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Montag, 24 April 2017 16:38

Wagner-Tuben? Niemand hat sie vermisst!

Das letzte Aulakonzert dieser Saison mit dem Ensemble Oxalys und der Mezzosopranistin Christianne Stotijn

Eine Bruckner-Sinfonie in der Universitätsaula? Bei der vom Komponisten vorgesehenen Besetzung gerät der ehrwürdige Saal an seine Grenzen – sowohl von der Kapazität als auch von der Akustik her gesehen.

Da kommt das Motto der diesjährigen Saison der Aulakonzerte „Zauberhafte Arrangements“ sehr entgegen. Denn für diese Sinfonie gibt es eine Fassung für kammermusikalische Besetzung. Auf die Initiative von Arnold Schönberg wurde 1918 in Wien der „Verein für musikalische Privataufführungen“ gegründet. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit und vor allem der Musikkritiker wurden exklusiv für die Vereinsmitglieder Aufführungen realisiert. Und weil die Mittel für ein großes Orchester fehlten, wurden die Werke bearbeitet. In diesem Fall haben das Hanns Eisler, Erwin Stein und Karl Rankl vorgenommen.

Beim letzten Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft waren die Vereinsmitglieder ebenfalls anwesend, aber die Öffentlichkeit war zugelassen, und die Musikkritiker ebenfalls – zum Glück! Eingeladen war das „Ensemble Oxalys“ aus Belgien.

Es ist erstaunlich, welche Klangvielfalt das zehnköpfige Orchester erzeugen kann. Das wurde bereits gleich zu Beginn des Werkes deutlich: zum Tremolo der natürlich nur einfach besetzten Geigen und der Bratsche setzten die Celli mit dem unglaublich lyrischen Thema des ersten Satzes ein. Die Celli? So klang es jedenfalls. Es spielte jedoch „nur“ Amy Norrington mit ihrem Cello, und das mit einem solch satten Ton, dass man mehrfach hingucken musste, ob es wirklich nur ein Instrument war. Szenenapplaus ist bei Konzerten klassischer Musik nicht üblich, angemessen wäre er gewesen. Genauso bei dem entrückend schönen Geigensolo (Shirly Laub) im zweiten Satz. Und nicht minder beeindruckend waren die Bläser mit Nathalie Lefèvre (Klarinette) und Anthony Devriendt (Horn). Wagner-Tuben? Niemand hat sie vermisst! Und was an Klangfarben im Orchester fehlte, wurde mit Klavier und Harmonium ergänzt.

Durch diese kleine Besetzung wurde der Charakter der Musik von Anton Bruckner besonders deutlich. Die unglaubliche Vielfalt an Melodien ließen die Musik auf die Zuhörer direkt einwirken. Damit ist nichts gegen die Originalversion der Sinfonie gesagt – aber dieses Arrangement hat seinen ganz eigenen Reiz.

Das setzte sich nach der Pause fort: das Orchester wurde noch etwas vergrößert: Flöte, Oboe, Fagott und Celesta gesellten sich dazu – und natürlich die Mezzosopranistin Christianne Stotijn. Denn auf dem Programm stand nun „Der Abschied“ – der letzte Satz aus dem „Lied von der Erde“ von Gustav Mahler. Diese „Symphonie mit Singstimme“ stellt die Einsamkeit des Menschen in den Mittelpunkt. Die von Mahler ausgewählten Texte chinesischer Lyrik von Hans Bethge waren dabei für den Komponisten eher Mittel zum Zweck: die menschliche Stimme ist eher als Farbe eingebettet in den Orchesterklang zu verstehen.

Hier wird die durchsichtige Besetzung mit dem Ensemble Oxalys zu einer besonderen Herausforderung, hat Mahler doch nicht nur nahezu kammermusikalische Passagen in seiner Symphonischen Dichtung komponiert, sondern auch kräftige Tutti, gewaltige Ausbrüche und Emotionen. Die Musikerinnen und Musiker setzten diese Effekte gekonnt ein – bis hin zu dem denkwürdigen Schluss.

