten und so ist es: Er verliert Zeit und Liebe; wird reich, aber unglücklich. Später, in fernem Lande, wünscht er die kranke Prinzessin durch sein Geigenspiel zu heilen. Er entwindet durch List dem Teufel das Instrument – heilt die Prinzessin, sie werden ein Paar, doch seine Heimat kann er dafür nicht mehr betreten. Am Ende wagt er es dennoch und wird vom Teufel bereits erwartet.

Eine Stunde dauert dieses Werk. Die gut einhundert Hörer/innen im Alten Rathaus sind sichtlich angetan, anders ließe sich der kräftige, langanhaltende Applaus nicht erklären. Uns ergeht es nicht anders – zu gut ist das Werk; zu gut wird es aufgeführt.
Peter Christoph Scholz trennt die Rollen Vorleser/Teufel/Soldat durch Stimmton deutlich, doch nicht übertrieben: Dem Wechsel zwischen den Rollen lässt sich somit gut folgen. Die Tänzerin vermissen wir natürlich, hier ist eben die Phantasie gefragt. Am musikalischen Teil gibt’s nix zu vermissen. Glasklar stehen Rhythmus, Artikulation bei den vielen Märschen im Raum. Da wackelt nichts, ist schneidend scharf wie ein frisch abgezogenes Messer. Die technischen Schwierigkeiten – sie mehren sich im letzten Drittel des Abends – werden souverän gemeistert. Bläser und Violine sind ein wenig mehr als Bass/Schlagwerk gefordert, doch sorgen letztere für die nötige Unerbittlichkeit im Bereich Rhythmus. Schön zu sehen, wenn am Ende – das Schlagwerk allein bleibt übrig – das Dirigat auf das Können des Musikers vertraut und gelassen aufs Taktdurchschlagen verzichten kann.

Die „Drei Tänze“ (Tango, Walzer, Ragtime) sind sicherlich der musikalische Höhepunkt, doch der innigste Teil bleibt der „Große Choral“: Über dem Klangflächengeschrummel der beiden Streicher - zwischen die Choralstrophen der Bläser geschoben - erklingt die Moral „Man soll zu dem, was man besitzt, begehren nicht, was früher war. Man kann zugleich nicht der sein, der man ist und der man war. Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück.“
Amen.

Klarinette: Manfred Hadaschik
Fagott: Ömür Kazil
Kornett: Tobias Lehmann
Posaune: Roman Usenko
Schlagwerk: Johannes Karl
Violine: Natalia Scholz
Kontrabass: Holger Michalski
Sprecher: Peter Christoph Scholz
Leitung: Christoph-Mathias Mueller

Erschienen in der Kategorie Konzert im Alten Rathaus
Sonntag, 02 April 2017 16:59

Dirigent und Orchester trumpfen auf

Eugene Tzigane, Henriette Bonde-Hansen und das Göttinger Symphonie Orchester beim Promenadenkonzert in der Stadthalle

Promenadenkonzerte haben ihren inhaltlichen Schwerpunkt üblicherweise in leicht zugänglichen, heiteren Programmen. Dieser Tradition folgt auch das Göttinger Symphonie Orchester in seinem Zyklus „Promenade“. An dem Abend mit dem Motto „Ich bin verliebt“ erklangen Arien und Orchesterwerke von Otto Nicolai, Franz Lehár, Richard Strauss und Antonín Dvořák. Als Gäste waren die dänische Sopranistin Henriette Bonde-Hansen und der amerikanische Dirigent Eugene Tzigane eingeladen.

Tzigane war bereits in der vergangenen Saison als Gastdirigent in Göttingen (siehe hier die Besprechnung im Kulturbüro). Wie schön, dass die Hoffnung aus dem letzten Jahr, Tzigane möge bald wiedereinmal in Göttingen dirigieren, sich so bald erfüllt hat. Schon damals überzeugte der junge Dirigent (Jahrgang 1981) mit unglaublich präzisem Dirigat und starker Ausdruckskraft.