Das gleiche gilt für Christianne Stotijn, die ihren Part sehr ausdrucksstark gestaltete. Bisweilen neigte sie zu Übertreibungen, die nicht recht in den Saal passten. Starkes Vibrato und große Schwere waren deplatziert. Angemessener wäre eine saubere Intonation und etwas Textverständlichkeit gewesen, so wie es von Stotijn in den lyrischeren Passagen zu hören war. Während im Orchester die ungeheure Dynamik des Stückes jederzeit gekonnt auf die Besetzungsgröße heruntergebrochen wurde, gelang der Solistin dieses nur streckenweise. Was ihr aber definitiv gelang, waren die Emotionen in Mahlers „Lied von der Erde“ und speziell in diesem letzten Satz „Der Abschied“ zum Ausdruck zu bringen.

Die sekundenlange Stille nach dem letzten Akkord zeigte die hohe Spannung, die Ensemblemitglieder mit der Sängerin erzeugen konnten.

Langanhaltender Applaus war der Lohn für diesen denkwürdigen Abend.

Und wer das „Lied von der Erde“ nicht nur in Gänze, sondern auch in Mahlers Originalfassung hören möchte, dem sei das 1. Konzert im Philharmonischen Zyklus I des Göttinger Symphonie Orchesters empfohlen: am 30. September singen Cécile van de Sant und Norbert Schmittberg unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller in der Göttinger Stadthalle.

Die Kammermusikgesellschaft startet bereits eine Woche früher in ihre neue Saison. Das Motto lautet dieses Mal „Geliebter Brahms – aus dem großen Reichtum seines Kammermusikwerks“. Den Beginn macht Carolin Widmann (Violine) und Alexander Lonquich (Klavier) am 24. September in der Aula der Universität.

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Dienstag, 21 März 2017 17:10

Eigernordwand mit Saiten

Aula am Wilhelmsplatz: Dover Quartet mit Beethoven, Barber und Mozart

Blick von Nikolausberg nach Süden – die Gleichen sind zu sehen; die Stadt liegt direkt vor einem hingegossen; zartes Grün durchzieht den Leinegraben und weiter flussabwärts stünde: Die Eigernordwand.

So (oder ähnlich) mag es derjenigen ergehen, welche die Große Fuge zum ersten Mal hört. Keine falsche Helden-/Werkverehrung. Und auch keine echte. Aber wahrlich, es ist ein Ton-Trumm, den der gute Ludwig van Beethoven 1825/1826 aufgeschichtet hat.

Gut besucht ist die Aula am Wilhelmsplatz auch beim vorletzten Konzert der Saison. Eine strenge Türkontrolle hätte das Programm allerdings kaum hereingelassen – die drei Originalkompositionen für Streichquartett haben schließlich mit dem Saisonmotto „Zauberhafte Arrangements“ herzlich wenig zu tun. Des Publikums Schaden war es nicht.

Die zarte Platzregie der Kammermusikgesellschaft verschafft dem Rezensenten die (sehr angenehme) Möglichkeit, im Laufe der Zeit beinahe jeden Sitzplatz in der Aula akustisch kennenzulernen. Empore, letzte Reihe, Mitte: für Streichquartette in diesem Saal ein beinahe perfekter Platz. Trotz der großen Distanz zum Podium sind selbst allerleiseste Passagen (mit denen das Dover Quartet gottlob nicht spart) sehr gut zu vernehmen. Das Klangideal von Milena Pajaro-van de Stadt an der Bratsche und ihren drei männlichen Kollegen (Joel Link und Bryan Lee an der Violine sowie Camden Shaw am Violoncello) ist hörbar ein sehr homogenes. Phrasierung, Artikulation, Vibrato sind ungewöhnlich stark einander angeglichen, so dass ein Hervortreten aus dem Ensembleklang einem Instrument wirklich nur „gelingt“, wenn die Komposition es vorschreibt. Sowohl bei Mozarts Quartett F-Dur KV 590 als auch bei Samuel Barbers Streichquartett op. 11 (1936) nutzen sie diese Klangvorstellung, um gleichzeitig eine sehr kontrollierte, fast sittsame Interpretation zu liefern. Diese kostet die emotionalen Extrema wohl aus – aber nie bis ins Letzte. Sie lässt freundlich-sprudelnde Notenketten sehr virtuos durch den Raum fliegen – aber nie von der Leine.

Das ist stimmig. Besonders Barbers zweiter Streichquartettsatz – später als „Adagio für Streicher“ berühmt geworden – profitiert davon ungemein. Dementsprechend lautstark dankt das Publikum bereits zur Konzerthälfte.