Was mit der Ouvertüre zu „Die lustigen Weiber von Windsor“ spielerisch leicht begann, entwickelte sich später zu einem rasanten Feuerwerk. Zunächst aber betrat die „dänische Nachtigall“ (so Tzigane in seiner Moderation) Henriette Bonde-Hansen die Bühne. Sie sang Sonjas Lied „Einer wird kommen“ aus Lehárs Operette „Der Zarewitsch“. Man konnte Bonde-Hansens Qualität, die ihren Weltruf begründet, durchaus erahnen. Die Akustik der Göttinger Stadthalle machte dem Genuss aber ein klein wenig ein Strich durch die Rechnung: der Klang der wunderschönen Sopranstimme verlor sich schnell im großen Saal; auch war in keiner Weise hörbar, in welche Sprache die Arie gesungen wurde. Auf Dänisch vielleicht? Als ob an dem Abend bewiesen werden sollte, dass eine Rundum-Sanierung der Stadthalle auch aus künstlerischer Sicht wirklich notwendig ist.

Dasselbe galt auch für „Ich bin verliebt“ aus der Operette „Schön ist die Welt“. Eugene Tzigane bereitete mit dem Göttinger Symphonie Orchester den Teppich aus, auf dem Henriette Bonde-Hansen die schönen Melodien präsentieren konnte. Zum Dahinschmelzen!
Im Slawischen Tanz Nr. 2 von Antonín Dvořák konnten Dirigent und Orchester zeigen, was in ihnen steckt: Tzigane bildte große Bögen, variierte Tempo und Dynamik und gab so den Musikern die Möglichkeit, Klangfülle und Emotionen zu entfalten.

Hoch emotional wurde es bei den Liedern von Richard Strauss. Dass Bonde-Hansen statt der vier angekündigten nur drei der Lieder erklingen ließ, verschmerzte das Publikum schnell. Denn nach dem großen Beifall erklang als Zugabe die berühmte Arie „An den Mond“ aus der Oper „Rusalka“ von Dvořák.

Ausgelassen ging es nach der Pause mit Dvořák weiter: in der Karneval-Ouvertüre zeigte Eugene Tzigane sein Temperament. Das Orchester folgte der Einladung gerne und setzte hier und da auch solistische Glanzpunkte. Erwähnt seien hier Viorel Bindila am Englisch Horn oder Wojtek Bolimowski an der Violine.

Zum krönenden Abschluss eines unterhaltsamen und gelungenen Abends erklang „Das goldene Spinnrad“. Spontan ließ Tzigane einige Motive von den Instrumentalisten vorspielen. Denn in der märchenhaften Geschichte, die ein wenig an den „Aschenbrödel“-Stoff erinnert, hat jede Figur ihr eigenes Motiv. Dirigent und Orchester trumpften noch einmal großartig auf.

Schon mit dem obligatorischen Blumenstrauß in der Hand entschied sich Tzigane, die vorbereitete Zugabe. Den Slawischen Tanz Nr. 8 konnte Tzigane aber auch mit einer Hand dirigieren. Bestens gelaunt servierte das Orchester diesen wilden, mitreißenden Tanz mit dem symptomatischen Rhythmus.

Auch dem Chefdirigenten Christoph Mathias Mueller hat der Abend gefallen – begeistert applaudierte auch er von seinem Platz im Rang. Es ist sicher keine Fehlinterpretation, wenn man das Konzert als ein Bewerbungsdirigat von Eugene Tzigane bezeichnet. Sollte er das Rennen machen und Muellers Nachfolge antreten, könnte man ihn noch häufiger in Göttingen hören. Das wären keine schlechten Aussichten!