Zwischen 1824 und 1826 schrieb Beethoven die letzten fünf seiner insgesamt 16 Streichquartette. Jenes in B-Dur op. 130 mit seinen sechs Sätzen erklingt heute Abend mit seinem ursprünglichen Finale, der Großen Fuge. Ursprünglich, denn Beethoven komponierte auf Drängen seines Verlegers eines neues Finale. Warum? Die vorherigen Sätze fanden teils Anklang bei der Uraufführung - wie die Fuge ankam, mag ein Zitat aus der „Allgemeine Musikalische Zeitung“ verdeutlichen: „Aber den Sinn des fugirten Finale wagt Ref. nicht zu deuten: für ihn war es unverständlich, wie Chinesisch.“

Spielt ein Ensemble nun das Quartett op. 130, ist die entscheidende Frage vor dem Einstudieren: mit oder ohne? Heute beantwortet man sie, ziemlich sicher im Sinne des Komponisten, wie das Dover Quartet, d.h. mit Fuge. Wer so kundig, großartig spielend auftritt, wie die Vier an diesem Abend, wird auch das Folgende mit Bedacht und Absicht gewählt haben: die ersten fünf Sätze verbleiben – nun natürlich Beethoven wiedergebend – in jener klassisch-gesitteten Ausdruckswelt der ersten Programmhälfte. Sobald die Fuge beginnt, eröffnet sich schlagartig jedoch ein neuer Ausdrucksraum. Die Akzente hauen in die Aula; die Bandbreite der Lautstärke erhält an beiden Enden neue Bereiche etc.

Das ist erfreulich – aber leider für uns schwer nachvollziehbar, warum es diesen Bruch gibt. Das Außergewöhnliche der Fuge braucht nicht extra betont zu werden. Im Gegenteil hätten wir uns bereits das ganze Quartett mit dem Mut der Fuge gewünscht. - Was keinesfalls heißen soll, dass die Interpretation irgendwelche Mängel oder Fehler aufgewiesen hätte!

Das Verschmelzen der vielen Takt- und Tempowechsel im ersten Satz gelingt grandios. Das wehmütige zweite Thema im Cello so traumschön, dass man auf das strahlende Ende der Coda hofft. Das strahlt auch; doch mit jener Zurückhaltung, der es hier besser(?) gemangelt hätte. Die Cavatina, der fünfte Satz, funkelt in der Lesart des Quartetts vielleicht am intensivsten. Hier verleiht die Noblesse der Darbietung dem Sehnsüchtigen der Melodie noch größeren Nachdruck. Der koboldhafte zweite Satz ist in der Lautstärkedisposition vorzüglich angelegt, doch das Exaltierte, Bedrohliche in den Begleitstimmen, wenn sie die erste Geige beinahe zu Tode hetzen, fehlt. Dem Alla danza tedesca geht in den Nichtmelodiestimmen die ätherische, schwebende Wirkung ein wenig ab und so wirkt der Satz wie ein „Deutscher“ (d.i. Walzervorläufer), statt wie eine geläuterte, gereinigte Version davon.

Applaus wird es nach den Schlusstönen der Fuge zu Recht überreichlich geben. Dem „wie Chinesisch“ begegnet man im Publikum obschon: Wenn gut sieben, acht Minuten mit der Fuge ins Land gezogen sind, schaut manche doch auf den Programmzettel… das ist nicht Schönberg, oder?... Obwohl uns der Interpretationsbruch nicht stimmig erscheint, ist die Fuge ganz famos gespielt. Und wenn sich das größte Gewirr mit dem Allegro molto e con brio verzogen hat, kommt der beste Teil des Abends: Das zweite Meno mosso – in dem die Musik wie in Glas gegossen klingt. Zwei der großartigsten Minuten meiner Konzerthörervita.

Die Zugabe nimmt das Saisonmotto schließlich doch noch auf – Duke Ellingtons „In a Sentimental Mood“, für Streichquartett gesetzt.

DOVER QUARTET
Joel Link und Bryan Lee – Violine
Milena Pajaro-van de Stadt – Viola
Camden Shaw - Violoncello

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Mittwoch, 15 März 2017 19:16

Aulakonzert mit dem Dover Quartet (USA)

Das DOVER QUARTET, Banff-Preisträger von 2013, ist am Sonntag zu Gast in Göttingen: zum 5. Aulakonzert der Kammermusikgesellschaft spielt das Quartett Werke von Mozart, Barber und Beethoven.

Das Dover Quartet arbeitete am Curtis Institute mit renommierten Kammermusikern wie Shmuel Ashkenasi, Arnold Steinhardt, Joseph Silverstein und Peter Wiley zusammen und ist derzeit das Graduate String Quartet-in-Residence an der Rice University's Shepherd School of Music in Houston (Texas). 2013 wurde das Dover Quartet das allererste “quartet-in-residence” am Curtis Institute of Music.
Das Quartett ist nach dem Werk DOVER BEACH von Samuel BARBER benannt, einem der berühmtesten Schüler des Curtis Institute. - Kürzlich erhielt das Ensemble den Cleveland Quartet Award.

Das Programm am 19. März 2017 um 19.45 Uhr in der Göttinger Universitätsaula:

Mozart: Streichquartett F-Dur KV 590
Samuel Barber: Streichquartett op.11 (1936), Original zur Version des „Adagios für Streichorchester”
Beethoven: Streichquartett B-Dur op.130 mit der Großen Fuge op.133

Eintrittskarten gibt es an allen Reservix-Vorverkaufsstellen und online hier im Kulturbüro Göttingen.

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Montag, 20 Februar 2017 16:49

Trio – und Pausen

Aula am Wilhelmsplatz: van Baerle Trio mit Schumann, Arenskij, Beethoven

Drittletztes Konzert der Saison der Aulakonzerte, drei Musiker, drei Instrumente, drei Stücke - großer Beifall am Ende, Zugabe, zufriedenes Publikum. Wenn der Kritiker jetzt auch begeistert ist, endet die Besprechung hier. Allein, es kommt noch was. Und am Ende lag das an den Pausen.

„Zauberhafte Arrangements - (Un-)vertraute Original Werke“ lautet das Saisonmotto, dazu passend gruppieren sich zwei Bearbeitungen um eine Originalkomposition für die Besetzung Violine/Klavier/Violoncello. Anton S. Arenskij (1861-1906) schrieb sein Klaviertrio Nr. 1 d-Moll 1894, das Werk jedoch ist Früherem verpflichtet; Schumann, Tschajkowskij, sein Lehrer Rimskij-Korsakow schweben erkennbar durch die Partitur.

Maria Milstein (Violine) sowie Gideon den Herder (Cello) haben ihren Instrumentenklang gut aufeinander abgestimmt, obwohl ihr Stil bezüglich der rechten, der Bogenhand ganz unterschiedlich ist - das ergibt eine interessante, farbenfrohe Mischung. Hannes Minaar fügt seinen Klavierklang dieser Mischung bei, ohne dominant zu werden. (Nur ein nicht quietschender Klavierhocker wäre ihm zu wünschen gewesen.) Auf die Saalakustik wurde höchst sorgfältig Rücksicht genommen, so dass die Balance zwischen den Instrumenten gewahrt ist. Und an diversen Stellen trauen sich die Drei erfreulicherweise ans unterste Ende der Lautstärkeskala.

In Arenskijs viersätzigem Trio begeistert, neben süffigen Melodien und virtuoser Brillanz, besonders die ein oder andere formale Wendung. Wenn im ersten Satz zu Beginn der Durchführung plötzlich ein völlig neues Motiv die Herrschaft übernimmt und alles vergessen machen will, was zuvor war - ist man beim Zuhören auf weitere Überraschungen gefasst. Bereits bei der sich unerwartet in den Himmel erhebende Coda wenig später ist Grund zu erneuter Freude. Kleinere Fehler im Zusammenspiel der Streicher trüben diese nur wenig. Virtuos wird nicht nur das Finale werden, schon im Scherzo wird bogentechnisch einiges verlangt. – Dass es ebenso viele Arten gäbe eine Saite zu zupfen, erleben wir leider nicht. – Unvergessen bleibt der Mittelteil dieses zweiten Satzes: Ein schmachtender Streicherwalzer mit ganz merkwürdig gestauchter Begleitung im Klavier (großartig exakt gespielt!). Unvergesslich schön auch wie in den Schlusstakten der Elegie (3. Satz), wenn das Cello ein letztes Mal die Melodie anstimmt, sich die Geige in diesen Klang unendlich sanft einschleicht.