Erschienen in der Kategorie Göttinger Symphonie Orchester
Sonntag, 19 März 2017 07:49

Musikalische Inselfreundschaften

Konzert im „Zyklus Wiener Klassik“ mit dem Göttinger Symphonie Orchester

Dass in Italien und in Frankreich was zu hören sei und in England was zu verdienen, hatte der Musikschriftsteller Johann Mattheson 1713 notiert. Für Johann Christian Bach und Carl Friedrich Abel sollte sich seine Ansicht später auch bestätigen. Die beiden Komponisten genossen die Gunst des Londoner Publikums zeitweilig auch sehr ertragreich. Das wäre auch Wolfgang Amadeus Mozart zu wünschen gewesen, dessen Inselträume sich nie realisieren sollten und erst recht Thomas Linley, dem einzigen britischen Vertreter beim zweiten Konzert das Göttinger Symphonie Orchesters in der Reihe Wiener Klassik.

Unter dem Motto „Mozart und England“ widmeten sich die Musiker mit Christoph Mathias Mueller diesen musikalischen Inselfreundschaften um Abel und Bach, Linley und Mozart, um dem Musikkritiker Mattheson auch ein bisschen zu widersprechen. Was es da alles zu hören gab und gibt im ehemals zahlungskräftigeren England und eben nicht nur im sonnigen Bella Italia und in den königlich französischen Kreisen. Zunächst eine charmante Ouvertüre mit viel Esprit aus der Feder des damals 19jährigen Thomas Linley Junior, die in heiteren Farben auf die komische Oper „The Duenna“ einstimmt. Im zweiten Satz scheinen die Bläser fast zu witzeln über diese Verwechselungskomödie mit den vielen Tarnmanövern, die am Ende gleich drei Paaren das ersehnte happy end beschert.

Das war dem Komponisten nicht vergönnt, den Moderatorin Dorothea Schröder in ihrer biografischen Skizze beschreibt. Das musikalische Wunderkind, das zunächst als Geigenvirtuose gefeiert wurde und schon bald mit seinem Vater gemeinsam komponierte, starb mit 22 Jahren bei einem Bootsunfall auf der Themse. Auch von der Begegnung zweier Wunderkinder in Italien berichtet Schröder, mit der Freundschaft zwischen Linley und Mozart, die in eine freundschaftliche Korrespondenz mündete.

Viele biografische Notizen ranken sich auch um die Inselfreundschaft wie sie Carl Friedrich Abel und Johann Christian Bach teilten, als erfolgreiche Komponisten und auch als Konzertmanger und als kreative Köpfe eines Künstlerkreises, der sie mit dem Maler Thomas Gainsborough besonders freundschaftlich verband. Weniger ausführlich hätte sich mancher Zuhörer die kenntnisreichen und sehr detaillierten Kommentare der Musikwissenschaftlerin gewünscht. Doch dann beschwingte das GSO mit Abels Es-Dur Symphonie, wie sie einst auch in den Londoner „Hanover Square Rooms“ erklang, straight forward in den melodischen Wendungen, schwungvoll und kurzweilig. Auch in Johann Christian Bachs B-Dur spüren Mueller und sein Orchester den besonderen Talenten des Komponisten und Konzertmanagers nach und wie er sein Londoner Publikum zu unterhalten wusste. Mit Motiven, die ebenfalls heiter und beschwingend anmuten, um dann eine elegante Wendung nehmen, die in ein kurzweiliges, charmantes Finale münden.

Mit Mozarts Konzert für Klavier und Orchester bekommt die musikalische Inselfreundschaft auch eine poetische Stimme, in die Esther Walker am Flügel sanft zum Leuchten bringt. Voller Anmut klingen selbst die dramatischen Motive des ersten Satzes und so ganz ohne virtuose Emphase, die dann in zarte, mitunter zerbrechlich wirkende Melodielinien münden, die die Pianistin zu einem intimen Klangkosmos verwebt. Es sind oft nur Momente, in denen die Motive dann dramatisch bewegend ausbrechen. Auch dann begegnen sich Klavier und Orchester wie freundschaftliche Gefährten, die auf den Klangraum ihres Gegenübers vertrauen, offen für all die Echos, die er bei ihnen auslöst. Es ist das gemeinsame für sich sein, das die Musiker in Mozarts Klavierkonzert hier bekunden. Auch als Widmung für diese ganz besonderen musikalischen Inselfreundschaften.

Erschienen in der Kategorie Göttinger Symphonie Orchester
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