Pedalflügel, d.i. Flügel mit zusätzlicher Pedalklaviatur wie bei der Orgel, stehen nur noch im Museum. Um Robert Schumanns „Studien für Pedalflügel. Sechs Stücke in canonischer Form“ op.56 (1845) aufzuführen zu können, kommt heute die Bearbeitung Th. Kirchner zu Gehör. Sie gleicht dem Versuch aus einer Aquarellminiatur ein 3x4m-Ölgemälde zu machen. Farbverläufe und Übergänge wirken, so ins Große gesetzt, plakativ. Nur der Dezenz des van Baerle-Trios ist es zu verdanken, dass der perlende Sechzehntelkanon der Nr.1 wirklich wie aus einem Instrument, aus einer Stimme heraus erklingt. Den Stimmverläufen in den weiteren fünf Studien zu folgen, ist, trotz der Trennung auf verschieden Instrumente, nicht immer ganz einfach. Hier verwischt das Arrangement mehr als zu verdeutlichen.

Nun zu den Pausen. Die Ecksätze Schlusswerkes zeigen wieder einmal, dass sie das Wichtigste an der Musik sind. L. van Beethovens 2. Symphonie wurde 1806, vier Jahre nach der Komposition, von ihm oder zumindest mit seiner Zustimmung aus Gründen der Verkaufsförderung für Klaviertrio gesetzt.

Das Hauptthema des ersten Satzes beginnt nach einer Pause mit einem Auftakt, vier gebundene Sechzehntel. Es spielt an allen Schlüssel- und Übergangsstellen die entscheidende Rolle. Leider, leider halten die Musiker an vielen dieser Stellen die Spannung nicht; und setzen jenen Bruchteil einer Sekunde zu früh ein, so als könnten sie die vortrefflich aufgebaute Spannung selbst nicht mehr aushalten. Vierter Satz, ähnliches Problem: Das äußerst vorwitzige Thema fordert nach den ersten beiden Achteln, vor dem pseudodramatischen – eigentlich ausgelassen-freudigem – Melodieabsturz eine Achtelpause. Sicherlich ist es schwierig, dies in sehr zügigem Tempo und bei jeder Motivwiederkehr exakt zu musizieren, doch liegt der ganze Witz des Themas, ja des ganzen Satzes eben darin.

So munter, resolut, kraftvoll das Trio die Symphonie angeht, fehlt es bei den endlosen sforzati-Ketten an der nötigen Abstufung zu den nicht mit einem Akzent versehenen Tönen. Wie Beethoven im Scherzo lustvoll eine D-Dur-Tonleiter zerhackt, neu zusammensetzt und wieder zerhackt, hören wir – die auf kleinstem Raum geforderten Lautstärkeunterschiede jedoch nicht. Am Können der drei Musiker liegt das sicher nicht, vielmehr scheint das Abrupte, Schroffe und Garstige dieser Musik ihnen weniger zu liegen als das lyrisch Schwelgende.

Den Applaus als Maßstab nehmend stellt unsere Beurteilung der Symphonie eine Minderheitenmeinung dar. Aber worüber ließe sich auf dem Heimweg sonst auch trefflich streiten?

Für Blumen und Pralinen dankt das van Baerle Trio musikalisch: Felix Mendelsohn Bartholdy, zweiter Satz aus dem Klaviertrio Nr. 1 d-Moll.

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Im zweiten Aulakonzert der Göttinger Kammermusikgesellschaft ist am 23. Oktober 2016 das polnische Streichquartett MECCORE STRING QUARTET zu Gast.

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Montag, 26 September 2016 15:17

R.s lustige Streiche

Aula am Wilhelmsplatz: Saisonauftakt mit Berlin Counterpoint

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Ensemble "Berlin Counterpoint" im Eröffnungskonzert der Aulakonzerte der Göttinger Kammermusikgesellschaft am 25. September 2016

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Donnerstag, 21 April 2016 07:56

Rhythmisch reinigen

Kammermusikgesellschaft: Prager Bläseroktett mit Gästen zum Saisonabschluss der Aulakonzerte

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Dienstag, 16 Februar 2016 09:07

Vertretungsfreuden

Liederabend mit Carolina Ullrich und Marcelo Amaral

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Montag, 18 Januar 2016 18:05

Preisträger begeistern in der Aula

Es ist eine schöne Tradition der Göttinger Kammermusikgesellschaft, junge Preisträger zu einem eigenen Aulakonzert einzuladen. Und so waren am Sonntag Elya Levin (Flöte), Simone Drescher (Cello) und Frank Dupree (Klavier) eingeladen – alle Finalisten im Deutschen Musikwettbewerb.

Und in der Tat sind die drei große Talente – zudem hatten sie ein sehr schönes Programm vorbereitet. Gleich zu Beginn erklang die „Wanderer-Fantasie“ für Klavier solo von Franz Schubert. Schon mit dem ersten Akkord machte Frank Dupree seine Interpretation deutlich: hier erklang weniger der romantische Schubert, sondern vielmehr der dramatische Komponist. Schubert selbst sagte zu seiner Komposition, dass der Teufel sein «Zeugs» spielen solle. Das zeigt, welche Anforderungen das große Solowerk an Pianisten stellt. Diese Anforderungen meisterte der 1991 geborene Frank Dupree mit Bravour. Allerdings nahm das Werk nahezu Liszt’sche Züge an (Liszt hat für das Stück selber auch eine Fassung für Klavier und Orchester komponiert). Kraftvoll und gewaltig erklangen die Eingangsakkorde, und gewichtig ging es weiter in dem Stück. Damit fehlte leider die Romantik in weiten Teilen. Etwas weniger Pedaleinsatz und dafür etwas gefühlvollerer Anschlag hätten dieser Fantasie gut getan.

Im das Trio g-Moll für Klavier, Flöte und Cello von Carl Maria von Weber kamen Flöte und Cello hinzu. Der in Tel Aviv geborene Elya Levin überzeugte mit dem Klang seiner Flöte, Simone Drescher ließ ihr Cello herzerwärmend singen. Dennoch hatte man ein wenig den Eindruck, die jungen Musiker sind ein wenig angespannt. Zwar konnten Flöte und Cello viel Lyrik in der Musik besteuern, aber insgesamt wirkten die drei Musiker ein wenig verkrampft und gingen dieses Werk ein wenig zu ungestüm an (auch wenn sich Frank Dupree bei diesem Werk naturgemäß mehr zurückhielt). So blieben die Feinheiten dieser Musik etwas verborgen, gerade einmal die Freischütz-Zitate konnten deutlich erkannt werden.

Erst nach der Pause tauten die junge Musikerin und ihre beiden Kollegen auf. Schon bei dem „Prélude à l’après-midi d’un faune“ von Claude Debussy. Eigentlich für Orchester komponiert, wurde das Stück von Frank Dupree für diese Besetzung arrangiert. Sehr schön wurden die Passagen auf die drei Instrumente verteilt.

So richtig befreit wirkte das Trio bei dem „Assobio a jato“ von Heitor Villa-Lobos. Das tat der Musik ungemein gut. Und auch das Publikum in der Göttinger Universitätsaula konnte aus der Reserve gelockt werden. Der Applaus nahm deutlich zu. Zumal „Der Düsenjet“ (so die Übersetzung des Stückes von Villa-Lobos) großes Vergnügen machte. Elya Levin und Simone Drescher drehten hier richtig auf – wie sich das für einen Jet gehört.

Als Höhepunkt des Abends erklang das Trio für Flöte, Violoncello und Klavier von Jean Françaix. Eine moderne Komposition aus dem Jahr 1995, die aber durchaus romantische Züge innehat. Und sie bietet den Künstlern die Gelegenheit, ihre Virtuosität unter Beweis zu stellen: kühne chromatische Läufe und Modulationen, musizieren in höchsten Lagen – das bereitete Levin, Drescher und Dupree nicht nur keinerlei Probleme, sondern machte ihnen sicht- und hörbar großes Vergnügen.

Das Publikum war begeistert und entließ die jungen Musiker erst nach zwei Zugaben: „Die Aufforderung zum Tanz“ von Carl Maria von Weber sowie ein Tango von Astor Piazzolla.

Im 4. Aulakonzert am 14. Februar sind die Sopranistin Nuria Rial und ihr Partner am Klavier, Marcelo Amaral, mit einem Liederprogramm von Robert und Clara Schumann, Ravel, Toldrà i Soler und Obradors zu hören.

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